Vera Lengsfeld: Stell dir vor, es ist Winter – und es schneit!

Gerade erleben wir ein Phä­nomen, das es laut Pots­damer Kli­ma­for­schungs­in­stitut seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr geben sollte: Es ist kalt und es schneit! Die geschockten Kli­ma­retter erklären sich diese Uner­hörtheit mit dem Wetter. Das Schema ist simpel: alles, was als Erwärmung dekla­riert werden kann, ist Klima, alles was dem Glau­benssatz von der men­schen­ge­machten Kli­ma­er­wärmung wider­spricht, ist Wetter. Schon erstaunlich, welche geis­tigen Kapriolen geschlagen werden, wenn es gilt, eine Ideo­logie zu retten.

Hier bestellen!

Im letzten Jahr­hundert wäre Deutschland, das damals noch ein gut funk­tio­nie­rendes, für seine Effi­zienz weltweit benei­detes Land gewesen ist, mit diesem Wet­ter­phä­nomen spielend fertig geworden. Erinnert sich noch einer an den Slogan: „Alle sprechen vom Wetter, wir nicht“? Das war ein viel­be­ach­teter Wer­be­spruch der Deut­schen Bahn. Die Kam­pagne startete im Herbst 1966 und im Gegensatz zu allen in Merkel-Deutschland gestar­teten Kam­pagnen, hielt die damalige Bun­desbahn, was sie ver­sprach. Heute genügt die Ankün­digung von Schnee­flocken, dass die DB schon, bevor die über­haupt vom Himmel fallen, die Strei­chung von Zügen ankündigt.

Wenn es dann wirklich zu schneien beginnt, fallen noch mehr Züge aus. Am besten, so wird get­wittert, sollten die Bahn­kunden zuhause bleiben. Das ist noch kli­ma­neu­traler, als eine Bahncard zu besitzen. Seit Merkels Ver­trauter Ronald Pofalla im Bahn­vor­stand sitzt, ist nicht mehr Zuver­läs­sigkeit und Pünkt­lichkeit der DB oberste Prio­rität, sondern Kli­ma­freund­lichkeit. Das geht so weit, dass Bahncard-Kunden bescheinigt wird, sie reisten kli­ma­neutral, während der Pas­sagier gegenüber, oder besser im Corona-Abstand, für jede Menge CO2-Ausstoß sorgt. Das erstaun­lichste daran ist, dass die Mehrheit unserer gebil­deten Mit­bürger diesen Humbug zu glauben scheint.

Eins funk­tio­niert besser als vor zwanzig Jahren, die flä­chen­de­ckende Panik­mache zur abso­luten Ver­ängs­tigung der Bürger. Das betrifft nicht nur die Corona-Pro­pa­ganda, sondern auch die Wet­ter­pro­gnosen. Im Internet kann man eine Unwet­ter­karte auf­rufen und sich gruseln.

Bei den Unwet­ter­war­nungen werden zwei Arten unter­schieden: Vor­war­nungen und Akut­war­nungen. Vor­war­nungen werden bis zu 48 Stunden im Voraus her­aus­ge­geben, wenn Unwetter in Deutschland möglich sind. Man beachte das möglich, denn innerhalb von 48 Stunden können sich jede Menge Ände­rungen in der Inten­sität, Zug­richtung und /oder im zeit­lichen Ablauf ergeben. Die Vor­warn­karte für Deutschland sieht heute (am 7.1. 2020) über­wiegend orange, rot und violett aus. Lediglich im äußersten Norden steht anscheinend nichts zu befürchten, denn er leuchtet grün. Anders im Rest des Landes: ORANGE steht für ein mode­rates Unwetter, ROT für ein starkes und VIOLETT für ein extremes Unwetter.

Das war die Voraussage.

Es gibt noch eine zweite Karte, die Akut­war­nungen abbildet. Dann gilt das Ein­treffen der „Natur­gefahr“ als gesi­chert. Die Profi-Meteo­ro­logen der Unwet­ter­zen­trale sollen die Unwet­ter­pro­gnosen für Deutschland laufend manuell anpassen und damit sicher­stellen, dass die Bürger rund um die Uhr (24 Stunden pro Tag, 365 Tage im Jahr) zuver­lässig und top­ak­tuell infor­miert sind. Ruft man diese Karte auf, ist die größte Fläche grau. Das heißt, es gibt für diese Gebiete keine „top­ak­tu­ellen“ Infor­ma­tionen. Nur in den Radio­sen­dungen und im Fern­sehen kommen pau­senlos die Katastrophenwarnungen.

Laut Vor­warnung liegt Berlin heute im orangen Gebiet, es müsste sich vor meinem Fenster also ein mode­rates Unwetter abspielen. Was ich seit drei Stunden sehe, ist ein leichter Schneefall, so dass die Straße immer noch frei ist, ohne das geräumt werden musste. Es weht auch ein mode­rater Wind. Von Unwetter kann bisher keine Rede sein.

Es wird hohe Zeit, sich Gedanken zu machen, was die per­ma­nenten Kata­stro­phen­war­nungen in der Gesell­schaft anrichten. Und warum unsere Insti­tu­tionen so oft ver­sagen. In den 16 blei­ernen Mer­kel­jahren wurde aus einem effek­tiven Land ein ängst­liches Gebilde, das sich nun schon vor ein paar Schnee­flocken fürchtet und aus lauter Furcht nicht mehr richtig funktioniert.

Sieht so das beste Deutschland, das wir je hatten, aus?


Vera Lengsfeld — Erst­ver­öf­fent­li­chung auf dem Blog der Autorin www.vera-lengsfeld.de