Whistleblower Politik

Whistleblower: Wie Steve Bannon via Facebook die Linke ausmanövriert und die Wahlen für Trump entschieden hat

Der Bericht des britischen Guardian vom 17. März lässt die angebliche, russische Wahleinmischung wie ein unprofessionelles Bubenstück aussehen. Wahlmaschinen manipulieren ist ja sowas von retro. Nein, der schmale Junge, der seine Story auspackt, ist eine Mischung zwischen Nerd und punkigem Polit-Aktivisten, wie er da mit seinem pinkgefärbtem Stoppelhaarschnitt, Eulenbrille und Ringpiercing in der Nase auf seinem Stühlchen im Studio sitzt.

Er fühlt sich verantwortlich und empfindet Reue. Die Firma, für die er gearbeitet hat, hat sich unethisch verhalten. Man habe mit einer ganzen, ahnungslosen Gesellschaft gespielt und ein verwerfliches Experiment mit dem Denken und Fühlen eines ganzen Landes getrieben.

 

Der junge Mann heißt Christopher Wylie und er ist Datenwissenschaftler. Die Firma, für die er seit 2013 arbeitete, heißt Cambridge Analytica und gehört dem Hedgefund-Milliardär Robert Mercer. Wylie bezeichnet die Firma als weit über eine Research- oder Datenauswertungsfirma hinaus agierend. „It’s a full-service propaganda machine“, beschreibt er das Leistungsangebot seines ehemaligen Arbeitgebers. Wenn man alle Informationsströme rund um den Gegner kontrollieren könne, dann könne man auch beeinflussen, wie er das „Schlachtfeld“ wahrnehme und damit auch lenken, wie er sich verhalten und reagieren werde, beginnt der Datenwissenschaftler seine Erzählung.

Genauer gesagt, geht es darum, wie man Wahlen im Sinne des Auftraggebers beeinflussen kann. Seinen Chef Alexander Nix, den Gründer und Chef der „Cambridge Analytica“ beschreibt er als einen „upper class“ Absolventen der Eliteschule Eton, als ehrgeizigen, schwierigen, ambitionierten Gewinnertyp. 2013 wurde Christopher Wylie nach seinen Angaben Steve Bannon in seiner Eigenschaft als Chef des US-amerikanischen AltRight-Mediums Breitbart vorgestellt. Alexander Nix fand es erforderlich, eine Niederlassung in Cambridge vorweisen zu können und man habe daraufhin ein „Fake-Office“ dort eingerichtet. Und immer, wenn Steve Bannon nach Großbritannien kam, seien Leute aus dem Londoner Büro in das Scheinbüro in Cambridge platziert worden, so dass Steve Bannon gegenüber der Eindruck erweckt wurde, man arbeite dort eng mit der Universität zusammen. Bannon gefiel diese vermeintliche Universitätsanbindung anscheinend außerordentlich, er habe dann vorgeschlagen, die Firma Cambridge Analytica zu nennen.

Nach Breitbarts These, so berichtet Wylie, könne man eine nationale Politik nur ändern, indem man das kulturelle Umfeld ändert und eine neue Kultur erschafft. Und die kleinen „Einheiten“, die das herbeiführen, seien die einzelnen Menschen. Man müsse also gezielt deren Einstellung und Denkweise ändern, um die Kultur zu ändern. Bannon habe den politischen Feldzug in der Tat als eine Art Kriegsführung betrachtet. Dazu braucht man wirksame Waffen. Die sollte Cambridge Analytics zur Verfügung stellen, wozu allerdings nicht unbeträchtlich Geld nötig war. Bannon wandte sich dazu an Robert Mercer.

Bei einem Treffen zwischen Alexander Nix, Christopher Wylie, Steve Bannon und Robert Mercer in New York soll Nix eine gekonnte Aufschneider-Show geliefert haben, die Wylie fast schon mit kommödiantischem Talent vorführt. Bei dem Gespräch kristallisierte sich heraus, dass die Firma Cambridge Analytics mit einer Kombination aus „Micro-targeting“, einer durchaus schon bekannten Methode, die massenhaft die persönlichen Daten, Informationen, Kontakte und Profile einzelner Menschen sammelt und auswertet, arbeiten solle, aber gleichzeitig auch die Mittel der Psychologie einbringen müsse. Es ging nicht nicht nur um das Wahlverhalten, Zustimmung und Ablehnung und dessen Auswertung in Prozent zu ermitteln, sondern um die Persönlichkeiten, ihre Gedanken, Ängste Gefühle – kurz: Die Persönlichkeits-Struktur und die psychologischen Profile aller US-Amerikanischen Wähler in den verschiedenen Regionen der USA.

