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Wälder sterben aus Gier! Wie viele Bäume werden jedes Jahr oder im Jahr 2022 gefällt? (+Videos)

Wenn Sie sich jemals gefragt haben, wie viele Bäume jedes Jahr gefällt werden, lautet die erschre­ckend kurze Antwort, dass jährlich 15 Mil­li­arden Bäume durch Ent­waldung ver­loren gehen. Obwohl diese Zahl atem­be­raubend ist, kann es schwierig sein, sie sich vor­zu­stellen.  Leider sind sich viele Men­schen weder der Ursachen der Ent­waldung noch der Aus­wir­kungen bewusst, die sie auf unseren Pla­neten hat. Dieses Bild macht es ein wenig leichter zu ver­stehen: Für die 15 Mil­li­arden Bäume, die jedes Jahr gefällt werden, könnte jeder Mensch auf der Erde 3.000 Rollen Toi­let­ten­papier bekommen. Wenn Sie sich 3.000 Rollen Toi­let­ten­papier vor­stellen, die in Ihrem Bade­zimmer liegen, würden wahr­scheinlich nicht alle hin­ein­passen. Stellen Sie sich nun vor, wie vielen Bäumen nur diese 3.000 Rollen ent­sprechen und wie viel Abholzung das bedeutet. Es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum Men­schen so viele Bäume fällen, aber nicht das Toi­let­ten­papier, also die Papier­pro­duktion, ist eine der Haupt­ur­sachen. Nicht nur der Ama­zonas-Regenwald wird gerodet und Indigene werden ermordet, sondern auch die Regen­wälder im Kongo. Nicht nur in Indo­nesien ver­schwinden wichtige Wälder, sondern auch in  Nord­amerika. Und während Sie diesen Beitrag lesen, frisst sich die Industrie durch Gua­temala und durch Aus­tra­liens Regen­wälder. Und von den Medien unbe­merkt, werden Tau­sende Men­schen in der Provinz Cabo Delgado bei gewalt­samen Angriffen ver­trieben. Aber auch Kon­zerne, die ohnehin als Umwelt­sünder gelten, wie General Mills, IKEA, Johnson & Johnson, Kellogg, L’Oréal, Mars, Nestlé, PepsiCo, Procter & Gamble und Uni­lever, zer­stören wei­terhin Mil­lionen Hektar Wald. Kurzum, jährlich gehen 15 Mil­li­arden Bäume durch Ent­waldung ver­loren und es ist an der Zeit, sich endlich bewusst zu werden, ohne Bäume wird es in Zukunft keine Men­schen mehr geben. Klingt komisch, ist aber so! 

Wie viele Bäume werden jedes Jahr oder im Jahr 2022 gefällt?

 

Firms.modaps.eosdis.nasa.gov/map 2022-04-20 -.2022–04-21

Weltweit gibt es riesige und absichtlich gelegte Brand­herde aus Pro­fitgier in Alaska, in Sibirien, in Asien, in Afrika, in Europa, in den USA und in Latein­amerika, vor allem auch in Bra­silien. Tau­sende von Qua­drat­ki­lo­metern von Wäldern sind für immer zer­stört. Men­schen ver­lieren ihre Heimat und Tiere ver­brennen qualvoll.

Die Ver­einten Nationen schätzen, dass der Planet ab 2020 jährlich etwa 7.000.000 Hektar durch Ent­waldung ver­liert. Zwi­schen 1990 und 2015 hat die Welt 129 Mil­lionen Hektar Wald ver­loren – eine Fläche, die etwa der Größe Süd­afrikas entspricht.

Ohne Bäume ver­lieren wir außer­ge­wöhn­liche und wesent­liche Funk­tionen für das Leben auf der Erde.

Die „Dienst­leis­tungen“ von Bäumen für diesen Pla­neten reichen von der Koh­len­stoff­spei­cherung und dem Boden­schutz bis hin zur Regu­lierung des Was­ser­kreis­laufs. Sie unter­stützen die natür­lichen und mensch­lichen Ernäh­rungs­systeme und bieten unzäh­ligen Arten ein Zuhause – auch uns, durch Bau­ma­te­rialien. Dennoch behandeln wir Bäume oft wie Ein­weg­ar­tikel: als etwas, das aus wirt­schaft­lichen Gründen geerntet werden soll, oder als Unan­nehm­lichkeit für die mensch­liche Entwicklung.

