Wirtschaft & Finanzen

Ungedecktes Geld: Von Krise zu Krise

9. August 2020

(Auszug aus dem im Mai erschienenen Buch „Geld: Eine kleine Ideengeschichte“ (Edition Forum Freie Gesellschaft). Zur besseren Lesbarkeit wurde auf die Veröffentlichung der Fußnoten verzichtet.)

In der Geldgeschichte hat es eine Vielzahl von Bankenkrisen („Runs“) gegeben, die Huerta de Soto in seinem Buch ‚Geld, Bankkredit und Konjunkturzyklen‘ aufgelistet und untersucht hat.

(von Hubert Milz)

Huerta de Soto verortet das Grundübel aller Bankenkrisen in der vorsätzlichen Missachtung der Verfügungsrechte der Banksichteinlagen, also beim Umgang mit dem monetären Depositum irregulare. Bei einem Depositum irregulare übernimmt ein Lagerist die Aufbewahrung von Gütern. In einem Weizensilo bspw. lagern etliche Bauern ihre Weizenernte und der Depotbetreiber übernimmt die Verpflichtung der Bewachung und des Schutzes des deponierten Weizens. Der Bauer A, der z. B. 100 t Weizen im Silo lagert, hat jederzeitiges Verfügungsrecht über 100 t Weizen mit derselben Qualität, welche dem ursprünglich ins Silo angeliefertem und eingelagertem Weizen entspricht. Das Tantundem, also das Äquivalent der eingelagerten Ware, muss für den Deponenten jederzeit verfügbar sein.

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Eine Sichteinlage Geldes bei einer Bank ist nichts anderes als ein solches Depositum irregulare. Auch hier übernimmt die Bank – als Lagerist – die Aufgabe, das Geld aufzubewahren und zu schützen: Hierfür erhält die Bank Gebühren.

Huerta de Soto zeigt die geschichtliche Entwicklung der Veruntreuung der Sichteinlagen durch die Banken; das Tantundem wurde nicht mehr zu 100% vorgehalten, sondern die Banken benutzten das Geld auf den Depositenkonten für eigene Zwecke. Zu Anfang geschah dies ohne ein besonderes Privileg durch die Herrschenden; die Bankiers waren einfach unehrlich und wurden in alten Zeiten hierfür auch mit dem Tode bestraft. Jedoch, weil Regierende oftmals in Geldnöten sind und von den Bankiers billige Kredite wünschten, wurde den Banken das Privileg zugestanden die Depositengelder nicht zu 100% vorzuhalten. Vielmehr brauchten die Banken nur noch einen ‚vernünftigen‘ Teil – da nicht alle Deponenten zur selben Zeit über die deponierten Gelder verfügen werden – als wahrscheinlich notwendige Barreserve zu halten. Im Laufe der Jahrhunderte wurde dieses Privileg der Teilreserve, die mehrfache Verfügungsgewalt über ein und dasselbe Gut – nämlich das eingelagerte Geld (Gold und Silber), gesetzlich verankert. Huerta de Soto thematisiert die frühen Verwerfungen, die durch solche Praktiken in der Antike entstanden sind, und schlägt über das Mittelalter den Bogen in die Neuzeit.

Dabei zeigte Huerta de Soto mit allen Beispielen, dass der damalige Wirtschaftsverlauf genau der „österreichischen Konjunkturtheorie“ entspricht: Geldschöpfung ex nihilo durch Erhöhung der Kredite, ohne dass diesen reale Ersparnisse gegenüberstehen, mit dadurch künstlich stimulierten Boomphasen und schließlich scharfe Rezessionen mit Banken- und Firmenpleiten.

Die Panik von 1819

In den USA versorgte vornehmlich die neu geschaffene Bank of United States die Wirtschaftssubjekte mit ungedeckten Banknoten und Krediten, die nicht durch Ersparnisse gedeckt waren. Andere Banken wirkten mit.

Die Folge war eine künstlich erzeugte Wirtschaftsausweitung, die erst endete, als jene Banknoten zur Einlösung vorgelegt wurden und die Kreditausweitung endete. Es folgte eine „Kreditverknappung“ und eine ausgedehnte Depression. Investitionen wurde nicht zu Ende geführt und große Arbeitslosigkeit herrschte.

