Wirtschaft

„Zins-Stundung für Griechenland kostet 34 Milliarden Euro“

4. August 2018

Schon früh habe ich darauf hingewiesen, dass die „Rettung“ Griechenlands ein sehr teures Vergnügen ist und die Geschichten von den angeblichen Gewinnen, die wir damit machen, Fake News sind. Zeitwert des Geldes war und ist das Stichwort.

Hier eine kleine Notiz aus der F.A.Z., die genau das nochmals erläutert:

  • „Mehrere schuldenerleichternde Maßnahmen wurden von der Eurogruppe Ende Juni beschlossen, darunter die Verlängerung von Krediten um zehn Jahre auf eine durchschnittliche Laufzeit von 42,5 Jahren und die Stundung von Zinsen und Tilgungszahlungen bis 2032/2033. Vor allem letztere Maßnahme hat einen großen Umfang.“ – Stelter: Hätte ich auch gerne von meiner Bank. Das ist ein Geschenk.
  • Welchen monetären Wert hat denn diese Schuldenerleichterung, wollte die FDP-Fraktion wissen. Antwort: „Das Volumen der zusätzlichen Zinsstundung über zehn Jahre ist abhängig von der tatsächlichen Zinsentwicklung und wird vom BMF derzeit in einer Größenordnung von rund 34 Milliarden Euro geschätzt, heißt es nun in einer Antwort des Bundesfinanzministeriums (BMF) (…).“ – Stelter: Tja, wo ist denn da nun der Gewinn?
  • „Worauf das Ministerium nicht eingeht, ist die Reduktion des Barwerts der Kredite durch die Verlängerung der Laufzeiten. Die Abschaffung der Zinsmarge führe zu Mindereinnahmen des Krisenfonds EFSF von jährlich 220 bis 230 Millionen Euro. Der Verzicht auf Gewinne aus Anleihen im Besitz der Zentralbanken betreffe allein im Bundeshaushalt 2018 rund 417 Millionen Euro.“ – Stelter: Wer aber wie ich diese einfache Finanzmathematik ernst  nimmt, wird sogleich als „konservativer Ökonom“ bezeichnet.
  • „Der Ökonom Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung sagte dieser Zeitung, die Politik der fortgesetzten Laufzeiten-Verlängerungen und Zinsstundungen sei im Grunde Konkursverschleppung. Die Kredite müssten wohl großteils abgeschrieben werden. Die Sicht, dass die Griechenlandrettung Deutschland und die anderen Kredit- und Garantiegeber kein Geld kosten würde, ist ökonomisch unsinnig. Die Forderungen gegen Griechenland bestehen in ihrem Nominalwert nur noch auf dem Papier, sie sind in keiner Weise mehr werthaltig, sagte Heinemann.“ – Stelter: einfach peinlich, dass die Politik damit durchkommt.
  • Beispiel gefällig?: „Der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Eckhardt Rehberg (CDU), sagte dagegen: Längere Kreditlaufzeiten und der Verzicht auf höhere Zinsen sind weder ein Schuldenschnitt noch ein viertes Hilfsprogramm. Derartige Behauptungen sind falsch. –Stelter: Eine Partei, die derart unfähige haushaltspolitische Sprecher hat, die nicht einmal den Zeitwert des Geldes kennen, kann man nicht wählen. Wegen Inkompetenz. Die Alternative wäre noch schlimmer: dass er lügt. Aber das glauben wir doch nicht!

Quelle: think-beyondtheobvious.com