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Gefahr für die Wirtschaft: Qualifizierte Fachkräfte sind absolute Mangelware

16. Dezember 2021

Ein Bericht des deutschen Industrie- und Handelskammertages lässt aufhorchen. Dass es einen Mangel an qualifiziertem Personal für die Wirtschaft gibt, ist altbekannt. Gute Fachleute werden mit der Lupe gesucht, Absolventen irgendwelcher Modeberufe auf sozialwissenschaftlichen Gebieten gibt es zu viele. Die Einwanderung brachte nur wenige Fachleute, die brauchbar sind, aber dafür Massen, die in die Sozialsysteme einwanderten. Nun aber stellt der Bericht fest: Junge Leute, die sich einer wirklich qualifizierten Ausbildung unterziehen werden dagegen immer weniger. Viele bringen von den Schulen her nicht einmal die Voraussetzungen mit für eine solche Ausbildung.

Die Alterung der westlichen Gesellschaften ist ein wichtiger, aber altbekannter Faktor. Würde die alternde Gesellschaft schrumpfen, die nachwachsenden Generationen aber über eine gute Ausbildung und familienfreundliche Lebensbedingungen verfügen, wäre dieser Schrumpfungsprozess durchaus zu bewältigen. Doch die Unternehmen suchen sie händeringend, die Jungen, gut Ausgebildeten. Sie sind nicht da. Über die Hälfte der offenen Stellen in diesem Bereich können nicht besetzt werden, nicht einmal vorübergehend, berichtet die Deutsche Industrie- und Handelskammer. Das sei noch einmal spürbar mehr als vor der Corona-Krise. Man erwartet aber keine Besserung, ganz im Gegenteil: In den kommenden Jahren werde es für die Unternehmen ein immer mühsameres Geschäft, mit den schmerzhaften Engpässen bei Fachkräften umzugehen.

Laut dem Bericht der IHK versuchen die Unternehmen nun, die Attraktivität ihrer Stellenangebote zu erhöhen. Gleichzeitig plant bereits jeder zweite Betrieb, die eigenen Ausbildungsmöglichkeiten für Fachkräfte zu intensivieren. Aber auch das soziale Umfeld soll attraktiver gestaltet werden. Zum Beispiel soll viel getan werden für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch das Heranziehen geeigneter ausländischer Fachkräfte oder älterer und berufserfahrener Senioren.

Die Reserve, die man noch mobilisieren könne ist etwa eine Million arbeitswilliger und ausgebildeter Langzeitarbeitsloser. Aber auch diese durchaus Willigen könnte man zwar ins Arbeitsleben zurückholen, müsste sie aber auf den neuesten Stand bringen und das wahrscheinlich individuell. Das ist schwierig aber nicht unmöglich, findet der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele und fügt hinzu, dass auch Längere Ausbildungszeiten in Kauf genommen werde müssten.

Auch gestaffelte Ausbildungsmodule seien durchaus eine Möglichkeit, um auch für diejenigen einen Weg zu eröffnen, die eine Ausbildung am Stück nicht schaffen. Überdies sei auch ein „Imagewandel der Hartz-IV-Jobcenter“ vonnöten. Diese dürften nicht länger als „Hort der Drangsalierung“ wahrgenommen werden.

Es bleibt ihnen auch nicht viel anderes übrig, denn Fachkräftemangel bleibt nicht folgenlos. Wie die IHK schreibt, bedeutet das für die Unternehmen eine gravierende Mehrbelastung für die bestehende Belegschaft oder höhere Gehälter, um zum ersten die bestehende Besatzung vom Abwandern  abzuhalten, wenn die Konkurrenz bessere Bedingungen bietet. Gleichzeitig damit auch gerade die begehrten Nachwuchs-Fachkräfte für den Betrieb zu interessieren.

Ein so großer Mangel an geeigneten, qualifizierten Mitarbeitern hat für das Unternehmen gravierende Folgen. Ist die Personaldecke zu dünn, muss man Aufträge ablehnen oder die Angebotspalette reduzieren. Das Einhalten der Lieferfristen wird immer mehr zum Problem, die Unzufriedenheit der Stamm-Belegschaft wegen der Mehrbelastung ist nicht einfach nur mit mehr Geld abzufangen, jedenfalls nicht auf Dauer.

Detlef Scheele sieht ein Jahrzehnt der Weiterbildung und Qualifizierung auf die Unternehmen und die Jobcenter zukommen. Und da geht es mittlerweile um die Substanz:

Jeden Menschen, der uns aus dem Erwerbsleben rausfliegt, werden wir teuer bezahlen, wenn wir versuchen, einen anderen zu finden: Der ist nämlich nicht da.“

Eine der am meisten betroffenen Branchen ist die Bauwirtschaft. Der IHK-Report schreibt: 

„Beim Branchenvergleich zeigt sich, dass unter anderem die Gesundheitswirtschaft insgesamt (70 Prozent) und das Gastgewerbe (69 Prozent), aber noch deutlicher Reinigungsdienste (78 Prozent), der Handel mit gesundheitsbezogenen Gütern (74 Prozent) sowie die Abwasserentsorgung, Abfallbeseitigung (77 Prozent) überdurchschnittlich betroffen sind. Zum einen sind dort die Fachkräfteengpässe häufig besonders ausgeprägt und zum anderen erlauben die entsprechenden Dienstleistungen vielfach keinen Aufschub oder lassen sich nicht durch technische Lösungen ersetzen.

