Wirtschaft & Finanzen

Erste Sportwettlizenzen für 15 Anbieter

15. April 2021

Mehr oder weniger überraschend hat das Bundesland Hessen die ersten offiziellen Erlaubnisse zur Veranstaltung von Sportwetten vergeben. Somit können die ersten Anbieter von Deutschland aus bundesweit ganz legal im Internet und auch in klassischen Wettbüros Sportwetten anbieten. Hessen selbst hat hierzu von anderen Bundesländern einen entsprechenden Auftrag erhalten und ist diesem nun nachkommen. Bislang waren Sportwetten ohne Genehmigung nicht erlaubt, wenngleich es auch eine Duldungsphase gab. Während dieser Phase konnten Anbieter auch ohne deutsche Lizenz operieren, ohne juristische Folgen fürchten zu müssen. Nun, mit der Neuregelung des Glücksspiels und der Sportwetten, können die ersten Anbieter jedoch ganz legal durchstarten. Was auch, vor allem mit dem Augenmerk auf den deutschen Markt für Glücksspiel und Sportwetten im Internet, erst der Anfang sein dürfte.

Deutscher Sportwettenverband begrüßt die Vergabe der Lizenzen

Allen voran der DSWV (Deutscher Sportwettenverband e.V.) begrüßte in einer Pressemitteilung die Vergabe der Erlaubnisse. Dies sei für die Branche ein historischer Tag und man freue sich über die Vergabe der ersten bundesweiten Lizenzen. So wurden bereits am 9. Oktober 2020 gleich 15 Erlaubnisanträge bewilligt. Für den deutschen Markt und die Glücksspielregulierung hierzulande sei dies eine historische Zäsur, so der DSWV-Präsident Mathias Dahms. Auf diesen Tag habe man 20 Jahre hingearbeitet. „Heute haben alle Seiten gleichermaßen gewonnen.“, so Dahms. Sowohl Verbraucher als auch Anbieter und Behörden hätten nun endlich rechtliche Sicherheit und könnten sich an klare Rahmenbedingungen halten.

Riesiger Markt und vielversprechende Einnahmen, auch für die Bundesländer

Mit der Neuregulierung hat ein über Jahre andauernder Streit zwischen dem Bund, den Bundesländern und zahlreichen Verbänden und Branchenvertretern mehr oder weniger ein Ende gefunden. Dabei hätte die ganze Sache schon viel früher über die Bühne gehen können. So hatten schon 2011 die Ministerpräsidenten für eine Öffnung des deutschen Sportwettenmarktes gestimmt. Allerdings sorgen etwaige Verfahrensfehler und Unstimmigkeiten zwischen den Bundesländern immer wieder für Verzögerungen. Lizenzvergaben scheiterten hierdurch. Im Jahr 2016 wurden entsprechende Verfahren sogar vom Europäischen Gerichtshof gestoppt. So waren hier unter anderem auch Sportwetten-Anbieter aus Österreich gegen die Lizenzvergabe vorgegangen und erwirkten einen entsprechenden Stopp des Verfahrens.

Dabei war eine Regulierung dringend notwendig. Immerhin handelt es sich um einen riesigen Markt. So lagen die Umsätze für Sportwetten in Deutschland den Angaben des DSMW zufolge allein 2019 bei 9,3 Milliarden Euro. Dabei spielten nicht nur Wetten in beliebten Sportarten wie Fußball, der Formel 1, Boxen und Handball eine wichtige Rolle. Auch Wetten auf E-Sport-Events wie bei GGBet ESports Wetten standen bei den Tippern hoch im Kurs. Für die Bundesländer geht es bei diesen Summen und Umsätzen natürlich auch um entsprechend hohe Steuereinnahmen.

Einigung zwischen großen Anbietern und der Konkurrenz aus Österreich sorgte für den Durchbruch

Ein wichtiger Grund, warum die Geschichte nun doch noch so schnell über die Bühne ging, war auch eine schnelle außergerichtliche Einigung. So hatten sich die beiden großen Marktführer für Sportwetten im Internet, Bwin und Tipico, außergerichtlich mit dem Anbieter aus Österreich geeinigt, der bis zuletzt gegen das Lizenzvergabe-Verfahren vorging. Demnach boten Tipico und Bwin dem Anbieter einen „pauschalen Ausgleich der zu erwarteten Nachteile“ an. Hierdurch konnten sie den Anbieter dazu bewegen, den Antrag wieder zurückzuziehen. Dies geht aus einer entsprechenden Pressemitteilung der für Tipico und Bwin arbeitenden Anwaltskanzlei Redeker Sellner Dahs hervor. Damit einhergehend stellte der hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel das Verfahren ein.

Noch am Tag der Einstellung des Verfahrens versandte das Bundesland Hessen eine Mitteilung an Bwin, Tipico und 13 weiteren Anbietern, dass ihre Lizenzen nun genehmigt seien. Einen Tag zuvor stimmte auch ein Gremium der Glücksspielaufsichtsbehörden der Bundesländer der Vergabe der Lizenzen an die ersten 15 Anbieter grundsätzlich zu. Alles in allem sprachen die Anwälte von Bwin und Tipico von einem „echten Coup“, während die GVC Holding, welche unter anderem Inhaber der Marke Bwin ist, von einem „bedeutenden Meilenstein“ sprach.

Weitere große Unternehmen erhalten Lizenzen

Insgesamt haben fast 50 Unternehmen bislang einen Antrag auf die Erteilung einer Sportwetten-Lizenz gestellt. Zu den 15 Unternehmen, die eine Lizenz erhalten haben, zählt auch ein deutsches Tochterunterhemen des großen österreichischen Glücksspielanbieters Novomatic. Als weiteres prominentes Unternehmen gesellt sich auch die Gauselmann-Gruppe zu den Anbietern, die nun im Besitz einer offiziellen Lizenz sind. Alles in allem kommt hierdurch natürlich auch jede Menge Bewegung in den hiesigen Markt für Sportwetten.

Online-Casinos und virtuelle Glücksspiel ebenfalls mittlerweile erlaubt

Dank einer Übergangsphase können Anbieter inzwischen übrigens auch ganz legal Online-Casinos betreiben. So gelten seit dem 15. Oktober 2020 als Übergangsphase zahlreiche neue Regeln, welche die Anbieter schon jetzt umsetzen sollten. Sofern sie sich um eine entsprechende deutsche Glücksspiellizenz bemühen möchten. Viele Anbieter, die bereits seit Jahren über europäische Unternehmen in diesem Markt aktiv sind, haben ihre Angebote für deutsche Kunden daher auch bereits angepasst. Dazu zählen strengere Regelungen und Limits für Einzahlungen und Spieleinsätze. Des Weiteren müssen die Anbieter auch ihr Spielangebot anpassen.