Wirtschaft

„Jetzt geht der Blase endgültig die Luft aus“

14. Januar 2019

Die „Alles-Blase“ dürfte 2019 (weiter) platzen. Eine Einschätzung, die Leser von Stelter so schon länger von mir kennen. Dennoch fand ich das Interview in der FINANZ und WIRTSCHAFT mit Kevin Duffy, einem erfahrenen Leerverkäufer, durchaus interessant:

  • „Meine Top-Prognose ist, dass der Blase jetzt endgültig die Luft ausgeht. Weltweit sind viele Börsen bereits in eine Baisse gefallen. Auch die amerikanischen Aktienmärkte sind unter Druck geraten, konnten einen Crash bisher aber verhindern. Vermeiden lässt er sich jedoch bald nicht mehr. 2019 wird ein Jahr, in dem Anleger Risiken scheuen und US-Aktien in einen Bärenmarkt mit Verlusten von 20% oder mehr geraten. Anders als die meisten Investoren heute glauben, wird das keine kurze Delle. Vielmehr steht den Börsen ein langer, zermürbender Abwärtstrend bevor.“
    Stelter: Die meisten Märkte befinden sich mit Kursrückgängen von über 20 Prozent bereits in einer Baisse.
  • „Nach all den Jahren mit rekordtiefen Zinsen und steigenden Kursen hat sich Sorglosigkeit breitgemacht. Der letzte grosse Einbruch liegt so weit zurück, dass Investoren darauf konditioniert sind, Warnzeichen zu ignorieren und Rückschläge als Chance zum Einstieg zu interpretieren. (…) Das ist ein Rezept für ein Desaster.“
    – Stelter: Was auch damit zu tun hat, dass die Erinnerung an 2008 verblasst.
  • „Ein klares Signal dafür ist, dass die Zugpferde an den US-Börsen ins Straucheln kommen. Der Leitindex S&P 500 konnte im September zwar die Bestmarke vom Januar übertreffen. Diese Avance war aber nur einigen wenigen Aktien zu verdanken, wogegen die meisten Titel auf der Stelle getreten sind. Seit dem Allzeithoch vom 20. September hat der S&P 500 nun 13% korrigiert. In den Abwärtssog geraten sind dieses Mal auch die scheinbar unzerstörbaren FAANG-Aktien (…).“
    Stelter: Vor denen ich – wie immer zu früh! – gewarnt habe.
  • „Im Kreditzyklus hat eine neue Phase begonnen, in der die Zinsen steigen und die Finanzierungsbedingungen sich verhärten. An Wallstreet herrscht die Meinung vor, dass die Zentralbanken dafür verantwortlich seien, weil sie eine weniger lockere Geldpolitik betreiben. Die Realität ist aber, dass sie zu spät gehandelt haben und bloss auf das Geschehen an den Märkten reagieren.“
    – Stelter: Gut möglich, dass die Zinsen steigen, weil das Risikobewusstsein zurückkehrt und die Investoren erkennen, dass es erhebliche Risiken gibt, für die nicht ausreichend bezahlt wird. Ich denke da bekanntlich an die Unternehmensschulden.
  • „Es gibt zwei Hauptprobleme. Erstens sind das die Schulden. Als die Internetblase im Jahr 2000 platzte, beliefen sie sich weltweit auf rund 70 Bio. $. Auf dem Zenit der Exzesse im Häusermarkt waren es schon 150 Bio. $. Heute sind es 250 Bio. $. Hatten sich im letzten Jahrzehnt vor allem die Haushalte überschuldet, spielen sich die Übertreibungen dieses Mal im öffentlichen Sektor ab. Wegen der tiefen Zinsen schien das kein Problem. Es ist ein falsches Gefühl von Sicherheit entstanden, dass dem Staat unendliche Mittel zur Verfügung stehen und Defizite keine Rolle spielen. Das ist ein Trugschluss. Ich kann mich etwa noch gut an die Neunzigerjahre erinnern, als das Budgetdefizit in den USA ein brisantes Thema an den Märkten war.“
