Jo Conrad nimmt im Interview Stellung zu seiner Anklage im Fall Dave Möbius

Zum Hin­ter­grund:

Jo Conrad hat auf bewusst.tv mehrfach kri­tisch über deutsche Jugend­ämter und die Ent­ziehung von Kindern von deren Eltern berichtet. Offenbar soll nun ein Fall gegen ihn kon­struiert werden, um ihn für seine kri­ti­schen Bei­träge zu bestrafen. Man stellt ihn ohne den geringsten Tat­beweis wegen „Ent­ziehung Min­der­jäh­riger” vor Gericht.

Tat­sächlich floh der zwölf­jährige Dave Möbius am 11.6.2015 aus einem privat geführten Heim. Dave berichtete danach mehrfach vor der Video­kamera über üble Zustände im Heim, über Miss­hand­lungen durch Betreuer und andere Jugend­liche. Auch darüber, dass er Angst hatte, in die Psych­iatrie zu kommen, da ihm das offenbar ange­droht wurde, und über sexuelle Über­griffe bei seiner Schwester im Heim. Als im Internet bekannte Person wurde Jo Conrad über den Fall infor­miert, und als der Junge bei Frau Angela Masch, die sich ebenso im Internet für Jugend­amts­opfer stark macht, Unter­schlupf fand, erkun­digte sich Conrad per Skype nach dem Wohl des Jungen, der bei ihr immer wieder betonte, nicht wieder ins Heim zu wollen. Dennoch wurde der Junge mit 5 Poli­zisten und nach­ge­reichtem Durch­su­chungs­befehl aus der Wohnung von Angela Masch abgeführt.

Obwohl es außer der Kom­mu­ni­kation zwi­schen Conrad und Masch, die auf einem beschlag­nahmten Com­puter von Frau Masch zu finden war, kei­nerlei hin­rei­chenden Tat­ver­dacht gibt, beschloss der Richter am Amts­ge­richt Wittmund Mön­kediek die Eröffnung der Haupt­ver­handlung auf 10.8. und 15.8.2017.

 

Interview zwi­schen Hanno Vol­l­enweider und Jo Conrad vom 25.7.2017:

 

Lieber Jo, es ist noch keinen Monat her, da haben wir beide bei Dir im Studio gesessen und Du hast mich zu meinem Leben und meinem Buch inter­viewt. Nun sitzt Du hier bei mir, weil man Dir von Seiten der Justiz unglaub­liche Vor­würfe macht: Du sollst, so steht es zumindest in der Ankla­ge­schrift, in gemein­schaft­lichem Handeln „Kin­des­entzug“ begangen haben. 
Wie geht es Dir jetzt?

Im Grunde durch­laufe ich mehrere Phasen. Zu Anfang nahm ich es nicht ernst, weil ich dachte, ich hab ja nichts gemacht, was soll da pas­sieren. Dann kam eine Phase, in der ich wirklich Angst bekam, zumal ich immer wieder höre, dass man vor Gericht letztlich „verratzt“ ist, d.h. gar nicht davon aus­gehen darf, dass das Gericht ein Interesse hat, fair und gerecht zu urteilen. Und es sind viel­leicht gar archaische Ängste, weil ja zu anderen Zeiten auch Men­schen auf den Schei­ter­haufen gebracht wurden, selbst wenn sie die Wahrheit sagten. Und nun bin ich in einer Phase, in der ich mich genauer damit befasse, mit den Dingen, die wirklich dahinter stehen, mit den Para­graphen der Straf­tat­be­stände, mit ver­schie­denen Rechts­kreisen usw. Dann kommt so eine Art Kampf­modus. Jetzt gebe ich nicht mehr klein bei, sondern bin jetzt gereizt und setze alles in Bewegung, dass das, was da ver­tuscht werden soll, nämlich die Miss­stände in Heimen und die will­kür­lichen Kin­des­ent­zie­hungen von Jugend­ämtern, ans Licht kommen. Und viel­leicht ist diese Klage ohne jeden Tat­beweis sogar eine Steil­vorlage, zumal ich ja auch eine gewisse Öffent­lichkeit erreiche, was andere oft nicht haben und die Mas­sen­medien meist ja obrig­keits­hörig berichten.

Wie kommt man auf diese Vor­würfe? Ich ersehe in der Ankla­ge­schrift nur, dass Du mit der Mit­an­ge­klagten, Frau Masch, über Skype in Kontakt warst und Dich anscheinend nur über das Wohl des Kindes erkundigt hast?

