Bild: KI-generiert mit Hilfe von ChatGPT (OpenAI)

Deutschland friert – aber Gas fährt nach Kiew … LNG-Umweg über Rügen: Während deutsche Speicher sinken, rollt teures US-Gas durch die Republik in die Ukraine

Deutschland dis­ku­tiert über mög­liche Eng­pässe bei der Gas­ver­sorgung – und gleich­zeitig fließt Flüs­sig­erdgas aus den USA quer durch die Bun­des­re­publik Richtung Ukraine. Ein Vorgang, der für viele Bürger wie eine ener­gie­po­li­tische Gro­teske wirkt.

 

Ende Februar liegen die deut­schen Gas­speicher deutlich nied­riger als in ver­gleich­baren Jahren. Poli­tiker sprechen bereits über Ver­sor­gungs­si­cherheit, Spar­maß­nahmen und schwierige Nach­fül­lungen im kom­menden Sommer. Doch genau in dieser Phase wird Deutschland zur Tran­sit­dreh­scheibe für LNG, das über die Ost­see­insel Rügen ins Netz ein­ge­speist und anschließend über Polen in die Ukraine trans­por­tiert wird, wie NDR berichtet.

Gas aus Amerika – Umweg über Deutschland

Der Weg des Gases liest sich wie eine ener­gie­po­li­tische Welt­reise. LNG aus den USA wird zunächst per Tanker zum Ter­minal Mukran auf Rügen gebracht. Von dort gelangt es über Lubmin in das deutsche Lei­tungsnetz – aus­ge­rechnet über Infra­struktur, die ursprünglich für Nord Stream gebaut wurde.

Danach geht es weiter nach Polen und schließlich in die Ukraine.

Deutschland wird damit zum zen­tralen Tran­sit­kor­ridor für Energie in Richtung eines Kriegsgebiets.

Offi­ziell geschieht das aus Soli­da­rität mit der Ukraine. Hin­ter­grund sind massive Schäden an der ukrai­ni­schen Ener­gie­infra­struktur und extreme Win­ter­tem­pe­ra­turen. Der staat­liche Ener­gie­konzern Naf­togaz sucht deshalb neue Importwege für Gas.

Doch während in Berlin von euro­päi­scher Soli­da­rität gesprochen wird, fragen sich viele Bürger: Warum ver­lässt Gas das Land, während hier­zu­lande über mög­liche Eng­pässe dis­ku­tiert wird?

Teures LNG – bezahlt von inter­na­tio­nalen Geldgebern

Besonders brisant ist auch die Frage nach der Finanzierung.

Formal kauft der ukrai­nische Ener­gie­konzern Naf­togaz das LNG selbst ein. Doch das Geld stammt nicht allein aus ukrai­ni­schen Quellen. Inter­na­tionale Kredite, Zuschüsse und Mittel euro­päi­scher Insti­tu­tionen fließen in die Beschaffung.

Damit wird das Risiko indirekt auf euro­päische Staaten verteilt.

Kri­tiker sehen darin ein struk­tu­relles Problem. Denn LNG aus den USA ist deutlich teurer als Pipe­linegas. Während der Krieg die Lie­fe­rungen poli­tisch begründet, ent­stehen lang­fristige finan­zielle Ver­pflich­tungen für Hilfs­pro­gramme und Kredite.

Trans­parenz über die kon­kreten Ver­trags­de­tails gibt es kaum.

Niedrige Speicher heizen die Debatte an

Par­allel dazu sorgen die nied­rigen Füll­stände der deut­schen Gas­speicher für Nervosität.

Zwar betonen Behörden, die Ver­sorgung sei aktuell stabil. Doch Experten warnen bereits vor mög­lichen Schwie­rig­keiten bei der Wie­der­be­füllung der Speicher im Sommer.

Genau deshalb wirkt jede sichtbare Wei­ter­leitung von Gas ins Ausland poli­tisch besonders heikel.

Viele Ver­braucher sehen nur ein Bild: Gas ver­lässt Deutschland, während gleich­zeitig über Spar­maß­nahmen dis­ku­tiert wird.

Was pas­siert bei einem echten Gasnotstand?

Deutschland verfügt über einen drei­stu­figen Not­fallplan für Gas. In der höchsten Stufe würde die Bun­des­netz­agentur den Gas­fluss zentral steuern.

Haus­halte und kri­tische Ein­rich­tungen hätten dann Vorrang. Große Indus­trie­be­triebe müssten zuerst mit Ein­schrän­kungen rechnen.

Ein auto­ma­ti­scher Export­stopp wäre jedoch nicht vor­ge­sehen. Euro­päische Soli­da­ri­täts­regeln ver­pflichten die Mit­glied­staaten grund­sätzlich zur grenz­über­schrei­tenden Versorgung.

Genau hier liegt der poli­tisch hei­kelste Punkt.

Sollte sich die Lage ver­schärfen, müsste die Bun­des­re­gierung zwi­schen natio­naler Ver­sorgung und euro­päi­scher Soli­da­rität abwägen – eine Ent­scheidung mit enormem poli­ti­schen Sprengstoff.

Deutschland wird zur Ener­gie­dreh­scheibe des Krieges

Der Weg über Lubmin macht Deutschland end­gültig zur zen­tralen Tran­sit­plattform für Energie nach Osteuropa.

Befür­worter sehen darin einen wich­tigen Beitrag zur Ener­gie­si­cherheit der Ukraine.

Kri­tiker dagegen warnen: Deutschland über­nimmt zusätz­liche Ver­ant­wortung in einer ohnehin ange­spannten Versorgungslage.

Jede tech­nische Störung, jeder Preis­sprung und jedes Problem in der Lie­fer­kette könnte sofort eine neue poli­tische Debatte auslösen.

Eis stoppte den Gasfluss

Wie anfällig das System ist, zeigte sich bereits vor wenigen Wochen.

Zwei Wochen lang konnte im Ter­minal Mukran kein Gas ein­ge­speist werden – schlicht weil Eis den Hafen blo­ckierte. Ein Spe­zi­al­schiff musste dem LNG-Tanker erst den Weg freibrechen.

Erst danach konnte der Betrieb wieder anlaufen.

Inzwi­schen speist das Ter­minal rund 167 Giga­watt­stunden Gas pro Tag ins Netz ein, und weitere Lie­fe­rungen aus den USA sind geplant.

Doch der Zwi­schenfall zeigt auch, wie fragil die gesamte Lie­fer­kette ist.

Eine ener­gie­po­li­tische Gratwanderung

Damit ent­steht eine paradoxe Situation:

Deutschland wird zum Ener­gie­knoten für ein Land im Krieg – während gleich­zeitig die eigene Spei­cherlage als ange­spannt gilt.

Zuerst erschienen bei freiewelt.net.

  • Top Artikel

  • Service-Hotline:
    0179-6695802

  • Servicezeiten:
    Mo. und Do.: 10:00 - 12:00 Uhr
    Mi.: 15:00 - 18:00 Uhr