By Rafael Matsunaga - Flickr, CC BY 2.0, Link
Wirtschaft

„Wer jetzt noch Aktien kauft, spielt das Spiel des Narren“

25. Januar 2018

James Montier von GMO ist ein interessanter Kopf. So hat er vor einiger Zeit eine Analyse zur (positiven) Wirkung von Staatsschulden vorgelegt, die ich ausführlich besprochen habe. Heute äußert sich Montier in einem Beitrag für die NZZ. Die Highlights:

  • Niemand hat eine Ahnung, was an den Märkten in den nächsten zwölf Monaten geschehen wird. Jeder, der etwas anderes behauptet, ist entweder ein Lügner oder ein Narr.“
     Fazit: was niemand daran hindert, Prognosen zu machen.

 

  • „Man sollte aufgeben, herauszufinden, was in den nächsten zwölf Monaten passieren wird. Es ist unmöglich. (…)  Stattdessen sollte man darüber nachdenken, worauf es wirklich ankommt – nämlich auf die langfristigen Renditen.“
     Fazit: und diese Ansicht vertrete ich auch.

 

  • „Die Rendite einer Investition in einen Aktienindex kann immer in vier Elemente zerlegt werden: in die Veränderungen der Bewertung, die Veränderungen der Profitabilität, in Gewinnwachstum und Ausschüttungen. Historisch gesehen haben Gewinnwachstum und Ausschüttungen die langfristige Rendite für Investoren erzeugt, aber kurzfristig waren die Verschiebungen in Bewertung und Profitabilität für die gesamte Volatilität verantwortlich.“
    Fazit: Hier bezieht sich Montier auf eine sehr gute Studie von GMO, die ich bei bto auch besprach. → Magere Aussichten für die US-Börse

 

  • „(…) die Bewertungen sehen für fast jede Anlageklasse grässlich aus. Nehmen wir das schlimmste Beispiel, die US-Börse. Der S&P-500-Index besitzt ein zyklisch angepasstes Kurs-Gewinn-Verhältnis (Shiller PE) von über 30. Die einzigen Male in der Geschichte, in denen höhere Bewertungen beobachtet wurden, waren 1929 und 1999. Merkwürdigerweise rät niemand, US-Aktien zu kaufen, weil es heute genauso ist wie 1929 oder 1999.“ bto: wenn man von den Melt-up-Überlegungen absieht.

 

  • „Nun werden einige vermuten, dass niedrige Zinsen dieses teure Niveau rechtfertigen. Jedoch müsste man einige ziemlich extreme Dinge glauben, damit dies möglich würde. Zum Beispiel müsste man überzeugt sein, dass das Wirtschaftswachstum vom Zinsniveau unbeeinflusst ist, was mir seltsam erscheint. Der Hauptgrund, warum die Zinssätze niedrig sind, liegt darin, dass das Wachstum niedrig ist. Selbst wenn man daran glaubt, dass hier kein Zusammenhang besteht, müsste man immer noch davon ausgehen, dass die Zinsen für die nächsten 100 Jahre unglaublich niedrig bleiben würden.“
    – Fazit: wie wir gesehen haben, gab es schon sieben ähnliche Phasen tiefer Zinsen, die alle geendet sind.

Quelle: NZZ

  • „(…) es [ist] offensichtlich, dass Obligationen in der heutigen Ausgangslage kein überzeugendes Investment darstellen. Nehmen wir die zehnjährige US-Staatsanleihe mit einer nominalen Rendite von rund 2,5%, subtrahieren die wahrscheinlichste Inflationserwartung über das nächste Jahrzehnt – sagen wir 2,5% pro Jahr –, und Sie werden wahrscheinlich mit einer grossen fetten Null in realen Werten belohnt.“
    Fazit: allerdings ohne Ausfallrisiko.

 

  • „Vor diesem Hintergrund könnte man meinen, die Anleger agierten vorsichtig, seien vielleicht sogar ein wenig nervös. Aber die Märkte scheinen zum jetzigen Zeitpunkt von Selbstzufriedenheit beherrscht zu sein. Nach Angaben der Minneapolis Federal Reserve impliziert der Optionsmarkt eine Wahrscheinlichkeit von weniger als 10%, dass die US-Aktienkurse in den nächsten zwölf Monaten 25% oder mehr fallen werden. Ich habe keine Ahnung, wie wahrscheinlich ein solches Ereignis ist, angesichts des drittteuersten US-Marktes in der Geschichte scheint mir weniger als 10% aber sehr niedrig.“
     Fazit: So viel zu dem immer wieder gebrachten Argument, es würde die Euphorie fehlen!

 Fazit Montier: „Unterschätze niemals den Wert des Nichtstuns, oder anders gesagt: Wenn es nichts zu tun gibt, tue nichts. Aktien zu kaufen, ist heute im Wesentlichen das Spiel des Narren, der hofft, einen noch grösseren Narren zu finden, der sie ihm zu einem noch höheren Preis abkauft. Dies ist ein riskantes Spiel, das normalerweise nicht gut endet.“ bto: alles klar.

NZZ: „Wer jetzt noch Aktien kauft, spielt das Spiel des Narren“, 11. Januar 2018

Dr. Daniel Stelter – www.think-beyondtheobvious.com


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