Seitdem unsere Art vor rund 12.000 Jahren mit der Land­wirt­schaft begann, haben wir fast die Hälfte der weltweit geschätzten 5,8 Bil­lionen Bäume gerodet, wie eine Studie aus dem Jahr 2015 in der Zeit­schrift Nature zeigt.

Wal­döko­systeme sind die größten ter­res­tri­schen Koh­len­stoff­speicher. Gleich­zeitig werden bei Wald­zer­stö­rungen große Mengen Koh­len­stoff freigesetzt.

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Globale Erwärmung

Wälder sind unser Ausweg, da sie helfen, das Koh­len­dioxid der Atmo­sphäre zu absor­bieren – und wir töten sie.

Eines der Ursachen der glo­balen Erwärmung ist u.a. die zunehmend redu­zierte Wald­flächen. Die Ver­einten Nationen haben im Februar 2022 vor einer Häufung von Wald­bränden gewarnt. Die globale Erwärmung und Ver­än­de­rungen bei der Land­nutzung brächten es mit sich, dass sich das Phä­nomen in den kom­menden Jahr­zehnten in großen Teilen der Welt ver­schlimmern werde. 

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  • „Dieses Jahr wird ein langes Jahr“: Beamte im Süd­westen warnen vor einer explo­siven Wald­brand­saison, da die Feu­ers­brunst in Arizona eine Fläche von 20.000 Hektar erreicht und Hun­derte zur Eva­ku­ierung ihrer Häuser zwingt“ titelt dailymail.co.uk am 21.April 2022 und laut Reuters, ist das Gebiet Teil eines Land­strichs in Arizona, New Mexico, Utah und Colorado, der seit mehr als zwei Jahr­zehnten von einer weit­gehend uner­bitt­lichen Dürre heim­ge­sucht wird, nachdem die Durch­schnitts­tem­pe­ra­turen in dem Gebiet im ver­gan­genen Jahr­hundert um etwa 1,4 Grad Fah­renheit  gestiegen sind, wie aus Daten des Desert Research Institute und der National Oceanic and Atmo­s­pheric Admi­nis­tration hervorgeht.
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Wald­brände in Australien

  • Mehr als 20 % der aus­tra­li­schen Wälder brannten während der Busch­feu­er­ka­ta­strophe 2020 nieder , ein Anteil, der nach Ansicht von Wis­sen­schaftlern weltweit bei­spiellos ist, so neue For­schungs­er­geb­nisse, die in einer Son­der­ausgabe von Nature Climate Change ver­öf­fent­licht wurden. Außerdem reißen Wald­brände neue Löcher in die Ozon­schicht, warnten Wis­sen­schaftler im März 2022. Die  Rauch­türme von Aus­tra­liens „schwarzen Sommer“-Buschfeuern haben zu einem Abbau der Ozon­schicht geführt , so die  Studie.  Und mit stei­genden glo­balen Tem­pe­ra­turen könnte Aus­tralien so heiß und trocken werden, dass die Ein­wohner des Landes zu Kli­ma­f­lücht­lingen werden könnten, sagt der US-Kli­ma­tologe und Geo­phy­siker Michael Mann. 

Trotzdem gehen wei­terhin jährlich 15 Mil­li­arden Bäume durch Ent­waldung verloren

Bei­spiel Bra­silien: Von Januar bis März 2022 stieg die Ent­waldung des bra­si­lia­ni­schen Ama­zonas gegenüber dem Vorjahr um 64 % auf 941 Qua­drat­ki­lo­meter (363 Qua­drat­meilen), wie Daten der natio­nalen Welt­raum­for­schungs­agentur Inpe zeigten. Dieses Gebiet, größer als New York City, Einige Wis­sen­schaftler sagen voraus, dass die Ent­waldung vor den Prä­si­dent­schafts­wahlen im Oktober in Bra­silien weiter zunehmen wird, wie sie es vor den letzten drei Wahlen getan hat.

