Gesundheit, Natur & Spiritualität

Ist die Welt noch zu retten? Die spirituelle Dimension der Coronakrise – Vera Wagner im Gespräch mit dem Verleger, Autor, Astrologen und ZEN-Schüler Wolfgang Maiworm

21. November 2020

Die Welt scheint gerade unter keinem guten Stern zu stehen. Angesichts der Pandemie wird die gesamte Menschheit buchstäblich dazu angehalten, den Atem anzuhalten. Mit Wolfgang Maiworm, einem der Pioniere der spirituellen Medienwelt, Herausgeber der Zeitschrift „Lebens-(t)räume“, Veranstalter des Kongresses „Medizin und Bewusstsein“, im Zen und der ältesten Wissenschaft überhaupt – der Astrologie – bewandert, möchte ich über die spirituelle Dimension dieser Krise sprechen.

Wolfgang, bedingt durch die verschärften Maßnahmen und einen erneuten Lockdown musstest Du – quasi in letzter Minute – den diesjährigen Kongress „Medizin und Bewusstsein“ absagen. Das war bitter für Dich als Veranstalter, der ein ausgeklügeltes „Corona-Konzept“ ausgearbeitet hatte, bitter für die Referenten und die Aussteller, die eingeladen waren. Welche Haltung hilft Dir dabei, mit diesem Totalausfall umzugehen?

In solchen Situationen zeigt sich, ob man sich spirituelle Weisheiten nur angelesen hat oder ob gereifte Erkenntnisse im Alltag umgesetzt werden. Gerade im ZEN finde ich dann die Werkzeuge, mit nicht erfüllten Vorstellungen umzugehen: „Wenn du verstehst, sind nämlich alle Dinge und Ereignisse eins, wenn du nicht verstehst, sind sie verschieden und getrennt. Wenn du nicht verstehst, sind alle Dinge und Ereignisse eins, wenn du verstehst, sind sie verschieden und getrennt.“ – Ich nehme mich in meinen Alltags-Handlungen wichtig. Versuche, das absolut Beste zu kreieren. Vielfach bin ich und auch meine Umwelt mit dem Ergebnis einverstanden. Und wenn dies nicht der Fall ist, habe ich gelernt, mich nicht so wichtig zu nehmen. Dann war es offenbar für meine Seele, die eine wissende, unbestechliche Substanz ist, wichtig, eine Korrektur gegenüber meinen Vorstellungen vorzunehmen, und zwar immer zu meinem Besten. „Corona“ ist dann nur eine Erfüllungsgehilfin. Und ein Kongress, der nach bestem Wissen und Gewissen vorbereitet war, ist nach einem übergeordneten Gesetz abzusagen gewesen. „Der Mensch denkt, Gott lenkt“. Es ist in der Ordnung dieser Welt. Es fällt einem immer nur zu, was gerade im Gesetz des Lebens angesagt ist. Es ist ein Spiel zwischen den Polen des Pro und Contra – und ich schaue zu. Dann handle ich (der Kongress ist auf nächstes Jahr verschoben worden) und mache ein Horoskop zu dem zu erwartenden Ereignis. Habe eine Interpretation entsprechend bis dahin gemachter Erfahrungen dazu – und mein Ego freut sich, wenn es dann so eintrifft.

Wie oben so unten, wie im Himmel so auf Erden. Frage an den Astrologen Wolfgang Maiworm: Beeinflussen die Gestirne die Situation auf der Erde oder spiegeln sie das, was auf der Erde geschieht?

„Spiegeln“ ist der richtige Ausdruck, wenn wir ein senkrechtes Weltbild zugrunde legen, das heißt das Hermetische Gesetz anzuwenden wissen, von einer Ebene dieser Erscheinungswelt auf die andere Ebene schließen zu lernen. „Wie oben, so unten“, „Wie im Himmel also auch auf Erden“ sind bekannte Aussagen dazu. Doch ist dies auch richtig verstanden? Die Gestirnskonstellation am Himmel (Makrokosmos) hat ihre Entsprechung (Spiegelung, Analogie, Synchronizität) im Mikrokosmos Erde – und dort auf allen Ebenen, die diese Erde hervorbringt: materiell, seelisch, geistig – und das Vierte in der Quadratur (Kreuz von Zeit und Raum) des Kreises, ist das Jenseitige, das Verborgene, nicht Messbare – das Chaotische, Mystische, Göttliche.

