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Hyper­in­flation und mone­tärer Zusammenbruch

Am 20.10.2025 ver­öf­fent­lichte Philipp Bagus auf unserer Website seinen Beitrag „Kre­ditgeld, Pesos, Dollars und Argen­tinien“ , der später auch auf Eng­lisch erschien und in welchem es um die poten­zi­ellen Aus­wir­kungen der Schließung der argen­ti­ni­schen Zen­tralbank auf den Wert des Pesos ging. Dar­aufhin erwi­derte Jörg Guido Hülsmann mit seinem Beitrag „Closing a Central Bank: Comment on Bagus“ auf der Website des Mises Institute, Auburn (Alabama, USA), dem wie­derum eine Gegen­er­wi­derung von Philipp Bagus folgte. So ent­stand eine eng­lische Arti­kel­serie aus ins­gesamt 8 Bei­trägen, welche die Autoren nun dan­kens­wer­ter­weise auf Deutsch für unsere Leser zur Ver­fügung stellen. In vier Dop­pel­bei­trägen lesen Sie jeweils zuerst die Erwi­derung von Jörg Guido Hülsmann und sodann die Gegen­er­wi­derung von Philipp Bagus. Heute folgt der dritte Dop­pel­beitrag (den ersten finden Sie HIER, den zweiten HIER). (von Jörg Guido Hülsmann und Philipp Bagus)

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Das Wesen von Hyper­in­fla­tionen: Antwort an Bagus

13. November 2025 (Orignal auf Eng­lisch)von Jörg Guido Hülsmann

In einer kürzlich erschie­nenen Erwi­derung hat Philipp Bagus unseren vor­he­rigen Aus­tausch fort­ge­setzt. Die vor­lie­gende Antwort kon­zen­triert sich nur auf die beiden wich­tigsten strit­tigen Punkte.

Der erste Punkt ist theo­re­ti­scher Natur und betrifft das Wesen von Hyper­in­fla­tionen. Der zweite Punkt bezieht sich auf kon­tra­fak­tische Geschichte. Er betrifft die Frage, was mit dem Preis­niveau des Pesos in Argen­tinien geschehen wäre, wenn Javier Milei nach seiner Macht­über­nahme im Dezember 2023 sein Wahl­ver­sprechen, die Zen­tralbank zu schließen, erfüllt hätte. Lassen Sie uns diese Punkte der Reihe nach behandeln.

Pro­fessor Bagus möchte offenbar den Begriff „Hyper­in­flation” für jede Situation ver­wenden, in der das Preis­niveau einen kri­ti­schen Schwel­lenwert erreicht (zum Bei­spiel Philip Cagans Schwel­lenwert eines monat­lichen Anstiegs der Ver­brau­cher­preise um 50 %). Er argu­men­tiert, dass ein derart starker Preis­an­stieg durch einen starken Rückgang der Geld­nach­frage ver­ur­sacht werden könnte, so wie er in der Ver­gan­genheit durch einen starken Anstieg der Geld­menge ver­ur­sacht wurde.

Nach meinem Emp­finde ist das ein miss­bräuch­licher Sprach­ge­brauch. Die Folgen einer explo­die­renden Geld­menge (bei kon­stanter Geld­nach­frage) unter­scheiden sich stark von den Folgen einer implo­die­renden Geld­nach­frage (bei kon­stanter Geld­menge). Zwar steigt in beiden Fällen das Preis­niveau, aber das ist auch schon die einzige Gemein­samkeit. Die Pro­zesse, die mit dem stei­genden Preis­niveau ein­her­gehen, sind in den beiden Fällen sehr unterschiedlich.

Eine implo­die­rende Geld­nach­frage läuft auf eine rasche Schrumpfung der alten Wäh­rungszone hinaus. Nach und nach, oft in Scharen, geben die Men­schen die Ver­wendung des alten Geldes auf. Sie wenden sich neuen Gel­d­arten (im Wesent­lichen Fremd­wäh­rungen und Edel­me­talle) zu, um zu rechnen und zu tau­schen. Sie zahlen fan­tas­tisch hohe Preise, um ihre alten Geld­ein­heiten ein für alle Mal los­zu­werden. Mit anderen Worten: Wenn das Preis­niveau steigt, ver­schwindet das zugrun­de­lie­gende Problem. Es kommt zu einer begrenzten Umver­teilung, im Wesent­lichen zugunsten der Aus­länder, die Devisen und Edel­me­talle an die Inländer ver­kaufen, aber es gibt keine Abwertung der nicht mone­tären Ver­mö­gens­formen und keine all­ge­meine und anhal­tende Lähmung der Wirt­schaft. Die Men­schen machen schnell mit ihrem Leben weiter.

Wenn hin­gegen die Geld­menge explo­diert und die Geld­nach­frage durch brutal durch­ge­setzten Annah­me­zwang des gesetz­lichen Zah­lungs­mittels sta­bi­li­siert wird, gibt es keinen schnellen und rei­bungs­losen Ausweg. Die Umver­teilung von Ein­kommen und Ver­mögen ist dann massiv und kann viele Monate oder sogar Jahre dauern. Erspar­nisse ver­flüch­tigen sich, Wirt­schafts­rechnung wird unmöglich, die Arbeits­teilung bricht zusammen. Früher oder später beginnen die Men­schen, Immo­bilien, Unter­neh­mens­an­teile, Gemälde und andere Wert­ge­gen­stände zu Schleu­der­preisen zu ver­kaufen, nur um die Woche oder den Tag zu über­stehen. Erst ganz am Ende dieses Pro­zesses, wenn über­wäl­ti­gende wirt­schaft­liche Not die ver­zwei­felte Bevöl­kerung dazu treibt, sich ihrer Regierung zu wider­setzen, sinkt die Geld­nach­frage und leitet den oben beschrie­benen Hei­lungs­prozess ein.