Das überzeugte Mercer. Er investierte 15 Millionen Dollar in dieses Unternehmen.

Nach dem ersten Siegestaumel und einer per Säbel geköpften Champagnerflasche, machte sich am nächsten Tag etwas Ernüchterung breit, berichtet Wylie. Wie sollte man das alles bewerkstelligen? Schließlich habe ihnen nun ein Milliardär im Nacken gesessen, der Erfolge sehen wollte und zwar subito. Woher sollte man diese Massen an Daten bekommen? Und wie damit umgehen? Wie macht man das in einem Riesenland wie den USA?

Wylie ging an die Universität und fragte schlicht und einfach die Professoren. Es war Anfang 2014 und Christopher Wylie traf Dr. Aleksandr Kogan in der Uni Cambridge. Und was der ihnen anbot, sagt Wylie, war wesentlich billiger, schneller und von einer Qualität, die unschlagbar war. Kogan hatte Apps für Facebook entwickelt, die es ermöglichten, Daten und Informationen zu geben, die weit über das hinausreichten, was die Person, welche die App auf seinem Profil installierte, an Daten zu bieten hatte. Diese Apps „diffundierten“ sozusagen in das gesamte Netzwerk der Freunde hinein und sammelte dort wiederum alle Daten über deren Freunde.

Die Leute von Cambridge Analytica brauchten also nur ein Facebook-Profil, um alle Daten der dreißig, vierzig, fünfzig Personen in dessen Netzwerk einzusammeln. Sie mussten nur „ein paarhundertausend Leute „antippen“, um in deren gesamtes, soziales Netzwerk einzudringen, was ihnen Daten des Großteils von Amerika lieferte. Was die betroffenen Personen natürlich überhaupt nicht ahnten.

„Geerntet“ wurde praktisch alles von Status-Update, Likes und Dislikes, alle Inhalte, Meinungen, in einigen Fällen auch private Kommunikation. Auf diese Weise wurden in nur zwei bis drei Monaten bis zu 50 oder 60 Millionen Profile erfasst und ausgewertet. Millionen Dollar wurden für das Einsammeln der Daten von Zigmillionen Facebook-Profilen ausgegeben, berichtet Wylie, und dennoch habe Alexander Nix in der Parlamentsanhörung zu „Fake News“ behauptet, Cambridge Analytics habe niemals Daten von Facebook benutzt. Wylie stellt klar: Das Unternehmen Cambridge Analytica habe sogar im Gegenteil komplett auf der Auswertung von Facebook-Daten beruht.

Diese Datenmengen, die Wylie und seine Kollegen von Facebook erhielten, wurden dann zur Grundlage der darauf aufbauenden Algorithmen, um die nächste Stufe des Plans umzusetzen.

Jetzt ging es darum herauszufinden, welche Persönlichkeiten empfänglich sind für welche Art von Botschaften, welche Reizwörter, welche Themen, welche Inhalte wen triggern. Welche Wortwahl, das Schüren welcher Ängste oder Erwecken welcher Hoffnungen aktiviert welchen Typ Mensch? In welcher gesellschaftlichen Schicht? Mit welchem familiären oder finanziellen Hintergrund? Wo suchen die Leute sich Information? Auf was springen sie an? Wie muss die Botschaft von der emotionalen Farbe und Wortwahl gehalten sein? Und wie oft muss derjenige in Berührung mit welcher Botschaft kommen, bevor er wie gewünscht reagiert? Ab wann ändert jemand seine Meinung?

Neben Datenwissenschaftlern, Psychologen und Strategen arbeiteten aber auch Teams von Kreativen, Schreibern, Designern, Videografen und Fotografen, die die erforderlichen Inhalte so erstellten und zurechtmachten, dass sie direkt wie ein Schlüssel zum Schloss in die Wahrnehmung und das Bewusstsein der Zielgruppen passten. Dieser Content wurde zu einem „Targeting-Team“ gesendet, das die Inhalte sozusagen ins Internet „injizierte“. Es wurden Webseiten und Blogs erschaffen, die bestimmte Zielgruppen ansprachen und an sich zogen und welche diese Zielpersonen wiederum weiter verbreiteten.