Mit steigender Unternehmensgröße nimmt auch der Anteil tendenziell zu, der von einer Mehrbelastung der Belegschaft ausgeht. Während es bei kleineren Mittelständlern mit bis zu 20 Beschäftigten 53 Prozent sind, sind von den großen Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten 72 Prozent betroffen. Mit zunehmender Mitarbeiterzahl steigt in der Regel auch die Möglichkeit, dass Kolleginnen und Kollegen zeitweise zusätzliche Arbeiten übernehmen, wenn Personal fehlt. Kleinere Unternehmen sind dagegen öfter gezwungen, im Zweifel auf Angebote oder Aufträge zu verzichten, weil nicht ausreichend Personal verfügbar ist, das Aufgaben übernehmen könnte.“

Die Schwierigkeiten sind längst nicht auf das Unternehmen begrenzt, in dem sie entstehen. Das Massenphänomen ist kontaminös geworden. In einer vernetzten Wirtschaft mit mehrstufigen Wertschöpfungsketten und Zulieferern pflanzt sich das Problem überallhin fort: „Fehlen beispielsweise IT-Experten, betrifft dies auch Mittelständler, die Geschäftsprozesse digitalisieren oder sich um eine bessere Cybersicherheit kümmern möchten.“ Damit erweise sich der Fachkräftemangel als „enorme Wachstumsbremse.“

Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, sieht das Hauptproblem in der Erholung der Wirtschaft von den Schlägen der Corona-Pandemie bei den Fachkräften. Ohne das geeignete Personal wird die Wachstumsbremse eingelegt, die Konjunktur tritt auf der Stelle. Doch woher sollen sie kommen, die Tüchtigen, Gutausgebildeten, die die Werkzeugmaschinen und Autos, Häuser, Straßen bauen, in der Produktion arbeiten, den Ausbau der digitalen Netze betreiben…

Natürlich liegt ein guter Teil am der Corona-Krise bzw. deren Eindämmungsmaßnahmen. Andererseits fehlt es tatsächlich weit und breit an geeigneten Bewerbern für die vakanten Stellen. Oder weniger freundlich: Sehr viele junge Menschen am Beginn ihres Berufslebens sind intellektuell gar nicht mehr in der Lage, anspruchsvolle Tätigkeiten auszuüben. Teilweise sind sie nicht einmal bereit, stringent durchzuhalten und ein Pflichtbewusstsein zu entwickeln.

Der Elefant im Raum, den niemand benennt, ist natürlich die Zerstörung der Schulen als neben dem Elternhaus gravierender Ausbildungs- und Erziehungsfaktor. Doch die Eltern sind mit ihrem Erziehungsauftrag überfordert, sie sind froh, wenn sie den Lebensunterhalt, die Wohnung, die Steuern, die Miete gestemmt bekommen. Die Jugend hat völlig andere Wertmaßstäbe. Der weiße alte Mann, der ihr Vater ist, hat als Vorbild meist ausgedient und verlegt sich aus Selbstschutz auf ein kumpelhaftes Verhältnis zu seinen Kindern, womit man keine Erziehung leisten kann. Die Mutter muss Karriere machen und genauso viel Geld nach Hause bringen, sonst kann man den Lebensstandard nicht halten. Da hat man mit einem Kind genug zu tun. Die wenigsten haben noch zwei Kinder oder gar drei. Das eine Kind wird materiell verwöhnt als Entschädigung für wenig Zeit mit den Eltern. Die wissen gar nicht so genau, was ihr Sprössling so treibt. Tadel wegen schlechter Schulnoten oder gar gemeinsames Lernen … ausgeschlossen.

Den Lehrern geht es auch kaum besser. In den Haupt- und Realschulen sind die Lehrer froh, wenn sie den Schultag hinter sich haben. Gerade in den Hauptschulen besteht die Schülerschaft zu einem großen Teil aus Zuwanderer-Jugend, deren Augenmerk nicht immer auf guten Noten und einer guten Ausbildung liegt. Sie sehen ihre Zukunft oft in der Clique und in den familiären Beziehungen, wo man dann später irgendwie „was“ beim Onkel zu tun hat oder auf Staatskosten ein schönes Taschengeld bekommt, für Schulungen, bei denen man von Zeit zu Zeit erscheint. Und irgendwann gibt es Hartz IV.

Aber auch in diesem Umfeld gibt es das Einsteigen in einen der durchaus zahlreichen und guten Handwerksbetriebe von Zuwanderer-Vätern – und hier greift dann plötzlich ein ganz anderes Denken, von dem sich mancher jugendliche Deutsche eine Scheibe abschneiden könnte. Diese Familien haben es geschafft, und das meist aus ganz eigenem Antrieb.

Die deutsche Sprache ist ein Hindernis, sagt das Vorstandsmitglied der Bundesarbeitsagentur, Daniel Terzenbach, die Anerkennung ausländischer Abschlüsse sei in Deutschland noch immer holprig. Was Herr Terzenbach zwischen den Zeilen nur andeutet: In den vergangenen Jahren kamen Massen von hauptsächlich unqualifizierten Zuwanderern nach Deutschland, deren Qualifikation und Ausbildungsstand sich auf sehr niedrigem Niveau bewegt. Wenn sie überhaupt einer geregelten Arbeit nachgehen, dann im Niedriglohnbereich: Kurierfahrer, Pizzaboten, Paketauslieferer, Hilfsarbeiter oder Hilfsköche. Die hochqualifizierten Arbeitsmigranten kommen kaum nach Deutschland. Sie wandern in die USA, die Schweiz, nach Australien, Kanada und Großbritannien – wo übrigens viel strengere Einwanderungsbestimmungen als in Deutschland herrschen, aber auch bessere Berufschancen winken, wenn man erst einmal hineindarf.


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