Der Eingang zum Lemminkäisen-Tempel, Bild: Wikimedia Commons, Paasikivi, Bildlizent: CC BY-SA 4.0
Verschwörungen, Enthüllungen & Unglaubliches

Die finnische Bock-Saga – eine fantastische, mythische Geschichte aus der Urzeit bis heute (+Videos)

20. April 2020

Die Saga ist schon alt, aber aus irgendeinem Grund wird sie gerade bekannt und ein Hype. Sie handelt von einer Familiendynastie aus dem Norden Finnlands, deren letzter Nachfahre, Ior Bock oder Bror Holger Svedlin, am 23. Oktober 2010 verstorben ist. Er wurde am 27. Januar 1942 geboren und diese Saga, so erzählte er, war ihm jahrzehntelang fast jeden Tag von seiner Mutter und seiner Schwester erzählt worden. Es sei die Geschichte seiner Ahnen. Aber nicht nur das, sondern auch die Geschichte der Menschheit seit Anbeginn.

Nordische Sagas und die Mythologie

Um die Bock-Saga etwas verstehen zu können, sollte man ein bisschen über die alte, nordische Erzählkunst, die Familiensagas, die Heldenlieder und die Mythologie und Götterlieder – und die Verflechtungen aller drei Erzählformen kennen. Ich habe Nordistik/Skandinavistik und Altnordisch studiert und versuche, das so kurz wie möglich verständlich zu machen. Eigentlich müsste man darüber ein Buch schreiben. Aber ich versuche, es kurz zu umreißen.

Es ist ein skandinavischer Brauch, die Geschichte seiner Ahnen bis in jede Einzelheit zu kennen. Insbesondere auf Island sind diese Sagas noch genauso lebendig, wie vor mehr als 1000 Jahren. Man kennt die gesamten Verwandtschaftsverhältnisse, jeden Namen, alle Begebenheiten, und es gibt sie alle in alter, schriftlicher Form, wenn auch nach vielen Jahren mündlicher Überlieferung erst aufgeschrieben (ab ca. 1200). Die Saga der Leute aus dem Lachstal, die Schwurbrüdersaga, die Saga vom Hühner-Thorir, die Saga vom Skalden Egill Skallagrimson (spricht sich: Egitl Skatlagrimßon) und viel andere mehr. Dies sind Familien- oder Verwandtschaftssagas, die echte Familien, echte Menschen beschreiben.

Sie sind so exakt, dass es auf Island ein Institut zur Erforschung von genetisch bedingten Krankheiten gibt, das weltweit unter Medizinern berühmt ist. Es gibt nämlich kein anderes Land auf der Welt, in dem – wie seit der Landnahme Islands durch einige Familien um 700 herum – jeder Einwohner namentlich bekannt, jede Ehe, jedes Kind daraus, das Aussehen jedes Familienmitgliedes, seine Persönlichkeit – und eben auch seine Krankheiten oder körperlichen Eigenarten beschrieben wurden. Hatte er eine Glatze? War er groß oder klein, hatte er dunkle oder helle Haare? Kam er von außerhalb? Woran starb er oder sie? Eine keltische Frau, die als Gefangene nach Island kam und dort blieb namens Hallgerðr (spricht sich: Hatlgerðr) beispielsweise, wurde als rothaarig und grünäugig beschrieben, von zornigem, streitsüchtigen Charakter und mit „Diebsaugen“, denen man misstrauen müsse. Man kann im Prinzip bis heute jeden Vorfahren der isländischen Familien in den Isländersagas finden und eben alle Verwandtschaftsverhältnisse genau nachvollziehen. Eine Fundgrube für Mediziner und Genetiker.

Die Erzählkunst, Detailtreue und Genauigkeit der nordischen Familiensagas ist sehr bemerkenswert, das ist das Wichtige an diesem Beispiel.

