Pressefoto Marc Friedrich (C) Sabine Schulte

Der Krieg um Roh­stoffe und Hege­monie — eine neue Zeit­rechnung — Ein Gast­beitrag von Marc Friedrich

Vene­zuela ist das Lehrstück einer neuen Epoche: Wer reale Werte kon­trol­liert, gewinnt Macht. Wer auf Ideo­logie setzt, ver­liert sie. Warum dieser Ein­griff die globale Ordnung neu sor­tiert, den Dollar stützt und einen Roh­stoff-Super­zyklus einleitet.

Der Genie­streich des Jahres — eine Macht­de­mons­tration der USA

Der Jah­res­beginn hätte kaum explo­siver aus­fallen können. Vene­zuela. Ein Land, das über Jahr­zehnte von Kor­ruption ausgehöhlt, durch Repression erstickt und von einem Regime miss­braucht wurde, das seine eigene Bevölkerung sys­te­ma­tisch ver­armen ließ. Nun ist der Despot gefallen. Nicolás Maduro wurde von den USA fest­ge­setzt und außer Landes gebracht. Kein Bürger­krieg, kein mona­te­langes Chaos, kein lang­sames Aus­bluten. Ein schneller, gezielter Macht­wechsel und ein geo­po­li­ti­sches Signal, das weit über Südamerika hin­aus­reicht.

Diese Ent­wicklung ist kein iso­liertes Ereignis, sondern Aus­druck einer tie­fer­lie­genden Zei­ten­wende. Wir befinden uns mitten im soge­nannten Fourth Turning einer Phase, in der alte Ord­nungen zer­brechen und neue Macht­struk­turen ent­stehen. Vene­zuela ist kein Ein­zelfall, sondern ein Mus­ter­bei­spiel dafür, wie sich globale Macht heute ver­schiebt. Nicht über Ideo­logie, nicht über Moral, sondern über reale Werte, Res­sourcen und Kontrolle.

Innerhalb von 24 Stunden wurde das vene­zo­la­nische Regime hand­lungsunfähig gemacht. Die militärische Ope­ration der USA war präzise vor­be­reitet, hoch­ko­or­di­niert und auf das Macht­zentrum fokus­siert. Kom­mu­ni­ka­ti­ons­netze wurden lahm­gelegt, militärische Befehls­ketten unter­brochen, zen­trale Ent­schei­dungs­struk­turen blo­ckiert. Eli­te­ein­heiten drangen in jene inneren Sicher­heits­zonen vor, in denen autoritäre Systeme ihre Macht bündeln. Maduro ver­suchte Berichten zufolge zu fliehen, doch der Über­ra­schungs­moment war voll­kommen. Es gab keine orga­ni­sierte Gegenwehr mehr. Das System kol­la­bierte schneller, als es reagieren konnte.

Mit der Fest­setzung Maduros und seiner Ehefrau war die Führungs­spitze ver­schwunden und damit fak­tisch auch das Regime. Keine funk­tio­nie­rende Kom­man­do­struktur, keine Loyalität, kein Rückhalt. Genau darin liegt die struk­tu­relle Schwäche solcher Systeme. Sie wirken stabil, sind es aber nicht. Sie leben von Kon­trolle und Res­sourcen. Bricht beides gleich­zeitig weg, endet die Herr­schaft nicht schlei­chend, sondern abrupt.

Die US-Justiz wirft Maduro vor, Vene­zuela über Jahre wie eine kri­mi­nelle Orga­ni­sation geführt zu haben. Dro­gen­handel auf Staats­ebene, enge Koope­ration mit Ter­ror­or­ga­ni­sa­tionen, kor­rum­pierte Justiz, Geldwäsche in Mil­li­ardenhöhe, sys­te­ma­tische Umgehung inter­na­tio­naler Sank­tionen. Kurz gesagt: Vene­zuela war kein nor­maler Staat mehr, sondern ein Narco-Staat, in dem Politik, Militär und orga­ni­siertes Ver­brechen ver­schmolzen sind. Dass rund 30 Prozent der Bevölkerung in den letzten Jahr­zehnten das Land ver­lassen haben, spricht eine deut­liche Sprache.