Die Krise von 1825

Diese weitgehend englische Krise wurde auch ausgelöst durch eine enorme Kreditausweitung für Investitionen in Eisenbahnen und in der Textilindustrie. Die Krise von 1825 erzeugte eine Depression, die erst 1832 endete.

Die Krise von 1847

Ab 1840 kam es in Großbritannien erneut zu Kreditausweitungen, die auch Frankreich und die USA einschlossen. Insbesondere gingen die Kredite an Eisenbahngesellschaften. Die Aktien dieser Gesellschaften waren gefragt und es entstand eine spekulative Blase, deren Platzen 1846 in eine größere Wirtschaftskrise für Großbritannien mündete.

Trotz Peel’scher Bankakte von 1844 kam es zur Krise, und zwar, weil nur die Emissionen von Banknoten durch Gold gedeckt sein mussten, die Bankdepositen und Darlehen bei den Geschäftsbanken indes nicht. Die Krise führte zu erhöhter Arbeitslosigkeit und die Aktienkurse fielen, besonders die Eisenbahnaktien fielen ins Bodenlose.

Die Panik von 1857

Zwischen 1852 und 1857 finanzierte eine beträchtliche Kreditausweitung einen Aufschwung. Gewinne, Nominallöhne, Preise und Aktienkurse stiegen an, eine allgemeine Spekulation fand statt. Als Gewinnrückgänge in den konsumfernen Stufen und ansteigende Kosten sichtbar wurden, brach die Krise aus. Viele Banken stellten am Paniktag, dem 22. August 1857, in New York ihre Geschäftstätigkeit ein.

Die Krise von 1866

Die Kreditausdehnung begann 1861 durch englische, französische und spanische Banken. Die Ausdehnung trieb die Preise für Zwischengüter der Schlüsselindustrien geschwind nach oben. Es folgten spektakuläre Bankzusammenbrüche und eine Panik brach aus. Wie schon 1847 und 1857 wurde in Großbritannien die Peel’sche Bankakte außer Kraft gesetzt, um die Wirtschaft mit ungedeckten Banknoten liquide zu halten. Frankreichs größte Investmentbank brach zusammen, eine Depression setze ein – Arbeitslosigkeit breitete sich aus.

Die Krise von 1873

Die Kreditexpansion der USA im Zuge des Sezessionskriegs dehnte sich auf Europa aus. Enorme Börsenspekulationen trieben die Wertpapierkurse. Zunächst kam es im Mai 1873 in Europa zur Krise und im Folgejahr auch in den USA. Große amerikanische Banken brachen zusammen und eine schwere Depression folgte. Nur Frankreich blieb verschont, weil sich Frankreich der Kreditausweitung enthalten hatte.

Die Krise von 1882

Ab 1878 wurden in USA und Frankreich die Kredite kräftig ausgeweitet. In Frankreich kam es zu vielen Aktienemissionen, einem Arbeitsbeschaffungsprogramm und massiver Darlehensgewährung an die Industrie. Die Bank Union Generale brach 1882 zusammen und die Krise brach aus. Die Bank Crédit Lyonnais stand am Rande des Ruins. Über 400 Banken brachen in USA zusammen. Arbeitslosigkeit verbreitete sich über die kapitalintensiven Industriezweige.

Die Krise von 1890 bis 1892

Die ungedeckte Kreditexpansion erfolgte weltweit, Schwerpunkt war Südamerika. 1890 brach die Krise aus mit Unternehmens- und Börsenzusammenbrüchen. Arbeitslosigkeit und die sonstigen Nebenerscheinungen, die einer Krise folgen, traten auf.

Die Krise von 1907

Ab 1896 wurde erneut die Kreditausweitung (ex nihilo) angekurbelt. Die Krise brach 1907 aus und war für die USA sehr ernst, da dort sehr viele Banken zusammenbrachen.

