Politik

Demografie, Bildung und gescheiterte Zuwanderung ruinieren Deutschland und Europa

14. März 2018

Gunnar Heinsohn ist meinen Lesern gut bekannt. Seine Überlegungen zur Funktionsweise unseres Wirtschaftssystems (→ Eigentumsökonomik), den Ursachen von Krieg und Terror (Demografie) und vor allem zur Bedeutung von Bildung sind auf diesen Seiten prominent vertreten, so z.B. in den Artikel: „So einleuchtend: Entscheidend ist die Art der Zuwanderung für den Integrationserfolg“ und  „Das sollten die Jamaiker-Träumer lesen!

Heute werfen wir einen erneuten Blick auf den fundamentalen Wandel, vor dem wir stehen:

  • „(…) zwischen 1492 und 1914 (…) verzehnfacht sich Europas Bevölkerung (von 50 auf knapp eine halbe Milliarde). Verluste beim Siegen, Ausmorden und Siedeln in Übersee oder durch Seuchen und Kriege daheim werden schnell und mehrfach ausgeglichen. Um Europas Entvölkerung durch die Pestwellen ab 1348 zu drehen, bleibt nämlich seit dem späten 15. Jahrhundert von der Sexualität straffrei allein der eheliche Fortpflanzungsakt. Erst ab den 1960er-Jahren kommt es zu einer Entkriminalisierung der Geburtenkontrolle.“
    Stelter: Es ist ganz klar, dass der demografischen Entwicklung eine überragende Bedeutung zukommt, will man die relative Entwicklung von Regionen verstehen. Damals hat Europa demografisch aufgerüstet.
  • „Mit einem Anstieg von 180 Millionen 1800 auf 490 bis 1915 erreicht Europas Anteil an der Weltbevölkerung 27 Prozent. Der Kriegsindex liegt stets bei 3 bis 4: 3.000 bis 4.000 Jünglinge (15-19 Jahre) ringen um die Positionen von 1.000 Alten (55-59 Jahre).“
    Stelter: die eigentliche Erklärung für die Katastrophen des 20. Jahrhunderts.
  • Dann zeigt er die Expansion der Reiche, demografisch getrieben: „Russen holen sich in Zentral- und Nordasien 15 Millionen Quadratkilometer und werden zu Funktionseliten, während das Zarenreich von 35 auf 92 Millionen Bürger zulegt. Mit 10 auf 46 Millionen wächst Großbritannien in den 115 Jahren noch rasanter und kontrolliert 1918 fast 36 Millionen Quadratkilometer.“
    – Stelter: Diese demografische Explosion sucht sich entsprechend Raum.
  • „Von der demografischen Wucht her ähnelt das koloniale Europa dem Nachkriegs-Afrika, das zwischen 1950 und heute von 230 Millionen auf 1,25 Milliarden zulegt, bisher allerdings nur 17 Prozent der Erdbevölkerung stellt. Seiner Armut entgeht Europa durch die rasante Paarung hoher Geburtenzahlen mit einer zinsgetriebenen Eigentumswirtschaft. Unbesiegbar wird es, weil Waffen von bankrottbedrohten Unternehmern produziert werden, die immer tödlicheres Gerät auf die Märkte schicken müssen.“
    Stelter: Erfolgsformel: Demografie, Bildung und Zinsdruck.
  • „Nach dem Verbrennen von 24 Millionen Jünglingen zwischen 1914 und 1945, dem Fall der Kinderzahlen von 5 auf 1,5, dem Anstieg des Durchschnittsalters von 20 auf 42 Jahre und dem daraus resultierenden Pazifismus ist die Alte Welt entmachtet. Es gibt keinen Weg zurück; denn beim Übergang in die Lohnabhängigkeit seit dem 19. Jahrhundert gewinnt man durch Kinderlosigkeit Zeit und Kraft für Vorteile auf den Arbeitsmärkten. Weil ihre Ethnien gleichwohl ökonomisch noch vorne bleiben, kannibalisieren sich sterbende Nationen.“
    – Stelter: Wir kämpfen gegenseitig um Talente.
  • „Während im KuK-Raum des 19. Jahrhunderts die Minderheiten sich aber „nur“ um 50 Prozent stärker vermehren als Deutsche oder Ungarn, geht es in den überseeischen Kolonien seit 1945 um das Drei- bis Vierfache schneller voran als damals in den Mutterländern. So schafft etwa ein Uganda ungeachtet monströser Massaker seit 1945 eine Zunahme von 4 auf 43 Millionen. Vor allem deshalb gibt es die ganz hohen Opferzahlen erst nach dem Sieg über die Weißen. Fünf oder zehn einheimische Rebellen sehen sich plötzlich im Kampf um nur eine frei gewordene Pfründe.“
