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Kern­kraft­gegner: Viel Phan­tasie, viel Spaß am Lügen, kaum Ahnung

Kern­kraft setzt, wie kaum eine andere Tech­no­logie, die Phan­tasie ihrer Gegner in Bewegung, ergänzt um das gerüt­telte Maß an Hys­terie, das bei diesen Leuten so umfassend vor­handen zu sein scheint. Wenn es darum geht, die angeb­lichen Gefahren, Kosten, Ent­sor­gungs­pro­bleme von Kern­kraft mit blü­hender Phan­tasie und ekla­tanter Ahnungs­lo­sigkeit aus­zu­schmücken, dann beweisen die meisten Kern­kraft­gegner eine unglaub­liche Pro­duk­ti­vität, eine Pro­duk­ti­vität, die in einem krassen Gegensatz zur Sprach­lo­sigkeit steht, mit der sie Gefahren, Kosten, Ent­sor­gungs­pro­blemen von Wind­kraft­an­lagen gegenübertreten.

Eine Klasse für sich, wenn es um Fake News geht, bewohnt auf Twitter ein Nutzer der sich Fak­ten­check jetzt nennt. Er hat heute den fol­genden Kom­mentar abge­setzt, um seine des Glaubens freu­digen Anhänger zu beglücken:

Ein typi­sches Bei­spiel für Dunning-Krueger: viel ideo­lo­gische Ladung trifft auf noch mehr Ahnungs­lo­sigkeit. Wenn Sie das im Tweet vor­handene Video ansehen wollen, es findet sich hier, mehr als die beschriftete Fläche enthält das Video indes nicht als Aussage.

Und alles, was im Video behauptet wird, ist schlicht und ergreifend falsch.

Geben wir eine Kurz­lektion in Hinkley POINT.

Das ist Hinkley Point:

Hinkley Point ist nicht ein Reaktor, Hinkley Point besteht aus drei Reak­toren (mit jeweils zwei Blöcken), zwei alten, Hinkley Point A und B (EDF), die mitt­ler­weile still­gelegt sind und einem neuen (Hinkley Point C), der sich gerade im Bau befindet.

Hinkley Point A wurde 1965 in Betrieb genommen und hat über 35 Jahre ver­lässlich und ohne Zwi­schenfall mit zwei alten Magnox-Reak­toren, jeweils 250 MW Leistung Strom gene­riert. Der Rückbau des 2000 still­ge­legten Reaktors läuft seit Jahren. Die Brenn­stäbe sind schon seit langem ent­fernt, die Kühl­becken sind gereinigt, die Reak­tor­halle wurde 2019 bereits abge­rissen. Der Rückbau soll 2039 beendet sein. Ver­sie­gelung und Moni­toring ziehen sich bis 2085, danach kann auf dem Gelände bauen, wer will.

Hinkley Point B ein „Advanced Gas-cooled Reactor / AGR“ mit einer Leistung von 2 × 660 MW ist 1976 in Betrieb genommen und nach 46 Jahren Laufzeit im August 2022 still­gelegt worden. Alle Brenn­stäbe sind ent­fernt, der Rückbau hat 2026 offi­ziell begonnen und umfasst drei Phasen. Bis 2038 soll alles ver­siegelt sein, danach 70 Jahre Über­wa­chung ehe das Gelände wieder zur Nutzung bereitsteht.

In Hinkley Point C ent­stehen derzeit zwei neue EPR-Reak­toren mit einer Leistung von 2 × 1.630 MW = 3.260 MW. Seit 2017 wird gebaut, mitt­ler­weile sind die Reak­tor­ge­bäude fer­tig­ge­stellt, die Elektro- und Mecha­nik­in­stal­lation ist im Gang. Der erste Reak­tor­block soll 2030 ans Netz gehen. In der ursprüng­lichen Planung war 2025 als Jahr der Inbe­trieb­nahme ange­geben. Hinkley Point C soll über 60 Jahre ver­lässlich Strom liefern und mit jährlich 26 TWh rund 7% des bri­ti­schen Strom­be­darfs decken.

Der Bau hat sich aus einer Reihe von Gründen verzögert

Der European Pres­su­rised Reactor (EPR), der instal­liert wird, ist eine neue Reaktor-Gene­ration mit höheren Sicher­heits­an­for­de­rungen. Bei den Schwes­ter­pro­jekten Olki­luoto 3 in Finnland und Fla­man­ville 3 in Frank­reich gab es ähn­liche massive Ver­zö­ge­rungen und damit ein­her­gehend Kos­ten­ex­plo­sionen (von 18 Mil­li­arden auf 48 Mil­li­arden GBP bei Hinkley Point C). Die höheren Kosten, die der Bau von Hinkley Point C nun mit sich bringt, tragen indes nicht bri­tische Steu­er­zahler, sondern das fran­zö­sische Unter­nehmen EDF und sein chi­ne­si­scher Partner CGN (letz­terer zu 25,1 %).

