Mindestlohn und Minijob

Die Idee hinter der Einführung des Mindestlohns ist bekannt. Es geht aus Sicht der Politik darum, nach Jahren rückläufiger Einkommen und eines stark wachsenden Niedriglohnbereichs den unteren Einkommensgruppen zu helfen. Seither wird der Mindestlohn turnusmäßig überprüft und erhöht. So weit, so gut. Was allerdings nicht passiert, ist eine zeitgleiche Anpassung der Minijobgrenze. Zuletzt wurde die Einkommensgrenze für Minijobs von 400 auf 450 Euro angehoben. Das war im Jahr 2013. Danach schlägt der Staat mit Abgaben unerbittlich zu.
- Minijobber (bekommen nicht mehr Gehalt),
- Arbeitgeber (zahlen weiterhin hohe Beiträge und finden schwerer Mitarbeiter),
- Allgemeinheit (Durchlässigkeit Arbeitsmarkt verringert).
Mietpreisbremse
- Da der Vermieter die Miete innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren nur um 15 Prozent erhöhen kann, ist er gezwungen, mögliche Mieterhöhungen schnell vorzunehmen. Wartet er zu lange, kann es sein, dass er zu einem späteren Zeitpunkt an die Kappungsgrenze stößt. Rational betrachtet, erhöht der Vermieter also sofort, sobald er auch nur ein kleines bisschen erhöhen kann. Damit wird die Mietpreisbremse zu einem Mieterhöhungsbeschleunigungsgesetz.
- Vermieter, die sich durch die Begrenzungen der Mietpreisbremse und andere Maßnahmen des Mieterschutzes zu sehr eingeschränkt sehen, vermieten nur noch möblierte Wohnungen und dies befristet. In Berlin wird der Anteil der so vermieteten Wohnungen bereits auf fünf bis zehn Prozent geschätzt. Aus Sicht der Vermieter höchst attraktiv und vor allem rational, da für das Vermieten von möblierten Wohnungen die Mietpreisbremse nicht gilt.
- Aber selbst wenn der Vermieter sich an alle Regeln hält, profitieren nicht die Armen und Bedürftigen, sondern jene, die es am wenigsten brauchen. Dies erläutert folgendes Beispiel: Eine Wohnung kostet ohne Mietpreisbremse beispielsweise 15 Euro/qm. Wenn sich drei Interessenten beim Vermieter melden, nimmt dieser jenen, der ihm am solventesten erscheint. Wird die Miete durch die Mietpreisbremse unter den Marktpreis auf beispielsweise 10 Euro gedrückt, bewerben sich nicht drei, sondern 103 Interessenten. Der Vermieter jedoch nimmt denselben Mietanwärter. Gewinner der Aktion ist also der Interessent, der auch 15 Euro gezahlt hätte (er spart fünf Euro/qm). Verlierer sind der Vermieter und die 100 Interessenten, die sich Hoffnungen gemacht haben.
- Die fehlende Möglichkeit für die Vermieter, die Miete nachhaltig anzuheben, führt dazu, dass Mieter, die in einer Wohnung bereits seit Langem sitzen, deutlich unter Marktpreis bezahlen. Zu langsam erfolgt hier der Anpassungsprozess. Die Folge ist, dass langjährige Mieter, zum Beispiel nach Auszug der Kinder oder Tod des Partners trotzdem in einer viel zu großen Wohnung bleiben, weil diese günstiger pro Quadratmeter ist als eine kleinere Wohnung. In der Folge fehlt Wohnraum für junge Familien und Einzelmieter belegen Flächen, die sie weder benötigen noch nutzen. Damit schützt die Politik die Besitzenden gegen diejenigen, die noch keine Wohnung haben.
- Eigentümer/Vermieter (weniger neuer Wohnraum, schnellere Mieterhöhungen, Ausweichen auf möblierte Wohnungen),
- gut verdienende Mieter (mieten günstiger, als sie ohne Mietpreisbremse mieten könnten, dank Deckelung),
- Alte/Besitzende (zahlen weniger als die marktübliche Miete).
- nicht so gut verdienende Mieter (bekommen trotzdem keine Wohnung, verschwenden Zeit, erleben enttäuschte Hoffnungen),
- junge Menschen/Familien (finden keinen Wohnraum, weil dieser durch Alte/Besitzende blockiert wird).