    – Stelter: Und wie ich am Beispiel des Artikels in der SZ diskutiert habe, gibt es bereits die Kampagne für die Haltung, dass die Staatsschulden ohnehin keine Rolle spielen, weil der Staat ja die Notenpresse besitzt.
  • Die Demografie. Weil die Babyboomer zu wenig gespart haben, sind sie nicht auf den Ruhestand vorbereitet. (…) Die ultralockere Geldpolitik hat sie jedoch ermuntert, noch mehr Risiken einzugehen; sowohl bei direkten Investments wie auch bei der Pensionskasse. Entsprechend verheerend wird dieser Crash. Rund die Hälfte der Rentner wird von Sozialwerken leben müssen, was die Staatskasse extrem belastet und steigende Zinsen zu einem Riesenproblem macht. Klettern sie bis 2028 nur schon auf 5%, muss die US-Regierung 20% des Budgets für die Bedienung der Schulden ausgeben.“
    Stelter: Und genau deshalb wird die Fed es finanzieren. Wir werden alle wie Japan und die Frage, die sich mir stellt, ist: Spielt das wirklich keine Rolle?
  • „Das Klima an den Bondmärkten war lange sehr freundlich. Wir blicken auf eine 35-jährige Hausse zurück, in der die Renditen stetig gefallen und die Preise für Anleihen gestiegen sind. (…) Im Sommer 2016 hat ein Bärenmarkt in Bonds begonnen. Die ersten Risse im Fundament sind bereits ersichtlich, wie die steigenden Renditen auf italienische Staatsanleihen und US-Ramschpapiere zeigen. Die Zentralbanken werden dagegen nicht viel ausrichten können. Deshalb wetten wir gegen Staatsanleihen aus Italien, Japan und Deutschland, die besonders überbewertet sind.“
    Stelter: Ich denke, er irrt. Die Notenbanken werden alles kaufen und dabei alle bisherigen Grundsätze so noch nicht geschehen, über Bord werfen. Es wird eine Flucht in Qualität geben und da sind dann (witziger Weise) Japan und Deutschland wieder vorne… (was natürlich zu Unrecht geschieht).
  • „Die besten Chancen (für Shortseller) ergeben sich in Bereichen, in denen sich die Anhäufung von Schulden, Blasen in Vermögenswerten und mangelhafte Geschäftsmodelle überschneiden. Bildlich gesprochen suchen wir nach den Strohhütten am Strand, bevor der Hurrikan darüberfegt. Das sind meist Unternehmen, die von günstigen Krediten abhängen, den Launen der Konsumenten ausgesetzt sind und aus zyklischen, kapitalintensiven Branchen mit tiefen Eintrittsbarrieren stammen.“
    Stelter: Weil es eben auch eine Rezession geben wird.
  • „Wir bewirtschaften in unserem Portfolio rund fünfzehn Investmentthemen. Dazu gehört die Kreditblase in China, speziell bei Finanzgesellschaften. Ebenso wetten wir gegen den kanadischen Häusermarkt, wo Institute wie Canadian Imperial Bank of Commerce ihre Bilanz strapaziert haben. In unserem Fokus ist auch der Boom in passiven Anlagen. Seit 2010 sind rund 2,5 Bio. $ in ETF und andere passive Instrumente geströmt, während rund 2 Bio. $ aus Fonds mit aktiver Aktienselektion abgeflossen sind. Das wird böse enden, wenn dieser Trend dreht.“
    Stelter: Was allerdings schwer ist, dagegen zu wetten.

Richtig dürfte sein, dass mit der gezielten Wette auf Probleme und fallende Kurse 2019 mehr zu gewinnen ist.

→ fuw.ch: „Jetzt geht der Blase endgültig die Luft aus“, 20. Dezember 2018


Dr. Daniel Stelter – www.think-beyondtheobvious.com


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