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Black Lives matter? Ein schwarzer Sklave in Libyen kostet 200$… und niemanden regt es auf (+Videos)

6. Juli 2020

Der Korrespondent von RussiaToday Deutsch, Murad Gazdiev, ein für den Emmy nominierter, couragierter Journalist, der meistens aus Konfliktregionen berichtet, twittert anlässlich der Rassenproteste und der neuen Antifa- und Antirassismus-Welle ein Bild aus den Lagern in Libyen. Angelockt von Menschenschleppern, die mit den Seawatch-Schiffen und Leuten, wie Carola Rackete gemeinsame Sache machen, stranden hier viele, die von einem leuchtenden Leben in Europa träumten, in elenden Lagern. Sie werden nicht selten als Sklaven verkauft.

Das interessiert aber niemanden. Man sonnt sich im Westen gern in dem guten Gewissen, gegen Rassismus zu sein. Insbesondere große Firmen geben sich gerne einen antirassistischen Anstrich. In der Schweiz nimmt Migros heroisch die „Mohrenköpfe“ von Dubler aus dem Sortiment.

Ja, sicher, Oberst Gaddafi war alles andere als ein Chorknabe.

Aber unter der Herrschaft von Oberst Gaddafi wurde der Sklavenhandel mit dem Tode bestraft – bis die libysche Regierung von einer Koalition unter Führung von Hillary Clinton/Obama zerschlagen wurde. Heute kostet ein schwarzer Sklave in Libyen nur 200 $. Und heute twittern sie #BLM … !!!

In diesem Video ist der Ort zu sehen, wo das Foto aufgenommen wurde:

Das, was in Libyen passiert ist eine Tragödie. Insbesondere, wenn man weiß, was für ein blühendes, reiches Land es vorher war. Da, wo Chaos ist, und jeder zusehen muss, wie er überlebt wird er, wenn sich eine Gelegenheit bietet, auch skrupellos zugreifen. Da werden keine Menschenrechte mehr respektiert und die Massen an hoffnungsvollen Migranten werden zur Beute für den Sklaven-, Kinder- und Frauenhandel.

Die Menschenhändler sammeln quer durch Afrika die ein, die sich ein gutes Leben in Europa erhoffen. Sie vertrauen den schönen Nachrichten und ihrer Familie, ihr Dorf bringt das Geld für die Schlepperbanden auf. Egal was sie schon bezahlt haben, an der Küste Libyens angekommen, müssen sie für die Überfahrt oft noch einmal eine erkleckliche Summe bezahlen. Wer es nicht kann, muss eine Arbeit finden und das Geld abzahlen. Wer das auch nicht kann, wird als Sklave verkauft. Die Familie daheim ahnt nichts und glaubt, es geht ihrem Verwandten längst wunderbar in Europa. Aber auch die, die in die seeuntüchtigen Schlauchboote gepfercht werden, die nur gerade soviel Sprit getankt haben, dass es bis zu den wartenden Seerettungsbooten reicht, kommen oft nicht in Europa an. Sehr viele ertrinken, weil das Seerettungsteam sie nicht findet oder das Wetter nicht mitspielt. Die Rettungsschiffe verabreden sich mit den Menschenschleppern, aber es funktioniert eben nicht immer. Ein übles Geschäft.

Libyen ist seit dem Sturz und der bestialischen Hinrichtung Gaddafis ins Chaos versunken. Natürlich wurde das im Westen bejubelt und, wie immer, als wunderbare Befreiung von einem despotischen Herrscher gefeiert. Nach und nach zeigte sich aber überdeutlich, dass die heroische Befreiung durch den Westen der Weg Libyens in die Hölle war. Die Berichtdichte ließ merklich nach. Nur hin und wieder gibt es Berichte der Mainstreammedien dazu, die die furchtbaren Verhältnisse meist im Sinne des Westens interpretieren. Demzufolge sind es die zerstrittenen Stämme, die es dem immer noch selbstlos handelnden Westen starrsinnig und egoistisch schwer machen, Libyen auf den leuchtenden Pfad der Freiheit, Tugend, Einheit und des Reichtums zu führen. Fast schon zynisch die Erklärung, die BILD anbietet:
Die Aufgabe, das Land nach vier Jahrzehnten Gaddafi-Herrschaft und sechs Monaten blutiger Revolution zusammenzuführen, ist erst recht schwierig, weil Libyen keine Erfahrung mit Wahlen und demokratischen Institutionen hat.“

Es gibt in Libyen zwei Regierungen. Die eine, im Westen Libyens mit Regierungssitz in Tripolis, ist die vom Westen anerkannte „Nationale Einheitsregierung“, von ihren Gegnern als „US-Marionettenregime“ beschimpft. Das größere Gebiet im Osten Libyens steht unter der Ägide General Khalifa Haftars und der „Libyschen Nationalen Armee“. Diese Militärregierung wird von den Kritikern gern als zu russlandfreundlich eingestuft.