Migration

Unabhängig davon, wie man zum Thema Migration steht, muss man feststellen, dass diese vor allem die unteren und mittleren Einkommensgruppen der Gesellschaft trifft. Dies erklärt auch, weshalb sich so viele Wähler aus dem eigentlich „linken“ Spektrum in Richtung von Parteien umorientieren, die sich für eine Begrenzung der Migration aussprechen. Die Folgen der Migration sind vielfältig:
- Studien zeigen eindeutig, dass Migration zu Lohndruck in den unteren und mittleren Einkommensgruppen führt. Es gibt mehr Menschen, die einfache und ungelernte Tätigkeiten ausüben können. Das führt, allen Begrenzungen mit Mindestlohn etc. zum Trotz, zu einer Dämpfung des Lohnanstiegs. Verlierer sind die bereits im Lande lebenden Menschen mit geringer Qualifikation. Gewinner sind Arbeitgeber und Kunden, zum Beispiel die Besserverdiener, die so günstiger an Putzfrau und Kunden kommen.
- Die Zuwanderer drängen darüber hinaus vorwiegend in den unteren Bereich des Wohnungsmarktes und verstärken damit die Wohnungsnot in diesem Segment. Zwar haben Menschen, die schon länger hier leben, erfahrungsgemäß bessere Chancen als Zuwanderer, dennoch führt das zu entsprechendem Preisdruck, der sich auch nach oben durchschlägt, kann man doch davon ausgehen, dass die Mieten relativ zueinander bestimmt werden. Die Politik denkt derweil darüber nach, die Benachteiligung von Ausländern auf dem Wohnungsmarkt zu bekämpfen. Instrument ist das Antidiskriminierungsgesetz. Es wird auch darüber nachgedacht, die Bewerbungen zu anonymisieren. Damit wächst der Druck auf die heimische Bevölkerung.
- Unstrittig kommt es zu einer Konzentration der Zuwanderung in einigen Stadtvierteln. Die Folge ist dann auch in Kindergärten und Schulen zu besichtigen. In Berlin gibt es Schulen, in denen der Anteil der deutschstämmigen Kinder in der ersten Klasse bei unter einem Prozent (!) liegt. Dies führt dazu, dass immer mehr in der Gegend wohnende Menschen umziehen wollen. Dies können sich nicht alle leisten und führt so oder so zu höheren Kosten.
- Auch bei den Sozialleistungen führt die Zuwanderung zu einer Verschiebung. Da wohl kein Land so sehr wie Deutschland eine Zuwanderung in das Sozialsystem anzieht, ist eine Überlastung des Staates die zwangsläufige Folge. Nach Studien beziehen Zuwanderer in Deutschland nicht nur mehr als die Bevölkerung erwartet, sondern sogar mehr als die schon hier ansässige Bevölkerung. Schon früher habe ich an dieser Stelle vorgerechnet, dass der gesamte Anstieg der Armut in Deutschland schon vor der Flüchtlingskrise mit dem gestiegenen Anteil der Migranten an der Bevölkerung erklärt werden kann:
- Als „arm“ gilt, wer weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens verdient.
- Laut OECD ist Deutschland das Land mit dem geringsten Armutsrisiko.
- Laut Statistischem Bundesamt ist die Armutsquote von 12,6 Prozent (2005) auf 13,9 Prozent (2014) gestiegen.
- Bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund liegt das Risiko bei 11,3 Prozent.
- Bei Menschen mit „direktem Migrationshintergrund“ liegt das Risiko bei 22,2 Prozent.
- Bei jenen mit „indirektem Migrationshintergrund“ liegt das Risiko bei 16,1 Prozent.
- Bei Annahme gleicher Armutsquoten der Bevölkerungsgruppen wie im Jahre 2014 genügt ein Anstieg des Anteils der Bevölkerung mit Migrationshintergrund von 22 auf den heutigen Wert von 25,6 Prozent, um den Anstieg der Gesamt-Armutsquote seit 2005 zu erklären.
- Vermieter (mehr Nachfrage nach Wohnraum, steigende Mieten),
- Arbeitgeber (Lohndruck im unteren Segment),
- Kunden (billigere Dienstleistungen),
- private Bildungsanbieter (Flucht aus dem öffentlichen Schulsystem),
- Integrationssektor (Sprachschulen etc.),
- Migranten (leben deutlich besser als in ihren Herkunftsländern).
untere Einkommensgruppen (mehr Wettbewerb um Arbeit, Wohnung, weniger Sozialleistungen, schwierigeres Wohnumfeld/Schulen).
Bildungspolitik
- Nicht nur der steigende Ausländeranteil – dem mit der Einstellung von deutlich mehr Lehrern begegnet werden müsste! –, sondern gerade auch die fehlenden Investitionen und politisch beabsichtigten Senkungen der Leistungsstandards führen zu einer Flucht aus dem öffentlichen Schulsystem, den sich naturgemäß nur jene leisten können, die über ausreichende finanzielle Mittel verfügen. Erst geht es in private Schulen im Inland, wer es sich leisten kann, schickt seine Kinder gleich in ausländische Internate. Die stark steigenden Zahlen sprechen für sich. In der Folge fehlen viele leistungsstarke Schüler, was das Niveau der Bildung zusätzlich senkt.
