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Politik & Aktuelles

Falsches Spiel: Briten wollen nicht mit Russen sprechen

3. April 2018

Britische Parlamentarier meiden den Dialog mit russischen Amtskollegen, weil sie offenbar alle ahnen, dass ihre eigene Regierung hinter dem Anschlag stecken könnte.

Russische und britische Abgeordnete hatten Gelegenheit in Genf auf der 138. Versammlung der Interparlamentarischen Union (IPU) über die Auswirkungen des Skripal-Märchens auf die Beziehungen der beiden Länder nachzudenken, aber die britische Seite hatte sich geweigert ein Treffen abzuhalten. Vertreter vieler Länder brachten hingegen der russischen Delegation ihre Besorgnis über die aggressive und offenkundige Desinformationskampagne Londons zum Ausdruck , die seit einigen Wochen stattfindet.

Was ist eigentlich passiert?

Am 4. März wurden der frühere russische Geheimdienstoffizier Sergei Skripal, der zuvor in Russland wegen Spionage für Grossbritannien verurteilt worden war, und seine Tochter Julia bewusstlos auf einer Bank in der Nähe des Einkaufszentrums von Maltings in Salisbury, Grossbritannien, gefunden. Die Polizei sagte, sie seien einem Nervenkampfstoff ausgesetzt gewesen.

Briten erfinden immer neue Tathergänge

Später behauptete London, das Toxin sei angeblich in Russland entwickelt worden. Moskau widerlegte die Vorwürfe und wies darauf hin, dass weder die Sowjetunion noch Russland jemals Forschungen zu dieser giftigen Chemikalie durchgeführt hätten.

Dann behaupteten die Briten, das Gift soll angeblich im Koffer der Tochter Skripals gewesen sein, was dann ein paar Tage später von britischen Sicherheitsdiensten in eine neue Version geändert wurde, nach der sogar die Koffer von Skripals Tochter bereits mit dem Nervengift kontaminiert gewesen sein sollen.

Dann hiess es, ein Blumenstrauss, den Skripal auf dem Grab seiner Frau in England abgelegt hat, sei die wichtigste Spur in dem mysteriösen Fall. Skripal soll die Blumen nach Hause geschickt bekommen haben, so die „Daily Mail“.

In der neuesten Version der Briten heisst es, nach drei Wochen nach Auffindung Skripals und seiner Tochter, dass die Haustür des Vergifteten damit kontaminiert sein soll.

Auch warum die Briten so sicher sind, dass es sich um Gift aus Russland handelt, ist bisher völlig unklar, denn mit Giften ist es wie mit Fingerabdrücken, man muss immer zwei Proben davon haben, um sie miteinander vergleichen zu können. Die Grundstoffe für das Nervengift bekommt man übrigens in jeder Chemiehandlung

Ohne Beweise vorzulegen hat London 23 russische Diplomaten ausgewiesen und alle geplanten bilateralen Kontakte auf hoher Ebene ausgesetzt. Daraufhin wurden 23 britische Diplomaten aus Russland ausgewiesen. Ausserdem wurde das britische Konsulat in St. Petersburg geschlossen, und die Aktivitäten des British Council in Russland wurden eingestellt.

Am 26. März erklärten die Vereinigten Staaten 60 russische Diplomaten zu Persona non grata. Unter ihnen sind 46 Diplomaten der Botschaft in Washington, zwei vom Generalkonsulat in New York und zwölf weitere von Russlands Mission bei den Vereinten Nationen. Die gesamte Aktion gegen Russland folgt einem Plan der Vereinigten Staaten. Sie haben jahrelang versucht die Austragung der Fussball-WM in Russland zu torpedieren. So ist wohl der angebliche Anschlag auf den Doppelagenten, das letzte Mittel um Russland diesbezüglich zu schaden.

Deutschland, Kanada, Polen und Frankreich folgten, indem sie jeweils vier russische Diplomaten auswiesen. Litauen, Moldawien und die Tschechische Republik haben drei Diplomaten ausgewiesen, Australien, Albanien, Dänemark, Spanien, Italien und die Niederlande – zwei. Belgien, Ungarn, Irland, Lettland, Mazedonien, Norwegen, Rumänien, Finnland, Kroatien, Schweden und Estland haben jeweils die Ausweisung eines russischen Gesandten angeordnet. Die Ukraine hat die Entscheidung getroffen, 13 russische Diplomaten zu vertreiben.

Die NATO hat die russische Mission von 30 auf 20 Mitarbeiter gekürzt. Bulgarien und Luxemburg haben ihre Gesandten zur Konsultation zurückgerufen.

Die internationale Völkergemeinschaft verweigert jedoch die Teilnahme an der Ausweisung von russischen Diplomaten. 88 Prozent von 195 Nationen lehnen solche Schritte ab.

Das russische Aussenministerium versprach, dass die feindlichen Schritte dieser Länder nicht unbeantwortet bleiben würden.

Familie weiss nicht wo angebliche Opfer sind

“Wir wissen nicht einmal, wo er ist”, hat Skripals russische Familie in einem Interview erklärt. Skripals Nichte fragt sich, wieso kommt es, dass der Angriff so unbeholfen war, fast so, als ob jemand die Spannungen zwischen Russland und Grossbritannien verstärken wolle.

Viktoria Skripal erklärte, dass sie sich nicht sicher sei, wer für den Angriff auf Ihren Onkel und seine Tochter verantwortlich ist. Laut ihren Worten habe ihr Onkel niemals Angst um seine Sicherheit geäussert.

 


Quelle: Schweizer Morgenpost