Der Tod der Kin­der­lieder – Rolf Zuc­k­owski auf dem Gender-Index?

Die deut­schen Volks­lieder und Kin­der­lieder sind eine stark bedrohte Art. Schon seit Langem sind sie unmodern und sterben aus. Der Pop­musik-Titel „Video killed the Radio Star“ hat einen Vor­läufer: „Radio killed the Volks- und Kinderlieder“.
Welche Kinder und Jugend­lichen kennen es heute noch, an einem Som­mer­abend bis spät in die Nacht mit Familie, Ver­wandten und Freunden draußen im Garten zu sitzen, zusammen zu essen und zu trinken, und zuzu­sehen, wie die Sterne einer nach dem anderen zu blinken beginnen, wie seit Anbeginn der Zeit. Wenn dann einer der kleinen Stropse auf Papas Schoß das Köpfchen an Papas breite Brust geborgen kuschelt und die Äuglein langsam zufallen, und die Frauen leise mehr­stimmig ein Schlaflied anstimmen. Oder der Kanon „Abend­stille überall“ zwi­schen den Obst­bäumen schwebt und die Glüh­würmchen dazu in ihren Hoch­zeitstanz schwärmen. Am lus­tigsten wurde es immer, wenn wir „das Kon­zertlied“ zusammen gesungen haben. „Vadda“ reser­vierte immer das Horn für sich, weil er da dauernd nur einen Ton halten musste … und selbst das klappte bei­leibe auch nicht immer …
Kranke, fie­bernde Kinder brachte man mit Spaß­liedern und ewig neuen Strophen-Ein­fällen — zum Bei­spiel mit „Von den blauen Bergen kommen wir, unser Lehrer ist genauso doof wie wir …“ oder das Regen­würm­erlied — doch immer wieder zum Lachen, wenn man ganz ver­wegen die Regen­würmer nicht nur husten, sondern auch kichern, rülpsen, hicksen oder pupsen lässt.
Aber dann gab es nicht nur das Radio und den Kaset­ten­re­korder, der den Kindern zwar die guten, alten Kin­der­lieder vor­spielte, aber ihnen auch das Sel­ber­singen abge­wöhnte, sondern es kam der Walkman auf (kennt den noch jemand?) und dann die I‑Pods und mp3-Player mit den ange­sagten Pop­songs. Ich dachte, mir fällt der Kitt aus der Brille, als ich bei Schul­anfang die I‑Dötzchen an der Dorf­hal­te­stelle aus dem Bus krabbeln sah und die kleine Gruppe laut singend die Haupt­straße ent­lang­krähte „I’m horny, horny, horny …“. Es beru­higte mich ein bisschen, dass sie auf Nach­frage zugaben, gar nicht zu wissen, was das bedeutet.

Nun gut, die Generation meiner Kinder bekam noch ein wun­der­bares Geschenk. Ein Glücksfall und eine Freude für drei Genera­tionen: Kinder Eltern und Groß­eltern: Den Musiker und Lie­der­schreiber Rolf Zuc­k­owski. Wer kennt nicht „In der Weih­nachts­bä­ckerei“, „Wie schön, dass Du geboren bist“ oder „Unsre Schule hat keine Segel“. Selbst unser Au-Pair Mädchen lernte mit seinen Liedern genau­soviel Deutsch, wie in den Kursen an der Abendschule.