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General Haftar wird von den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten, dem Oman, Tunesien und Russland unterstützt, indem sie General Haftars Kandidaten im Präsidentschaftswahlkampf dieses Jahr finanzieren. Der General selbst steht als Kandidat nicht zur Verfügung. Er kümmert sich lieber darum, die islamistischen Milizen aus seinem Territorium zu vertreiben. Zur Zeit tobt der Kampf um die Stadt Derna. Im September 2017 war es dem alten Haudegen gelungen, Benghasi vom IS zu befreien. Die Menschen waren glücklich, die Neue Züricher Zeitung beschreibt in bewegenden Bildern, wie Benghasi von einem Tag auf den anderen auferstand und wieder zu leuchten anfing. Hier ist General Haftar der Volksheld Nummer 1.

Der hohe Staatsrat Libyens erkennt General Haftar jedoch nicht an und so wird es schwierig werden, egal, welchen Kandidaten eine Präsidentschaftswahl zum Staatsoberhaupt für ganz Libyen bestimmen wird, er wird vor einer unlösbaren Aufgabe stehen. Haftar ist die wichtigste Figur im Land, doch die westlichen Interessen verhindern eine Anerkennung des „Kreml-Freundes“.

Andererseits hat Haftar dafür gesorgt, dass es wieder möglich ist, Öl zu exportieren und hat die Häfen wieder gangbar gemacht. Die guten Beziehungen des Generals zum Kreml brachten einen Explorations- und Fördervertrag zwischen der libyschen Erdölgesellschaft und dem russischen Erdölkonzern Rosneft zuwege. Das bringt Geld ins Land, das dringend gebraucht wird, und so arrangiert man sich in der US-freundlichen, westorientierten Einheitsregierung ganz pragmatisch mit dem neuen, starken Mann. Zumal man damit rechnen muss, dass seine Truppen womöglich sehr schnell mit russischen Waffen ausgestattet sein werden, wenn das erforderlich ist.

Unter der Überschrift „Die großen Stämme und ihre Lageeinschätzung“ schilderte damals ein Bericht der Plattform „der Freitag“ kurz und prägnant die Verhältnisse in Libyen. Obwohl man – auch bei sorgfältiger Recherche der Quellen über Libyen – sich schwer ein Bild über die Verhältnisse im Land machen kann, macht der von Angelika Gutsche übersetzte Bericht doch den Eindruck, dass man es hier mit einer Beschreibung einer Journalistin vor Ort (Joane M.) zu tun hat, die anscheinend die Fakten überzeugend wiedergibt. Auf jeden Fall ist diese Lagebeschreibung enorm wichtig und sollte als Lackmustest bei zukünftigen Berichten in den Mainstreammedien im Hinterkopf behalten werden. Denn wir haben eins gelernt: Je verworrener und unüberschaubarer uns die Medien eine Sachlage präsentieren, desto mehr Blendgranaten sind gezündet worden, gerade um uns zu verwirren.

Diesem Bericht zufolge sind nicht die verschiedenen Stämme Libyens die immerwährende Streitquelle und das Hindernis für Ruhe und Frieden im Land. Es handelt sich ja hier um eine gemeinsame Erklärung dieser Stämme, und die hat es in sich.
Das Problem sehen die Stämme eher in den zusammengewürfelten, bewaffneten Horden, den „radikalen Terroristensöldnern“, die – so steht es da! – 2011 von der CIA und anderen verdeckten Gruppen nach Libyen hineingebracht wurden. Die sogenannten Milizen bestünden aus radikalen Islamisten und psychopathischen Kriminellen: Muslimbruderschaft, Libysche Islamische Kampfgruppe (LFIG), Ansar al-Scharia, al Kaida, ISIS, Salafistengruppen und andere Söldnerbanden. Sie alle zerstören und plündern das Land.