Diese beiden sehr unter­schied­lichen Pro­zesse mit dem gleichen Namen zu bezeichnen, kann nur zu Ver­wirrung führen. Vor etwa zwanzig Jahren hat Peter Bernholz alle bis­he­rigen Hyper­in­fla­tionen kata­lo­gi­siert (siehe sein Buch Monetary Regimes and Inflation). Es gab keinen ein­zigen Fall, in dem Hyper­in­fla­tionen bei einer kon­stanten (oder sich langsam ver­än­dernden) Geld­menge auf­traten. In allen Fällen war die Geld­menge massiv erhöht worden, um enorme öffent­liche Defizite zu finan­zieren. Und seitdem dieses Buch erschienen ist, hat sich am empi­ri­schen Befund nichts geändert. Mein Punkt ist, dass es nicht nur grund­le­gende pra­xeo­lo­gische Unter­schiede zwi­schen den ver­schie­denen Pro­zessen gibt, die zu einem stei­genden Preis­niveau führen können, sondern dass in der Praxis der einzige rele­vante Prozess der­jenige ist, der aus einer explo­die­renden Geld­menge resul­tiert. Das wird als Hyper­in­flation bezeichnet. Die Ver­wendung dieses Begriffs in einem anderen Sinne birgt die Gefahr, Ver­wirrung und unge­recht­fer­tigte Ängste zu verbreiten.

Lassen Sie mich kurz auf das zweite Thema ein­gehen. Was wäre mit dem Preis­niveau des Pesos geschehen, wenn Prä­sident Milei Anfang 2024 die Zen­tralbank geschlossen hätte?

Die Stan­dard­antwort fast aller kom­pe­tenten Öko­nomen lautet, dass die Preise unter dem Gewicht einer rasch schrump­fenden Geld­menge implo­diert wären. Zumindest dachte ich (und denke immer noch), dass dies die Stan­dard­antwort sei. Wir können uns ver­schiedene Sze­narien für die Schließung der Zen­tralbank vor­stellen. Die meisten davon würden eine dras­tische Ver­rin­gerung der Geld­basis mit sich bringen. Der Ein­fachheit halber können wir davon aus­gehen, dass die Grund­geld­menge fortan ein­ge­froren bleibt. Aber selbst dann würde die Menge der von den Geschäfts­banken pro­du­zierten Umlaufs­mittel dras­tisch sinken. Viele Geschäfts­banken würden ohne die Hilfe der Zen­tralbank in Konkurs gehen, und die Über­le­benden müssten ihre Bar­re­serven aus blanker Not massiv aufstocken.

Es stimmt, dass Ende 2023 die Nach­frage nach Pesos rück­läufig war. Aber auch hier würde ich erwarten, dass nur wenige Öko­nomen darin den Haupt­grund für die Preis­in­flation jener Monate erblicken. Ich denke, die meisten von uns würden die Geld­po­litik als Haupt­ur­sache ansehen. In den späten Phasen einer Hyper­in­flation mag das anders sein, wie ich oben erklärt habe, aber Argen­tinien befand sich Ende 2023 nicht in einer solchen späten Phase.

Doch dann kommt Philipp Bagus und erzählt seinen Lesern eine ganz andere, fas­zi­nie­rende Geschichte. Ihm zufolge befand sich Argen­tinien in einem fort­ge­schrit­tenen Stadium (wenn auch nicht im aller­letzten Stadium) einer Hyper­in­flation, und die Nach­frage nach Pesos implo­dierte. In diesem Zusam­menhang hätte die Schließung der Zen­tralbank die Preis­in­flation ver­stärkt und kei­neswegs zu einer Preis­senkung geführt:

Die vor­herige Regierung hatte die Geld­menge enorm erhöht und damit die Preis­in­flation beschleunigt. Es war eine Infla­ti­ons­spirale in Gang gesetzt worden, in der eine geringere Nach­frage nach Pesos zu höheren Preisen führte (was sich am deut­lichsten im Dollar-Wech­selkurs wider­spie­gelte), was wie­derum zu einem wei­teren Ver­trau­ens­verlust und einer wei­teren Ver­rin­gerung der Nach­frage nach Pesos führte und so weiter. Es ist nicht not­wendig, dass die Geld­menge bis zum aller­letzten Stadium der Hyper­in­flation weiter zunimmt; die vor­herige Expansion könnte bereits den Ver­trau­ens­verlust aus­gelöst haben. Die Abschaffung der Zen­tralbank am ersten Tag von Mileis Amts­an­tritt hätte den Prozess des Ver­trau­ens­ver­lusts nicht auf­ge­halten; vielmehr hätte der Peso die Hoffnung ver­loren, zu einem festen Kurs in Dollar umge­tauscht werden zu können.

Das ist die unglaub­liche Geschichte, die meine erste Reaktion aus­gelöst und die anschlie­ßende Dis­kussion angeregt hat. Sie ist einfach völlig kon­train­tuitiv. Oben habe ich mich mit einigen der theo­re­ti­schen Fragen befasst, die hier eine Rolle spielen. Aber es stellt sich auch die Frage nach der empi­ri­schen Rich­tigkeit von Pro­fessor Bagus‘ Geschichte. Und ich glaube nicht, dass er mit seinen Fakten richtig liegt.

