100 + 200 Mrd. erfordern eine Million mehr Arbeitskräfte

Geld locker­machen ist einfach, aber es will auch erar­beitet sein — Vergebt ihnen nicht, sie könnten sehr wohl wissen, was sie tun 

(von Albrecht Künstle)

Im Ukrai­ne­krieg wird es keine Sieger geben. Das­selbe gilt für den deut­schen Wirt­schafts­krieg. Diese These soll hier unter­füttert werden durch eine kurze Erläu­terung wie es zusam­men­hängt, Geld anzu­kün­digen, dieses zu inves­tieren und wie dies Beschäf­ti­gungs­bedarf auslöst. Als Reaktion auf die von den Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rinnen unter Kanz­lerin Merkel halbwegs ver­nich­teten Wehr­kraft kün­digte nun Kanzler Scholz selbst­herrlich an, zum bereits beschlos­senen Wehretat zusätz­liche 100 Mrd. Euro locker zu machen, um alte Ver­säum­nisse aus­zu­bügeln. Scholz stellt mit der voll­mun­digen Ankün­digung erneut unter Beweis, dass er mit allem auf Kriegsfuß steht, was mit Geld zu tun hat.

Finanz­mi­nister Lindner wird den Kanzler wohl auf die Hälfte her­un­ter­handeln. Wahr­scheinlich, weil er bei den Grünen in der Schuld steht, welche in dieser Legis­la­tur­pe­riode 200 Mrd. Euro für Inves­ti­tionen in den Kli­ma­schutz aus­geben wollen. Was bedeutet das nun alles für Wirt­schaft und Beschäf­tigung? Die wei­teren Schulden seien an dieser Stelle aus­ge­klammert, diese werden die nach­fol­gende Gene­ration abtragen müssen. Das ist auch kon­se­quent, denn diese will mehr, als unsere Gene­ration schon geleistet hat. Und sie sind gemäß der herr­schenden Diktion die Nutz­nießer der heu­tigen Umwelt­in­ves­ti­tionen, und dafür dürfen nach dem Haus­halts­recht Schulden gemacht werden. Hier geht es darum, wie viele Beschäf­tigte für die Mil­li­ar­den­orgie gebraucht werden – was immer noch als „Arbeits­plätze schaffen“ gepriesen wird.

Was bedeuten zusätz­liche 100 Mrd. Euro für die Aus- und Auf­rüstung der Bun­deswehr? Die Per­sonal- und Sach­aus­gaben der Bun­deswehr sollen jeweils die Hälfte betragen, was hier unge­prüft über­nommen wird. Aber letztlich spielt es keine große Rolle, wie hoch der Sach­kos­ten­anteil ist. Denn die Sach­kosten ent­sprechen letztlich der Summe der Ein­kommen in der Wert­schöp­fungs­kette, von den Roh­stoffen, über Halb­fer­tig­pro­dukte, ver­edelte Vor­leis­tungen der Zulie­ferer bis zur End­montage. Dazu der Handel und der Transport des Mate­rials und der Rüs­tungs­güter, bis die Bun­deswehr darüber verfügt. Auf jeder dieser Wert­schöp­fungs­stufen ist Per­sonal nötig, werden Löhne und Gehälter bezahlt und auch die betei­ligten Fir­men­in­haber oder Aktionäre gehen nicht leer aus.

Die durch­schnitt­lichen Brut­to­löhne und Gehälter über alle Branchen betragen 36,70 EUR brutto/Std. pro Stunde. Die Arbeits­kosten pro Beschäf­tigten betragen bei 1961 bezahlten Jah­res­stunden rund 72 000 Euro pro Jahr. Zum Ver­gleich: Das Brut­to­in­lands­pro­duckt BIP je Erwerbs­tä­tigen betrug die letzten drei Jahre 75 000 Euro. In diesem Betrag sind auch die Ein­kommen der Selbst­stän­digen enthalten.

