Wirtschaft

Modern Money Theorie – die falsche Verheißung

29. Juni 2019

Professor Huber, Verfechter der Vollgeldordnung diskutiert MMT auf dem Vollgeld-Blog. Interessante Betrachtung von MMT, wobei ich bei meiner Einschätzung bleibe, dass es sich um eine Scheindiskussion handelt, geht es doch nur um die konsequente Fortsetzung der Politik der letzten Jahrzehnte bis zum (bitteren) Ende.

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Doch nun zur Besprechung durch den Fachmann:

  • „Die (…) Modern Money Theorie – kurz MMT – (…) stellt sich (…) eher als ein Baukasten diverser Hypothesen dar. MMTer reden von diesen Hypothesen als seien sie ihre eigenen (…) aber das meiste davon kommt aus dem Postkeynesianismus und dem Circuitismus.“ – Stelter: Letzterer sei kurz erläutert (auch von der Webpage): „Das Modell geht davon aus, dass Giralgeld im Bankensektor zur Kreditfinanzierung von Firmen geschaffen wird, wodurch Erwerbseinkommen zu den privaten Haushalten fließen, die durch deren Konsumausgaben wieder zu den Firmen, und von diesen in Tilgung der Kredite zurück zu den Banken fließen, wodurch das Geld gelöscht wird.“ Also kein ganz falscher Blickwinkel, nur wird in der Praxis eher aufgeschuldet als endgültig getilgt.
  • „Einen ausdrücklichen Bezug stellt die MMT zum Chartalismus her. (…) Dieser Lehrtradition zufolge ist das Geldsystem ein Geschöpf der staatlichen Rechtsordnung. Die Zahlungsmittel in nationaler Währung werden von der Zentralbank oder dem Finanzministerium eines Landes in Umlauf gebracht, oder durch ein öffentlich-privates Mischsystem – teils Zentralbankgeld (Bargeld, unbare Reserven), teils Bankengeld (Giralgeld) – unter Kontrolle, zumindest einem Kontrollanspruch, der Zentralbank oder anderer staatlicher Behörden. Aktuell fortgesetzt wird diese Tradition, die sich über den mittelalterlichen Thomismus bis Aristoteles zurückverfolgen lässt, von der Vollgeldtheorie.“ – Stelter: Die Möglichkeit des Staates festzulegen, was zur Tilgung von Steuern akzeptiert ist, ist natürlich ein wesentlicher Bestimmungsfaktor der Geldordnung.
  • „(…) die anfänglichen MMT-Schriften (beinhalten) keinerlei Elemente einer Geldsystemkritik und sahen daher auch keinerlei Anlass zu entsprechenden Reformen. Sie beschrieben das bestehende Giralgeldregime der Banken als eine fabelhafte Kredit- und Schuldenmaschine im Rahmen staatlicher Geldhoheit. Um eine Kredit- und Schuldenmaschine handelt es sich zweifellos, aber fabelhaft ist diese angesichts ihrer notorischen Instabilität und Krisenanfälligkeit nicht, und eher als dass sie sich der staatlichen Geldhoheit unterordnet, hat sie diese vielmehr weitgehend gekapert und ihren partikularen Finanzinteressen untergeordnet.“ – Stelter: Hier bleibt sich Huber mit seiner Kritik an der Geldordnung natürlich treu. Entscheidend ist aus meiner Sicht jedoch, dass wir in der Tat mit der bestehenden Geldordnung und vor allem der flankierenden Manipulation durch die Zentralbanken eine Schuldenmaschinerie haben, die zu Krisen führen muss. Dass die MMTler diese gut finden, ist klar, wollen sie sie doch dem Staat unterordnen und völlig grenzenlos gestalten.