Es ist nicht wahr, dass die vor­herige Regierung die Geld­menge „enorm“ erhöht hatte – wenn wir dar­unter „viel mehr als frühere Regie­rungen“ oder „viel mehr als die Milei-Regierung“ ver­stehen. Sie hat die Geld­menge sicherlich nicht jeden Monat ver­doppelt, ver­drei­facht oder ver­vier­facht, wie es bei echten Hyper­in­fla­tionen oft der Fall ist. Die tat­säch­liche Ent­wicklung der argen­ti­ni­schen Geld­men­gen­ag­gregate M0 und M1 sieht eher so aus (die für die Berechnung von M2 erfor­der­lichen Daten konnte ich nicht finden):

Man beachte den log­arith­mi­schen Maßstab. Das Wachstum der Geld­menge war unter der vor­he­rigen Regierung nicht signi­fikant höher, außer im letzten Monat ihrer Amtszeit. Unter Prä­sident Milei verlief die Inflation der Geld­menge mehr oder weniger wie zuvor. Die Zen­tralbank und die Geschäfts­banken ermög­lichten es seiner Regierung, um mit den denk­wür­digen Worten von Yanis Varou­fakis zu sprechen, „Zil­lionen von Dollar“ (Bil­lionen Pesos und Mil­li­arden Dollar) zu leihen und „sie auf einen bereits uner­träg­lichen Berg von Staats­schulden zu stapeln“.

Selbst wenn wir die Preis­in­fla­ti­onsrate betrachten und sie mit den Wachs­tums­raten von M0 und M1 ver­gleichen, finden wir keine Anzeichen für eine Situation, die den letzten Phasen einer Hyper­in­flation ähnelt. Wie im Fall der Geld­mengen finden wir keinen Unter­schied in der Grö­ßen­ordnung einer Hyper­in­flation zwi­schen der Amtszeit von Milei und der seines Vor­gängers. Im November und Dezember 2023 gab es zwar einen deut­lichen Anstieg, aber nichts, was auch nur annä­hernd einer Hyper­in­flation gleichkäme. Und vor allem lässt sich die Preis­in­flation sehr gut als Folge der mone­tären Inflation erklären.

Im Lichte dieser Tat­sachen halte ich es für unge­recht­fertigt, davon aus­zu­gehen, dass die Geld­nach­frage Ende 2023 irgendwie zum Haupt­treiber der Preis­in­flation geworden sei. Es bestand keine Not­wen­digkeit, von der üblichen Erklärung abzu­weichen und der Geld­nach­frage in diesem Zusam­menhang eine besondere Rolle zuzu­schreiben. Es war falsch zu glauben, dass die Schließung der Zen­tralbank die Preis­in­flation ver­schärfen oder sogar eine Hyper­in­flation nach sich ziehen würde.

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Die Logik des mone­tären Zusam­men­bruchs: Eine Erwi­derung an Hülsmann

18. November 2025 (Ori­ginal auf Eng­lisch)von Philipp Bagus

In seiner jüngsten Antwort geht Pro­fessor Hülsmann nicht auf mehrere der zen­tralen Punkte meines Argu­ments ein. Statt­dessen kon­zen­triert er sich auf zwei Themen: meine Ver­wendung des Begriffs ‚Hyper­in­flation‘ und die kon­tra­fak­tische Frage, was in Argen­tinien pas­siert wäre, wenn Javier Milei die Zen­tralbank an seinem ersten Tag im Amt geschlossen hätte.

Der Begriff Hyperinflation

Beginnen wir mit dem ersten Punkt. Pro­fessor Hülsmann erklärt, dass “ Pro­fessor Bagus möchte offenbar den Begriff „Hyper­in­flation” für jede Situation ver­wenden, in der das Preis­niveau einen kri­ti­schen Schwel­lenwert erreicht.“ Er betrachtet meine Ver­wendung von „Hyper­in­flation“ als „miss­bräuch­lichen Sprach­ge­brauch“. Dazu möchte ich nur drei Dinge sagen.

Erstens kann man die Defi­nition von Hyper­in­flation als Perioden sehr hoher Preis­in­flation als „miss­bräuch­lichen Sprach­ge­brauch“ ansehen, doch sie ist nicht meine Erfindung, sondern die Stan­dard­ver­wendung des Begriffs ‚Hyper­in­flation‘ und eben­falls über­nommen von Peter Bernholz (2015), der Philip Cagan (1956) folgt. Cagan betrachtet Preis­in­fla­tionen als Hyper­in­fla­tionen, bei denen die Preis­in­fla­ti­onsrate in einem Monat min­destens 50 % über­steigt.[1]

„Preis­niveau“ ist ein bedeu­tungs­loses Konzept

Zweitens, während Pro­fessor Hülsmann mir „miss­bräuch­licher Sprach­ge­brauch “ vor­wirft, ist er in seinen ter­mi­no­lo­gi­schen Ein­wänden gegen meine Erwi­derung nicht weniger dazu geneigt, mehr­deutige und irre­füh­rende Begriffe zu ver­wenden, die nur Ver­wirrung stiften können. So ver­wendet er bei­spiels­weise den Aus­druck „Preis­niveau“ nicht weniger als achtmal in seinem Artikel. Ludwig von Mises (2006, S. 58–59) lehnte die Ver­wendung dieses ver­wir­renden Begriffs strikt ab:

The meta­pho­rical expression ‘price level’ must never be used. When people talk of a price level’, they have in mind the image of a level of a liquid which goes up or down according to the increase or decrease in its quantity, but which, like a liquid in a tank, always rises evenly. But with prices, there is no such thing as a ‘level.’ Prices do not change to the same extent at the same time. There are always prices that are changing more rapidly, rising or falling more rapidly than other prices.[2]

[Deutsche Über­setzung durch Redaktion:
Der meta­pho­rische Aus­druck „Preis­niveau“ darf niemals ver­wendet werden. Wenn Men­schen von einem „Preis­niveau“ sprechen, haben sie das Bild eines Flüs­sig­keits­standes vor Augen, der je nach Zu- oder Abnahme der Menge steigt oder fällt, dabei aber – wie eine Flüs­sigkeit in einem Behälter – immer gleich­mäßig ansteigt. Bei Preisen gibt es jedoch kein solches „Niveau“. Die Preise ver­ändern sich nicht gleich­zeitig und in gleichem Ausmaß. Es gibt immer Preise, die sich schneller ver­ändern, die schneller steigen oder schneller fallen als andere Preise.]