Bringt der Blick in das kosmische Ordnungsmuster für Dich Licht ins Dunkel?

Ja, absolut – und nicht nur für mich, sondern für alles und JEDEN. Die Konstellation am Himmel, die zum Zeitpunkt einer Geburt (auch eines Ereignisses) vom Punkt der Beobachtung aus zu sehen ist, ist das Muster, das auf der irdischen Ebene einen bestimmten Ausdruck findet. Diese Qualität in der Quantität (Astrologie im Verhältnis zur Astronomie) folgt dem Gesetz, dass im Anfang das Ende liegt, so wie im Samen die Frucht enthalten ist. – So kommt aus dem Dunklen, aus dem Samen, der zarte Keim im Frühling ans Licht. In Zeit und Raum reift das, was im Samen angelegt ist, heran, erfährt seinen Fruchtzustand, vergeht im Zurückziehen zu den Wurzeln, ruht im Verborgenen, dem nicht Sichtbaren – im vermeintlichen Nichts bereitet sich aber das Neue auf den Durchbruch im Frühjahr vor. Dies ist auf einer anderen Ebene die Beschreibung von Hell und Dunkel, von Aggression und Depression, von Werden und Vergehen.

Kannst Du aus astrologischer Sicht einen Silberstreif am Horizont entdecken? Oder ganz plakativ gefragt: Ist die Welt noch zu retten?

Ja, eindeutig JA. Doch Mutter Erde braucht uns dazu nicht. Auch für sie gilt das Werden und Vergehen. Wir Menschen sind im Gesetz des Lebens mehr oder weniger bewusste Erfüllungsgehilfen für das eine oder andere. – 1990 veranstaltete ich mit Freunden in Bad Homburg den Kongress „Der Erde ist es egal, wer sie heilt“ – und das trifft den Kern. Wir Menschen leben etwa achtzig Jahre, doch Mutter Erde braucht zur Erneuerung in dem Prozess, den wir in den Jahreszeiten Frühling, Sommer (Entfaltung), Herbst, Winter (Einfaltung) erleben, etwa 250 Jahre (Plutonischer Rhythmus). Dann wird aus Zerstörung Erneuerung – und wer es nicht glaubt, betrachte sich die Entwicklung der Erde nach einem Vulkanausbruch. – Ich habe auf Lanzarote gelebt. Dort waren die Vulkanausbrüche von 1730 bis 1736. Über 300 Krater entstanden. Heiße Lava lag über der Insel. Über die Zeit erkaltete sie. In den Gesteinsritzen sammelte sich Staub, erster Humus entstand, dann Flechten, Moose, Niederpflanzen – und heute, nach etwas mehr als 250 Jahren, ist es geschafft: die Erde hat sich aus sich selbst heraus erneuert, bringt wieder Früchte hervor. Es werden mehr und mehr. So sind es zum Beispiel mittlerweile 16 Weingüter, die hervorragende Weine herstellen. Sie sind JETZT das Licht, das aus der Dunkelheit, der schwarzen Lava, leuchtet.

Es scheint, als ginge es um Leben oder Tod. Die meisten Menschen sind angesichts der weltweiten Pandemie erstarrt vor Angst … Angst vor dem Tod. Dein Lieblings-Philosoph, Heraklit, sagt – „Leben in der Ewigkeit nimmt auch die Angst vor dem Tode.“  Wäre der Glaube daran, dass mit dem Tod unser Körper, nicht aber unsere Seele stirbt, nicht ein heilsamer Gedanke in Zeiten von Angst, Resignation und Aggression?