    – Stelter: Wenn man es so liest, schauert man über die Kälte der Zahlen. Umso mehr müssen wir sie ernst nehmen.
  • „Ob die bis 2050 hinzukommenden 1,2 Milliarden Afrikaner – bisher mit den schlechtesten Schülern und wenigsten Patenten – es dabei jedoch bewenden lassen, bleibt bei einem Kriegsindex zwischen 3 und 8 heute sowie immer noch 2 bis 6 um 2050 allerdings fraglich. Was momentan schon deprimierend genug anmutet, dürfte bis dahin schierer Verzweiflung auch deshalb weichen, weil die Konkurrenzfähigkeit gegenüber der Benchmark in Ostasien, das schon 2016 sieben der zehn patentstärksten Firmen beherbergt, weiter absinkt.“
    – Stelter: Ungebildete Massen an jungen Männern werden in den kommenden Jahrzehnten heranwachsen. Was für eine Antwort haben wir darauf?
  • „Im 21. Jahrhundert tritt an die Stelle hochgerüsteter Imperial-Armeen das globale Andrängen noch vielfach größerer Heere von Unbewaffneten. Gerade ihre Hilflosigkeit flößt Schrecken ein, weil sie das Recht auf lebenslange Sozialhilfe verleiht. Die daraus erwachsenden Belastungen befeuern den modernen Separatismus. Der Wiedergewinn über die nationale Grenzhoheit hat dabei die meisten Anhänger (Populismus). Das Einhegen von Teilregionen soll Konkurrenzfähigkeit erhalten (Sezessionismus). Am wenigsten sichtbar, aber am wirkungsvollsten ist der Weggang von Innovativen, die durch das Zahlen für die Neuankömmlinge und entmutigt werden (Emigration).“
    – Stelter: Und unsere Politiker verstehen das nicht. Durchdrungen vom Gutmenschentum verweigern sie sich den harten Tatsachen.
  • „Am besten gegen die Spielarten des Separatismus gewappnet sind die kaum 70 Millionen Menschen auf den knapp 18 Millionen Quadratkilometern von Kanada, Australien und Neuseeland. Eine Chance – etwa gegen die 70 Millionen Fleißigen allein im Perlfluss-Delta – sehen sie nur, solange sie eigene Könner binden, fremde hinzugewinnen und Leistungssenker abwehren. Als Kompetenzfestungen, die Pässe nur an Asse vergeben, werden sie zu Magneten für Hochqualifizierte aus der übrigen Ersten Welt, deren Regierungen die Abschottung zu spät beginnen und Separation verhindern.“
    – Stelter: So ist es. Hierzulande werden die Guten systematisch vertrieben.
  • „Selbst die Anwerbung von Ostasiaten gelingt zwischen Auckland und Winnipeg, weil man etwa Chinesen mehr Freiheit offerieren kann, als sie daheim erhoffen dürfen. Nun hat die Volksrepublik in der ehrgeizigen Alterskohorte der 25- bis 29-Jährigen rund 130 Millionen Leute (2015; USA 22 Mill., Deutschland 5 Mill.) und kann einige davon schon entbehren. Auch ihretwegen stehen die Kinder der drei Anglos in Mathematik (TIMSS 2015) bereits vor dem Nachwuchs Deutschlands, Italiens, Spaniens oder Frankreichs.“
    – Stelter: womit wir bei der Bildung sind, dem wichtigsten Rohstoff in diesem Jahrhundert. Und diesen verschleudern wir derzeit.
  • „Nicht zuletzt dieser Vorteilsgewinn befeuert – neben der 2015er-Entblößung von Deutschlands Südgrenze und der EU-weiten Wahlfreiheit beim Sozialhilfebezug – auch den Brexit. Das Königreich hat an die ungeschmälert souveränen Ex-Kolonien 2,1 Millionen Bürger verloren, die stetig an die alte Heimat berichten. Wenn London diesen Aderlass stoppt, kann es mit seinem Sprachvorteil, der eigenen Währung, den Top-Universitäten und den Astute-U-Booten immer noch zum Anker einer Handelsgemeinschaft von Nord- und Osteuropäern werden, denen man die Unverzichtbarkeit des Nuklearschutzes gegen die rogue states des 21. Jahrhunderts nicht erst erklären muss.“