Es gibt dann auch noch die viel älteren Stoffe, die alten Heldenlieder, die wir teilweise auch noch kennen. Zum Beispiel das Nibelungenlied, eine spätere, deutsche, adaptierte Form des alten Sigurdliedes, in dem Siegfried Sigurðr heißt und von dem es mehrere Varianten gibt. Das ältere Sigurdlied (Sigurðarkviða in forna) enthält viele Verbindungen in die nordische Mythologie und die Götterlieder, von denen auch etwas in der deutschen Siegfriedsage erhalten blieb: Die Figur der isländischen Königin Brunhild, die über eine enorme Kampfkraft verfügte, weil sie ursprünglich eine Walküre (Valkyrja) gewesen war. Der „Drache Fafner“, der in der nordischen Überlieferung einmal der Sohn des Zwergenkönigs Hreiðmarr war, den er im Schlaf erstochen hat. Fáfnir zog sich nach dem Vatermord in die Einsamkeit der Gnitaheide (Gnitaheidr) zurück und mutierte nach und nach zum Lindwurm – bis er von Sigurðr getötet wurde.

Die nordische Mythologie und die Familiensagas sind eng verbunden und diese Verbindungen sind, wie man an der Siegfriedfigur sehen kann, nicht unkompliziert.

Die Bock Saga oder der Väinämöinen-Mythos

Die Bock Saga ist sehr alt und ist auch unter dem finnischen Namen Väinämöinen-Mythos bekannt.  Sie ist bis auf den heutigen Tag nie vollständig schriftlich niedergelegt worden, wie auch die Familiensagas Islands (Íslendingasögur) erst zwischen 1150 und 1350 niedergeschrieben wurden – und die dennoch absolut exakt waren. Die Originaltreue der mündlich über die Generationen in Jahrhunderten überlieferten Texte ist sehr erstaunlich.

Es ist nicht auszuschließen, dass die Bock Saga tatsächlich über viele Generationen genauso weitergegeben wurde, wie Ior Bock sie als letzter Nachkomme der Familie 1984 in die Öffentlichkeit gebracht hat. (Womit ich keineswegs behaupten will, dass diese Saga tatsächliche Geschehnisse berichtet. Lediglich, dass vieles dafür spricht, dass die Bock Saga oder der  Väinämöinen-Mythos sehr wahrscheinlich weitgehend detailgetreu erhalten geblieben ist.)

Den Inhalt dieser mythischen Saga hat die Seite „Terraner“ zusammengefasst.

Es gibt auch eine zweiteilige Dokumentation dazu, in der der Sprecher allerdings sehr viel eigene Fantasie mit einbringt. Nicht alles, was er erzählt ist aus der Saga, vieles reimt er sich einfach selbst zusammen. Aber es ist gut gemacht und spannend zu gucken:

 

Gibt es tatsächlich Anhaltspunkte?

Es soll tatsächlich archäologische Ausgrabungen an dem in der Saga bezeichneten Ort etwa 30 Kilometer von Helsinki entfernten Berg geben. Die Erzählung weist auch durchaus linguistische und mythologische, aber auch historische Aspekte auf, die Sinn ergeben und die durch Studien belegt werden können.

30km östlich von Helsinki, in einer kleinen Siedlung namens Akanpesä im Kreis Sibbo, befindet sich der Eingang zum Lemminkäinen Tempel. Finnland ist eine der wenigen Regionen auf der Erde, deren geophysikalische Beschaffenheit die Errichtung eines solchen Bauwerks überhaupt zulässt. Die baltische Platte um den finnischen Golf besteht aus massivem Granit; es gibt hier weder Vulkanausbrüche noch Erdbeben. Seit 1987 finden auch entsprechende Grabungen an dem von Ior Bock angegebenen Ort statt. Tatsächlich wurde dort ein großer Raum gefunden, der allerdings mit einer zementartigen Masse gefüllt ist. 