  •  „(Sie) sahen sich mit der Frage konfrontiert, warum – wenn angeblich doch staatliche Geldhoheit gegeben ist – es der staatlichen Zentralbank verboten ist, direkt zur Finanzierung des Staatshaushalts beizutragen, während das monetäre Hoheitsrecht der Geldschöpfung sehr weitgehend den Banken (Giralgeld) überlassen worden ist. MMT-Autoren reagierten darauf mit der Zuspitzung ihrer These, Staatsverschuldung sei gleichbedeutend mit Geldschöpfung, wobei der Zentralbank die Rolle eines kooperierenden Regierungsorgans zugeschrieben wird, während die Banken, mehr im Hintergrund, als willige Helfer der Zentralbank und der Regierung erscheinen.“ – Stelter: Huber kritisiert diese Sicht. Ich hingegen finde schon, dass es zutrifft, dass mehr Staatsschulden wie mehr Schulden generell zu mehr Geld im Umlauf führen.
  • „Generell lässt sich sagen, was an der MMT brauchbar ist, wurde aus dem Postkeynesia­nismus und dem Circuitismus übernommen, während jene Elemente, die das spezifische MMT-Profil ausmachen, weitgehend unhaltbar sind.“ – Stelter: Ein kritisches Feedback würde man da sagen.
  • Brauchbar ist laut Huber die Theorie der endogenen Geldschöpfung und die These der akkommodierenden Refinanzierung der Banken durch die Zentralbank. Da kann man auch nur zustimmen, denke ich.
  • Kritisch erinnert er daran, dass auch das nicht ausreicht zur Beurteilung, weil wesentliche Fehlentwicklungen ausgeblendet werden. So vor allem: „Grundlegend fehlt es schon an einer Unterscheidung zwischen Finanzierungen, die zum BIP beitragen, und solchen, die es nicht tun, als würden die gesamte Geldschöpfung und alle nicht-monetären Finanzierungen in die Realwirtschaft fließen. Tatsächlich aber fließt heute das Gros aller Finanzierungen in nicht-BIP-wirksame Finanzierungen, vor allem in Immobilien, Aktien, Derivate, Firmenübernahmen u. ä. – ein Sachverhalt, der in der MMT nicht, im Postkeynesianismus selten thematisiert wird. Stattdessen diskutiert man lang und breit über Prozesse der Finanzialisierung, ohne jemals zu fragen, woher überhaupt das Geld kommt, das diese Finanzialisierung direkt und indirekt speist – als ob der Kredit sich vom Geld gelöst und verselbstständigt hätte.“ – Stelter: Das ist eine zutreffende Kritik, die auch ich immer wieder übe. Unsere Wirtschaftsordnung ist mehr und mehr von der Realwirtschaft entfernt.
  • Dazu dann noch ergänzend: „Die Kopplung der Schöpfung von Banken- und Zentralbankgeld an die Kreditausstellung dieser Institute wurde seit der Geldtheorie des Bankenkredits der 1890er Jahre systematisch dargelegt, führte aber im Lauf der Zeit zu einer gewohnheitsmäßigen Verkürzung (‚Kreditgeld‘, ‚Schuldengeld‘). Die Theorie handelte sich damit eine Fehlleistung ein in Form des falschen Postulats der Identität von Geld und Kredit. Unter heutigen Makroökonomen ist das Denken in den Kategorien der falschen Identität von Geld und Kredit weit verbreitet, allen voran im Postkeynesianismus und der MMT.“ – Stelter: Er unterscheidet den Kreditakt und die daraus abgeleitete Gutschrift von Giralgeld auf dem Konto. Es sind also zwei unterschiedliche Dinge, auch wenn sie zeitgleich stattfinden.
  • „Daraus folgt ein nicht nur für die MMT typisches, aber bei ihr extrem ausgeprägtes Verwirrspiel bzgl. Geld und Kredit, Geldschöpfung und Kreditwirtschaft, und das zu unguter Letzt auch hinsichtlich der vorsätzlichen Vermischung von monetären Zuständigkeiten der Zentralbank und fiskalischen Zuständigkeiten der Regierung.“ – Stelter: weil, so Huber, sie nicht anerkennen (wollen), dass man Geld schaffen kann ohne einen Verschuldungsakt, so wie es ihm bei Vollgeld vorschwebt.