    – Stelter: Ich habe mich an anderer Stelle ebenfalls so positiv zu den Aussichten der Briten nach dem Brexit geäußert, so sie es denn richtig machen. Relativ zur EU, die zunehmend im Chaos versinken dürfte, stehen die Chancen erst recht nicht schlecht.
  • „(…) Bremen und Berlin, mit den schlechtesten Schülern und meisten Hartz-Vierern (wären) ohne die Transferzahlungen aus München und Stuttgart verloren. Könnten 13 Millionen Bürger des Freistaats Bayern – Heimat der bundesweit drittbesten Schüler – ihre Zukunft sichern, wenn sie den Milliardenstrom nach Norden kappen, die Souveränität von 9 Millionen Österreichern erringen sowie die besten Hanseaten und Preußen zu sich einwandern lassen? Würden sich die nördlich angrenzenden Freistaaten Sachsen und Thüringen mit den besten und zweitbesten Schülern der Republik anschließen wollen?“
    – Stelter: Und dann auch noch der Schweiz anschließen? Heinsohn hat einen solchen Südstaat schon mal früher in die Diskussion gebracht. Das wäre eine sehr spannende Überlegung und würde natürlich den Niedergang im Norden beschleunigen, gerade auch wegen der mit Blick auf diese grundlegenden Trends völlig falsche Politik (von Bildung bis Migration!).
  • „Anfang Januar 2018 publiziert die National Academy of Sciences of the United States of America Details über bisher Eingewanderte. Am Beispiel Großbritanniens wird hier nachgewiesen, dass stärkere Vermehrung keine Evolutionsvorteile mehr erbringt. Überlegene Kinderzahlen korrelieren mit kleinerem Wuchs, schlechteren Schulleistungen und der Abnahme von fluid intelligence, einem Maß für die Fähigkeit, abstrakt zu denken und Probleme zu lösen.‘ Der Befund kann nicht überraschen, wenn Arbeitsplätze für Un- oder Angelernte schwinden und der schlichte Zugewinn an Kinderreichen die Probleme geburtenarmer Nationen im ökonomischen Spitzenfeld nicht löst, sondern verschärft.“
    – Stelter: Und wie! Die wenigen begabten Kinder müssen für die ältere Generation bezahlen und für die Zuwanderer. Was für ein ökonomisches Programm ist das denn?
  • „Am leichtesten verstehen das die 1,75 Milliarden Ostasiaten (Chinesen, Japaner, Koreaner und Vietnamesen), weil sie global die besten Schüler stellen. 300 bis 500 von 1.000 Kindern gehören in die höchste mathematische Leistungsgruppe. In der westlichen EU sind es nur noch 20 (Frankreich) bis 50 (Deutschland, Schweden).
    Stelter: und damit einen klaren ökonomischen Niedergang hierzulande programmieren.
  • „Zwar hat auch Ostasien keine Lösung für den Geburtenrückgang, aber mit den Hyper-Investitionen in Artifcial Intelligence und Roboter versucht es diametral Anderes als Europa mit dem Anwerben von Unbeschulbaren. Die 4,7 Milliarden der übrigen Welt mit den schlechtesten Schülern und wenigsten Patenten bleiben so oder so chancenlos. Sie hoffen auf die Sozialsysteme der EU und das Scheitern Trumps beim Schließen der US-Grenzen. Mangels Flotten und Luftwaffen für Größeres bleibt ihnen selbstredend die Fortsetzung von Rebellionen vor Ort mit den Optionen der Siegesbeute oder des Heldentodes.“
    – Stelter: bei uns Terror genannt.
  • „(…) die Abwanderung von Spezialisten (…) zehrt wirklich an der Substanz. Das sind von 2005-2015 durchschnittlich 140.000 Personen, bei rund 700.000 Neugeborenen also viermal so viele wie die 5 Prozent Mathe-Asse pro Jahrgang. Auch von den ausländischen Studenten deutscher Universitäten gehen nach dem Examen eher die Besten wieder weg. Treu bleibt das Mittelmaß, was im war foreign talent als Niederlage gezählt wird.