„Da wir nicht wissen, wie groß dieser Raum ist, folgen wir dem Verlauf der Decke und haben bis jetzt einen ca. 40m tiefen, 6m breiten und 3 m hohen Stollen freigegraben, der in einem Gefälle von etwa 15 Grad schräg nach unten führt. Diese Halle soll nach Ior Bocks Beschreibungen in einen Raum münden, der mit Wasser gefüllt ist (water-lock). Dort wiederum sollen sich drei Korridore befinden, wobei der mittlere zu dem oberen Dom des Tempels führt.“ 

Eine geophysikalische Untersuchen soll mit einem Interface-Radarsystem ergeben haben, dass es nur noch wenige Meter sind, die weggemeißelt werden müssen, um zu dem von Ior Bock beschriebenen Korridor zu kommen, der zum Tempel führt. In 24 Metern Tiefe hat das Radarsystem einen großen Hohlraum mit metallener Kuppel geortet heißt es.

Überdies berichtet die Saga, dass am Anfang der Zeit die Erdachse senkrecht, also aufrecht zur Sonne stand, sodass im hohen Norden die Sonne einen „goldenen Ring am Horizont“ beschrieb. Dieses Land  hieß daher „Ringland“ oder „Uuudenmaa“, und so heißt heute eine Provinz im Süden Finnlands. Der Begriff des „Sonnenringes“ innerhalb von 24 Stunden ist auch noch in Gebrauch. So steht heutzutage noch in den Beipackzetteln der Medikamente auf Island zu lesen, wie viele Tropfen oder Pillen man innerhalb eines „Sonnenringes“ (sunnuhringur), also innerhalb von 24 Stunden nehmen soll.

Die Wissenschaft geht übrigens durchaus davon aus, dass die Erde ursprünglich, wie alle anderen Planeten des Sonnensystems auch, tatsächlich ein zur Sonne stabil senkrecht rotierender Planet war, was physikalisch auch logisch ist. Über den Grund, warum sie nun vor- und zurückschaukelnd im Sonnensystem eiert und daher „Jahreszeiten“ entstehen, gibt es mehrere Theorien. Die gängigste ist, dass ein Zusammenstoß in sehr früher Zeit mit einem anderen Himmelskörper der Erde diesen Schlag versetzt habe, die Rotationsachse zum Kippen brachte und einen Teil der Erdmasse herausgeschlagen habe, der heute der Mond ist. Das sei möglicherweise auch der Grund, warum der Erdmantel unter dem Pazifik dünner ist, als anderswo. Auch das Schaukeln und das Zerbrechen des Erdmantels in Kontinentalplatten und ihr Driften könnte eine Nachwirkung dieses kosmischen Zusammenstoßes sein.

Mythische, sprachliche und religiöse Verbindungen

Die beiden Urvölker, die Aser und Vaner, die in der Bock Saga genannt werden, tragen im Prinzip die Namen der beiden altnordischen Göttergeschlechter, der Asen und Wanen. Odin zum Beispiel, ist ein Asengott, während Thor ein Wane ist. Wenngleich sich das auch ein wenig verwischt wurde und Thor später öfter als Sohn Odins bezeichnet wird – was aber ursprünglich nicht ist. Odins Sohn hieß Baldr oder Forsyth und war der Gott des Lichts, des Frühlings und Werdens (deshalb heißt der Strauch, der als erster im Vorfrühling blüht Forsythie).

Die Geschichte um Baldur ist übrigens hochinteressant im Vergleich zum Christentum und anderen Göttern. Baldur, als Gott des Lichts, Lebens und Werdens musste geschützt werden. Und so berichtet die nordische Mythologie, dass Odin/Wotan/Uuodan allem, was in der Luft fliegt, auf dem Boden läuft oder in der Erde wurzelt oder im Wasser schwimmt, schwören musste, Baldur kein Leides zu tun. Doch die Mistel, die oben im Baum wächst, wurde übersehen. Und so benutzte Loki, der listige Gott der Unterwelt, die Mistel, um Baldur damit zu erstechen. Und daher musste Baldur in die Unterwelt und Kälte. So kam der dunkle Winter in die Welt. Da ging Odin zur Göttin der Unterwelt, Hel und bat sie um die Freilassung Baldurs, denn sonst müsse die Welt sterben. Hel willigte ein, wenn alles, was lebt, Baldur betrauern und um sein Leben bitten würde. So geschah es und Baldur erstand als neues Licht in der Mittwinternacht im Moment der Wintersonnenwende.