Die Krise von 1913

Der kreditfinanzierte Aufschwung nach 1907 verursachte 1913 die Krise. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde diese Krise unterbrochen.

Nach 1913, also nach Gründung der FED, erhielten die Krisen eine neue Qualität. Für Selgin wirken – mit Blick auf 100 Jahre FED-System und FED-Politik – Zentralbanken grundsätzlich destabilisierend, sie verlängerten, verschärften und erzeugten viele Krisen und Rezessionen.

Die Krise von 1920

Durch die Inflationierung der US-Geldmenge unter Präsident Wilson im Ersten Weltkrieg kam es 1920 zu einer Krise. Der neue Präsident Warren G. Harding vertraute auf die Marktwirtschaft und untersagte Interventionen der FED. Ergo bereinigten die Marktkräfte innerhalb weniger Monate die monetären Verwerfungen und die Rezession war schnell vorbei.

Die Krise von 1929 und die große Depression

Die sogenannten „Goldenen Zwanziger Jahre“ waren gekennzeichnet durch viele technische Neuerungen, verbunden mit großen Produktivitätsfortschritten. Bei einem natürlichen Angebot des Geldes hätten in jenen Jahren die Preise für Dienstleistungen und Konsumgüter scharf fallen müssen, verbunden mit starken Reallohnzuwächsen.

Das war jedoch nicht der Fall, weil die FED und andere Zentralbanken die Geldmenge stark inflationierten. Offiziell dienten die FED-Programme der Geldwertstabilisierung. Star-Ökonomen wie Irving Fisher unterstützten wohlwollend diese Art der Politik. Eigentlich organisierte die FED nur eine ungeheure, durch nichts gedeckte Kreditausweitung.

Durch die inflationierte Geldmenge fielen die Preise nicht und ebenso stiegen die Reallöhne dadurch nicht. Stattdessen nahm eine phantastische Börsenspekulation ihren Lauf; bspw. stiegen die Eisenbahnaktien zwischen 1922 und September 1929 von 189 Indexpunkten auf 446, die Kurse der Energielieferanten kletterten von 82 Punkten auf 375 Punkte und der Kurs von „Radio Corporation of America“, obwohl diese Firma keine Dividende zahlte, stieg von 84 auf 410 Punkte. Im Oktober 1929 platzte eine gigantische Blase; die Marktkräfte drängten auf eine Bereinigung der Verzerrungen.

Anstatt nun den Marktkräften – wie 1920 – freien Raum zur Bereinigung der Verwerfungen zu lassen, unterbanden und verhinderten zunächst Präsident Hoover und danach Präsident Roosevelt mit aller Gewalt, welcher einer Staatsmacht zur Verfügung steht, dass die Preise sanken, und taten alles, damit die Preise auf hohem Niveau verharrten:

  • Unter Präsident Hoover wurden die Einfuhrzölle massiv erhöht und damit die internationale Arbeitsteilung untergraben, weil die betroffenen Exportländer ebenfalls protektionistisch reagierten.
  • Unter Präsident Roosevelt wurden die Maßnahmen gegen die Erholung der Wirtschaft verfeinert:
     etliche Steuern wurden erhöht,
     gesetzliche Mindest- und Höchstpreise wurden erlassen, ferner
     staatliche Kartellbildungen angetrieben,
     viele Arbeitsbeschaffungsprogramme umgesetzt und
     die staatlicherseits angeordnete Vernichtung von Lebensmitteln (Vernichtung von Ernten und Viehbeständen) wurde durchgeführt, schließlich
     wurde privater Goldbesitz verboten.Alle diese Maßnahmen sorgten dafür, dass die Krise zur großen Depression wurde.

Die Politik des New Deal von Präsident Roosevelt musste jede Volkswirtschaft in die Knie zwingen; so gingen in der Phase zwischen 1929 bis 1933 alleine 5.096 Banken zugrunde.

Bis heute hält sich, insbesondere durch die oben genannte empirische Arbeit Milton Friedmans und Anna Jacobson Schwartz, die populäre Sichtweise, dass die restriktive Geldpolitik der FED die Krise ausgelöst und dadurch die große Depression verursacht habe.