- Kein Wunder, dass die OECD feststellt, dass Deutschland das Land mit der geringsten sozialen Mobilität ist. Nirgendwo bestimmt das Elternhaus das künftige Einkommen so sehr wie hier. Der Versuch der linken Politik, die Akademikerzahlen durch Senkung der Standards nach oben zu treiben, funktioniert eben nur vordergründig. Auf dem Papier ist es leichter, nach oben zu kommen. Faktisch passiert das Gegenteil: Statt auf dem Niveau der Schule erfolgt die Differenzierung zu einem späteren Zeitpunkt in der Universität oder spätestens bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. Wie schon beim Beispiel Mietpreisbremse werden hier Hoffnungen geweckt, die nachher zwangsläufig enttäuscht werden müssen.
- Beispielhaft seien die Abiturergebnisse angeführt: Der Anteil der Einser-Abiturienten hat sich seit 2006 verdoppelt. 53 Prozent der 20- bis 24-Jährigen haben eine Hoch- oder Fachholschulreife. Zum Vergleich: Bei den 40- bis 44-Jährigen haben diese nur 39 Prozent. In Berlin, Brandenburg und Thüringen gab es in den letzten zehn Jahren eine wahre „Intelligenzschwemme”. Der Anteil der Einser-Abiturienten stieg dort von einem Prozent auf 4,7 (Berlin), von 1,8 auf 5,3 (Brandenburg) und von 2,8 auf 5,3 Prozent in Thüringen.
- Parallel dazu steigt jedoch der Anteil der Lehramtsstudenten für Deutsch, die an der Uni erst Nachhilfe in Rechtschreibung brauchen, und der Ingenieurstudenten, die an der Uni erst noch die Grundlagen der Mathematik nachholen müssen. Ähnliches zeigen die Ergebnisse der internationalen PISA-Studie, wo die Gruppe der Spitzenschüler ständig schrumpft: So ist der Anteil der 15 Jahre alten Schüler, die das Höchstniveau im PISA-Test in Mathematik erreichten, seit 2006 von 4,5 Prozent auf 2,9 Prozent gesunken. Dabei sind es gerade diese Spitzenleister, die für die künftige Innovationsfähigkeit eines Landes stehen.
- Privatschulen im In- und Ausland (mehr Schüler),
- Kinder aus wohlhabendem Hause (Sicherung sozialer Status durch besseren Zugang zur Bildung),
- das Ausland (Zuwanderung künftiger High Potentials, die nach der Ausbildung nicht nach Deutschland zurückkehren).
- Kinder aus tieferen sozialen Schichten (abnehmende Qualität Bildung, unzureichende Investitionen),
- Kinder mit Migrationshintergrund (noch deutlich weniger Chancen als Kinder aus deutschsprachigen Haushalten),
- der Standort Deutschland (weniger gut ausgebildete Arbeitskräfte, Verlust von High Potentials an das Ausland, Fachkräftemangel verstärkt),
- die alternde Bevölkerung (künftig geringere Einkommen pro Kopf und damit weniger Finanzkraft zur Deckung der steigenden Kosten für Renten, Pensionen und Gesundheit).
Sozialstaat-Ausbau

Rente, Kranken- und Pflegeversicherung, Hartz IV, BAföG, Kindergeld – alles zusammengerechnet erreichten die Sozialausgaben 2017 den Rekordwert von 965,5 Milliarden Euro. Die Sozialausgaben betragen damit 29,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Bundesregierung will den Anteil der Sozialausgaben am Bundeshaushalt weiter deutlich ausweiten. Konkret sollen die Sozialausgaben von 179,5 Milliarden Euro im laufenden Jahr auf 198,3 Milliarden Euro im Jahr 2023 steigen. Damit würde die Sozialausgabenquote des Bundeshaushalts von derzeit 50,4 Prozent auf demnächst 52,9 Prozent steigen. In den Ausgaben ist dabei noch nicht das Vorhaben zur Einführung einer Grundrente berücksichtigt.
- Zunächst die Feststellung: Umverteilung funktioniert. Nach Daten der OECD ist Deutschland – wie schon erwähnt – das Land mit dem geringsten Armutsrisiko und die Einkommensverteilung liegt nach der Umverteilung seit Langem stabil bei einem Gini-Koeffizienten von 0,29. Damit ist Deutschland eines der „gerechtesten“ Länder der Welt. Zugleich ist in den letzten zehn Jahren vor allem das Einkommen der untersten zehn Prozent gewachsen, deutlich schneller als die Einkommen der Mittelschicht.
