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Private Schule in Bayern geschlossen: „Mutmaßliche Querdenkerschule“ … eine Quasi-Terroristenschmiede?

15. Oktober 2021

Die Wörter „mutmaßlich“ und „Querdenkerschule“ erzeugen nicht absichtslos dasselbe Gefühl, wie „mutmaßlicher Terrorist“. Die Berichte über eine seltsame Schule nahe dem bayerischen Rosenheim zeigen bei näherer Betrachtung eigentlich nur eine schwer einzuschätzende Schulinitiative, von der überhaupt nicht klar ist, was da genau vor sich geht und wer dahinter steckt. Aber die Qualitätsmedien jubeln: Etwas Dubioses! Und man kann es den Querdenkern unterschieben!

Der Sprecher der Oberbayerischen Regierung, Herr Wolfgang Rupp, konnte eigentlich wenig Erhellendes zu der mysteriösen Angelegenheit sagen. Die Polizei hatte eine illegale Schule geschlossen, von der letztendlich nicht klar ist, ob sie illegal ist. Angeblich sei die Schule nach Auskunft der Leiterin der Schule, einer verbeamteten Lehrerin, von einer russischen Stiftung getragen, die aber auch nicht auffindbar sein soll. „Wir konnten bisher nirgendwo verifizieren, dass es die Stiftung so gibt“, sagte Regierungssprecher Rupp. Die Schule hielt sich bisher an das Verbot.

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Die Leiterin, deren Namen in der Presse nicht erwähnt wird, hatte geltend gemacht, dass die Trägerstiftung nach russischem Recht anerkannt sei und daher nicht dem deutschen Recht unterliege. Nach Auskunft der Schulleiterin unterrichten sowohl Lehrer, als auch Eltern die 50 Kinder. Einige Eltern seien Kräuter- und Musikpädagogen, sagte sie. Auch Schamanen seien darunter. Die Leiterin wehrte sich allerdings vehement gegen die Behauptung, es handle sich um eine Querdenker-Schule. Das, was von der leitenden Lehrerin zu erfahren war, die sich seit längerem im Krankenstand befindet, lässt auch keine validen Beziehungen zu den Querdenkern erkennen. Der Betreiberin der Schule droht jetzt ein Verfahren.

Herr Wolfgang Rupp begründete seinen Querdenker-Vorwurf damit, dass der Behörde ein Werbeflyer der Schule vorliege, in dem damit geworben werde, dass es sich um eine nicht dem deutschen Recht unterliegende Schule nach russischem Recht handle. Außerdem habe die Leiterin dem BR gesagt, sie sei seit dem ersten Lockdown aus dem System ausgestiegen (schon verdächtig). Die Schule habe sie aufgrund einer „Eingebung von oben“ gegründet. Das mag alles seltsam klingen, aber es hat nun mal nichts mit Querdenkern zu tun – die übrigens eben NICHT allesamt rechts oder Reichsbürger oder gewaltbereit sind, sondern ganz normale Bürger, die sich gegen ihre Entrechtung und den Entzug der bürgerlichen Rechte friedlich und im Rahmen des grundgesetzlich verbrieften Demonstrationsrechtes wehren.

Nichtsdestotrotz versteigen sich einige Mainstreammedien zu der mit nichts belegbaren Behauptung, es handle sich sogar um Reichsbürger. Die Verhaltensweisen der Presse sind bisweilen schon offensichtliche Hetze. Das wird mit den Äußerungen des Regierungssprechers Rupp begründet, der nebulös behauptet, es lägen „Dokumente“ vor, die ein Gedankengut zeigen sollen, das „in Richtung Querdenker- und Reichsbürger-Szene“ gehen soll.

Aufgrund dieser vagen Unterstellungen verbreitet die Presse ungeniert die Parole von der Querdenker- und Reichbürgerschule. Das Projekt mag sehr eigenwillig sein, vielleicht auch ungeeignet, Kindern die Grundtechniken des Wissens und der nötigen Kenntnisse zum Leben zu vermitteln. Wie gut die Kinder nach Absolvieren dieser offenbar als Grundschule konzipierten Einrichtung dann die Basisfähigkeiten zum Rechnen, Schreiben und Lesen, Sach- und Heimatkunde, Malen, Zeichnen und sportlicher Fitness erlangt hätten, kann ja offensichtlich niemand beurteilen.