Robert P. Murphy widerlegte dies, indem er zeigte, dass die FED gleich nach dem Börsenkrach die Märkte mit Liquidität flutete und eine Niedrigst-Zins-Politik sondergleichen fuhr. Mit den Mitteln der expansiven Geldpolitik, mit denen die FED die Krise erzeugt hatte, wollte die FED nunmehr die Krise bekämpfen – salopp gesprochen: Die FED wollte Feuer mit Benzin löschen.

Die Abwertung des Dollars von 20 US-Dollar je Feinunze Gold auf 35 US-Dollar je Feinunze Gold ist – so Robert P. Murphy – eine grandiose Bankrotterklärung der inflationistischen Politik der FED und der Roosevelt-Regierung gewesen.

Rezessionen nach Ende des 2. Weltkriegs

Die Zyklen nach dem Zweiten Weltkrieg sind durch die bewusste inflationäre Politik verursacht worden, die die Zentralbanken betrieben.

Keynesianische Ökonomen dominierten die Politik. So kam es, dass die expansive Geld- und Fiskalpolitik in den 1970er Jahren in eine schwere Rezession mündete – Stagflation genannt.

Dieses Ergebnis der expansiven Geld- und Fiskalpolitik war von den Ökonomen der „Wiener Schule der Volkswirtschaftslehre“ längst erwartet worden. Ihre zeitliche Fehleinschätzung bzw. das verzögerte Eintreten beruhte darauf, dass die Zentralbanken den inflationären Prozess unter einem „Papiergeldstandard“ zeitlich weitaus ausgedehnter betreiben können als bei einem Goldstandard.

Die Fortsetzung ab den 1980er Jahren:

Die US-Sparkassenkrise (Savings and Loan Crisis) von 1981 – unter Präsident Jimmy Carter wurde die Haftung der amerikanischen Einlagensicherung (Federal Deposit Insurance Corporation, FDIC) von 70 % des Guthabens auf 100 % angehoben. Von den ca. 3.800 Sparkassen wiesen 1981 ca. 85 % Verluste aus.

Die Begrenzung der Verluste durch den FDIC, die Niedrigzinspolitik der FED und steigende Immobilienpreise bereiteten den Boden für Moral Hazard: Die Sparkassen betrieben sehr riskante Finanzierungsgeschäfte, wobei große Teile dieser Finanzierungen als Kreditverbriefungen verkauft wurden.

Als dann die Immobilienpreise einbrachen und die FED die Zinsen anhob, kollabierte das Geschäftsmodell (Risiken der Fristentransformation) der Sparkassen. Der Staat sprang als Retter ein. Diese Rettung kostete den US-Steuerzahlern etliche Milliarden US-Dollar.

Der Schwarze Montag am 19. Oktober 1987 war eine Reaktion auf die Börsenhausse ab 1982. Bereits die leichte Anhebung des Leitzins durch die FED sorgte für Nervosität und die Kurse brachen ein. Daraus wurde der erste Börsenkrach des automatisch-elektronischen Handels: Die automatischen Verkaufsaufträge der computergesteuerten Verkaufsprogramme sorgten für einen sich verstärkenden Börsenabschwung.

Die Japankrise, die im Jahr 1990 ausbrach, stürzte Japan in eine ökonomische Stagnation, die bis heute nicht überwunden wurde. Die Basis der Krise schuf Japans Zentralbank. Von 1982 bis 1987 senkte sie die Leitzinsen – bspw. den Diskontsatz von 5,5% auf 2,5% – und hielt die Leitzinsen bis 1989 auf diesem niedrigen Niveau. Kredite waren billig und flossen in den Aktien- und Immobilienmarkt, so dass sich dort Blasen bildeten.

Der japanische Aktienindex Nikkei stand 1982 bei rund 7.100, erreichte 1989 auf dem Höhepunkt des Booms 38.916, so dass die Aktien von NTT – Japans Telefongesellschaft – einen Kurswert aufwiesen, der höher war als alle an deutschen Börsen gehandelten deutschen Inlandsaktien zusammen.