Für den Per­so­nal­bedarf sind aber die Arbeits­stunden maß­gebend, nicht die bezahlten Stunden. Es gibt durch­schnittlich neun Fei­ertage (von denen dieses Jahr drei auf Wochen­enden fallen). Aber die Beschäf­tigten haben auch Urlaub, sind einige Tage krank und auf Fort­bildung usw. Nehmen wir deshalb 215,5 reale Arbeitstage und einen 7,5‑Stunden-Tag an. Das ergibt 1616 effektive Arbeitstage im Jahr. Danach bemisst sich der Per­so­nal­bedarf, nicht nach den theo­re­ti­schen Stunden. Ein Betrieb muss immer mehr Leute unter Vertrag haben, als tat­sächlich arbeiten (nur bis zu den öffent­lichen und sozialen Diensten ist dieses Ein­maleins des Per­so­nal­wesens noch nicht durchgedrungen).

Teilt man eine Inves­ti­ti­ons­summe durch die Arbeits­stunden, ergeben sich die „Mann­jahre“. Würden die Scholz-Mil­li­arden in einem Jahr ver­braten, würden 1,686 Mio. Leute benötigt; Berater der Ver­tei­di­gungs­mi­nis­terin, Sol­daten, Erzie­he­rinnen in den Kin­der­be­treu­ungs­ein­rich­tungen für die Sol­da­tinnen, Rüs­tungs­ar­beiter usw. Nehmen wir an, es gäbe Abge­ordnete im Bun­destag, die Scholz vor­rechnen können, dass seine 100-Mrd.-Offensive auch mit „wir schaffen das“ nicht zu stemmen ist.

Aber dann beträgt der Per­so­nal­bedarf immer noch rund 241 000 Leute, wenn die 50 Mrd. Euro auf die rest­lichen drei­einhalb Jahre der Regie­rungszeit ver­teilt würden. Finanz­mi­nister Lindner will sich jedoch auch nicht lumpen lassen und will bis 2026, also bis Ende 2025, das Klima in Deutschland ver­bessern – was dringend nötig ist, ins­be­sondere auch auf gesell­schaft­lichem und einigen anderen Gebieten.

Lindners 200-Mrd.-Projekt erfordert jährlich sogar 963 000 Leutchen in den Jahren bis zum Ende seiner Tage – als Finanz­mi­nister. Fast eine Million „Fach­kräfte“ werden also in Deutschland benötigt, um die Erde zu retten. Dazu braucht man von den Besten auf dem Arbeits­markt die Besten. Und im Regie­rungs­pro­gramm stehen noch weitere kos­ten­trächtige Ver­spre­chungen für „Vielfalt, Migration, Inte­gration, Kultur, Europa und die Welt“.

Wo sollen die zusammen 1,5 Mio. benö­tigten Leute her­kommen? Zwar haben wir 3,1 Mio. Arbeitslose, aber würden diese arbeiten können oder wollen, gäbe es nur etwa 500 000, die wegen Umschulung und Wei­ter­ver­mittlung kurz­fristig ohne Arbeit wären Das Arbeits­po­tenzial ist aus­ge­reizt, die Arbeits­losen sind für die anspruchs­vollen Anfor­de­rungen unserer Industrie- und Dienst­leis­tungs­ge­sell­schaft kaum zu gebrauchen, ansonsten wären sie nicht arbeitslos.

Zum Einwand, moderne Rüs­tungs­güter würden impor­tiert, nicht selbst pro­du­ziert. Die Ver­tei­di­gungs­mi­nis­terin will zur „nuklearen Teilhabe“ 35 flie­gende Aluhüte – Tarn­kappen-Atom­bomber F‑35 – aus den USA liefern lassen. Nebenbei, dies sind rad­ar­re­sis­tente Angriffs­waffen zum Ein­dringen in Fein­desland, die schwerlich zu einem Ver­tei­di­gungs­bündnis passen. Öko­no­misch gesehen: Wir bekommen die Dinger nicht geschenkt, sondern müssen sie durch Gegen­leis­tungen in Form von Geld und Export anderer Güter kom­pen­sieren. Und für die Export­pro­duktion gilt obiges 1:1, sie müssen her­ge­stellt werden, wofür die gleiche Man­power erfor­derlich ist, als ob wir die Bomber selbst pro­du­zieren würden.