    – Stelter: Und die, die bleiben, werden sich angesichts der auf sie zukommenden Kosten doch noch überlegen, wegzugehen.
  • „Die Berliner Führung demonstriert ihr Scheitern an dieser Aufgabe etwa dadurch, dass zwar 20 Prozent der Bürger Migrationshintergrund haben, aber 6 Millionen Menschen von Hartz IV leben, während man das smarte Personal für das Rückholen der einst souverän beherrschten Industrien nicht findet. Viele wissen nicht einmal mehr, dass die Herstellung von Kameras, Telefonen, Tonträgern, Bildschirmen, Computern, Solarzellen, Antriebsbatterien oder Frachtschiffen auch zwischen Rhein und Elbe beherrscht wurde. All das ist heute in Ostasien.“
    – Stelter: Und es wird in den nächsten Jahren erst so richtig losgehen, sobald die Demografie nicht mehr passt.
  • „(…) Afrikaner- und Latino-Haushalte (haben) weniger als 2.000 Dollar Reserven, während asiatische und weiße auf 120.000 Dollar zurückgreifen können. Auf Erstere aber entfallen über 50 Prozent der Neugeborenen, die nach bisheriger Erfahrung im untersten Notensegment verharren. Doch wer die Kinder hat, bekommt das Land. Anders geht es nicht. Deshalb ist auch Amerika vor Separatismus keineswegs gefeit – durch Neue, die übernehmen, oder Alte, die sich beizeiten in Sicherheit bringen wollen. Wie könnte denn auch in Krisen eine komplette Hälfte der Nation fremd versorgt werden?“
    – Stelter: Ich denke, diese Entwicklung erklärt auch die Wahl von Trump. Die Weißen erkennen die Folgen des Wandels.
  • „Weil die asiatische Konkurrenz stetig stärker wird und ein Hereindrücken Unqualifizierter verhindert, während Brüssel genau das betreibt, können hiesige Separationsbestrebungen nur stärker werden. Nach der Abwendung Großbritanniens folgt Dänemark mit Grenzkontrollen nach Süden und dem Abschieben von Migranten dorthin. Wohl bekannt ist, dass 2015 und 2016 rund 5.000 Millionäre Deutschland und sogar 22.000 Frankreich verlassen.“
    – Stelter: Und es sind weitaus mehr künftige Millionäre, die durch ihr Wissen woanders zu Wohlstand kommen werden.
  • „Aufgrund relativ geringer Löhne ächzt auch der Raum Warschau-Prag-Bratislava-Budapest unter der Abwanderung von Talenten, (…) Wenn man ihnen im Austausch für ihre Besten jedoch bildungsferne Migranten aufzwingt, die überdurchschnittlichen aber schön bei sich behält, muss auch Osteuropa dänisch handeln.“
    – Stelter: Vielleicht wird Osteuropa gerade wegen seiner „Abschottung“ immer interessanter auch für Talente aus dem Westen?
  • „Die Brüsseler Drohungen mit Geldstrafen erzeugen überdies kaum noch Angst, weil offen ist, wie lange Deutschland – mit der zweithöchsten Steuer- und Abgabenlast aller Industrienationen – Londons Beiträge übernehmen kann.“
    – Stelter: Naja, unsere Politiker können ja nicht rechnen und wollen es auch nicht.

Eine umfassende Beschreibung mit einem klaren Ergebnis: Demografie und Bildung entscheiden. Zuwanderung von Armutsflüchtlingen ohne Bildung und Bildungsinteresse fördert die Abwanderung der Talente und beschleunigt einen Niedergang, der – sobald er für die Masse der Bevölkerung sichtbar ist –, nicht mehr verhindert werden kann. Aber ich denke, für meinen Ruhestand wird es hier noch reichen. Ehrlich gesagt, ist das wohl mehr Hoffnung als Erwartung.

Tichys Einblick: „Separatismus und Migration, Kompetenzfestungen und Zuwanderung“, 27. Januar 2018


Dr. Daniel Stelter – www.think-beyondtheobvious.com