Wirtschaft

Reserven in Gold, Handel in Euro und Rubel: Wie sich Russland im Eiltempo vom US-Dollar abwendet

6. Mai 2019

Russland setzt seinen konsequenten Kurs fort, seine Wirtschaft vom Dollar unabhängig zu machen. Auch im ersten Quartal 2019 war Russlands Zentralbank wieder der weltweit größte Käufer von Gold.

(Von Thomas Röper)

Die russische Zentralbank hat im ersten Quartal 2019 55,3 Tonnen Gold gekauft, nachdem sie bereits 2018 insgesamt 274,3 Tonnen gekauft und inzwischen über mehr als 2.168 Tonnen Gold insgesamt verfügt.

Die russische Zentralbank setzt damit ihre Politik der Diversifizierung konsequent fort, wobei sie die Bestände an US-Dollar konsequent abbaut. Betrugen die Bestände an US-Staatsanleihen Anfang 2010 noch 176 Milliarden Dollar, so waren es Anfang 2018 nur noch 14 Milliarden. Die Reserven der russischen Zentralbank betragen insgesamt ca. 430 Milliarden, der Anteil der US-Staatsanleihen liegt damit bei ca. 3 Prozent. Russland will sich auf diese Weise nicht nur von der Abhängigkeit vom US-Dollar befreien, sondern auch vor weiteren möglichen US-Sanktionen schützen.

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Die russische Zentralbank trennt sich aber nicht nur von US-Staatsanleihen, auch den Anteil an US-Dollar fährt sie konsequent zurück, allein zwischen März und Juni 2018 hat sie den Anteil an US-Dollar an ihren Reserven von 43,7% auf 21,9% halbiert.

Auch für private Sparer in Russland soll die Anlage in Gold attraktiver werden, Russland möchte sie dadurch ebenfalls vor den Folgen möglicher Sanktionen schützen und es attraktiver machen, Vermögen nicht mehr in Dollar- oder Euro-Anleihen anzulegen, sondern in Gold.

Und auch in Sachen Handel wendet sich Russland immer mehr vom US-Dollar ab. Im Handel mit China und anderen Ländern setzt Russland nicht nur auf eine Abrechnung in anderen Währungen, als dem Dollar, sondern auch auf ein von SWIFT unabhängiges Zahlungssystem. Russland und China rechnen einen Großteil ihres Handels bereits in russischer und chinesischer Währung ab, ohne – wie sonst üblich – den US-Dollar als Währung zu verwenden.

Hierin liegt auch der wahre Grund für die anti-russische Politik der USA, denn sie können sich ihr Haushaltsdefizit und ihre Militärausgaben nur solange leisten, wie weltweit Dollar nachgefragt wird, um Handelsverträge in Dollar abzurechnen. Vor diesem Hintergrund ist die exponentiell wachsende Sanktionspolitik der USA nur schwer verständlich, denn sie zwingt immer mehr Länder, sich nach Alternativen für den Dollar umzusehen, sei es wegen schon verhängter US-Sanktionen oder wegen drohender US-Sanktionen.

Putin äußerte erst vor einigen Monaten sein Unverständnis über diese Politik der USA und sagte wörtlich, die USA würden „sich damit nicht bloß selbst ins Knie, sondern etwas höher“ schießen.

Aufgrund dieser US-Politik hat es Russland immer leichter, Partner zu finden, die liebend gerne den internationalen Handel in anderen Währungen als dem Dollar abwickeln möchten. Zwischen 2013, also vor den Sanktionen, und 2018 reduzierte Russland den Anteil des Außenhandels in US-Dollar um ca. 13%, während der Handel in Euro um 27% und der Handel in Rubel um 14% stieg. Der russische Außenhandel wird nur noch zu etwas mehr als der Hälfte in Dollar abgewickelt, Tendenz weiter fallend. In Euro werden ca 22% und in Rubel ca. 20% abgewickelt.

 


Thomas Röper – www.anti-spiegel.ru

Thomas Röper, Jahrgang 1971, hat als Experte für Osteuropa in verschiedenen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet, bevor er sich entschloss, sich als unabhängiger Unternehmensberater in seiner Wahlheimat St. Petersburg niederzulassen. Er lebt insgesamt über 15 Jahre in Russland und betreibt die Seite  www.anti-spiegel.ru. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Thomas Röper ist Autor des Buches „Vladimir Putin: Seht Ihr, was Ihr angerichtet habt?“


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