Bemer­kenswert ist, dass Pro­fessor Hülsmann den Begriff „Preis­niveau“ ver­wendet, wenn die Preis­in­flation aus einem Rückgang der Geld­nach­frage resul­tiert, aber nicht, wenn er Hyper­in­flation beschreibt, die durch das Geld­an­gebot ange­trieben wird. Im zweiten Sze­nario ver­schwindet der Begriff „Preis­niveau“. Die Ver­wendung des Begriffs „Preis­niveau“ im ersten Sze­nario, in dem die Preis­in­flation durch Nach­frage ange­trieben wird, ver­deckt die Umver­tei­lungs­ef­fekte (zwi­schen den Wirt­schafts­sub­jekten) und erhöht dadurch künstlich die Asym­metrie zwi­schen den beiden Pro­zessen. Hätte Pro­fessor Hülsmann im zweiten Sze­nario den Begriff „Preis­niveau“ ver­wendet, wären die von ihm betonten Umver­tei­lungs­ef­fekte ver­schwunden. Die Erhöhung des „Preis­ni­veaus“ würde das Problem der über­schüs­sigen Kas­sen­haltung lösen.

Gesetze zu legalem Zah­lungs­mittel, staat­liche Durch­setzung und Geldforderung

Ein wei­terer „miss­bräuch­licher Sprach­ge­brauch“ tritt auf, wenn Pro­fessor Hülsmann schreibt, dass “ Wenn hin­gegen die Geld­menge explo­diert und die Geld­nach­frage durch brutal durch­ge­setzten Annah­me­zwang des gesetz­lichen Zah­lungs­mittels sta­bi­li­siert wird, gibt es keinen schnellen und rei­bungs­losen Ausweg. Die Umver­teilung von Ein­kommen und Ver­mögen ist dann massiv und kann viele Monate oder sogar Jahre dauern. “ (Kursiv hinzugefügt)

Der Hinweis auf ‚brutal‘ durch­ge­setzte Gesetze ist unnötig und irre­führend. Die staat­liche Durch­setzung erfolgt nicht nur durch die Androhung von Zwang, sondern auch – tat­sächlich in erster Linie – durch Ideo­logie. In modernen Wäh­rungs­sys­temen funk­tio­nieren gesetz­liche Zah­lungs­mittel über ideo­lo­gische und insti­tu­tio­nelle Kanäle, nicht durch den Einsatz roher kör­per­licher Gewalt. Das Adverb ‚brutal‘ deutet daher auf ein Maß an Gewalt hin, das weder in den Regeln des gesetz­lichen Zah­lungs­mittels ent­halten ist noch in deren prak­ti­scher Anwendung beob­achtet wird. Darüber hinaus scheint Pro­fessor Hülsmann die tat­säch­liche Bedeutung des gesetz­liches Annah­me­zwangs für die Nach­frage nach Fiatgeld zu über­schätzen. Die Geld­nach­frage wird weitaus stärker von mone­tären Erwar­tungen, insti­tu­tio­neller Glaub­wür­digkeit und fis­ka­li­schen Bedin­gungen geprägt als vom gesetz­lichen Annahmezwang.

Geld dient sowohl als Tausch­mittel als auch als Absi­cherung gegen emp­fundene Unsi­cherheit. Wenn eine qua­li­tative Ver­schlech­terung des Geldes bevor­steht – das Geld­an­gebot ist einer, aber nicht der einzige ent­schei­dende Faktor für die Qua­lität des Geldes– beginnen Markt­teil­nehmer, Geld wie heiße Kar­toffeln los­zu­werden.[3] Es ist unklar, ob der gesetz­liche Annah­me­zwang Markt­teil­nehmer daran hindern könnte, Geld schnell zu ver­kaufen. Mit anderen Worten: Diese Gesetze könnten nicht, wie Hülsmann es ver­mutet, die Geld­nach­frage sta­bi­li­sieren. Inter­es­san­ter­weise schreibt Hülsmann dem gesetz­lichen Annah­me­zwang und der Besteuerung einen starken sta­bi­li­sie­renden Effekt auf die Geld­nach­frage zu, hält jedoch fest, dass die Schließung einer Zen­tralbank, ein Sturz der Regierung oder sogar ein Bank­zu­sam­men­bruch die Geld­nach­frage nicht ver­ringern würden – sondern sie sogar erhöhen könnten. Darüber hinaus hat Ludwig Mises betont, dass in der ersten Phase des hohen Geld­men­gen­wachstums und Preis­in­fla­tions die Markt­teil­nehmer ihre Kas­sen­haltung erhöhen – aller­dings nicht, weil der gesetz­liche Annah­me­zwang weniger brutal durch­ge­setzt wird, sondern weil sie erwarten, dass die Preise in Zukunft sich wieder nor­ma­li­sieren würden.[4] Erwar­tungen sind grund­le­gender und wich­tiger als Gesetze zum Annah­me­zwang. Die Hin­zu­fügung des Prä­dikats „brutal durch­ge­setzt“ vor die Gesetze zum Annah­me­zwang ändert daran nichts.