Nicht nur für den Anbau von Soja wird die Lunge unseres Pla­neten zersört, sondern Bra­silien ist der bei weitem größte Exporteur von Zuckerrohr und ver­ar­bei­tetem Zucker. Der zweit­größte Zucker–Importeur der Welt ist Europa. Logi­scher­weise war es auch der bra­si­lia­nische Zuckerrohr-Indus­trie­verband UNICA, der zum erfolg­reichen Abschluss des Frei­han­dels­ab­kommens zwi­schen dem Mer­cosur und der EU gratulierte.

Wie neue Recherchen im April 2022 zeigen, hat sich auch die Pro­duktion von Rind­fleisch erhöht und zwar wegen China. Bra­silien gehört zum größten Exporteur von Fleisch, ins­be­sondere große Mengen an Geflü­gel­fleisch, aber ebenso Rind­fleisch. Ange­trieben von der chi­ne­si­schen Nach­frage werden immer mehr Rinder in Bra­silien gehalten  China kauft etwa 50 % des von Bra­silien expor­tierten Rind­fleischs. Im Jahr 2021 wurden laut dem staat­lichen Sta­tis­tikamt IBGE in Bra­silien 27,54 Mil­lionen Kühe geschlachtet.

Luft­auf­nahme von Kühen, die ihr ganzes Leben in einem Mast­be­trieb ver­bringen, Foto: Bim via Canva

Bei­spiel Kongo – Palmöl

Die DR Kongo ist reich an Roh­stoffen und gehört doch zu den ärmsten Staaten der Welt. Der Palm­öl­kon­flikt begann zunächst in Indo­nesien, dem weltweit größten Palm­öl­pro­du­zenten, als die Industrie große Teile des Regen­waldes abholzte und durch Ölpal­men­plan­tagen ersetzte. Weniger bekannt ist die Zer­störung des kost­baren Regen­waldes im Kongo für die Pro­duktion von Palmöl. Auch im Kongo brennt kost­barer Regenwald, für den Profit. Wie neue Recherchen zeigen, ist die Bill & Melinda Gates Foun­dation unter den Inves­toren, die den Regenwald in der Demo­kra­ti­schen Republik Kongo für Palmöl zerstören.

Der Kongo-Regenwald ist der zweit­größte Regenwald der Welt und eine lebens­wichtige Koh­len­stoff­senke, die den Kli­ma­wandel ver­lang­samen kann.

Und wie im Ama­zonas oder Indo­nesien, werden nicht nur die Wälder gerodet, sondern Men­schen werden  ein­ge­sperrt, gefoltert oder ermordet. 

8billiontrees.com

Zu den natür­lichen Wäldern, die ver­loren gegangen sind, gehören:

  • Afrika – 3,2 Mil­lionen Hektar
  • Asien – 1,1 Mil­lionen Hektar
  • Ozeanien – 200.000 Hektar
  • Nord­amerika – 780.000 Hektar
  • Süd­amerika – 3,6 Mil­lionen Hektar

Zu Europa: Die euro­päi­schen Wälder sind in Schwie­rig­keiten. „Nicht, weil sie ver­loren gehen“, sagt der Wis­sen­schaftler William Keeton von der Uni­versity of Vermont. „Eigentlich ist Europa heute grüner und stärker bewaldet als seit Jahr­hun­derten.“ Aber viele der Wälder des Kon­ti­nents leiden unter großen Insek­ten­befall, Wald­krank­heiten, zuneh­menden Stürmen und immer inten­si­veren Bränden. Sie heraus, dass fast 73 % der euro­päi­schen Wälder zu homo­genen, gleich­alt­rigen Plan­tagen neigt. Diese wurden in der Ver­gan­genheit dazu genutzt, das Wachstum und den Ertrag von Holz und anderen Holz­pro­dukten zu maxi­mieren, sind jedoch zunehmend anfällig für Umwelt­be­las­tungen und den Kli­ma­wandel. Die neue Studie „Natür­liche Stö­rungs­regime als Leit­faden für eine  in Europa“ wurde erstmals am 27. März 2022 online ver­öf­fent­licht und wird in eine kom­mende Ausgabe der Fach­zeit­schrift Eco­lo­gical App­li­ca­tions aufgenommen

Warum fällen Men­schen Bäume?