Und, Herrseibeiuns! der BR hat recherchiert, die Schüler seien Kinder von „Testverweigerern“! Um Himmelsgotteswillen! Das ist zwar ein völlig neuer Diskriminierungsbegriff, aber bestimmt  was ganz Schlimmes. Mutmaßlicher Test-Terrorismus. Der BR erklärt es: Kinder von Eltern, die die ständigen Corona-Tests an kleinen Kindern in den Schulen ablehnen. Der BR schreibt:

„Nach derzeitiger Rechtslage müssen diese Kinder deshalb zu Hause bleiben. Sie müssen zwar in geeigneter Weise von der Schule weiterhin in Distanz unterrichtet werden, allerdings nur, soweit dies der Schule möglich ist. Derzeit bieten aber kaum noch Schulen richtigen Distanzunterricht an. Eine betroffene Grundschule im Landkreis Rosenheim, von der einige der Kinder der jetzt geschlossenen illegalen Schule kommen, will sich zum Sachverhalt nicht äußern.“ 

Ach, siehe da. Die Kinder in dieser Schule kommen offenbar von ganz normalen Grundschulen, auf denen sie – trotz terroristischer Querdenker-Eltern – wohl bis dahin unauffällig waren. (Welche finsteren Abgründe da wohl in den „legalen“ Grundschulen brodeln?) und sollten dann ohne Schulbildung daheim herumhängen ohne Gewissheit, wann dieser Missstand zu Ende sein wird. Das findet man aber vollkommen in Ordnung. Dass diese Eltern ihr Kind lieber in einer solchen freien Schule in den Unterricht bringen, statt zuhause herumzuhängen, das ist dann schon „in Richtung Querdenken“ zu werten?

Es darf daher legitim die Frage gestellt werden, inwiefern „legale“ Grundschulkinder nach mittlerweile eineinhalb Jahren Lockdown, Schulaussetzung, Schichtunterricht und Homeschooling, Isolation, genervten Eltern, ohne normales, kindliches Miteinander, Spielen und Nähe, aber mit Maskenpflicht und Angstmache diesen „bösen, illegalen Kindern“ einer „Mutmaßlich-in-Richtung-Querdenker“- Schule überlegen sind. Diese 50 Kinder durften ohne Masken, Abstandsregeln und Angst auf einem alten Bauernhof unbeschwert lernen und spielen, Exkursionen in die Natur machen, über Kräuter und deren Wirkungen lernen, miteinander lachen, musizieren und lernen. Sie hatten begeisterte Lehrer und Eltern an ihrer Seite und blieben gesund und fröhlich, denn Kinder waren bekanntermaßen von Covid so gut wie nicht betroffen. Wahrscheinlich waren die Kinder da richtig glücklich. Und das geht gar nicht.

Die Schule selbst ist nach den Pressefotos ein alter idyllischer Bauernhof im Oberbayrischen Schechen. Auf einem Schild steht der Name der Stiftung „Freiheit braucht Mut“ und in russischer Schrift noch einmal darunter. Jetzt ist die Schule verlassen und die Schaukel am Ast eines Baumes vor der Schule bleibt leer.

Ein Antrag auf Gründung und Betrieb der Schule sei nie gestellt worden, teilte die Sprecherin des zuständigen Landratsamtes mit. Aber selbst mit Antrag sei diese Schule nie genehmigungsfähig gewesen, da von der Schule auch keine Informationen über die geplanten Lehrinhalte vorgelegt worden seien. Manchmal ist es schon faszinierend, wie man als Bürger für blöde verkauft wird. Woher, bitte, will man wissen, dass die Schule auch bei Anmeldung aufgrund unzureichender Lerninhalte nicht hätte genehmigt werden können, wenn die Lerninhalte nie vorgelegt wurden? Vielleicht wären sie ja den herkömmlichen Lerninhalten sogar mindestens gleichwertig gewesen?

Unter diesem Artikel des Bayerischen Rundfunks erscheinen „zufällig“ Hinweise zu weiteren, verwandten Artikeln. Zum Beispiel der Tankstellenmord eines irren Psychopathen in Idar-Oberstein, der angeblich wegen der Maskenpflicht den Tankwart erschossen hat. Um den Mord ist es sehr schnell verdächtig still geworden, was vermuten lässt, dass der Mörder wahrscheinlich überhaupt nichts mit Querdenkern zu tun hatte. Aber es rückt die Schule in die Nähe von Mördern und darauf kommt es an. Und ein weiterer Artikel, der einfach mal behauptet, dass die Querdenken-Demos zu mehr Infektionen geführt haben. Zitiert wird als Beweis eine Studie, die erstens keine ist, sondern sich „Diskussion Paper“ nennt und die mit ziemlich unwissenschaftlichen Methoden eine Kausalität herbei-interpretiert hat und darüber auch in die Kritik geriet. Ist ja völlig wurscht, Hauptsache, man kann einer mutmaßlich-in Querdenker-Richtung-Schule etwas Schlechtes andichten.