Stra­te­gische Relevanz

Doch der eigent­liche Kern dieser Ope­ration liegt tiefer. Wer Vene­zuela nur als sozia­lis­ti­sches Kri­senland betrachtet, ver­kennt seine wahre Bedeutung. Vene­zuela ist kein armes Land. Es ist einer der größten Roh­stoff­speicher der Welt, poli­tisch und wirt­schaftlich still­gelegt. Mit bestätigten Ölre­serven von rund 300 Mil­li­arden Barrel verfügt das Land über mehr Öl als Saudi-Arabien. Hinzu kommen enorme Gas­vor­kommen, riesige Gold­re­serven, Eisenerz, Kohle, stra­te­gische Metalle und Süßwasserressourcen.

Gerade das vene­zo­la­nische Schweröl ist geo­po­li­tisch ent­scheidend. Die USA sind heute stärker denn je auf schwere Rohölsorten ange­wiesen, während Vene­zuela über Mil­li­arden Barrel davon verfügt. Jahr­zehn­te­lange Ent­eig­nungen, Sank­tionen und Miss­wirt­schaft haben die Förder­ka­pazitäten zerstört, nicht jedoch die Res­sourcen selbst. Ame­ri­ka­nische Kon­zerne stehen nun bereit, Infra­struktur zu moder­ni­sieren und Pro­duktion hoch­zu­fahren. Allein die Aus­sicht darauf verändert globale Ener­gie­er­war­tungen und damit Preise, Inflation, Zinsen und Kapi­talströme.

Öl ist kein gewöhnlicher Roh­stoff. Es ist ein glo­baler Preis­anker. Über Ener­gie­preise laufen Inflation, Wachstum, Han­dels­bi­lanzen und poli­tische Sta­bilität. Wer Angebot kon­trol­lieren oder glaubhaft erweitern kann, beein­flusst Erwar­tungen. Und Erwar­tungen sind an den Märkten oft mächtiger als reale Pro­duk­ti­ons­zahlen. Vene­zuela wird damit vom aus­ge­fal­lenen Pro­du­zenten zur stra­te­gi­schen Reserve vor der Haustür der USA.

Diese Kon­trolle reicht jedoch weiter. Russland verfügt eben­falls über große Schwerölre­serven, China ist einer der wich­tigsten Abnehmer vene­zo­la­ni­schen Öls. Wer Vene­zuelas Res­sourcen kon­trol­liert, greift indirekt in die Macht­pro­jektion beider Länder ein. Nicht durch offene Kon­fron­tation, sondern durch die Ver­schiebung von Res­sour­cenströmen. Das ist Geo­po­litik im 21. Jahr­hundert. Macht wird nicht mehr primär über Panzer, sondern über Lie­fer­ketten, Preise und Abhängig­keiten ausgeübt. Somit können die USA den Wert ihrer Bodenschätze um 33% steigern von den eigenen 45 Bil­lionen USD auf 59 Bil­lionen USD.

Hinzu kommt der währungs­po­li­tische Aspekt. Das Dollar-System lebt nicht nur von Ver­trauen, sondern von struk­tu­reller Nach­frage. Jahr­zehn­telang war Öl einer der größten Nach­fra­ge­mo­toren für den US-Dollar. Wenn diese Nach­frage bröckelt, wird das Schul­den­system der USA angreif­barer. Kon­trolle über reale Güter wie Energie und Roh­stoffe ist deshalb auch Währungs­po­litik. Vene­zuela wirkt hier wie ein Hebel, um Dollar-Nach­frage wieder an reale Ströme zu koppeln.