Wie Sie lesen konnte,  gibt es eine Vielzahl von Gründen, warum Men­schen so viele Bäume fällen und die Papier­pro­duktion ist nicht eine der Haupt­ur­sachen. Sicher, einige Dinge wie Toi­let­ten­papier und Papier­waren (Teller, Papier­hand­tücher und Papier selbst) ver­ur­sachen einen hohen Tribut an unseren Wäldern, aber es gibt andere, weitaus schäd­li­chere Aktionen, die die Wälder der Erde zerstören.

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Was sind die fünf Haupt­ur­sachen der Entwaldung?

Die fol­genden Ursachen sind die fünf Haupt­gründe für die Ent­waldung und für den größten Teil des Wald­ver­lusts verantwortlich.

  • Ent­waldung Ursache Nr. 1: Landwirtschaft
  • Ent­waldung Ursache Nr. 2: Weiden und  Futter von Nutztieren
  • Ent­waldung Ursache Nr. 3:  Boh­rungen nach Roh­stoffen  – 15 % des Ama­zonas sind durch aktive oder geplante Ölkon­zes­sionen gefährdet.
  • Ent­waldung Ursache Nr. 4: Bergbau. Wie beim Bohren nach Roh­stoffen auch der Bergbau ver­ur­sacht Ent­waldung sowohl durch die direkte Rodung von Wäldern als auch durch Umwelt­ver­schmutzung und Industrieunfälle.
  • Ent­waldung Ursache Nr. 5: Wald­brände: Wald­brände sind die Ursache für fast ein Viertel aller Ent­wal­dungen,  dar­unter etwa die Hälfte in Nordamerika.Nach Angaben der US-Regierung brannten in diesem Jahr allein in Kali­fornien 2,2 Mil­lionen Hektar, wobei weitere 800.000 Hektar im Nord­westen der USA zer­stört wurden – und viele dieser Brände brennen zum Zeit­punkt dieser Ver­öf­fent­li­chung immer noch.

Unnötig zu erwähnen, dass diese Form der Ent­waldung Aus­wir­kungen auf die globale Erwärmung hat. Die Brände, die Aus­tralien in den letzten zwei Jahren heim­ge­sucht haben, haben zu ernst­haften und gefähr­lichen öko­lo­gi­schen Bedro­hungen geführt.

Neben den fünf Haupt­ur­sachen für die Ent­waldung gibt es weitere, weniger bekannte Gründe, warum so viele Bäume gefällt werden, ist Palmöl,  Zer­sie­delung und Papierherstellung.

Was geschähe, wenn alle Bäume der Welt verschwänden?

 

Die Abholzung wirkt sich auf Öko­systeme, Ernährung, Wet­ter­muster und sogar auf das Klima aus. Sie hat aber auch Aus­wir­kungen auf wild lebende Tiere, da Lebens­räume und Öko­systeme zer­stört werden. Wälder sind die Lebensader unserer Welt. Ohne sie ver­lieren wir außer­ge­wöhn­liche und wesent­liche Funk­tionen für das Leben auf der Erde.

  • Öko­systeme – Etwa 80 % der Land­tiere der Erde leben in Wäldern. Die Ent­waldung ist für viele von ihnen eine exis­ten­zielle Bedrohung.
  • Mensch­liches Wohl­ergehen – Etwa 250.000.000 Men­schen leben in Wäldern oder Savannen und sind für ihr Wohl­ergehen von ihnen abhängig.
  • Luft­qua­lität – Wälder haben einen enormen Ein­fluss auf die Qua­lität der Luft, die wir atmen. Sie wirken wie ein Filter, der einen Großteil der Ver­schmutzung (und des Koh­len­di­oxids) aus der Atmo­sphäre entfernt.
  • Globale Erwärmung – Wälder fun­gieren als Koh­len­stoff­senken, indem sie große Mengen CO2 (ein Treib­hausgas) aus der Atmo­sphäre auf­nehmen und in Form von Stämmen, Ästen, Blättern usw. spei­chern. Die Ent­waldung zer­stört die Bäume; dies setzt den Koh­len­stoff frei, den sie gespei­chert haben, und ver­hindert, dass sie mehr speichern
  • Carbon – ein Dop­pel­schlag. Laut dem World Resources Institute würde es, wenn die Ent­waldung in den Tropen (allein in den Tropen!) ein Land wäre, den dritt­größten CO2-Äqui­valent-Ausstoß hinter den USA und China einnehmen.
  • Wasser – Wälder haben einen großen Ein­fluss auf den Was­ser­kreislauf und sind auf­grund ihrer Aus­wir­kungen auf das Wetter für die Auf­recht­erhaltung der Was­ser­ver­sorgung vieler Nationen wie Bra­silien von ent­schei­dender Bedeutung.

