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Darauf kommt‘s jetzt auch nicht mehr an: Griechenland will 289 Milliarden

9. April 2021

Seit Jahren reden die Griechen von Reparationsansprüchen für die Kriegsschäden in der Zeit unter deutscher Besatzung. Es geht um 289 Milliarden. Immer wieder sperrte sich die Bundesregierung, und immer wieder wurde es dann still um die Forderungen für Dinge, die vor 80 Jahren geschehen sind und sicher furchtbar waren. Aber die Griechen finden, wie Alexis Tsipras sagte, es sei eine „historische und moralische Pflicht“. Nun liegt nach Auskunft des griechischen Außenministeriums eine offizielle Aufforderung in Form einer diplomatischen Verbalnote vor. Deutschland hingegen betrachtet die Sache als abgehakt. 

Ein Sprecher des deutschen Außenamtes legte die Haltung der Bundesregierung dazu dar: Dieses Thema sei „rechtlich und politisch abgeschlossen“. Rechtliche Grundlage ist der Zwei-plus-Vier-Vertrag, der 1990 unterschrieben wurde. Darin wurden auch alle Reparationsfragen abschließend geregelt. 1960 waren diese gegenüber Griechenland mit 115 Millionen Mark entschädigt worden. Man kann sicher über die wahre Höhe der Schäden streiten und ob diese Summe angemessen war. Die Summe, die Griechenland heute aufruft, sieht – selbst inflationsbereinigt – schon ganz anders aus.

„Diese Forderungen sind gültig und aktiv, und sie werden mit jedem Mittel geltend gemacht“, ließ Ministeriumssprecher Alexandros Papaioannou die Nachrichtenagentur dpa wissen. „Verhandlungen würden sehr positiv zur weiteren Förderung der griechisch-deutschen Beziehungen beitragen.“

Historiker und Juristen sehen diesen Anspruch jedoch nicht als unanfechtbar an und sind in dieser Frage sehr uneins. Noch im Oktober 2019 wies die Bundesregierung die griechische Forderung zurück.

Regierungschef Tsipras hatte vor drei Jahren im Auftrag des griechischen Parlaments eine Expertenkommission beauftragt, die Höhe der zu fordernden Summe zu berechnen. Man kam auf 290 Milliarden Euro. Herr Tsipras hatte damals gesagt, es sei ihm wichtig, mit Deutschland auf Augenhöhe und freundschaftlich zusammenzukommen. Man winkt mit Freundschaft, erinnert aber immer wieder gerne an den deutschen Überfall am 6. April 1941 und an Massaker der Wehrmacht und der SS, die damit von Partisanenangriffen abschrecken wollten. Aber auch unter den Zivilisten gab es große Opferzahlen.

Wenig überraschend fordern die Grünen ein Eingehen auf die griechischen Forderungen, Es sei „geradezu demütigend“, die griechischen Forderungen „einfach so“ für erledigt zu erklären. Unsere wunderbare Claudia Roth schämt sich für die deutsche Haltung und Heike Hänsel findet die Haltung der Bundesregierung „moralisch, aber auch rechtlich inakzeptabel“.

Vielleicht sollten wir Deutschen auch wirklich umdenken. Sind die Bomben auf deutsche Zivilisten, die Hunderttausenden Toten und restlos zertrümmerten Städte dann auch noch nicht vergessen, und besteht da auch eine moralische Pflicht? Nein natürlich nicht. Es traf ja die Richtigen.

Und irgendwie ist es ja mittlerweile auch wurscht. Bei dem, was auf uns an wirtschaftlichem Zusammenbruch zukommt, an ruinierten Existenzen, Verzweifelten, Vereinsamten, Enteigneten, Unruhen, Gewalt und Armut, kommt es darauf auch nicht mehr an. Das Problem ist nur: Wenn Deutschland, das wirtschaftliche Herz Europas, nicht mehr schlägt, und das wird so sein, werden nicht nur die Griechen den Bach runtergehen, sondern ganz Europa und auch die großartigen Pläne des „Great Reset“ werden pulverisiert. Dann gibt es hier nichts mehr zu holen, und jeder in Europa muss zusehen, wie er irgendwie überlebt.

Da gibt es dann weder Klimaziele noch Elektroautos. Covid-19 wird im Rückblick ein Luxusproblem gewesen und jedes Grad wärmer wird ein Segen sein, und erst ganz langsam wird der Wiederaufbau beginnen.

Hierzu gibt es eine Strophe aus dem Lied der Linde:

„Zehre, Magen, zehr vom deutschen Saft,

bis mit einmal endet seine Kraft.

Krankt das Herz, sinkt ganzer Körper hin.

Deutschlands Elend wird der Welt Ruin.“