Doch nun zu den Punkten, wo die MMTler nach Auffassung von Huber richtig schief liegen:

Postulat #1 – Sektorale Bilanzen gleichen einander aus (Saldenmechanik). Sektorale Ungleichgewichte seien daher kein echtes Problem   

  • Leser von bto kennen natürlich die Saldenmechanik. Ich habe sie immer wieder im Zusammenhang mit den deutschen Außenhandelsüberschüssen gebracht. Huber stört sich an der unsauberen Sektordefinition in der MMT: „(…), wenn MMTer von ‚the government‘ sprechen, es unklar bleibt, wer oder was gemeint ist – das Regierungskabinett oder das President’s Office, das U.S. Treasury (Finanzministerium), Senat und Repräsentantenhaus, oder die Federal Reserve (Zentralbank der USA). Alle solche Organe unter öffentlichem Recht werden unterschiedslos unter die Kategorie ‚Regierung‘ oder ‚öffentlicher Sektor‘ subsumiert. Man kann dann rätseln, welche Institution im Einzelnen gemeint ist – oder im Sinn der MMT annehmen, es sei letztlich egal wer gemeint ist. Es ist die erklärte Absicht der MMT, monetär-kreditäre und fiskalische Funktionen zu verschmelzen (creditary-fiscal synthesis). Dabei ist diese Unterscheidung – nicht nur als begriffliche, sondern als reale Gewaltenteilung – unerlässlich für die weitere Entwicklung des freiheitlichen und demokratischen Rechtstaats, nicht zuletzt auch für sinnvolle Analysen und Konzepte der Geld-, Fiskal- und Finanzpolitik.“ – bto: Hier muss ich gestehen, dass ich da vermutlich etwas zu lax bin. Das war mir dann doch nicht so eindeutig klar, bzw. die Konsequenzen waren mir nicht bewusst. Ich denke, es geht ja zunächst mal um eine Theorie der Staatsfinanzierung.

Postulat  #2 – Die Regierung erzeugt Geld in Form von Staatsanleihen

  • Hier gehöre ich wohl zu den echten Laien. Ich habe es auch so gesehen, weil es faktisch ja nur über den Umweg der Banken geht. Diese schaffen das erforderliche Geld im Gegenzug zur Verschuldung des Staates. Huber dazu allerdings: „Wenn das Finanzministerium oder die staatlichen Hypothekenfinanzierer Wertpapiere emittieren, erhöht sich damit i.d.R. die Geldnachfrage. Dies wiederum, wenn voluminös genug, bewirkt eine zusätzliche Geldschöpfung durch Banken (Giralgeld) und Zentralbank.“ – Stelter: Also habe ich es doch richtig verstanden. Doch „MMT sieht staatliche Organe nicht als Geldnachfrager unter anderen, sondern beharrt darauf, dass die Regierung das Geld schöpft, wenn sie Anleihen begibt.“ – Stelter: Das ist natürlich so nicht richtig. Man könnte nur sagen, dass sich niemand der Geldnachfrage des Staates entziehen kann und damit eine Zwangsschöpfung erfolgt.
  • Dazu verweist Huber dann aber auf die geringere Rolle des Staates verglichen mit den anderen Akteuren: „Die Geldnachfrage von nicht-monetären Finanzinstituten, Unternehmen und privaten Haushalten stellt bei weitem den größten Teil der Geldnachfrage dar, und bewirkt damit auch den größten Teil der Geldschöpfung von Banken und – bruchteilig refinanzierend – Zentralbanken. Ebenso befinden sich die meisten öffentlich emittierten Wertpapiere nicht im Besitz der Zentralbank, auch dann nicht, wenn man die Staatsanleihen im Besitz ausländischer Zentralbanken dazurechnet (…).“ – Stelter: Also ist der Staat nicht dominant.

Postulat #3 – Staatsausgaben sind gleich Geldschöpfung. Steuern dienen nicht der Finanzierung von Staatsausgaben