Wenn wir uns das berühmte Bild des Renaissance-Künstlers Matthias Grünewald, „die Auferstehung Christi“ anschauen, das er um 1500 malte, dann sehen wir darin, ohne große, geistige Verrenkungen zu machen, ein Ebenbild des strahlenden Lichtgottes Baldur in der – in dunkler Nacht wieder aufgehenden – Sonne aus der finsteren Unterwelt:

Interessanterweise findet man in alten Volksliedern oft den Widerhall dieser Göttersagen, die sich nur ein wenig verkleidet haben, um der christlichen Reinigung zu entgehen. Baldurs Sterben und Wiederauferstehung durch die Totenklage und das Flehen aller Lebenden finden wir in dem Kinderlied „Auf einem Baum ein Kuckuck“:
Der Frühlingsvogel Kuckuck, dessen Ruf nur im Frühjahr zu hören ist, ist hier Baldur. Den schießt ein „böser Jäger“ tot, der natürlich Loki ist. Normale Jäger schießen keine Kuckucks vom Baum. Dann kommt die Strophe „da weinten alle Leute“, was auch normalerweise keinen Sinn ergeben würde. Und die letzte Strophe besagt „und als ein Jahr vergangen war, da war der liebe Kuckuck wieder da“, also das Wiederauferstehen des Lebens, des Lichtes, der Sonne. Dazwischen kommt auffallend oft und immer wieder ein merkwürdiger Refrain, der lautet „simsalabimbambasaladusaladim“. Schwachsinn? Nein, eine „Verballhornung“ der ritualisierten Totenklage und Formeln, die den jungen Baldur in der Unterwelt wieder zum Leben erwecken sollen.

Dieselbe Symbolik finden wir bei der Kreuzigung Jesu, bei der ein römischer (böser) Soldat ihm den Speer in die Seite sticht und der Auferstehung Jesu, wie auch der Geburt Jesu nur ein paar Tage nach Wintersonnwend: Statt den 21. Dezember feiern wir am 24. Dezember die Geburt Jesu, des Lichtes der Welt, weil die Kirche natürlich nicht die Wintersonnwende feiern will. Dazu muss man erwähnen, dass in alter Zeit in der Mittwinternacht alle Herdfeuer gelöscht wurden und ein neues Feuer frisch aus dem Stein geschlagen wurde, was in alle Häuser und Herde getragen wurde. Dieser Funke auf dem Stroh, der das neue Feuer, das neue Licht entzündete, wird durch das Jesuskind, wie es auf dem Stroh liegt mit den goldenen Strahlenbündeln um sein Köpfchen, symbolisiert.

Alle alten Lichtgötter, wie auch „Sol invictus“ (die unbesiegte Sonne) durchlaufen diese Zyklen entsprechend dem Verschwinden und Wiedererscheinen der Sonne in den Sonnwendzyklen und den Jahreszeiten.

All das erklärt auch, warum die Bock-Saga heute, im ach-so-aufgeklärten, digitalen Zeitalter so eine Aufmerksamkeit erfährt. Es sind die archaischen und uralten (Unter-)Bewusstseinsströme, die eine Saite in uns zum Schwingen bringen, die an die Geheimnisse des Universums, der Erde, des Lebens und der mystisch-spirituellen Geschichte der Menschheit direkt angeschlossen ist. All diese uralten Dinge sind in unserem Gesamtbewusstsein tief verankert und das fühlen und wissen wir.

Eine schöne Saga, gerade jetzt im Frühling …und wo wir alle in der dunklen, engen Corona-Hölle sitzen und auf das Licht und die Freiheit warten, nicht wahr?