Das war die „Waffe“, die Steve Bannon brauchte, um seinen Feldzug zu Errichtung einer neuen, politischen Kultur zum Erfolg zu führen.

Inwieweit der Wahlerfolg Donald Trumps dieser Strategie und Taktik seines „Generals“ Steve Bannon zu verdanken war, kann auch Christopher Wylie schlecht einschätzen. Auch die Frage, ob und in welchem Maße diese üppige Datenernte und deren Auswertung rechtswidrig war, wird nicht so einfach zu beantworten sein. Der Erfinder der benutzten App, Dr. Aleksandr Kogan, steht eisern auf dem Standpunkt, er habe vollkommen legal gehandelt und beruft sich auf eine enge Zusammenarbeit mit Facebook, von wo er eine Erlaubnis erhalten habe, diese App zu entwickeln und den Facebook-Nutzern anzubieten. Die Features der App seien den Nutzern auch bekannt gewesen.

Facebook selbst veröffentlichte inzwischen, dass es Cambridge Analytica und dessen Mutter-Unternehmen Strategic Communication Laboratories von seiner Plattform entfernt habe. Facebook distanziert sich und verurteilt das Vorgehen von Cambridge Analytics. Die Behauptung, es handle sich um ein Datenleck, sei aber „komplett falsch“. Die Nutzer haben, so Facebook, mit vollem Wissen ihre Daten zur Verfügung gestellt, es sei nicht in irgendwelche Systeme eingebrochen worden, keine Passwörter und keine sensiblen Informationen seien gehackt oder gestohlen worden. Dr. Aleksander Kogan habe eine App angeboten, die die Nutzer freiwillig angenommen und installiert haben und ihr ausdrückliches Einverständnis dazu gegeben haben.

Die Medien, die sich gerade auf das Thema stürzen, benutzen es natürlich, um Donald Trumps Legitimation als Präsident in Frage zu stellen. Mittlerweile sind diese pausenlosen Versuche zwar schon langweilig geworden, aber den linkslastigen Qualitätsmedien bleibt jeder Anlass willkommen. Berichte wie in der Welt bieten eigentlich nur oberflächliches Skandalgejammere und Anschuldigungen. Was da genau geschehen ist, und wie der ganze Feldzug möglicherweise ganz legal über all die Facebook-Apps und Schleichwege  durchgezogen wurde, beschreiben sie wohlweislich nicht.

Ausgerechnet die Mainstreammedien, die durch Verschweigen, Vertuschen, Verbiegen, Manipulation, Lügen und Psycho-Druck,  jeden Tag und zu jedem Thema eine tausendfache, massive Beeinflussung der Bevölkerung ausüben, sowie übelste öffentliche Hinrichtungen unliebsamer Meinungen, Zensurmaßmahmen, Überwachung und Maulkörbe billigen, ausgerechnet sie echauffieren sich plötzlich reihenweise über Meinungsmanipulation und Datenkriminalität.

Ja, Herrschaften, so fühlt sich das an, wenn man rückwärts durch die Hecke gezogen wird, wie wir das täglich von Ihnen erleben. Sie denken nur, dass Sie moralisch dazu berechtigt sind, weil Sie ja „die Guten“ sind. Meine Damen und Herren Journalisten, so wenig die Vorgehensweise von Cambridge Analytics moralisch akzeptabel ist, es steht dennoch arg zu bezweifeln, dass bei den staatsanwaltlichen Ermittlungen irgendetwas Größeres herauskommt. Die Stellungnahme von Facebook selbst ist juristisch wahrscheinlich zutreffend.

Offen gesagt, es scheint mehr der gelbe Neid zu sein. Die Linke versucht seit ca. hundertfünfzig Jahren, die Menschen zu indoktrinieren, buchstäblich die Gesellschaft „auf links zu drehen“, Nationen, Völker und Familien abzuschaffen und ihre sozialistische Weltherrschaft zu erlangen. Mitunter auch durch blanken Terror und Unterdrückung, wie einst unter Stalin. Trotz allem scheitern sie immer wieder und müssen erkennen, dass die Völker sich abwenden und dass das Haltbarkeitsdatum ihrer Ideologie abläuft. Da kommt ein Typ wie Steve Bannon einfach daher und schafft innerhalb eines halben Jahres mit wesentlich intelligenteren Methoden das, was die Roten in hundertfünfzig Jahren nicht fertiggebracht haben. Es würde von Größe zeugen, das wenigstens anzuerkennen.


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