  • „Im nächsten Schritt ihrer monetär-fiskalischen Konfusion postuliert die MMT, Steuern würden angeblich nicht der Finanzierung von Staatsausgaben dienen, vielmehr würde mit den Staatsausgaben jenes Geld geschöpft, mit dem Steuern bezahlt werden und damit das Geld gleichsam zu seiner Quelle zurückkehre.“ – Stelter: was bedeuten würde, dass es eine „Tilgung“ gibt.
  • Das widerspricht aber der Empirie: „Beim MMT-Postulat  ‘Ausgabe staatlicher Schuldenpapiere = Geldschöpfung = Finanzierung der Staatsausgaben = Finanzierung späterer Steuerzahlungen’ muss man zwei Sachverhalte im Auge behalten. Erstens sind die in welcher Form auch immer neu ausgestellten Staatsschulden nicht mengengleich mit der laufenden Gesamtausweitung des Geldangebots, sondern nur der kleinere Teil davon. Zweitens pflegen die mit der Zeit angehäuften ausstehenden Staatsschulden die laufenden Staatshaushalte und teils auch das laufende Wirtschaftsprodukt zu übersteigen.“ – Stelter: Es gibt also diese Tilgung nicht.
  • „Was nun Steuerzahlungen angeht, so fließen diese in den meisten Ländern zunächst auf Bankkonten des Finanzamts (Zahlung in Giralgeld). Von dort werden sie als gebündelte Zahlung in Reserven auf ein staatliches Transaktionskonto bei der Zentralbank überwiesen. So oder so bleiben die Mittel aus Steuerzahlungen im Umlauf – die Reserven im Interbanken-Umlauf, das Giralgeld im Publikums-Umlauf. Die Reservenguthaben werden nicht gelöscht, wie die MMT des Öfteren suggeriert. Reserven werden nur gelöscht durch Zahlungen von Banken an die Zentralbank,  ebenso wie Giralgeld gelöscht wird durch Zahlungen von Nichtbanken an Banken.“ – Stelter: Man müsste es also explizit so organisieren, dass das Geld verschwindet.
  • „Das aber – das Geld einsammeln und still legen – geschieht eben nicht, sondern das Geld zirkuliert immer weiter. Folglich müsste dies im Verlauf weniger Jahre in eine galoppierende Inflation bzw. Assetinflation münden. (…) Der MMT mit ihrer erklärten Weichwährungs-Perspektive erscheint dies willkommen. Die bestehende Inflation und Assetinflation sind aber nicht auf ‚Geldschöpfung der Regierung‘ zurückzuführen, sondern auf die Geldschöpfung und Geldzirkulation des Banken- und Finanzsektors, teils auch aufgrund der Überschuldung der öffentlichen Haushalte, aber ebenso aufgrund der Überschuldung aller anderen Gruppen von Wirtschaftsakteuren, gewohnheitsmäßig refinanziert  von den Zentralbanken.“ – Stelter: Damit nähern wir uns auch schon dem Hauptkritikpunkt an MMT.

Postulat #4 – Staatsschulden sind nicht wirklich Schulden

Das ist schon mal ein Statement. Ich habe ja ausführlich James Montier zum Thema Staatsschulden hier gehabt (und bringe ihn heute am Nachmittag noch mal). Da kann man in der Tat sagen, dass sie kein Problem sind, solange der Staat über eine eigene Notenbank verfügt. Doch zu sagen, es „wären keine Schulden“?

  • „In Fortführung des MMT-Gedankens, Staatsverschuldung sei mit Geldschöpfung gleichzusetzen, besteht ein weiteres MMT-Postulat in der Behauptung, Staatsschulden seien eigentlich keine Schulden. Staatsschulden seien etwas anderes als andere Schulden und müssten dementsprechend anders verstanden werden – noch so eine idiosynkratische Wendung, die umso mehr irritiert, als sie dem von der MMT geteilten Postulat der vermeintlichen Identität von Geld, Kredit und Kreditschuld widerspricht. (…) Zugegeben, andere hatten zuvor auch schon solche Gedanken, einschließlich Keynes mit seiner Konstruktion der ‚perpetual zero-coupon consols‘, das heißt, Nullzins-Staatsanleihen ohne Fälligkeit, sozusagen kostenloser ewiger Kredit.“ – Stelter: Damit wäre es aber schon Kredit, aber einer, der eben durch eine Buchungskonvention weggerechnet wird.