Die „Dienst­leis­tungen“ von Bäumen für diesen Pla­neten reichen von der Koh­len­stoff­spei­cherung und dem Boden­schutz bis hin zur Regu­lierung des Was­ser­kreis­laufs. Sie unter­stützen die natür­lichen und mensch­lichen Ernäh­rungs­systeme und bieten unzäh­ligen Arten ein Zuhause – auch uns, durch Bau­ma­te­rialien. Dennoch behandeln wir Bäume oft wie Ein­weg­ar­tikel: als etwas, das aus wirt­schaft­lichen Gründen geerntet werden soll, oder als Unan­nehm­lichkeit für die mensch­liche Entwicklung.

Ein Großteil der Ent­waldung ist in den letzten Jahren erfolgt. Seit Beginn des Indus­trie­zeit­alters sind die Wälder um 32% zurück­ge­gangen. Vor allem in den Tropen fallen viele der ver­blie­benen drei Bil­lionen Bäume der Welt schnell, mit etwa 15 Mil­li­arden Fällen pro Jahr, so die Studie von Nature. An vielen Stellen beschleunigt sich der Baumverlust.

Wenn wir alle Bäume fällen würden, werden wir auf einem Pla­neten leben, der uns viel­leicht nicht mehr ernähren kann.

Zum einen, wenn Bäume über Nacht ver­schwänden, ver­schwände dann auch ein Großteil der Bio­di­ver­sität des Pla­neten. Der Verlust von Lebens­räumen ist bereits der Haupt­grund für das Aus­sterben weltweit, sodass die Zer­störung aller ver­blei­benden Wälder für Pflanzen, Tiere, Pilze und mehr „kata­strophal“ wäre, sagt Jayme Pre­ve­dello, Ökologe an der Rio de Janeiro State Uni­versity in Bra­silien. „Es gäbe ein mas­sives Aus­sterben aller Gruppen von Orga­nismen, sowohl vor Ort als auch weltweit.“

Die Welle des Aus­sterbens würde sich über die Wälder hinaus erstrecken und die Tierwelt dezi­mieren, die von ein­zelnen Bäumen und kleinen Baum­be­ständen abhängt. Im Jahr 2018 fanden Pre­ve­dello und seine Kol­legen zum Bei­spiel heraus, dass der gesamte Arten­reichtum in Gebieten mit ver­streuten Bäumen 50 bis 100% höher war als in offenen Gebieten. „Schon ein ein­zelner, iso­lierter Baum in einem offenen Gebiet kann als Magnet für die Bio­di­ver­sität fun­gieren, der viele Tiere und Pflanzen anzieht und Res­sourcen für sie bereit­stellt“, sagt Pre­ve­dello. „Deshalb kann der Verlust auch ein­zelner Bäume die Bio­di­ver­sität vor Ort stark beeinträchtigen.“

Der Verlust von Bäumen in der Welt brächte das Klima aus dem Gleichgewicht.

Auch das Klima des Pla­neten würde sich kurz- und lang­fristig dras­tisch ver­ändern. Bäume regeln den Was­ser­kreislauf an, indem sie als bio­lo­gische Pumpen fun­gieren: Sie saugen Wasser aus dem Boden an und geben es in die Atmo­sphäre ab, indem sie es aus dem flüs­sigen Aggre­gat­zu­stand in Dampf ver­wandeln. Auf diese Weise tragen Wälder zur Wol­ken­bildung und zu Nie­der­schlägen bei. Bäume ver­hindern Über­schwem­mungen auch, indem sie Wasser zurück­halten, anstatt es in Seen und Flüsse zu leiten, und indem sie Küs­ten­ge­meinden vor Sturm­fluten schützen. Sie halten den Boden fest, der sonst bei Regen weg­ge­spült würde, und ihre Wur­zel­struk­turen helfen mikro­biellen Gemein­schaften beim Gedeihen.