Das Wesent­liche: Ver­trauen in Geld über­trumpft die Geldmenge

Drittens – und am wich­tigsten – inter­es­siere ich mich nicht für ter­mi­no­lo­gische Eti­ketten, sondern für das Wesent­liche der Sache. Mein Argument ist einfach, dass selbst mit einem kon­stanten Geld­an­gebot eine Währung ihre Kauf­kraft ver­lieren kann, wenn die Nach­frage zusam­men­bricht. Ein Tausch­mittel, das seine Funktion ver­liert, weil kein Akteur sub­jektiv seine zukünftige Kauf­kraft schätzt, hört als Geld auf zu exis­tieren. Die im Umlauf befind­liche Menge ist dann irrelevant; Es wird zu Alt­papier. Wie ich bereits in einer Fußnote in meiner ersten Antwort dar­legte, ist es lediglich eine Begriffs­frage, ob man die End­phase des Zusam­men­bruchs einer Währung als „Hyper­in­flation“, „wilde Inflation“ oder „Demo­ne­ti­sierung“ bezeichnet. Die wesent­liche Frage ist, ob die Kauf­kraft der Währung ver­schwinden würde, sobald Ver­trauen und Nach­frage zusam­men­brechen. Eine pra­xäo­lo­gische Analyse des Geldes bestätigt meine Schlussfolgerung.

Wenden wir uns nun den empi­ri­schen Fragen zu und gehen auf drei Punkte ein.

Theorie und Geschichte

Zunächst ist es an der Zeit, sich an die Rolle von Theorie und Geschichte in der öster­rei­chi­schen Metho­do­logie zu erinnern. Innerhalb der öster­rei­chi­schen Metho­do­logie können empi­rische Fälle eine theo­re­tische Aussage ver­an­schau­lichen, sie aber nicht beweisen oder wider­legen. Hülsmann fragt nach einem empi­ri­schen Bei­spiel für demo­ne­ta­ri­sie­rungs­ge­triebene Hyper­in­flation. Doch das dis­ku­tierte Sze­nario – die Abschaffung einer Zen­tralbank am ersten Tag einer neuen Regierung in einem Land mit über­schul­detem öffent­lichen Sektor, einem kon­so­li­dierten Defizit von 15 Prozent des BIP, einer jün­geren Geschichte voll von Hyper­in­fla­tionen und Staats­bank­rotten sowie einer Bevöl­kerung, die der national Währung nicht ver­traut – hat keinen his­to­ri­schen Prä­ze­denzfall.[5] Nach Hüls­manns eigenem Maßstab fehlt auch für seine Behauptung, ein solches Ereignis würde keinen mone­tären Zusam­men­bruch ver­ur­sachen, empi­rische Unter­stützung. Obwohl empi­rische Illus­tra­tionen inter­essant sein können, sind sie für das Argument nicht ent­scheidend. Wichtig ist das pra­xeo­lo­gische Denken, das unab­hängig von jeg­licher his­to­ri­schen Dar­stellung steht.

Ja, Argen­tinien näherte sich der Hyperinflation

Zweitens schlägt Pro­fessor Hülsmann vor, dass Argen­tinien keine Hyper­in­flation erwartete, als Milei an die Macht kam:

Selbst wenn wir die Preis­in­fla­ti­onsrate betrachten und sie mit den Wachs­tums­raten von M0 und M1 ver­gleichen, finden wir keine Anzeichen für eine Situation, die den letzten Phasen einer Hyper­in­flation ähnelt.

Meine his­to­rische Inter­pre­tation ist anders.[6] Der Ver­brau­cher­preis­index stieg im Oktober 2023 monatlich um 9,8 %. Im November 2023 stieg er bereits um 12,8 %. Im Dezember, als Milei sein Amt antrat, stieg die Preis­in­flation auf 25,5 %. Das Momentum ist klar. Darüber hinaus stieg der Erzeu­ger­preis­index, der typi­scher­weise Schwan­kungen der Ver­brau­cher­preise vor­ausgeht, im Dezember 2023 um außer­ge­wöhn­liche 54 % – deutlich über Cagans 50 %-Schwelle für Hyper­in­flation. In den ersten Tagen des Dezembers 2023 erreichte die Infla­ti­onsrate 1 Prozent pro Tag, was jährlich etwa 3.670 Prozent ent­spricht. Der Anstieg der Preis­in­fla­ti­ons­raten ist das deut­lichste Zeichen dafür, dass die Peso-Nach­frage ein­brach, als Milei das Amt antrat.

Fester Wech­selkurs und Konvertibilität

Drittens schreibt Pro­fessor Hülsmann: „Der Peso befand sich auf einem dau­er­haften Abwärts­trend. Wie konnte es Hoffnung auf eine Kon­ver­ti­bi­lität zu einem festen Kurs geben?“ Erstens gab es in Argen­tinien bereits ein de facto festes Wech­sel­kurs­regime, als Milei sein Amt antrat. Die Regierung erlaubte freilich keine freie Kon­ver­ti­bi­lität zu dem Kurs, der den Peso über­be­wertete, sondern führte Kapi­tal­ver­kehrs­kon­trollen (CEPO) ein. Zweitens ist es daher falsch zu impli­zieren, dass Kon­ver­ti­bi­lität unmöglich war. Argen­tinien hatte bis 2001 eine Kon­ver­ti­bi­lität gehabt, und Milei schlug aus­drücklich ein Dol­la­ri­sie­rungs­schema vor, das die Ein­lösung von Pesos in die Dol­lar­re­serven der Zen­tralbank vorsah.[7] Drittens hat Hülsmann recht, dass der Peso wie jedes Fiatgeld dau­erhaft an Wert ver­liert. Ludwig von Mises prä­sen­tiert in seinem Geld­re­formplan, ver­öf­fent­licht 1953 als Teil vier „Monetary Recon­s­truction“ in der eng­li­schen Ausgabe von Die Theorie des Geldes und der Umlaufs­mittel, vier Haupt­phasen. Erstens: Stoppen des Geld­dru­ckens. Zweitens fordert Mises eine Phase der Sta­bi­li­sierung. Drittens: Fixieren des Umtausch­ver­hält­nisses zwi­schen dem alten abge­wer­teten Geld und dem neuen Standard (Gold). Viertens: Ein­führung der voll­stän­digen Kon­ver­ti­bi­lität zum festen Umtauschkurs. Mit anderen Worten: Es ist durchaus möglich, das Geld­druck zu stoppen und eine alte Währung zu einem festen Wech­selkurs in eine neue Währung umzu­wandeln. Dies wider­spricht direkt der Behauptung, dass eine Kon­ver­ti­bi­lität zu einem festen Wech­selkurs in Argen­tinien grund­sätzlich unmöglich sei.

