Bild: Symbolbild. KI.

Erst sprengen sie unsere Leitung in die Luft und jetzt das: Deut­sches Gas­kraftwerk soll an die Ukraine ver­schenkt werden

Ein deut­sches Gas­kraftwerk soll an die Ukraine ver­schenkt werden. Das Vor­haben ist besonders brisant, weil die seit 2023 unge­nutzte Anlage am End­punkt der Nord-Stream-1-Lei­tungen in Lubmin in Meck­lenburg-Vor­pommern steht. Die Pläne wurden Anfang Mai öffentlich. Die AfD und ein Unter­neh­mer­verband wollen den Abbau verhindern.

Laut Recherchen von WELT online wird die Schenkung bereits deutlich länger vor­an­ge­trieben als bisher bekannt. Die Zeitung wertete Geschäfts- und Jah­res­be­richte aus und sprach mit Poli­tikern, Regie­rungs­ver­tretern und Bran­chen­kennern. Öffentlich äußern sich nur wenige Betei­ligte, und die Ver­ant­wortung für die Ent­scheidung will niemand übernehmen.

Das Kraftwerk wurde 2012 gebaut, um rus­si­sches Pipe­linegas zu erwärmen und Strom zu erzeugen. Es gehört der Indus­trie­kraftwerk Greifswald (IKG) GmbH, an der die Sefe Energy GmbH mit 51 Prozent und der E.on-Konzern mit 49 Prozent beteiligt sind. Über die Sefe-Holding hält der Bund seit 2022 ehe­malige Gazprom-Anteile. Damit ist die Anlage mehr­heitlich indi­rektes Bundeseigentum.

Nur halb­herzige Erhal­tungs­pläne, dann schnelle Rückbau-Entscheidung

Von 2015 bis 2022 erhielt das Joint Venture für die Kraft-Wärme-Kopp­lungs­anlage knapp neun Mil­lionen Euro an staat­lichen Zuschlägen. Nach dem Anschlag auf die Nord-Stream-Pipe­lines im Sep­tember 2022 pro­du­zierte das Werk nur noch Strom, die För­derung entfiel. Im Geschäfts­be­richt 2023 hieß es, die Anlage werde abge­schaltet und wert­erhaltend kon­ser­viert. Gleich­zeitig wurden mög­liche Was­ser­stoff­pro­jekte und die Bedeutung als Backup für Zeiten mit wenig Sonne und Wind als Zukunfts­chancen genannt.

Im Sommer 2024 beschlossen Sefe und E.on dann die Still­legung und den Rückbau. Die wirt­schaftlich vor­teil­haf­teste Ver­wertung sei ein Wei­ter­be­trieb als Ersatz­kraftwerk für die kriegs­be­dingt beschä­digte Ener­gie­infra­struktur in der Ukraine. Im Februar 2025 schloss die IKG GmbH ein Transfer- und Koope­ra­ti­ons­ab­kommen mit dem staat­lichen ukrai­ni­schen Ener­gie­konzern Naf­togaz. Naf­togaz soll die Kosten für Abbau, Transport und Wie­der­aufbau tragen.

Skru­pellose Ver­nichtung deut­schen Volks­ver­mögens: Der Wider­stand in Lubmin

Im ver­gan­genen Herbst infor­mierte Sefe die Gemeinde Lubmin über die Pläne – nach Ansicht des Bür­ger­meisters Axel Vogt zu spät. Das Areal mit dem ehe­ma­ligen DDR-Atom­kraftwerk ist ein wach­sender Indus­trie­standort. Das lokale Stromnetz ist am Limit, Unter­nehmen können nicht expan­dieren. Vogt hätte sich gewünscht, dass Sefe auch einen wei­teren Einsatz der Anlage vor Ort geprüft hätte. Zudem äußert er Sicher­heits­be­denken und befürchtet Mehr­kosten für die Absi­cherung des Abtrans­ports durch den gemein­de­ei­genen Hafen, den er leitet.

Gerold Jürgens, Prä­sident des Unter­neh­mer­ver­bands Vor­pommern, beschreibt die Stimmung in der Bevöl­kerung deutlich: „Der Ein­druck bei vielen ist: Erst sprengen sie die Leitung in die Luft und dann nehmen sie das Kraftwerk weg. Das kann man nie­mandem erklären.“ Der mut­maß­liche ukrai­nische Draht­zieher des Pipeline-Anschlags sitzt in Untersuchungshaft.

Kein Käufer trotz rasant wach­senden Gasmarkts?

