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Hochgebildet, kinderlos

25. März 2018

Sie sind jung und gescheit, sie sind gebildet und voll Tatendrang. Die Rede ist von den frischgebackenen Akademikerinnen, die jedes Jahr von unseren Unis und Fachhochschulen ins Berufsleben drängen. Man darf ihnen von Herzen zu ihren Lernerfolgen gratulieren, aber irgendwie machen einen die jungen Damen auch nachdenklich, wenn sie so frisch und frohgemut von den Universitäten abgehen, den akademischen Titel in der Hand und den Kopf voller beruflicher Pläne.

Eigene Kinder? Später!

Ein ganz wesentlicher Punkt ist in diesen ihren Plänen nämlich meistens nur unter „ferner liefen“ enthalten: Die eigenen Kinder. Mit Mitte 20 und als Frau Mag., Frau Dr., BA, MA oder was auch immer steht zunächst die Karriere ganz im Vordergrund. Und wer könnte das den Akademikerinnen auch verdenken? Sie haben Zeit und Geld in die eigene Ausbildung investiert und das gesellschaftliche Klima verlangt heute, dass die Frau keinesfalls auf ihre biologisch bestimmte Rolle als Mutter reduziert wird, sondern dass sie zu ihrer eigenen Vervollkommnung und zur sogenannten Selbstverwirklichung auch eine Karriere in der Berufswelt zu schaffen hat. Kinder bekommt man als Akademikerin – wenn überhaupt – erst mit Anfang/Mitte Dreissig und nach mindestens 7 bis 10 Berufsjahren.

Die biologischen Realitäten konterkarieren aber die Vorstellungen der jungen Hochschulabsolventinnen, die zum Großteil durchaus einen wenn auch erst später zu erfüllenden Kinderwunsch haben. Die Fertilität der Frauen (übrigens auch jene der Männer) nimmt aber ab dem 35. Lebensjahr signifikant ab – und das leider auch noch recht rasch. Wer zu spät kommt, den bestraft die Biologie: Ein unerfüllter Kinderwunsch mit Ende 30, Anfang 40 bleibt allermeist auch ein solcher – trotz der vielen optimistischen Ankündigungen von  Kinderwunschzentren und Fruchtbarkeitsspezialisten.

Akademikerinnen haben die wenigsten Kinder

Es ist also kein Wunder, dass Akademikerinnen unter allen Frauen generell die niedrigsten Geburtenraten aufweisen. Und es ist eben sehr oft gar nicht der heute angeblich weit verbreitete fehlende Kinderwunsch bei den hochgebildeten und karriereorientierten Frauen, sondern es ist einfach ein unglückliches, aber erklärbares Zeitversäumnis, das für die einzelne Frau dann nicht mehr gut zu machen ist. Im Nachhinein können gerade die unerfüllten Kinderwünsche viel persönliches Leid und Versagensgefühle verursachen, die durchaus krankmachenden Charakter haben können und beim Arzt dann zum Thema werden: In der Medizin beobachten wir oft genug Depressionen und verschiedene körperliche Störungen, die auf einen unerfüllten Kinderwunsch zurückzuführen sind.

Über die Nöte wird kaum geredet

Über diese Sorgen und Nöte der unfreiwillig kinderlos gebliebenen, aber beruflich erfolgreichen Frauen erfährt man in der Allgemeinheit üblicherweise recht wenig. In den Hochglanzmagazinen und in  den einschlägigen Reportagen über erfolgreiche Karriere-Frauen aus allen Sparten kommen die Kinder bei den Damen jenseits der Dreissig immer wie selbstverständlich daher und alles ist ganz easy. Die mediale Botschaft lautet: Man möge sich doch als Frau vor dem ersten Kind unbedingt beruflich beweisen und ja nicht zu früh von einem Mann abhängig machen und sich durch ein Kind in seiner Entfaltung einschränken lassen.