Parallel waren die Immobilienpreise in phantastische Höhen geschossen. Der Preisindex der Immobilien stieg von 5.800 im Jahr 1980 auf 20.600 im Jahr 1989. Infolgedessen überstieg der Grundstückswert des kaiserlichen Palastes in Tokio den Wert des Grund und Bodens von Kalifornien, und der gesamte Grund und Boden Japans war viermal höher bewertet als der gesamte Grund und Boden der USA.

Japans Zentralbank änderte 1989 die Zinspolitik, innerhalb von fünfzehn Monaten wurde der oben genannte Leitzins von 2,5% auf 6% angehoben – Folge: Die Blase platzte, der Nikkei-Index brach innerhalb eines Jahres um über 40% ein. Erst im Jahr 2009 lag der Index wieder wie 1982 bei ca. 7.100. Durch aktive, keynesianisch inspirierte Konjunkturpolitik (schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme, Niedrigzinspolitik – auch mit realen Minuszinsen) versucht Japans Politik nunmehr seit gut dreißig Jahren, die Misere zu überwinden – erfolglos.

Die Tequila-Krise (1994/1995) ist der populäre Ausdruck für die Peso-Krise, die Mexiko 1994/1995 heimsuchte. Die mexikanische Regierung hatte den Peso an den US-Dollar gebunden und musste laufend intervenieren, um diese Bindung durchzuhalten.

Die Geldpolitik war expansiv (mit ca. 20% p. a.). Das Handelsbilanzdefizit war in 1994 relativ hoch. Die Versuche, Angebot und Nachfrage des Peso zu regulieren, misslangen, der Peso wurde um 13% abgewertet, die Dollar-Bindung aufgegeben und der Peso büßte rund 50% seines Werts ein.

Mit Asienkrise wird die Finanz-, Währungs- und Wirtschaftskrise Ostasiens der Jahre 1997 und 1998 bezeichnet. Sie begann im März 1997 in Thailand. Thailand hatte den Baht an den US-Dollar gekoppelt. Der Baht verlor an Wert und viele Marktteilnehmer tauschten Baht gegen US-Dollar.

Als die thailändische Zentralbank vergeblich mit über 20 Milliarden US-Dollar gegen den Markt interveniert hatte, gab die thailändische Regierung den Kampf gegen die Realität auf.

Die Krise griff dann auf mehrere asiatische Staaten über, insbesondere auf viele der so genannten Tiger- und Pantherstaaten.

Als Brasilienkrise wird die brasilianische Finanzkrise von 1998/99 bezeichnet. Die Ursachen sind originär in der Geld- und Finanzpolitik der brasilianischen Politik verankert. Der Real (im Plural Réis) war von 1690 bis 1942 die brasilianische Währung und wurde durch den Cruzeiro (Umtausch 1.000 : 1) abgelöst.

Bis 1994 erlebte Brasilien durch die Inflationspolitik der Regierungen sechs Währungsreformen. In jener Zeit hatte Brasilien – nach offiziellen Angaben – monatliche Inflationsraten von 80%.

1994 wurde als neue Währung wieder ein Real eingeführt, dessen Inflationsrate um die 2% im Jahresdurchschnitt lag. Der Real wurde fest an den US-Dollar gekoppelt. Wegen der defizitären brasilianischen Haushaltspolitik wertete dies den Real stetig auf. Folglich wurde gegen den Real spekuliert. Als dann der Bundesstaat Minas Gerais ankündigte, den Schuldendienst einzustellen, setzte die Flucht aus dem Real ein und die Zentralbank tätigte massive Ankäufe des Reals, um den künstlich hohen Kurs zu halten. Die Marktkräfte waren stärker und die Zentralbank gab im Januar 1999 die Verteidigung des überhöhten Realkurses auf. Danach brach der Kurs des Reals um gut 50% ein und Brasilien stürzte in eine Finanz- und Wirtschaftskrise.