- Auch die weitere Feststellung, dass die Bürger Umverteilung wollen passt ins Bild. Allerdings stellt sich bei vertiefenden Umfragen heraus, dass die tatsächliche Umverteilung heute schon über der gewünschten liegt. Nur fehlt den Bürgern die Transparenz bei dem Thema.
- Die Frage ist jedoch: Wer zahlt denn für den Sozialstaat? Es sind genau jene, die von der SPD und anderen Parteien des linken Spektrums geschützt werden sollten: die Bürger/-innen mit kleinen und mittleren Einkommen. Laut OECD ist Deutschland das Land mit der zweithöchsten Abgabenbelastung. Musste man in den 1960er-Jahren noch das 15-fache des Durchschnittseinkommens bezahlen, um zum exklusiven Kreis der Spitzensteuerzahler zu gehören, so genügt heute bereits das 1,3‑Fache. Jeder zehnte Deutsche zahlt den Spitzensteuersatz. Anders kann die Finanzierung der immer größeren Umverteilungsmaschine nicht funktionieren. Man braucht einfach die Masse der Steuerzahler, die im Verhältnis gesehen wenigen wirklich „Reichen“ genügen da lange nicht. Die Politik spricht zwar immer von den „Reichen“, aber da ist in Summe gar nicht genug zu holen.
- Profiteure sind – wie bereits oben gezeigt – zunehmend die Zuwanderer nach Deutschland. Diese dürften sich angesichts der hiesigen Sozialleistungen hier keineswegs als „arm“ empfinden, vor allem, wenn man das hiesige Leistungsniveau mit dem BIP pro Kopf der Herkunftsländer vergleicht. Selbst kaufkraftbereinigt lebt es sich bei uns nicht nur finanziell, sondern auch mit Blick auf Sicherheit und Gesundheitsversorgung, deutlich besser.
- Dabei haben die Politiker Sozialleistungsversprechen abgegeben, die in Zukunft nicht zu halten sind. Schon heute müssten wir nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums jährlich zwischen 36 und 115 Milliarden zusätzlich sparen, um für die künftigen Lasten vorzusorgen. Das bedeutet, dass es in Zukunft noch deutlich höhere Abgabenlasten geben wird, oder aber es kommt zu drastischen Leistungskürzungen.
- heutige Rentner (beziehen eine hohe Rente, dank Belastung der Beitragszahler und obwohl sie das
geringste Armutsrisiko tragen), - Migranten (erhalten Leistungen, ohne selbst einen Beitrag geleistet zu haben),
- Arbeitslose.
- heutige Beitragszahler (hohe Abgaben heute, keine Möglichkeit zur Vermögensbildung, Aussicht auf deutlich schlechtere Versorgung und Leistungskürzungen im Alter),
- Standort Deutschland (unzureichende Investitionen in Infrastruktur, Digitalisierung, Innovation, Bildung).
Eurorettung durch Transferunion
- in Spanien bei 659 Prozent (2014),
- in Frankreich bei 591 Prozent,
- in Italien bei 587 Prozent,
- in den Niederlanden bei 530 Prozent (2014),
- in Griechenland bei 499 Prozent,
- in Deutschland bei 446 Prozent.
- die Privathaushalte (mehr Einkommen, weniger Beitrag zur Lösung der nationalen Probleme)
- und die Politiker (höhere Popularität im Inland) in den Krisenländern der Eurozone.
Enteignung von Immobilien und Unternehmen
- Niemand, der vernünftig ist, wird angesichts der Enteignungsdiskussion in Deutschland in neuen Wohnraum investieren. In der Folge wächst das Angebot bei weiter steigender Nachfrage noch langsamer. Damit steigen die Mieten schneller und es gibt eine bessere Verzinsung bestehender Immobilieninvestments. Die absehbaren weiteren Eingriffe der Politik (Verschärfung Mietpreisbremse etc.) werden sich wieder umgehen lassen und zusätzlich die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage verschärfen. Damit wachsen die Mieten noch schneller.
- Alle Vermögenden und auch die Familienunternehmen wurden aus ihrer Illusion, dass es in Deutschland auf Dauer so gut weitergeht, erweckt. Jetzt wissen sie, dass es in dem Land angesichts der demografischen Entwicklung nur eine Richtung geben wird: hin zu mehr Regulierung, mehr Umverteilung, weniger Investitionen und damit immer klarer in Richtung DDR 2.0 (wie hier erklärt).
- Vermieter (länger höhere Mieten),
- die Vermögenden (Weckruf, können noch rechtzeitig ihr Geld in Sicherheit bringen).
Komplexe Systeme erfordern intelligente Antworten
→ manager-magazin.de: „Wie die Große Koalition den Abstieg Deutschlands fördert“, 10. Mai 2019