Pro­fessor Hüls­manns Teil­analyse der mone­tären Aggregate

Abschließend möchte ich eine empi­rische Tat­sache in Argen­tinien beleuchten, von der Pro­fessor Hülsmann mög­li­cher­weise nichts weiß und die für die Nach­frage nach Pesos wichtig war, nämlich die unter­drückte Inflation oder Ste­ri­li­sation, die von der Vor­re­gierung durch­ge­führt wurde. Damit gab es eine monetäre Inflation, die in den von Hülsmann prä­sen­tierten Zahlen von M0 und M1 nicht sichtbar ist und die für die kor­rekte Inter­pre­tation dieser Zahlen wichtig ist.

Stellen Sie sich vor, die Federal Reserve würde Staats­an­leihen im Wert von 100 Mil­li­arden Dollar kaufen und dabei neue Reserven schaffen, aber dann 90-Mil­li­arden-Dollar an kurz­fris­tigen, 30-Tage lau­fenden Schuld­ver­schrei­bungen mit attrak­tiven Zins­sätzen aus­geben, die von den Banken gekauft werden. Dann fließen 90 % der neu geschaf­fenen Reserven zurück an die Federal Reserve und werden ste­ri­li­siert. Nur 10 Mil­li­arden Dollar an neuen Reserven gelangen in die Wirt­schaft. Dennoch gibt es zwei Dinge zu bedenken. Erstens werden nach 30 Tagen die Schuld­ver­schrei­bungen fällig und die 90 Mil­li­arden Dollar würden schließlich in die Wirt­schaft fließen. Um dies zu ver­hindern, könnte die Federal Reserve freilich die Schuld­ver­schrei­bungen erneuern. Zweitens muss die Federal Reserve Zinsen auf die Schuld­ver­schrei­bungen zahlen, durch das Drucken neuen Geldes. Es gibt also ein Problem, das sich weder in M0 noch M1 wider­spiegelt, weil die von der Federal Reserve aus­ge­ge­benen Schuld­ver­schrei­bungen nicht Teil dieser Aggregate sind.

Was wir gerade als Gedan­ken­ex­pe­riment für die Federal Reserve beschrieben haben, geschah in Argen­tinien, bevor Milei sein Amt antrat, mit der Detail, dass die schei­dende Regierung die Laufzeit der meisten Schuld­ver­schrei­bungen auf einen Tag ver­kürzte und die annua­li­sierten Zinsen bis zu 135 % betrugen. Dies führte 2023 zu einem Zen­tral­bank­de­fizit von etwa 10 % des BIP, finan­ziert durch neu geschaffene Pesos. Im Dezember 2023 betrug die Geld­basis 9.182.107 Mil­lionen Pesos. Die kurz­fris­tigen Ver­bind­lich­keiten, die von der Zen­tralbank aus­ge­geben wurden, beliefen sich auf 23.854.402 Mil­lionen Pesos, was etwa 2,6‑fach der mone­tären Basis ent­spricht. So hing eine Zeit­bombe wie ein Damo­kles­schwert über der Wirt­schaft, die die Geld­basis von einem Tag auf den anderen um das 3,6 hätte ver­viel­fachen können.[8]

Unter­schätzung des Inflationsdrucks

Jede Analyse, die diese ver­zinsten Ver­bind­lich­keiten nicht berück­sichtigt, behandelt nur einen Bruchteil der effek­tiven mone­tären Expansion und unter­schätzt daher sys­te­ma­tisch den Infla­ti­ons­druck. Analog dazu beträgt die US-Geld­basis  im Sep­tember 2025 5,478 Bil­lionen US-Dollar. Wenn die US-Geld­basis um den­selben Faktor – das 3,6‑fache – expan­dieren würde, würde sie sofort von 5,478 Bil­lionen US-Dollar auf etwa 19,7 Bil­lionen US-Dollar steigen. Eine solche Zeit­bombe hätte wichtige Aus­wir­kungen auf die Dollar-Nach­frage und die Infla­ti­ons­er­war­tungen.[9] Kein Wunder, dass die Peso-Nach­frage zusam­men­brach und die Argen­tinier Ende 2023 in den Dollar flüch­teten. Wenn diese ver­zinsten Ver­bind­lich­keiten nicht berück­sichtigt werden, führt es zu einer Fehl­in­ter­pre­tation der mone­tären Lage. Der Peso-Nach­fra­ge­kollaps Ende 2023 lässt sich nicht ver­stehen, ohne diesen Ste­ri­li­sa­ti­ons­me­cha­nismus zu kennen.[10]

