"Beim Griff in die eigene Tasche stellt man immer wieder fest, daß die öffentliche Hand schon drin war." - Bild By: SpirosK photography - flickr.com - CC BY-SA 2.0

Neue OECD-Studie: In Deutschland ist der Staat besonders gierig

Deutschland besteuert Arbeit so stark wie kaum eine andere Indus­trie­nation. Ein­kom­men­steuer und Sozi­al­ab­gaben machten 2017 bei allein­ste­henden Durch­schnitts­ver­dienern 49,7 Prozent der Arbeits­kosten aus, wie aus einem am Don­nerstag von der Orga­ni­sation für wirt­schaft­liche Zusam­men­arbeit (OECD) ver­öf­fent­lichten Ver­gleich hervorgeht.
(Dr. Rainer Zitelmann)
Nur von Belgien wird dieser Wert mit 53,7 Prozent noch über­troffen. Der OECD-Durch­schnitt der 35 unter­suchten Länder liegt dagegen bei 35,9 Prozent, in der benach­barten Schweiz bei­spiels­weise nur bei 21,8 Prozent.
Dabei ist nicht einmal berück­sichtigt, dass die Bürger zusätzlich durch allerlei Öko­ab­gaben geschröpft werden, um die „Ener­gie­wende“ zu finan­zieren. Daher ist der Strom­preis bei­spiels­weise in Deutschland inzwi­schen so hoch wie in kaum einem anderen Land der Welt.
Dabei spart der Staat 290 Mrd. Zinsausgaben
Besonders empörend ist das, wenn man sich vor Augen führt, dass die Aus­gaben des deut­schen Staates für Zinsen in den ver­gan­genen Jahren massiv gesunken sind, und zwar wegen der Nullzins-Politik der EZB, unter der Sparer leiden, die aber für den Staat bedeutet, dass neu aus­ge­gebene Anleihen nicht oder nur gering ver­zinst werden müssen. Seit dem Jahr 2008 hat der deutsche Staat unglaub­liche 290 Mil­li­arden Euro Zins­kosten ein­ge­spart. Allein im Jahr 2017 beliefen sich die Zins­er­spar­nisse von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozi­al­ver­si­che­rungen im Ver­gleich zur Zeit vor der Finanz­krise zusammen auf 50 Mil­li­arden Euro. Dies zeigen Berech­nungen der Deut­schen Bun­desbank. Die Bun­desbank hat in ihrer Analyse das Zins­niveau aus 2007, dem Jahr vor der Finanz­krise, mit dem jewei­ligen Niveau in den Jahren danach ver­glichen. Musste der Staat für neue Schulden im Jahr 2007 Inves­toren noch eine durch­schnitt­liche Rendite von 4,23 Prozent für fri­sches Geld bieten, fiel das Zins­niveau seitdem kon­ti­nu­ierlich auf zuletzt 1,86 Prozent im Jahr 2017.
Und wofür das alles?
Man sollte meinen, wenn der Staat in Deutschland so viel kas­siert, dann müsste er in vieler Hin­sicht auch besondere Leis­tungen erbringen. Das ist jedoch nicht der Fall. Im Gegenteil. Die Infra­struktur in Deutschland leidet seit Jahren unter extrem nied­rigen Inves­ti­tionen. Im World Com­pe­titive Index des Welt­wirt­schafts­forums zeigt die Kurve steil nach unten, die die Qua­lität unserer Straßen, Schienen und Was­serwege bewertet. In den ver­gan­genen Jahren haben wir uns dort stück­weise aus den Top10 ver­ab­schiedet, unsere Straßen sind sogar nur noch auf Platz 16. Länder wie die Nie­der­lande, Por­tugal und Taiwan sind an Deutschland vor­bei­ge­zogen. Bun­deswehr und Polizei sind in einem erbärm­lichen Zustand. In der Bun­deswehr gibt es inzwi­schen wohl mehr Waf­fen­systeme, die nicht funk­tio­nieren als solche, die funktionieren.
Die Sozi­al­aus­gaben des Bundes blieben dagegen 2017 mit einem Volumen von rund 171,0 Mrd. Euro auf einem extrem hohen Niveau und stellen den mit Abstand größten Aus­ga­be­be­reich des Bun­des­haus­halts dar. Die Sozi­al­leis­tungs­quote – der Anteil der Sozi­al­aus­gaben an den Gesamt­aus­gaben – betrugt 2017 rund 52,0 %. Das heißt: Etwa jeder zweite vom Bund aus­ge­gebene Euro fließt in den Sozialbereich.
„Der den­kende Baum“: Wofür noch Geld aus­ge­geben wird
Ange­sichts üppiger Steu­er­ein­nahmen und geringer Zins­aus­gaben ist es ein beson­derer Skandal, dass jährlich Aber­mil­li­arden Steu­er­gelder für Unfug ver­schwendet werden. Ein Bei­spiel: Die hes­sische Stadt Ober­ursel will einer 400 Jahre alten, ster­benden Linde mit einer künst­le­ri­schen Instal­lation eine Zukunft geben. Unter dem Pro­jekt­titel „Zei­ten­wandel“ soll der einst statt­liche Baum in einen weißen Rahmen gesteckt werden: eine Art Vitrine ohne Glas.
 


Dr. Rainer Zitelmann — TheEuropean.de