Stichwort „Einschränken“: Das einzige, was durch diesen gesellschaftliche Druck namens „Zuerst die Karriere, dann die Kinder „ wirklich eingeschränkt wird, ist die Anzahl des Nachwuchses. Wenn man die Gründung einer Familie erst ab Mitte 30 einplant, bleibt einfach zu wenig Zeit für mehrere Sprösslinge. Im Regelfall geht sich ein Kind schon noch aus, aber danach wird es eng. Und wenn es nicht gleich klappt, beginnt die Ärzte-Tour: Von der Hormonbehandlung bis zur IVF, alles wird versucht und oft genug bleibt am Ende die ungewollte, trauige Kinderlosigkeit.

Die Männer gehören dazu

Natürlich sind auch die Männer hier nicht auszuklammern, denn zu einer gelungenen Elternschaft gehören immer zwei und man kann die zeitgeistigen Strömungen, die uns die flaue und langfristig deletäre Geburtenmisere eingebrockt haben, nicht den Frauen und schon gar nicht den Akademikerinnen alleine anlasten. Freilich haben sich die Frauen durch die Fortschritte in der hormonellen Verhütungstechnik die Hoheit über die Zeugung gesichert und der Feminismus hat hier in Union mit der Pille seine unbestreitbaren, aber höchst zweifelhaften „Erfolge“ errungen.

Die Männer profitieren natürlich insofern von diesen hier beschriebenen Phänomenen, weil sie sich ebenfalls auf das eigene Fortkommen konzentrieren und der eigene Karriere widmen können. Man argumentiert auch hier gerne mit der elterlichen Verantwortung, die man sich ja nicht schon in jungen Jahren aufhalsen muss und außerdem wird auch von vielen Männern eine frühe Vaterschaft als Einschränkung empfunden. Überdies fällt beim Mann der biologisch bedingte Zeitdruck fast weg. Es sinkt zwar bei den  Männern im Laufe der Zeit ebenfalls die Fertilität, aber sie ist im Regelfall auch im Alter noch vorhanden.

Hotel Mama

Man kann auch immer wieder eine gewisse fortpflanzungsbezogene Reifungsverzögerung bei den Millennials (also den heutigen Twens) beobachten: Ein erklecklicher Teil der jungen Damen und Herren fühlt sich einfach zu unreif für Kinder oder einfach nicht bereit dafür. Wenn man aber andererseits mit studierten jungen Leuten spricht, die schon in ihren Zwanzigern (also im Studentenalter) Eltern wurden, berichten die allerwenigsten davon, dass dies einen Einschränkung gewesen sei oder dass sie nicht reif genug gewesen wären oder dass sie die Kinder gar unglücklich gemacht hätten – eher das Gegenteil ist der Fall.

Es könnte also gut sein, dass wir in voller Modernität und Inbrunst auf einem Irrweg dahintaumeln, der durch den Feminismus und das Gleichheitsstreben bereitet wurde. Auf diesem Weg verfolgen wir familienpolitische Ziele, die auf den ersten Blick legitim erschienen, aber in Wirklichkeit der Gesellschaft und besonders den Frauen langfristig schaden.

Last not least führt diese innere Haltung zu einer aussterbenden Gesellschaft, die ihre größten demografischen Lücken in den intellektuellen Schichten bereits klar erkennbar präsentiert: Die wenigsten Kinder sind statistisch bei den Hochgebildeten zu finden. Wir wissen aber auch, dass Bildung zum Großteil „vererbt“ wird. Das heißt, wo gebildete Eltern sind, findet man meistens auch gebildete Kinder. Wenn allerdings niemand mehr da ist, an den man seine Bildung vererben kann, werden die Bildungsniveaus zwangsläufig nach unten gedrückt. Wir werden also nicht nur stetig weniger, wir werden dabei auch noch immer dümmer.

 


Dr. Marcus Franz – thedailyfranz.at