Rolf Zuc­k­owski hat ent­zü­ckende, heitere, nach­denk­liche und besinn­liche Lieder geschrieben. Er ist sicher kein reak­tio­närer Mensch. Seine Lieder sind sprachlich pfiffig, funkeln vor Ideen und fet­zigen Reimen und sind für Kinder leicht sing- und lernbar.
Aber auch diese lieben Zuc­k­owski-Kin­der­lieder sind den Polit-Kom­mis­saren der Poli­tical Cor­rectness ein Dorn im Auge. Immer wieder wird er auf­ge­fordert, die Texte doch gen­der­ge­rechter zu schreiben.
Der arme Mann setzte sich also hin und forstete seine Lie­der­texte durch, um zu sehen, wie er das denn zuwege bringen könne. Aber auch der Wil­ligste muss vor soviel Ideo­lo­gen­krampf kapi­tu­lieren. Rolf Zuc­k­owski war willig:
„Das Fra­ge­zeichen, ob eine “gen­der­ge­rechte” Sprache kon­se­quent umsetzbar ist, fordert auch mich heraus, nicht zuletzt als Autor von Kin­der­liedern. So habe ich mich seit Län­gerem mit der Mög­lichkeit einer “gen­der­ge­rechten” Über­ar­beitung meiner Lieder beschäftigt und bin dabei auf unüber­windbare Hin­der­nisse gestoßen. Es will mir einfach nicht gelingen, die Sing­barkeit bei einer solchen Umar­beitung zu gewähr­leisten. Was soll nun geschehen? Werden die Lieder bald als “nicht mehr zeit­gemäß” ins Abseits gedrängt, oder gar auf einen “Gender-Index” gesetzt? Ein Bei­spiel ist mein beliebtes Geburts­tagslied “Wie schön, dass du geboren bist”. Da heißt es im Ori­gi­naltext: “Heut ist dein Geburtstag, darum feiern wir, alle deine Freunde freuen sich mit dir.” “Gen­der­ge­recht” müsste es wohl heißen: “… alle deine Freun­dinnen und Freunde freuen sich mit dir.” “
Ach, lieber Rolf Zuc­k­owski, das Herz wird einem schwer dabei, aber ja, genau so ist es. Deine wun­der­hüb­schen Kin­der­lieder werden auf den Müll des rechts­re­ak­tio­nären Gedan­ken­gutes wandern. Die Kom­missare der PC haben keinen Sinn für Kin­der­lieder, für die freund­liche Eleganz Deiner Texte, für die unaus­ge­spro­chene, aber tra­gende Fre­quenz der Liebe zum Leben, die in Deinen Texten mit­schwingt. Sie wollen ver­tonte Par­tei­tags­be­schlüsse, deren Wörter peer-reviewed und in poli­ti­schen Rein­räumen zusam­men­ge­schraubt werden.
Nicht einmal vor Deiner Kinder-Europa-Hymne würde der Sternchen*Innen-Wahn halt­machen: Kleine Europäer rücken immer näher, immer näher auf­ein­ander zu, wie ich und du.“ Ja, Du hast Recht, auch hier würde die Gen­der­ge­rech­tigkeit ihr scharfes Sprach­schwert schwingen und die Reime und das Versmaß solange zer*Innen und zer­hackXen, bis nur noch hol­pernde Vers­scherben in die Zunge schneiden.
Aber so ist das heute. Alles muss ideo­lo­gisch lupenrein sein, die Kon­se­quenzen sind wurscht. Ideo­logen sind die Ver­kör­perung der zer­stö­re­rischsten Eigen­schaften des Men­schen. Durch­drungen von der Gewissheit, „die Guten“ zu sein, reiten sie alles zuschanden und ver­nichten in ihrer gna­den­losen Bes­ser­wis­serei das, was sie doch schützen wollen. Seit die Grünen ideo­lo­gisch geworden sind, zer­schnetzeln überall die Wind­kraft­parks die Vögel und Fle­der­mäuse bis zur Aus­rottung und die rie­sigen Beton­fun­da­mente dieser Vogel­schred­derer ver­siegeln die Böden. Nie war Politik so grün, wie heute, aber nie wurde soviel Pes­tizid ver­sprüht. NGOs werfen sich für Bienen und Insekten an die Front, und nie waren die Bienen und Insekten so bedroht. Die Gen­der­ge­rechten und die Femi­nisten wittern überall Frau­en­un­ter­drü­ckung, doch noch nie seit dem Ende des Zweiten Welt­krieges wurden so viele Frauen und Mädchen ver­ge­waltigt, wie heute, und dazu schweigen sie.
Es gibt ‑zig NGOs, die sich für Kin­der­rechte stark machen, aber es gibt immer mehr Kin­der­ver­ge­wal­tiger, Kin­der­handel und immer weniger Kinder – und sie werden immer ein­samer und neu­ro­ti­scher. Kinder brauchen Liebe und Fröh­lichkeit, beschüt­zende Eltern, heißen Kakao, wenn sie vom Schnee­mann­bauen nach Hause kommen und Eis­waffeln und Enten­füttern im Sommer. Leben, Lachen und Singen. Lasst den Kindern wenigstens noch die unver­krampften Kinderlieder.