Ja, das ist so, als würde ich Dich nach Deinem Gespräch mit Jan van Helsing befragen, und daraus würde man ableiten, dass ich das Gespräch in die Wege geleitet habe. Es ist wirklich absurd. Angela Masch hat den Jungen auf­ge­nommen, weil er in einer Notlage war und sie bat darum, weder Polizei noch Jugendamt zu infor­mieren, da er dort nicht gut behandelt wurde, und man ver­dächtigt einfach, dass ich orga­ni­siert habe, dass der Junge zu ihr kam. Das ist aber eine reine Ver­mutung, und die Staats­an­walt­schaft müsste nor­ma­ler­weise erst prüfen, ob es Beweise dafür gibt. Die gibt es natürlich nicht, weil es nicht so war. Und sie werden ver­suchen, so zu täu­schen und ver­wirren, dass nachher nicht mehr klar ist, was ursprünglich pas­siert war.

In der Ankla­ge­schrift heißt es, Du hättest mit der eben­falls ange­klagten Frau Masch die Unter­bringung des Jungen bei ihr orga­ni­siert. Dabei gibt der Junge, Dave, immer wieder an, er sei aus freien Stücken weg­ge­laufen. Im Pro­tokoll der Befragung von Dave, die mir vor­liegt, schildert er sein Weg­laufen mehrfach. Als Gründe gibt er an, dass er von anderen Jugend­lichen aus der Wohn­gruppe, in der er unter­ge­bracht war, unter Druck gesetzt und geschlagen wurde, man hätte ihm ange­droht, er würde in die Psych­iatrie ein­ge­liefert und er würde seinen Vater und seine Schwester nie wieder sehen. Auch berichtet er, man hätte ihm zu wenig zu Essen und zu Trinken gegeben, er wäre von den Betreuern gekniffen worden und bei Fehl­ver­halten mit Wasch­entzug bestraft worden, bzw. man hätte ihm das Shampoo weg­ge­nommen. Auch hätte man ihm den tele­fo­ni­schen Umgang mit seinem Vater und seiner Schwester ver­boten, was ist da dran?

Die Akte zeigt durch den Poli­zei­be­richt der Ver­nehmung von Dave erstens, dass ich mit dem Orga­ni­sieren nichts zu tun habe und zweitens, was der Junge und seine Schwester im Heim erlebt haben. Eigentlich müssten da Richter, Staats­an­wälte und Polizei den Jungen schützen, anstatt ihn wieder ins Heim zu stecken, und vor allem selb­ständig ermitteln. Es ist Straf­ver­ei­telung im Amt, wenn die alle sich nicht um den Schutz von Dave kümmern und statt­dessen Unschuldige ver­folgen. Es wird zwar ange­deutet, dass man ver­mutet, der Junge hätte vor­be­reitete Texte vor­ge­lesen und Angela Masch ihm sug­ge­riert, aber sie wusste ja all diese Dinge nicht, sondern er hat erzählt, was er und seine Schwester im Heim erlebt haben – und Angela Masch war teil­weise selber erschüttert. Wer die Videos mit Dave gesehen hat, muss sich wundern, dass von offi­zi­eller Seite nichts pas­siert, um diese erschre­ckenden Zustände zu beheben, und statt­dessen Unschuldige ange­klagt werden.

Aus dem Bericht ging hervor, dass der junge Dave in all­gemein guter Ver­fassung gewesen ist. Er war sauber, ordentlich genährt, ver­nünftig ange­zogen usw.

Das aber eher, weil sich Angela Masch darum küm­merte. Im Heim bekam er kaputte Schuhe, Essens­entzug als Strafe und eben Entzug von Pflegemitteln.

Weißt Du, wie es dem Jungen jetzt geht?

Nein, seit 5 Poli­zisten den Jungen von Angela abgeholt haben und ihn wohl wieder ins Heim gesteckt steckten, fehlt
jede Spur. Tat­sächlich weiß der Vater bis heute nicht, wo sein Sohn ist und ob er über­haupt noch lebt.

Die Zeitung schreibt indessen, Du und Frau Masch hätten auch, so Zitat: „der Schwester habhaft werden wollen“, um die beiden Kinder dann ins Ausland zu ver­schleppen. Wie kommen die auf solche Ideen?
Ja, gute Frage. Ich habe über­haupt kein Interesse, Kindern habhaft zu werden und sie zu ver­schleppen. Ich würde mich ja strafbar machen. Das ist mir doch klar. Ich bin viel­leicht alt, aber nicht dumm. Also, es sind reine Behaup­tungen, letztlich Verleumdungen.

Was denkst Du, wenn Du so etwas liest?

Tja, es ist mir ja nicht neu, wenn einem in der Öffent­lichkeit Sachen unter­stellt werden, die gar nichts mit meinen Absichten zu tun haben, nämlich nach Wahrheit und Gerech­tigkeit zu streben. Zum Glück ist ja nichts so alt, wie die Zeitung von gestern. Aber es ist schon unfassbar, wie es in diesem Land zugeht, und einem alles Mög­liche unter­stellt werden kann – und die Infos offenbar ja noch vom Gericht kommen.