His­to­rische Prä­ze­denz­fälle und kon­tra­fak­tische Analyse

Man könnte argu­men­tieren, dass his­to­rische Hyper­in­fla­tionen stets erheb­liche Erhö­hungen des Geld­menge mit sich brachten. Doch solche Beob­ach­tungen setzen sich nicht mit dem logi­schen Punkt aus­ein­ander, der auf dem Spiel steht. Ob ein his­to­ri­scher Prä­ze­denzfall zitiert werden kann, ist für eine kon­tra­fak­tische Analyse uner­heblich; und jeden­falls gibt es für Pro­fessor Hüls­manns eigenen Stand­punkt darüber, was „pas­siert“ oder „nicht geschehen wäre“, ebenso wenig empi­rische Illus­tra­tionen. Ein kon­tra­fak­ti­sches Bei­spiel kann weder durch das Fehlen eines his­to­ri­schen Bei­spiels auf­ge­hoben noch durch selektiv aus­ge­wählte Bei­spiele gestützt werden. Die wesent­liche Frage ist, ob eine Währung ihre Funktion als Tausch­mittel ver­lieren kann, wenn die Nach­frage danach zusam­men­bricht, selbst wenn die Geld­menge unver­ändert bleibt. Da dies eine pra­xäo­lo­gische Wahrheit ist, erfordert sie keine empi­rische Bestä­tigung, und keine Auf­zählung von his­to­ri­schen Epi­soden kann sie wider­legen. Auch der argen­ti­nische Fall wider­spricht dem nicht; Im Gegenteil, die empi­ri­schen Daten – ins­be­sondere der riesige Bestand an ste­ri­li­sierten und ver­zinsten Zen­tral­bank­ver­bind­lich­keiten und die Flucht aus dem Peso Ende 2023 – deuten darauf hin, dass der Peso bereits erheb­lichen Druck auf der Nach­fra­ge­seite aus­ge­setzt war. Jede Antwort, die sich auf ter­mi­no­lo­gische Fragen, unvoll­kommene his­to­rische Ana­logien oder selektiv aus­ge­wählte Aggregate kon­zen­triert, würde daher das Kern­problem nicht berühren.

Schluss­fol­gerung

Zusam­men­fassend geht Hüls­manns jüngste Antwort nicht auf den Inhalt meines Argu­ments ein, sondern ver­lagert die Dis­kussion hin zu Ter­mi­no­logie und Auf­zäh­lungen his­to­ri­scher Bei­spiele. Doch weder seman­tische Strei­tig­keiten noch empi­rische Auf­zäh­lungen berühren den theo­re­ti­schen Kern: Eine Währung kann durch einen Rückgang der Geld­nach­frage zusam­men­brechen, selbst wenn ihre Menge unver­ändert bleibt. Ebenso bleibt die Unter­scheidung zwi­schen mone­tärer und nicht-mone­tärer (durch Steuern gestützte) Nach­frage unbe­ant­wortet. Indem er diese Themen ver­meidet, lässt seine Antwort die Logik meiner Analyse unbe­rührt. Darüber hinaus bleibt die empi­rische Rea­lität der argen­ti­ni­schen Situation – vor allem der massive Bestand an ver­zinsten Zen­tral­bank­ver­bind­lich­keiten, die nicht in den von ihm aus­ge­wie­senen Geld­ag­gregate ent­halten sind – völlig unbe­leuchtet. Jede Ein­schätzung der Peso-Nach­frage oder der infla­tio­nären Aus­sichten, die diese ste­ri­li­sierten Ver­bind­lich­keiten nicht berück­sichtigt, miss­in­ter­pre­tiert zwangs­läufig die mone­tären Dyna­miken Ende 2023. Daher lässt Hüls­manns Antwort sowohl theo­re­tisch als auch empi­risch das Wesen des Argu­ments unberührt.

Dieser Aus­tausch hat klar­ge­stellt, wo der ent­schei­dende Punkt liegt. Die Debatte dreht sich weder um Ter­mi­no­logie, noch um Auf­zäh­lungen his­to­ri­scher Epi­soden, noch um die beson­deren Kom­ple­xi­täten des argen­ti­ni­schen Falls. Die Frage ist kon­zep­tionell: Ob eine Währung auf­hören kann, als Geld zu funk­tio­nieren, wenn ihre Nach­frage zusam­men­bricht, unab­hängig davon, ob ihre Menge steigt, kon­stant bleibt oder sogar sinkt. Diese Frage wurde von Anfang an durch die Logik des Geldes geklärt. Die zusätz­lichen empi­ri­schen Über­le­gungen, die ich ein­ge­führt habe – bezüglich Infla­ti­ons­ent­wicklung, ste­ri­li­sierter mone­tärer Expansion und ver­zinsten Ver­bind­lich­keiten – unter­mauern diese Schluss­fol­gerung nur. Sollten weitere Mei­nungs­ver­schie­den­heiten bestehen, betreffen sie Ange­le­gen­heiten außerhalb des Kern­ar­gu­ments und können seine pra­xäo­lo­gische Gül­tigkeit nicht beeinträchtigen.

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[1] Cagan, Philip (1956), „Die monetäre Dynamik der Hyper­in­flation“, in Milton Friedman (Hrsg.), Studies in the Quantity Theory of Money, Chicago, Uni­versity of Chicago Press. Peter Bernholz, der von Hülsmann zitiert wird, zitiert sei­ner­seits Cagan und defi­niert Hyper­in­flation „als Extrem­fälle hoher Infla­tionen.““ Siehe Bernholz, Peter (2015), Monetary Regimes and Inflation. History, Eco­nomic and Poli­tical Rela­ti­onships, 2. Aufl., Chel­tenham, Edward Elgar, S. 2.

[2] Mises, Ludwig von (2006), Eco­nomic Policy. Thoughts for Today and Tomorrow. 3rd Edition. Auburn, Ala., Ludwig von Mises Institute. Merk­wür­di­ger­weise sprach Ludwig von Mises diese Worte in Buenos Aires aus.

