Die Will­kom­mens­kultur unter sozi­psy­cho­lo­gi­scher Betrachtung

Sie stehen zu hun­derten an Bahn­höfen und Asy­lan­ten­heimen, halten Plakate hoch und klat­schen fre­ne­tisch Beifall: Die Ver­treter und Ver­tre­te­rinnen der deut­schen Will­kom­mens­kultur gegenüber den Asy­lanten. Woher aber kommt diese völlig unkri­tische Haltung gegenüber den Men­schen, die aus einem völlig anderen m Kul­tur­kreis stammen und zum größten Teil unsere Werte nicht teilen?

Man muss, um diese Frage zu beant­worten, in die Zeit zurück­kehren, in der die heute zwi­schen 25 und 30 Jahre alten deut­schen Männer und Frauen zur Welt kamen. Das war in etwa zu Beginn der 1990er-Jahre bzw. in der Mitte dieser Zeit­pe­riode. Damals herrsche in Deutschland ein Klima der Angst vor dem Atom­krieg, die Grünen grün­deten sich und die Gesell­schaft rückte im All­ge­meinen stark nach links. Die Eltern dieser Generation, die heu­tigen Mitt­fünf­ziger, enga­gierten sich bei Frie­dens­mär­schen und in Bür­ger­initia­tiven. Das Indi­vi­duelle stand stark im Vor­der­grund – und alles war gut.
In dieser Haltung erzogen sie auch ihre Kinder, getreu dem Motto: „Wir sind alle friedlich und bereit, bis zur Selbst­aufgabe zu teilen.” Der Bun­des­re­publik ging es wirt­schaftlich damals bedeutend besser als heute. So wuchsen die Jungen und Mädchen in einer Atmo­sphäre der ent­spannten Ruhe auf, und wer sich für andere ein­setzte, war hoch ange­sehen. Es war eine Phase der gesell­schaft­lichen Ruhe ein­ge­kehrt nach der Periode des deut­schen Links­ter­ro­rismus und seinen Aus­wir­kungen auf die Sicher­heitslage in Deutschland.

Dann folgte der Mau­erfall mit seinen gesell­schaft­lichen und wirt­schaft­lichen Aus­wir­kungen, der gemeistert wurde (des­wegen redet Merkel rück­bli­ckend auf diese Ereig­nisse auch immer von „Wir schaffen das” und lässt dabei völlig außer Acht, dass es sich bei den Gesell­schaften der DDR und der Bun­des­re­publik um sehr ähn­liche Gesell­schaften mit EINER Geschichte han­delte). Und genau in diese Phase wurden die heu­tigen Jubler geboren. Man spielte ihnen zu Hause Ben­jamin Blümchen und Biene Maja vor. Und aus genau diesem Bereich sind sie bis heute nicht her­aus­ge­kommen (Aus­nahmen bestä­tigen die Regel). Sie erstarren in der geis­tigen Haltung eines Kindes und wollen, dass es allen gut geht. Doch ihre Rea­lität sah auch damals schon anders aus.
Kommen wir zu einigen sta­tis­ti­schen Werten: Bei den Jublern handelt es sich meistens um Kinder aus geschei­terten Ehen (nie war die Schei­dungsrate in Deutschland höher als in den 1980er- und 1990er-Jahren). Diese Kinder haben nie die Wärme einer echten Familie ken­nen­ge­lernt und können demnach auch nicht dem­entspre­chend reagieren. Sie lehnen innerlich eine „richtige” Familie ab (der Autor schreibt das vor dem Hin­ter­grund seiner eigenen „Patchwork-Familie” nieder, in der es auch Will­kommens-Akti­vis­tinnen gibt) und setzen statt­dessen auf indi­vi­du­elles Fort­kommen, wobei ihnen bewusst ist, dass es ein solches Fort­kommen nicht geben kann. Daraus ergibt sich eine Hass­haltung gegenüber der Gesell­schaft, die ihre Familie zer­stört hat (hier sind ganz stark die öko­no­mi­schen Ver­wer­tungs­be­din­gungen zu nennen unter denen Familien leiden mussten und müssen). Das führte dazu, dass die Kinder abge­schoben wurden in Krippen und Horte, die Pri­mär­er­ziehung wurde sekundär ver­mittelt. Sie lernten nie den Zusam­menhalt in einer Familie kennen und sehnen sich unbe­wusst danach. Da sie wissen, dass es in anderen Kul­turen diesen Zusam­menhalt noch gibt, stehen sie den Asy­lanten (die über genau diese Struk­turen ver­fügen) völlig unüberlegt positiv gegenüber.

Rein öko­no­mische und poli­tische Über­le­gungen spielen dabei kei­nerlei Rolle, lediglich die Haltung gegenüber dem Gefühl selber. Hinzu kommt, dass diese Kinder eben­falls unbe­wusst so lange den „Reichtum der Gesell­schaft” teilen wollen, solange sie nicht betroffen sind. Die meisten Ange­hö­rigen dieser Generation sind nämlich über­durch­schnittlich intel­ligent und in ent­spre­chenden Berufen tätig. Am Zusam­menhalt der von ihnen innerlich abge­lehnten Gesell­schaft haben sie kei­nerlei Interesse. Immerhin ist diese Gesell­schaft dafür ver­ant­wortlich, dass sie nie eine richtige Familie hatten.