Du hast Dich mehrfach in Deinen Sen­dungen gegen Behör­den­willkür ein­ge­setzt, dar­unter auch gegen will­kür­liche und schlimme Ent­schei­dungen, die von Jugend­ämtern zum Nachteil von Kindern ergangen sind. Meinst Du, dass man Dich deshalb angreift?

Das ist ver­mutlich der Grund, dass man irgend­etwas sucht, wo man mich vor Gericht zerren und bestrafen kann. Denn einen wirk­lichen Sach­grund gibt es dafür nicht. Ich vermute, dass da einige zusam­men­hängen und einfach mal ver­suchen, mich zu verurteilen.

In der Presse wird Dir nun vor­ge­worfen, Du würdest als Unter­stützer der „Reichs­bür­ger­szene“ auf­treten und alle staat­lichen Insti­tu­tionen generell ablehnen, also auch Jugend­ämter, die Du als „Kinderklau“-Organisationen bezeichnen würdest. Ich kenne mich jetzt mit dem „Dasein“ eines „Reichs­bürgers“ nicht so aus – wie ver­mutlich die meisten. Kannst du mir und den Lesern auf die Sprünge helfen, wie das gemeint ist und was da dran ist?

Der Begriff „Reichs­bürger“ wird ja erst seit relativ Kurzem infla­tionär gebraucht. Ich kenne nie­manden, der sich selbst als „Reichs­bürger“ bezeichnet, obwohl ich inzwi­schen mehr als 700 Inter­views mit www.bewusst.tv geführt habe. Die Leute, die ich kenne, lehnen nicht staat­liche Insti­tu­tionen ab, sondern die Willkür solcher Insti­tu­tionen. Der Begriff „Reichs­bürger“ wird eben auch in solchen Artikeln immer noch mal schwammig erklärt, dass das welche seien, die die Gesetze der BRD nicht aner­kennen. Wenn ich mir diesen Fall angucke, aner­kennen Richter und Staats­an­wälte die Gesetze der BRD nicht an, denn sie ver­stoßen gegen die Unschulds­ver­mutung, betreiben Straf­ver­ei­telung, Ver­folgung Unschul­diger usw. Also ich denke schon, dass das Grund­gesetz nicht sooo schlecht ist, und man da eigentlich vor Willkür geschützt ist, dennoch sehen wir, dass diese Gesetze offenbar selbst von höchsten Poli­tikern immer mehr igno­riert werden. Also beschul­digen sie sog. „Reichs­bürger“ dessen, was sie selber tun. Sie beschul­digen uns, das Kind weg­ge­nommen zu haben, dabei haben die Behörden das Kind weg­ge­nommen. Weinend…

Die Staats­an­walt­schaft hat ja bereits bekannt gegeben, sich gegen even­tuelle Stö­rungen durch sog. „Reichs­bürger“ vor­zu­be­reiten, man wird also ver­suchen, jeg­liche Form der Unter­stützung durch sofortige Kri­mi­na­li­sierung zu ver­hindern. Wie kann man Dich trotzdem unterstützen?

Nun, ich hoffe, dass einige als Pro­zess­be­ob­achter am 10. und 15.8.2017 in Wittmund sein werden, denn wenn viel Öffent­lichkeit da ist, müssen die schon auf­passen, keine allzu krassen Fehl­ent­schei­dungen zu treffen. Denn das geschieht, wenn man alleine vor Gericht steht, offenbar ständig. Ich bekomme mas­senhaft erschre­ckende Berichte von Betrof­fenen, die mich auch völlig hilflos machen, da ich denen natürlich auch nicht allen helfen kann. Und wir müssen einfach uns gegen­seitig mehr unter­stützen. Wenn wir in unserer Gesell­schaft – wie gewollt – immer mehr ver­ein­samen und sich jeder nur noch um sich selber kümmert, dann kann ein System eben nach und nach jeden unlieb­samen und unbe­quemen Men­schen weg­holen. Ich hoffe, dass durch unseren Fall jetzt noch mal Vielen, die viel­leicht noch an ein gerechtes System und ein sinn­volles Jugendamt glauben, die Augen geöffnet werden und merken, wohin der Hase läuft und dann auch diese Phasen – Gleich­gül­tigkeit, dann Angst und dann Auf­be­gehren – durch­laufen und zwar schnell. Denn es ist – nicht nur an solch einem Fall zu sehen – höchste Zeit.

Lieber Jo, ich danke für Dir für deine klaren und offenen Worte und wünsche Dir alles erdenklich Gute, Viel Kraft und Beistand!