Die UN-Marionettenregierung in Tripolis (Nationale Einheitsregierung) arbeite mit diesen „Milizen“ zusammen, was recht glaubwürdig erscheint, da wir dieses Muster schon öfter beobachtet haben.

Es werden konkrete Namen genannt von Männern, die diese „Milizen“ anführen. Tatsächlich sind die Namen der dort genannten Herren keine Ansammlung von tugendhaften Staatsmännern: Ibrahim Dschadran, Ismail al-Salabi und andere. Es gebe etwa 50.000 dieser „Verbrecher“ und diese Herrschaften haben laut der Stämme Libyens nur ein großes Ziel, nämlich: „Es interessieren sie nur ihre Gewinne und wie sie sich libysche Ressourcen unter den Nagel reißen können … Sie kümmern sich nicht um die unschuldigen Libyer, die weiterhin täglich unter Mangel an Nahrung, Elektrizität, Wasser, Treibstoff etc. leiden.“

Es werden auch die Sponsoren dieser „Diebe und Mörder“ genannt: „Diese Milizen in Libyen werden mit Waffen, Söldnern und Geld von der Türkei, Katar und im Geheimen vom Westen (UN, USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Saudi-Arabien, Israel) versorgt.“

Die Libysche Nationalarmee – gemeint sind hier die Truppen Generals Haftar – kämpfe gegen diese Truppen, doch wegen des UNO-Embargos fehlen ihnen die Waffen, um diese Milizen vollkommen aus Libyen zu vertreiben. Dieser Satz ist sicherlich als Aufforderung an Moskau gedacht. Libyens große Stämme unterstützen die Nationalarmee.

Eine auffällige Parallele zu Syrien gibt es: Die Bombardements, die angeblich gegen die Islamisten zielen sollen, jedoch regelmäßig entweder die regulären Truppen treffen, damit diese die Islamisten nicht schlagen und vertreiben, oder Zivilisten, um wieder Bilder für die westlichen Nachrichten zu kreieren, und andere damit zu beschuldigen: Unter Punkt 8 Stellen die Stämme klar, dass das Africom (US-amerikanisches Afrika-Einsatzkommando) am selben Tage der Aussendung des Lageberichtes in der Nähe von Bani Walid Bombardements geflogen habe. Angeblich habe der Angriff dem IS gegolten und keine Zivilisten verletzt, in Wahrheit aber seien drei Zivilisten getötet worden.

Das Volk Libyens, so der Bericht, wolle endlich eine landesweite Wahl, einen wirklichen Führer und echte Sicherheit.

Den Schluss dieser Botschaft möchte ich hier als Zitat wiedergeben:

Heute, wie in den vergangenen sieben Jahren, geht die Zerstörung unseres geliebten Libyen durch die uns aufgezwungene Milizen-Mafia weiter, unter deren Knute wir stehen. Diese Zerstörung wurde 2011 durch eine Lüge eingeleitet. Alle Menschen in Libyen kennen und verstehen das schmutzige Spiel, das von den westlichen […] kontrollierten Ländern gegen sie und ihr souveränes Land gespielt wurde. Alle Bürger Libyens sind Mitglieder von Stämmen. Wir als die Führer dieser Stämme sprechen für das libysche Volk. Wir bitten die Welt, nach Libyen zu schauen und die Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit wahrzunehmen, die bis heute andauern. Gegen diese kriminellen Handlungen muss vorgegangen werden, sie müssen gestoppt werden. Wir, die Großen Stämme Libyens, sind bereit, uns mit Menschen und Ländern guten Herzens und Mitmenschlichkeit zusammenzutun, die bereit sind, uns bei der Wiedererlangung unserer Souveränität und Sicherheit beizustehen.“

Libyen war ein stabiles Land. Es wurde durch interessierte Mächte ins Chaos gestürzt. Wir sehen, dass solche Verhältnisse die Menschen leiden lassen und die niedrigsten Selbsterhaltungsinstinkte freisetzen. Da gilt ein Menschenleben gar nichts. „Hominus hominem lupus“ – der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, sagten die Römer. Wir sehen gerade, wie es in den USA geschieht und die ersten Ausläufer in Europa. Wenn die Menschen wütend und hungrig sind, wird es auch hier vorbei sein mit Strafen für Hatespeech und Überempfindlichkeiten diverser Opfergruppen. Black lives matter? Ja!
Aber nicht da, wo der Westen nicht hinschauen will?