Heraklit sagt auch „der Krieg ist der Vater aller Dinge“. Das wird natürlich vielfach missverstanden. Doch in einer polaren Welt geht es nicht anders: Wenn die Quinta Essentia erreicht werden soll, der Kreuzpunkt von Zeit und Raum, von oben und unten, links und rechts – also die Mitte (medi)- dann muss der Impuls auf der Waage erfolgen, der vorgibt, die Mitte über Medi-zin oder Medi-tation erreichen zu wollen. Die Dualität von zwei Seiten der Waage soll aufgehoben werden. Die Erkenntnis reift dann, dass die beiden Seiten der Waage (des Lebens) zusammengehören, so wie Krieg und Frieden, meins und deins. – Die Angst entspricht dem Prinzip des Saturns, was qualitativ bedeutet, den „Hüter der Schwelle“ als den Herrscher der Welt anzuerkennen. Das entspricht dem Mythos. Doch im Wassermann-Zeitalter, erhebt sich Uranus, der Erneuerer, der Verräter am Alten – und lässt blitzartig, plötzlich und unerwartet, erkennen, dass wir aus der Angst (angus-Enge) heraus müssen und uns dem stellen müssen, was Leben an sich ist: Unberechenbarkeit, Veränderung, Erweiterung. Dann wird deutlich, dass Leben gleichzeitig Sterben ist – und das Sterben Leben hervorbringt: in jeder Sekunde. – Die Seele bindet sich auf Zeit an den Körper, ist die Matrix dafür, welcher Geist im individuellen Körper, dem „Tempel der Seele“ aufgehen soll. Das gilt es, sich bewusst zu machen. Mehr geht nicht. Die Seele folgt ihrem Auftrag: zurück in die Welten-Seele, Heimkehr in das Meer, das alle individuellen Lebensflüsse aufnimmt. Alles, was benannt wurde mit Namen, mündet in das Namenlose. – Und wer dies nicht von seinem Standpunkt, den er/sie im irdischen Leben einzunehmen hat, sehen kann, ist dennoch genauso wie schlafende Mitgestalter an dem, was im göttlichen Plan längst festgelegt ist.

Im steten Wandel und angesichts vieler Ungewissheiten in der Mitte zu bleiben, das ist die große Herausforderung dieser Zeit; bietest Du Menschen, die durch diese Krise den seelischen Halt zu verlieren drohen oder schon verloren haben, spirituelle Begleitung an?

Wir kreisen um diese „Mitte“. Nur Erleuchtete sind nicht mehr in Bewegung, sondern Teil der Mitte. Eine ZEN-Metapher dazu: „Was ist der höchste Sinn der absoluten Wahrheit?“ Antwort: „Hier sitze ich auf einem Stein – ganz für mich, allein.“ – Wenn mir auf meinem Weg Menschen diese Frage stellen, antworte ich: So oder so. Ich habe kein Konzept für sogenannte Hilfe. Manche Menschen müssen den Halt verlieren, um wieder schwimmen zu lernen. Andere brauchen einen Guru, der sie ein Stück weit an die Hand nimmt – und dann hoffentlich wieder loslässt. Wieder andere müssen erfahren, dass alles, was sie vom vorgestellten Glück trennt, nur Zeit ist. Innerhalb dieser Zeit gibt es gerade eine „Corona-Pandemie“, die aufdeckt, dass eine große Mehrheit Angst hat, äußerlich und in Entsprechung innerlich in die Enge getrieben ist. Das ist tödlich. Da ist der Sensenmann nicht weit. Was hilft? Das liegt im Seelenplan des Einzelnen. Manche müssen Widerstand leisten, müssen den Kaiserschnitt wagen und die Begrenzungen mit Gewalt (wie bei einem Kaiserschnitt) durchbrechen, damit überhaupt Leben möglich ist bzw. gerettet wird. Andere haben die Faust in der Tasche, warten, dass andere die Kastanien aus dem Feuer holen und zum Beispiel einen Impfstoff anbieten, der das Problem lösen soll. Die meisten aber machen aus der Angst eine Tugend und sind in der sogenannten Demokratie mit der Mehrheit – und damit im Recht. Zumindest so lange, bis der Zeitgeist entlarvt, dass im Spiel der Kräfte eine Weisheit nicht erfüllt wurde: Wahr reden, wahr handeln, der Natur der Dinge folgen.  –   Das ist meine „spirituelle Begleitung“.

Wolfgang, herzlichen Dank für das Interview.

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