Ohne Bäume würden ehemals bewaldete Flächen tro­ckener und anfäl­liger für extreme Dürren werden. Wenn es regnet, wären kata­stro­phale Über­schwem­mungen die Folge. Massive Erosion würde sich auf die Ozeane aus­wirken und Koral­len­riffe und andere Mee­res­le­bens­räume ersticken. Von Bäumen befreite Inseln würden ihren Schutz vorm Meer ver­lieren, und viele würden weg­ge­spült werden. „Bäume zu ent­fernen bedeutet, riesige Mengen an Land an den Ozean zu ver­lieren“, sagt Thomas Crowther, Ökologe für globale Systeme an der ETH Zürich, Schweiz und Haupt­autor der Studie von Nature aus dem Jahr 2015.

Neben der Regelung des Was­ser­kreis­laufs haben Bäume einen regio­nalen Abküh­lungs­effekt. Sie spenden Schatten, der die Boden­tem­pe­ratur niedrig hält, und als dun­kelste Flächen in der Land­schaft absor­bieren sie Wärme und reflek­tieren sie nicht. Beim Vorgang der Ver­dunstung ist auch die Energie der Son­nen­strahlen bei der Umwandlung von flüs­sigem Wasser in Dampf beteiligt. Mit all diesen ver­loren gehenden Kühl­leis­tungen würden die meisten Stellen, an denen früher Bäume standen, sofort wärmer werden. In einer wei­teren Studie fanden Pre­ve­dello und seine Kol­legen heraus, dass die voll­ständige Ent­fernung eines 25 Qua­drat­ki­lo­meter großen Wald­feldes dazu führte, dass die lokalen Jah­res­tem­pe­ra­turen in tro­pi­schen Gebieten um min­destens 2°C und in gemä­ßigten Gebieten um 1°C stiegen. Auch beim Ver­gleich von Wald- und Frei­flächen haben For­scher ähn­liche Tem­pe­ra­tur­un­ter­schiede fest­ge­stellt. Siehe auch: Das Ver­schwinden der Wälder – What would happen if all the world’s trees disappeared?

Das Stoppen der Ent­waldung und die Wie­der­her­stellung der Wälder ist der bil­ligste und schnellste Weg, um die Treib­haus­gas­emis­sionen zu redu­zieren und eine schnelle Koh­len­stoff­auf­nahme zu gewähr­leisten, heißt es.  Und trotzdem ist kein Stopp der Ent­waldung auf unserem Pla­neten Erde erkennbar.

  • Seit 2010 ist die mit Soja bepflanzte Fläche in Bra­silien um 45% gestiegen,
  • die indo­ne­sische Palm­öl­pro­duktion um 75% und
  • der Kakao­fuß­ab­druck der Elfen­bein­küste um 80%
  • Bis 2050 wird der welt­weite Fleisch­konsum (und damit die Pro­duktion) vor­aus­sichtlich um 76% steigen,
  • die Soja­pro­duktion um fast 45%
  • und die Palm­öl­pro­duktion um fast 60%.

Die Menschheit führt einen Krieg gegen die Natur. Das ist selbst­mör­de­risch. Die Natur schlägt immer zurück – und sie tut es bereits mit wach­sender Kraft und Wut.

Ohne Bäume könnte kein Leben auf der Erde exis­tieren, weil sie den größten Teil des Sauer­stoffs pro­du­zieren, den Men­schen und Wild­tiere atmen. Selbst wenn wir mit schmut­ziger Luft über­leben, kata­stro­phale Kli­ma­er­eig­nisse ertragen und einen Weg finden würden, wie es uns möglich ist. trotz allem zu über­leben, wäre es eine Welt, in der Sie leben wollten?

Netzfrau Doro Schreier


Quelle: netzfrauen.org