Islamismus & Terror

Zwei Jahre nach islamistischem Anschlag am Breitscheidplatz: Opfer müssen weiter um Entschädigungen kämpfen

26. Dezember 2018

Am 19.12. hieß es in Berlin den Opfern des Terroranschlags von Anis Amri zu gedenken. Der tunesische Islamist raste vor zwei Jahren mit einem gestohlenen LKW in den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche. Immer noch sind nicht alle von der Bundesregierung entschädigt.

Vor zwei Jahren ereignete sich der Terroranschlag auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz. Am 19. Dezember 2016 entführte der Tunesier Anis Amri den LKW eines polnischen Speditionsunternehmers und raste damit in die Menschenmenge auf dem Markt an der Gedächtniskirche. Zwölf Menschen kamen ums Leben, mehr als 70 wurden verletzt.

Der Pole Lukasz U. war das erste Opfer Amris. Dieser wurde erschossen, um für den Anschlag den LKW entwenden zu können. Der Spediteur, Cousin des Opfers, erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die deutschen Behörden. Der Verlust seines Angehörigen Lukasz U. sei nicht mit Geld abzugelten, sagte Ariel Zurawski, er könne aber sehr genau den finanziellen Schaden beziffern, der ihm entstanden sei.

Der für den Anschlag entführte LKW musste anschließend verschrottet werden. Für Zurawski entstand ein Schaden von mehr als 90.000 Euro. »Das ist für mich ein Haufen Geld«, klagte der Spediteur. Ihn hätten danach große Existenzängste gequält. Nun habe seine Firma mit Sitz in einem Ort südlich von Stettin den Verlust des LKW einigermaßen verwunden und sei finanziell über den Berg.

Er könne es dennoch nicht verstehen, warum Deutschland den ihm entstandenen Schaden nicht ersetze. »Ich will mich doch nicht bereichern«, betonte Zurawski. Für ein wohlhabendes Land wie Deutschland müsste eine Entschädigung der Opfer eigentlich Ehrensache sein. Erhalten habe er lediglich 10.000 Euro Schmerzensgeld.

Den eigenen Kampf für eine Entschädigung habe Zurawski vorerst aufgegeben. Es sei aussichtslos, das habe ihm selbst sein Anwalt gesagt. »Solange in Deutschland die Ermittlungen nicht abgeschlossen sind, habe ich keine Chance, etwas zu erreichen«, sagt er resigniert. »Das ist ein Kampf wie David gegen Goliath«.

»Ich trage doch keine Schuld an dem Anschlag«, sagt er. Er fühle sich ungerecht behandelt, nur, weil er Pole sei. Die Regierung in Warschau habe ihn dann etwas unterstützt. Sie übernahm nicht nur die Überführungskosten des toten Cousins, bei dem Begräbnis war sogar Staatspräsident Andrzej Duda anwesend, während von deutscher Seite kein Vertreter kam. Warschau bewilligte der Familie des Opfers eine Spezialrente.


Erstveröffentlichung auf FreieWelt.net


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