Sefe äußert sich zu einem mög­lichen Ver­bleib in Deutschland nur vage. Alle Ver­wer­tungs­op­tionen seien geprüft worden, ein­schließlich Ver­kaufs­ver­hand­lungen. Mit der Deut­schen ReGas, die in Mukran auf Rügen ein LNG-Ter­minal betreibt, gab es Gespräche. Eine Ver­legung wäre jedoch deutlich teurer gewesen als der Bau einer neuen Anlage, wie das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­terium auf eine schrift­liche Frage des AfD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­neten Leif-Erik Holm mitteilte.

Ein Bran­chen­in­sider zeigte sich über­rascht, dass sich bei wach­sendem Gas­markt kein anderer Käufer gefunden habe. Ein Sefe-Ver­treter erklärte kürzlich, der Betrieb der Anlage sei nie wirt­schaftlich gewesen, weil vor Ort eine Kes­sel­anlage zur Gas­er­wärmung exis­tiere. Die Geschäfts­be­richte von 2021 und 2022 weisen jedoch Mil­lio­nen­ge­winne aus, die an die Gesell­schafter aus­ge­schüttet wurden. Der Buchwert des Kraft­werks lag 2022 noch bei 9,3 Mil­lionen Euro und ist inzwi­schen auf null abge­schrieben. Den Verlust trägt die IKG aus dem in den Vor­jahren erwirt­schaf­teten Eigenkapital.

Keiner will es gewesen sein: Wird die Ver­ant­wor­tungs­kette absichtlich verwischt? 

Wie genau es zur Ent­scheidung kam, das Kraftwerk abzu­schreiben und an Naf­togaz zu über­tragen, bleibt unklar. Sefe ver­weist auf ein Hil­fe­er­suchen des ukrai­ni­schen Ener­gie­mi­nis­te­riums im Sommer 2023 an das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­terium. Die Über­tragung wurde 2024 vor­be­reitet, die Auf­sichts­gremien der IKG stimmten Anfang 2025 zu. Eine Spre­cherin des Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­riums betonte, Sefe sei ein pri­vat­wirt­schaftlich orga­ni­siertes Unter­nehmen. E.on erklärte, in die Ent­schei­dungen ein­ge­bunden gewesen zu sein, beant­wortete weitere Fragen jedoch nicht.

Im Rahmen des Ver­fahrens wurde auch geprüft, ob die Anlage sys­tem­re­levant ist. Der Über­tra­gungs­netz­be­treiber 50Hertz und die Bun­des­netz­agentur gaben grünes Licht für den Abbau. Die Pläne der Bun­des­re­gierung, im großen Stil neue Gas­kraft­werke zu bauen, ändern an dieser Ein­schätzung nichts.

Der Abbau wird bereits von einer aser­bai­dscha­ni­schen Firma vor­be­reitet. Ein Bericht des Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­riums, auf den sich WELT online beruft, nennt Mitte oder Ende Juni 2026 als Zeit­punkt. Der Transport soll weitere drei bis sechs Monate dauern. Eine Inbe­trieb­nahme des Kraft­werks in der Ukraine während der Heiz­pe­riode 2026/2027 ist daher nicht realistisch.

AfD fordert: Stopp der Schenkung und Erhalt am Standort

Die AfD-Fraktion hat einen Antrag auf Erhalt des Gas­kraft­werks am Standort Lubmin und dessen Inte­gration in die deutsche Ener­gie­infra­struktur ein­ge­bracht. Der Bun­destag debat­tierte die Vorlage am 22. Mai 2026 für eine halbe Stunde und überwies sie anschließend in den feder­füh­renden Aus­schuss für Wirt­schaft und Energie.

Die AfD fordert den sofor­tigen Stopp der unent­gelt­lichen Über­tragung. Statt­dessen soll die Anlage in Lubmin bleiben. Die Begründung: Ohne eine solche Infra­struktur in dieser Grö­ßen­ordnung sei eine nen­nens­werte Anlandung rus­si­schen Erd­gases über Pipe­lines lang­fristig nicht möglich. Eine Demontage erschwere ohne Not eine mög­liche Inbe­trieb­nahme zumindest des ver­blie­benen Strangs von Nord-Stream 2 für mehrere Jahre und erfordere eine gleich­wertige Ersatz­in­ves­tition in Millionenhöhe.

Der Artikel erschien zuerst bei freiewelt.net.

  • Top Artikel

  • Service-Hotline:
    0179-6695802

  • Servicezeiten:
    Mo. und Do.: 10:00 - 12:00 Uhr
    Mi.: 15:00 - 18:00 Uhr

Zahlungsarten:

Lieferung:

Zertifizierungen:

Zahlungsarten:

Lieferung:

Zertifizierungen:

Die Unbestechlichen