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Politik

Kein Scherz: US-Energieministerium nennt Fracking-Gas nun „Freedom-Gas“

1. Juni 2019

Eine Pressemitteilung aus dem US-Energieministerium bezeichnet das extrem umweltschädlich geförderte Fracking-Gas als „Freedom-Gas“. Was wie Satire klingt, meint man in Washington ernst.

Die USA setzen in ihrer Propaganda inflationär auf den Begriff „Freiheit“. Bei denen ist alles „frei“, was mit den USA zu tun hat. Das alleine ist schon Realsatire, weil die USA das Land sind, in dem anteilig an der Gesamtbevölkerung mehr Menschen im Gefängnis sitzen, als in jedem anderen Land der Erde, einschließlich so böser Länder wie Nordkorea, China, Russland, Iran oder Syrien. Freiheit gibt es in den USA, wo sogar Gefängnisse privatisiert werden, nur für die Unternehmen, nicht aber für die Menschen. Je mehr Menschen je länger im Knast sitzen, umso besser für die Firmen, die Gefängnisse betreiben. So funktioniert das „Land of the Free“.

Nun also ist auch das Fracking-Gas der USA „Freiheits-Gas“.

Die Pressemitteilung des US-Energieministeriums berichtet von der Eröffnung eines neuen Flüssig-Gas-Terminals in (wo sollte es anders sein?) Freeport. Der Energieminister wird dort mit folgenden Worten zitiert: „Die Erhöhung der Exportkapazität des Freeport Flüssig-Gas-Projektes ist wichtig, um der Welt und den US-Alliierten mit ‚Freedom-Gas‘ saubere und erschwingliche Energie zu liefern.“

Klar, Erdgas ist der sauberste fossile Energieträger. Aber das US-Gas wird durch Fracking gewonnen, und bei der Verflüssigung und dem Transport des Gases mit Spezialtankern entweicht viel Methan in die Atmosphäre, was ein sehr schädliches Gas ist. Außerdem machen die teure Förderung und der teure Transport durch Versflüssigung das Gas um 30% teurer, als herkömmliches Gas. Die Ironie ist, dass die USA selbst russisches Flüssig-Gas importieren, weil es durch die konventionelle Förderung immer noch billiger ist als US-Gas, auch wenn es erst teuer als Flüssig-Gas in die USA transportiert werden muss. Gleicheitig wollen die USA aber, dass die Welt ihr Gas kauft.

Aber damit nicht genug der „Freiheit“, weiter sagte ein Staatssekretär: „Ich freue mich, dass das Energieministerium tut, was es kann, um Moleküle der US-Freiheit (molecules of U.S. freedom) in die Welt zu exportieren.“

Das erklärt natürlich den Widerstand der USA gegen Nord Stream 2, denn wer kann schon gegen „Moleküle der US-Freiheit“ sein?

Hoffentlich sind die Europäer frei genug, um selbst zu entscheiden, ob sie ihre Wohnungen mit „freien Molekülen“ oder mit „russischen Molekülen“ heizen wollen, die 30% weniger kosten, nicht durch umweltschädliches Fracking gefördert werden und beim Transport durch Pipelines kein Methan in die Atmosphäre abgeben.


Thomas Röper – www.anti-spiegel.ru

Thomas Röper, Jahrgang 1971, hat als Experte für Osteuropa in verschiedenen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet, bevor er sich entschloss, sich als unabhängiger Unternehmensberater in seiner Wahlheimat St. Petersburg niederzulassen. Er lebt insgesamt über 15 Jahre in Russland und betreibt die Seite  www.anti-spiegel.ru. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Thomas Röper ist Autor des Buches „Vladimir Putin: Seht Ihr, was Ihr angerichtet habt?“


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