Scheinbar schwappte Brasiliens Krise auf Argentinien über und löste dort angeblich die Argentinienkrise (1998/99 bis 2002/2005) aus. Doch auch in Argentinien waren die Ursachen der Krise durch die Wirtschaftspolitik hausgemacht. 1985 wurde die neue Währung Austral eingeführt, welche fest an den US-Dollar gekoppelt wurde, ebenso der Peso, welcher 1991 den Austral ablöste.

Da die Haushaltspolitik der Regierung keineswegs konsolidierend war und die Schulden stetig weiter stiegen, geriet Argentiniens Währung – genau wie zuvor die Währungen in Mexiko und Brasilien – unter Abwertungsdruck. Durch das Festhalten am Wechselkurs litt die Wettbewerbsfähigkeit der argentinischen Wirtschaft. Argentinien rutschte in eine Rezession und erhielt vom IWF Milliardenkredite.

Gerüchte, dass der IWF seine Kredite gekündigt hätte, führten 2001 zu einer Banken- und Vertrauenskrise. Zunächst wurde die Währung um 29% abgewertet und schließlich zur Gänze freigegeben. Die Märkte werteten den Peso um 74% ab. Ab 2003 erholte sich der Peso wieder, nunmehr intervenierte die argentinische Zentralbank gegen die Aufwertung des Pesos.

Als die Dotcom-Blase (auch Nasdaq-Blase genannt) im Jahre 2000 platzte, ging bspw. in Deutschland eine gut zweijährige Lotterieparty zu Ende, die bis ins Frühjahr 2000 eigentlich nur Gewinner kannte.

Auslöser der Blasenbildung waren die hohen Gewinnerwartungen der so genannten „New Economy“ (Internet, Mobiltelefon, Computer). Diese Erwartungen heizten eine ungeheure Spekulation an, so dass im Februar 2000 ein Konzern der „Old Economy“ wie Thyssen-Krupp mit 32 Milliarden Euro Jahresumsatz und die Filmrechtehandelsfirma EM.TV mit einem Umsatz von 320 Millionen Euro den gleichen Börsenwert von 14 Milliarden Euro aufwiesen.

Als sich die Erwartungen nicht erfüllten und auch fingierte Zahlen veröffentlicht worden waren, platzte die Blase und die Aktien der „New Economy“ fielen ins Bodenlose. Beispielsweise wurden Infineon-Aktien für 35 Euro gezeichnet und kletterten am Ausgabetag auf 85 Euro. Der Aktienkurs fiel beim Platzen der Blase rasch und pendelte einige Zeit um die 5 Euro, bis er sich wieder etwas erholte.

Das Platzen der Dotcom-Blase war der Startschuss für die Geldpolitik, welche die – ab 2007 herrschende – Finanz- und Wirtschaftskrise überhaupt erst ermöglichte.

Durch das Platzen der Dotcom-Blase standen die Zeichen auf Rezession. Um eine solche zu verhindern, forderten insbesondere Starökonomen wie Paul Krugman von Alan Greenspan, dem FED-Chef, eine Niedrigzinspolitik, damit im Immobilienbereich eine neue Blase erzeugt werde.

Mit dem Community Reinvestment Act (CRA) von 1977 wollte der US-Kongress Banken dazu verpflichten, Darlehen zum Immobilienerwerb auch an „sozial Schwache“ zu vergeben – jedem Amerikaner sein Eigenheim. Da die Banken sich scheuten riskante Darlehen zu vergeben, wurde der CRA 1995 verschärft. So konnte bspw. einer renitenten Bank mit der Antidiskriminierungskeule gedroht werden.

Die halbstaatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac, die mit vielen staatlichen Privilegien und Garantien ausgestattet waren, sollten ausdrücklich das Ziel verfolgen, dass Bonitätsschwache („low-to-moderate-income“) zu günstigen Konditionen Darlehen für den Eigenheimerwerb bekommen. Fannie Mae und Freddie Mac waren mittels der staatlichen Privilegien und Garantien sehr erfolgreich, und die Liquiditätsschwemme der FED leistete ebenfalls einen unabdingbaren Teil zur Kreditschöpfung der Banken (ex nihilo):

  • Beide Institute vergaben selbst Kredite.
  • Beide Institute kauften die Eigenheimdarlehen anderer Banken auf.
  • Dadurch hatten diese weiteren Spielraum für zusätzliche Immobilienkredite.
  • Fannie Mae und Freddie Mac verpackten, wie die übrigen US-Immobilienfinanzierer auch, diese Darlehen zu Bündel, die dann verbrieft und als Zertifikate weiterverkauft wurden.
  • Kaufinteressenten fanden sich rund um den Globus. Das Ausfallrisiko der Immobilienkredite, das durch die US-Politik per Gesetz verschärft und erhöht worden war, verteilten die US-Immobilienfinanzierer somit auf den Rest der Welt.