[3] Für ein his­to­ri­sches Bei­spiel dafür, wie Fak­toren jen­seits des Geld­stocks die Qua­lität des Geldes – und damit die Nach­frage nach Geld – beein­flussen, siehe Henry Hazlitt (1976), ), ‘Where the Mone­ta­rists Go Wrong,’ The Freeman, 1. August:

One of the most striking illus­tra­tions of the importance of the quality of the cur­rency occurred in the Phil­ip­pines at the late stage of World War II. The forces under General Douglas Mac­Arthur had effected a landing at Leyte in the last week of October, 1944. From then on, they achieved an almost unin­ter­rupted series of suc­cesses. A wild “inflation” broke out in the capital city of Manila. In November and December, 1944, prices in Manila rose to dizzy heights. Why? There was no increase in the money stock. But the inha­bi­tants knew that as soon as the Ame­rican forces were com­pletely suc­cessful their Japanese-issued pesos would be wort­hless. So they has­tened to get rid of them for wha­tever real goods they could get. (Kursiv im Original)

[4] Mises, Ludwig von (1998), Human Action. Scholar’s Edition, Auburn, Ala., Ludwig von Mises Institute, S. 424.

[5] Es kann gut sein, dass unter bestimmten Umständen die Abschaffung einer Zen­tralbank zu einer Wert­stei­gerung der Währung führt und die Ban­ken­krise ein­ge­dämmt wird – vor­aus­ge­setzt, das Ver­trauen in die Wäh­rungs ist stark, die Regierung hat einen Über­schuss und niedrige Schulden, und das Ban­ken­system ist nicht über­mäßig in öffent­lichen Schuld­titeln inves­tiert, sondern in inter­na­tional nach­ge­fragten,  hoch­wer­tigen Ver­mö­gens­werten. Doch das war nicht die Situation der Zen­tralbank, des Ban­ken­systems oder der öffent­lichen Finanzen in Argen­tinien. Die eigent­liche Frage ist spe­zi­fi­scher: Was wäre mit den in Pesos deno­mi­nierten Preisen pas­siert, wenn die argen­ti­nische Zen­tralbank sofort geschlossen worden wäre, ohne zuerst die fis­ka­li­schen und mone­tären Ungleich­ge­wichte zu kor­ri­gieren und eine umfas­sende Geld­reform wie die Ein­führung einer 100-pro­zen­tigen Min­dest­re­ser­ve­pflicht umzu­setzen? Zur Qua­lität der Zen­tral­bank­bi­lanzen siehe Bagus, Philipp, und Howden, David (2016), “Central Bank Balance Sheet Ana­lysis.” Betriebs­wirt­schaft­liche For­schung und Praxis 68(2): 109–25.

[6] Sogar der scharfe Milei-Kri­tiker Oscar Grau räumte ein, dass Argen­tinien sich 2023 bereits in einem Zustand der Hyper­in­flation befand.

[7] Milei hat nie ver­sprochen, die Zen­tralbank am ersten Tag zu schließen und zu dol­la­ri­sieren. Er ver­sprach, die Zen­tralbank per Dol­la­ri­sierung nach einem Plan mit meh­reren Phasen zu schließen. Diese Phasen beinhal­teten keine wei­teren Abwer­tungen und Zah­lungs­aus­fälle. Seine anhal­tende Sorge um die Reka­pi­ta­li­sierung des Zen­tral­bank­systems bestätigt dies. Ange­sichts der Tat­sache, dass Milei die Prä­si­dent­schaftswahl auf Grundlage dieses Plans gewonnen hat, wäre die Schließung der Zen­tralbank ohne gebüh­rende Berück­sich­tigung der anderen Para­meter für die Wäh­ler­schaft und Peso-Inhaber nicht uner­heblich gewesen. Siehe Ber­nardo Ferrero, „¿Milei debería de haber cerrado el banco central de golpe?“,  Okdiario, 12. Februar 2025.

[8] Täglich fällige „Ter­min­ein­lagen“ sind in der Praxis gleich­wertig mit Sicht­ein­lagen und sind Teil der Geld­menge. Nur die exor­bitant hohen Zins­sätze ste­ri­li­sierten diese Reserven wei­terhin. Da diese täglich fäl­ligen Ver­bind­lich­keiten der Zen­tralbank jedoch nicht in der tra­di­tio­nellen Klas­si­fi­kation von M0 und M1 ent­halten sind, erscheinen sie in den von Pro­fessor Hülsmann prä­sen­tierten Zahlen nicht.

[9] Die Regierung Milei hat daran gear­beitet, die Situation zu ent­schärfen und diese Zen­tral­bank­ver­bind­lich­keiten kon­trol­liert in lang­fristige Staats­schulden umzu­wandeln. Diese Schulden befinden sich nun in der Bilanz des Schatzamts, was einige Kom­men­ta­toren dazu ver­an­lasst hat, fälsch­li­cher­weise anzu­nehmen, dass die argen­ti­nische Staats­ver­schuldung gestiegen ist. Sie betrachten nur die Staats­an­leihen und ver­nach­läs­sigen dabei den Rückgang der Zen­tral­bank­schulden, die höhere Zinsen zahlten und infla­tio­närer waren. Es sollte auch beachtet werden, dass ein Teil des Anstiegs der Geld­basis während der Milei-Regierung auf die Umwandlung dieser kurz­fris­tigen Ver­bind­lich­keiten in Geld­basis zurück­zu­führen ist, was zu einigen Fehl­in­ter­pre­ta­tionen seitens der Kom­men­ta­toren geführt hat. Diese Kom­men­ta­toren haben die Milei-Regierung dafür kri­ti­siert, die Geld­basis zu erhöhen, während dieser Anstieg größ­ten­teils auf die geerbten Lasten der Vor­gän­ger­re­gierung zurück­zu­führen ist.

[10] Zum Ste­ri­li­sa­ti­ons­me­cha­nismus siehe Ferrero, Ber­nardo und Bagus, Philipp. „A 3D Look at Argentina: Dere­gu­lation, Dol­la­rization, Deflation“, The Eco­no­mists’ Voice, vol. 22, no. 1, 2025, pp. 151–160.

Hinweis: Die Inhalte der Bei­träge geben nicht not­wen­di­ger­weise die Meinung des Ludwig von Mises Instituts Deutschland wieder.

Der Artikel erschien zuerst bei misesde.org.
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