Die Ver­zö­ge­rungen und die Preis­explosion sind zum einen der Tat­sache geschuldet, dass Hinkley Point C das erste neue Kern­kraftwerk in Groß­bri­tannien nach über 20 Jahren Pause ist. Es war also not­wendig, eine neue Lie­fer­kette auf­zu­bauen, zehn­tau­sende Arbeiter aus­zu­bilden, nukleare Stan­dards neu zu lernen, mit einem Wort: „Pio­nier­arbeit“ zu leisten. Die Erfah­rungen von Hinkley Point C, die vor­nehmlich den ersten Block betreffen, der Bau des zweiten ging schon flotter von der Hand, zeigen, dass man nicht einfach aus einer Tech­no­logie aus­steigen, es sich nach Jahren anders über­legen und dann dort fort­fahren kann, wo man auf­gehört hat. Ein „Wie­der­ein­stieg“ ist mit erheb­lichen Lern­kosten ver­bunden, Kosten, die sich die Leute, die leicht­fertig Kühl­türme sprengen, nicht vor­stellen können, vor­nehmlich weil sie ideo­lo­gische Ent­schei­dungen zu Themen treffen, von denen sie nichts verstehen.

Hinkley Point C hatte darüber hinaus unter einer Unzahl von Design-Ände­rungen zu leiden, die not­wendig wurden, weil das „Office for Nuclear Regu­lation“ einen Standard ein­zu­halten vor­ge­schrieben hat, der weit über dem für EPR-Reak­toren nor­malen Stan­dards liegt. Rund 7.000 Ände­rungen an der Kon­struktion und ein Mehr­ver­brauch von rund 35% Stahl und 25% Beton waren die Folge und haben den Bau erheblich ver­zögert, so wie die Bau­aus­führung auf­grund des „Learning by Doing“ länger gedauert hat, als ver­an­schlagt. Derzeit sind Rohr­lei­tungen, Ver­ka­be­lungen, Pumpen und Instru­men­tierung rund um die Reak­toren die Nadelöhre, die die Fer­tig­stellung einfach deshalb ver­zögern, weil die not­wen­digen Stan­dards von denen, die sie aus­führen sollen, erst erlernt werden müssen, die Pro­duk­ti­vität ent­spre­chend gering ist. 

Wenn man sich die Schwie­rig­keiten ver­ge­gen­wärtigt, die es mit sich bringt, eine Tech­no­logie, die man einst beherrscht hat, erst brach­liegen zu lassen, dann wie­der­auf­zu­nehmen und auf Basis zwi­schen­zeitlich erfolgter Wei­ter­ent­wicklung neu anzu­wenden, dann muss man denen, die einen Wie­der­ein­stieg in Kern­energie in Deutschland für aus­sichtslos halten, Recht geben, weder das Know How, noch die not­wen­digen (Fach-)Arbeitskräfte, noch die Fähigkeit, auf­tre­tende Schwie­rig­keiten fle­xibel zu hand­haben, sind in Deutschland vor­handen, wie der Bau des Flug­hafens in Berlin ein­drucksvoll belegt hat. Das Hoch­tech­no­lo­gieland Deutschland ist durch Grüne und andere Ideo­logen in ein Dritt­weltland alter­nativ-inef­fi­zi­enter Tech­no­logie ver­wandelt worden.

In Deutschland herrscht ein mor­bider Kult, roman­tisch-ver­brämter Tech­no­lo­gie­feinde:https://www.youtube.com/watch?v=WUbGShNnG8Q

Okay, kehren wir zurück zur Fake News, die Fak­ten­check Jetzt verbreitet:

Fak­ten­check jetzt behauptet, Groß­bri­tannien baue „gerade Hinkley A zurück“, der Rückbau dauere 95 Jahre und koste vor­aus­sichtlich 7,2 Mil­li­arden GBP ohne dass ein End­lager in Sicht sei.

Das ist falsch: Die 95 Jahre Rückbau beziehen sich auf Hinkley Point B (nicht A). Die Geneh­migung dafür wurde erst kürzlich (2025) erteilt, und der Prozess startet jetzt mit der Übergabe an die Nuclear Decom­mis­sioning Aut­hority (NDA) 2026/27.

Die Kosten des Rückbaus, £7,2 Mil­li­arden stammen aus einer alten Schätzung, die sich indes nicht auf Hinkley Point A, wie behauptet, oder B bezieht, sondern auch den Rückbau von Hinkley Point C nach rund 60 jäh­riger Laufzeit, der um 2090 beginnen wird.

Hinkley A wird seit seiner Still­legung im Jahr 2000 zurück­gebaut, seit nunmehr 25 Jahren. Der Rückbau wurde nicht „gerade jetzt“ begonnen.

Es wird mir immer ein Rätsel bleiben, wie es manche Leute schaffen, sich öffentlich auf Basis von kei­nerlei Wissen zu Dingen zu äußern, die von ihrer Ahnungs­lo­sigkeit umfasst sind, ohne Angst, sich als die Nitwits zu outen, die sie nun einmal sind. Ein Rätsel, das vor allem mit der Existenz von Grünen und SPD zu tun hat, zwei Kon­glo­me­ra­tionen für Ahnungslose, die dort ihre Ahnungs­lo­sigkeit aus­leben und als „Wissen“ aus­geben können… Wäre alles kein Problem, wenn diese Leute, bei denen die Über­zeugung, etwas zu wissen, das tat­säch­liche Wissen ersetzt, nicht Ent­schei­dungen treffen würden, unter denen wir alle zu leiden haben.

Noch ein kurzes, dem­nächst aus­führ­li­cheres Wort zu Atommüll, der leicht recy­clebar ist bzw. in modernen Reak­toren wei­ter­ver­wendet werden kann, also nicht mehr ent­sorgt werden muss:

Dazu bald mehr!

Der Artikel erschien zuerst hier: ScienceFiles.org

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