Seit Ausbruch der Finanzkrise (2007/2008) versuchen die Regierungen und ihre Zentralbanken, der Krise Herr zu werden, und zwar mit den Mitteln der expansiven Geld- und Ausgabenpolitik (Konjunkturprogramme, Niedrigst-Zinspolitik, Rettungsschirme für Banken und Währungen). Erneut wird mit den Instrumenten, welche die Krise erst geschaffen haben, die Krise bekämpft: Damit hat die Politik den Grund für die nächste Krise schon gelegt.

Anhand der kurzen Beschreibungen der Krisen ab 1929 ist zu erkennen, dass die Zentralbanken keineswegs Krisen verhindern, vielmehr wirken Zentralbanken maßgeblich an der Entstehung der Krisen mit. Somit ist Selgin zuzustimmen, dass Zentralbanken grundsätzlich destabilisierend auf den Finanzmärkten agieren.

Ein Argument pro Zentralbank in ökonomischen Standardlehrbüchern ist regelmäßig die Preisniveau-/ Geldwertstabilität, für welche die Zentralbanken durch ihre Politik die Sorge tragen.

Nun, angeblich war die Deutsche Bundesbank der Stabilitätsanker unter den Zentralbanken. In Sachen Stabilität war die Bundesbank jedoch dermaßen erfolglos, dass die D-Mark bei Einführung des Euro nur noch 5% ihres Wertes von 1950 verzeichnete.

Eine der ersten Maßnahmen der 1913/14 gegründeten FED, die unter anderem auch mit dem Auftrag betraut wurde, für eine stabile Kaufkraft des Dollars zu sorgen, war die Herabsetzung der Mindestreservepflicht der Banken (1913 von 21,1% auf 11,6% und 1917 auf 9,8%). Die umlaufenden Gold Certifikates, die zu 100% mit Gold unterlegt waren, wurden direkt nach FED-Gründung eingezogen. Die FED ersetzte diese durch Federal Reserve Notes, die nur zu 40% durch Gold gedeckt sein mussten. Folglich verdoppelte sich die Geldmenge in den USA bis Ende 1919. Eine Verdopplung der Geldmenge dient gewiss nicht der Kaufkraftstabilität. Von 1913/14 bis 2010 hat die FED durch ihre Politik dafür gesorgt, dass der Dollar von 1913 weit mehr als 95% seines Wertes verloren hat.

Die Geldpolitik wird seit Jahrzehnten dominiert von den keynesianisch und/oder den monetaristisch inspirierten Zentralbanken. Ohne derartige Zentralbanken wären die 50 Hyperinflationen des 20. Jahrhunderts kaum möglich gewesen. Deshalb hat der Privatbankier Ferdinand Lips (1931-2005) die Gründung der FED im Jahre 1913, als mächtigster und einflussreichster Zentralbank der Welt, das größte Unglück in der Menschheitsgeschichte genannt. Und zum heutigen Staatsgeldsystem – Zentralbankwesen, mit angeschlossenem Teilreservebankensystem – hat Lips einmal gesagt:

Zum ersten Mal in der Geschichte ist alles Geld der Welt von nichts gedeckt. Das ist das übelste System, das je von Menschenhand erfunden wurde.

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Hubert Milz, Jahrgang 1956, hat Betriebs- und Volkswirtschaftslehre studiert. Er ist Anhänger der Österreichischen Schule der Nationalökonomie und befindet sich seit März 2019 als Rentner im (Un)ruhestand.
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Quelle: misesde.org