Eine Mög­lichkeit wäre, unnütze Man­power für andere Auf­gaben zu frei­zu­machen: Aus Beamten, die Anträge für Antrags­for­mulare erdenken und über diese ent­scheiden, könnte man Arbei­tende machen, ebenso wie aus unpro­duk­tiven Gleich­stel­lungs- und anderen Beauf­tragten auf allen Ebenen Auch aus Gender-Lehr­stühlen könnten Leer-Stühle gemacht werden, um weitere Arbeits­kräfte zu gene­rieren. Aus über­zäh­ligen Abge­ord­neten in Berlin, aus dem Europa- und anderen Par­la­menten könnte man nütz­liche Mit­glieder unseres Wirt­schafts­lebens machen. Aber so etwas wird mit dieser Regierung kaum zu machen sein.

Also Arbeits­kräfte aus dem Ausland holen, wie das die Unter­nehmer, Grünen und Linken ständig fordern? Doch die in den letzten Jahren her­ein­ge­holten Mil­lionen von Migranten lin­derten den Arbeits­kräf­te­mangel leider nicht, im Gegenteil. Denn Zuwan­derer mussten unter­ge­bracht, betreut, und mit allem ver­sorgt werden, was Men­schen nun einmal brauchen: Essen, Kleidung, Woh­nungen, Kin­der­gärten, Schulen, öffent­liche Ver­kehrs­mittel, Autos, Straßen usw. Alles musste erar­beitet werden und ver­schärfte so den Mangel an Arbeitskräften.

Eine Million weitere Aus­länder für die wei­teren Euro-Mil­li­arden brauchen dies eben­falls. Die 100 000 ange­kün­digten zusätz­lichen Woh­nungen, welche die Regierung mehr bauen will, würden nicht aus­reichen. So viele Hände haben die Regie­renden nicht. Zu den derzeit 300 000 neu gebauten Woh­nungen würden weitere 300–500 000 benötigt. Aber in meiner Nach­bar­stadt wurde soeben ein neues Wohn­gebiet per Bür­ger­ent­scheid abge­lehnt, die Ein­hei­mi­schen machen den Flä­chenfraß nicht mehr mit.

Den Regie­renden kommen langsam die Abnicker und Mit­läufer abhanden; die Polit­klasse hat die Boden­haftung in der Bevöl­kerung ver­loren. Die Regie­rungen müssen sich bald – frei nach Bertold Brecht – „ein anderes Volk suchen“. Stimmt nicht, wird ent­ge­gen­ge­halten: Brecht ist out, „Wir brauchen dieses Volk nicht mehr, denn andere Völker kommen zu uns!“ Stimmt eigentlich, so ändern sich die Zeiten.

Weil die Pro­duk­tions- und Arbeits­ka­pa­zi­täten aus­ge­lastet sind, wird die Inflation weiter Fahrt auf­nehmen. Viel­leicht ist das der Zau­ber­trick der Regierung? Die 300 Mrd. Euro für Auf­rüstung gegen die Kriegs- und Kli­ma­ka­ta­strophe könnten, wenn die Regierung am Ende ist, also 2025, nur noch die Hälfte Wert sein. Dann wäre ihre Mil­li­arden-Ope­ration zwar gelungen, der Patient, die deutsche Wirt­schaft jedoch tot. Die Steu­er­zahler ebenso, zumindest wären dann viele rui­niert. Denn Mil­li­arden und Aber­mil­li­arden müssen nicht nur erar­beitet, sondern auch finan­ziert werden. Und von wem? Wie sagte einst ein Geld­ein­treiber: „Ich weiß, dass man bei den Armen nicht viel holen kann, aber es gibt deren viele.“

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