All das fügt sich nahtlos in ein sehr altes, aber nie auf­ge­ge­benes Denken ein: die Monroe-Doktrin. Der Anspruch der USA, externe Mächte aus der west­lichen Hemisphäre fern­zu­halten, war nie Geschichte, sondern lediglich ein­ge­froren. Nun wird er reak­ti­viert. Latein­amerika ist aus US-Sicht kein neu­trales Ausland, sondern sicher­heits­po­li­ti­scher Vorraum. Der wach­sende Ein­fluss Chinas und Russ­lands war für Washington nicht länger akzep­tabel.

Bedeutung für die Märkte

r die Märkte ist diese Ent­wicklung ein­deutig. Kon­trolle über Ölpreise wirkt infla­tionsdämpfend, senkt den Druck auf Noten­banken und schafft mit­tel­fristig Raum für nied­rigere Zinsen. Das ist ein posi­tives Umfeld für Aktien, Edel­me­talle und Bitcoin. Gold und Silber pro­fi­tieren nicht trotz, sondern wegen nied­riger Inflation, da diese mehr monetären Sti­mulus ermöglicht. Zen­tral­banken kaufen weiter Gold, während Staaten sich zunehmend gegen geo­po­li­tische Risiken absichern.

Der US-Dollar bleibt dominant, aber nicht mehr selbst­verständlich. Er wird ver­teidigt, nicht mehr einfach akzep­tiert. Ein klas­si­sches Merkmal des Fourth Turning. Diver­si­fi­kation, Gold, alter­native Abrech­nungs­systeme nehmen zu. Öl selbst wird zur steu­er­baren Reserve, mit der Preise gezielt beein­flusst werden können.

Das Bei­spiel Vene­zuelas macht damit unmiss­verständlich klar: Die Spiel­regeln haben sich geändert. Politik, die auf Ideo­logie, Umver­teilung und mora­lische Nar­rative setzt, funk­tio­niert nur in einer Welt sta­biler Glo­ba­li­sierung. Diese Welt exis­tiert nicht mehr. In einer Phase hoher Schulden, knapper Res­sourcen und offener Macht­kon­kurrenz zählt nicht, was gut klingt, sondern was real funktioniert.

Wer reale Werte kon­trol­liert, behält Souveränität. Wer sich auf Ver­sprechen verlässt, ver­liert Hand­lungs­spielraum. Das gilt für Staaten genauso wie für jeden Ein­zelnen. Die beschleu­nigte Flucht in Sach­werte ist keine Mode, sondern eine logische Reaktion auf eine neue Welt­ordnung. Und genau in solchen Phasen ent­steht lang­fristig Vermögen nicht durch poli­tische Heils­ver­sprechen, sondern durch Eigentum an realen, begrenzten Werten, was das Nar­rativ des von mir pro­gnos­ti­zierten Roh­stoff­su­per­zyklus weiter befeuert. Silber wird lang­fristig drei­stellig werden, Gold wird lang­fristig fünfstellig werden und auch Bitcoin wird als digi­taler Roh­stoff seinen Platz in der Welt der limi­tierten Werte finden.

 

Der Autor Marc Friedrich

Marc Friedrich ist Deutsch­lands erfolg­reichster Sach­buch­autor (7 SPIEGEL Best­seller in Folge), aus­ge­wie­sener Finanz­ex­perte, gefragter Redner, YouTube-Star, bekannt aus Funk und TV, Vor­denker, Frei­geist und Honorarberater.

Sein aktu­elles Buch trägt den Titel Die größte Revo­lution aller Zeiten — Warum unser Geld stirbt und wie Sie davon pro­fi­tieren können

und wird sich aus­schließlich mit dem Thema Bitcoin und Geld­ge­schichte beschäftigen.

Mehr Infor­ma­tionen:http://www.friedrich-partner.dehttp://www.friedrich-partner.de, http://www.marc-friedrich.de und https://friedrich.report/

Twitter und Instagram: @marcfriedrich7

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