Postulat #5 – Defizite und Schulden sind kein Problem, sondern eine unerschöpfliche Quelle staatlicher Finanzierung

  • „Sollte man entgegen MMT’s Auffassung Schulden weiterhin für Schulden halten, hat die MMT ein weiteres Postulat bereit: Die Regierung eines souveränen Staats mit eigener Währung könne sich in dieser Währung  nicht überschulden und müsse also nicht zahlungsunfähig und damit faktisch insolvent werden, denn das Finanzminis­te­rium im Zusammenspiel mit der Zentralbank kann benötigte Gelder jederzeit erzeugen.“ – Stelter: Sie könnte dem Staat jederzeit weitere Schuldpapiere abkaufen oder Kredite geben. Es bliebe aber ein Verschuldungsakt.
  • „Jenseits kritischer Grenzen der finanziellen Tragekapazität einer Wirtschaft wird ‚too much finance‘ – das heißt zu viel Kredit und Schulden auf der Basis überschießender Geldschöpfung – zu einer Last für die Wirtschaft mit zunehmend disfunktionalen Folgen. Inflation und/oder Assetinflation nehmen zu, die Erwerbseinkommen und die Massenkaufkraft stagnieren oder sinken. Die Währung wertet ab. Importe werden teurer und in heimischer Währung schwieriger zu finanzieren, umso mehr in ausländischer Währung. Ausländische Direktinvestitionen gehen zurück. Sparzwänge (Austerität) beginnen, die öffentlichen und privaten Finanzen zu durchdringen. Viele Entwicklungs- und Schwellenländer machten solche Erfahrungen in den zurückliegenden Jahrzehnten. Auch manche altindustriellen Länder sehen sich mit solchen Problemen konfrontiert.“ – Stelter: Wenn es so einfach wäre, würden es doch alle schon längst machen.
  • Ausnahme dürften wie Huber zu Recht ausführt die USA sein: „Es kostet Wall Street und Washington sehr wenig, die Dollars herauszugeben, während der ‚auswärtige Sektor‘, auch ‚Rest der Welt‘ genannt, für jeden Dollar 100 % Gegenwert liefern muss.“ – Stelter: so wir Autos und bekommen dafür grüne Zettel.

MMT’s politische Perspektiven

  • „Was die MMT befürwortet, ist die schon bestehende Tendenz, die Grenzen zwischen Geld- und Fiskalpolitik zu verwischen, ja aufzuheben. Die MMT-Saldenmechanik tut ja bereits so als seien im öffentlichen Sektor Geld-, Steuer- und Kreditwesen verschmolzen. Dieser Vorstellung soll die Wirklichkeit näher kommen, um so die beabsichtigte Fortsetzung der überschießenden Geld-, Kredit- und Schuldenausweitung leichter realisieren zu können. MMTer fordern von daher monetäre Staatsfinanzierung, also Geldschöpfung der Federal Reserve gemäß der Geldnachfrage des U.S. Treasury und Congress, zwecks direkter Finanzierung erwünschter Staatsausgaben.“ – Stelter: Genau, es geht darum, das System eine Runde weiter zu bekommen. Nur darum.
  • „Gegen die laxe MMT-Haltung bzgl. des staatlichen Geldausgebens spricht außerdem das(…) Problem, dass Staatsausgaben – in je größerem Umfang, desto mehr – zwar im ersten Schritt realwirtschaftlichen Aktivitäten dienen mögen, die Mittel aber in weiteren Schritten dauerhaft in den nicht-BIP-wirksamen Bereichen der Finanzwirtschaft enden, und dass auch diejenigen Staatsausgaben, die im ersten Schritt etwas  ‚Sozialem‘ dienen, dauerhaft den bestehenden Einkommens- und Vermögensbias zugunsten der Finanzeinkommen zulasten der Arbeitseinkommen verstärken. Sowohl der europäische Sozialstaat wie auch der amerikanische Rüstungsstaat haben den Aufstieg des heutigen Finanzmarktkapitalismus in formidabler Weise alimentiert.“ – Stelter: eben eine ausgeprägte Schuldenwirtschaft.
  • „Seit kurzem haben MMTer auch die Idee eines Green New Deal aufgriffen. (…) in Anknüpfung an die staatlichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der 1930er Jahre. (…) Zu jener Zeit gab es extreme Arbeitslosigkeit, Verarmung, mangelnde Nachfrage und stark unter-ausgelastete Kapazitäten. (…) die Lage heute (ist) eher von Über- als Unterkonsumtion geprägt (…).“ – Stelter: was aber daran liegt, dass die Blasen noch nicht geplatzt sind.
  • „(…) der Green New Deal (…) zielt auf eine ökologische Modernisierung der industriellen Produktion und Produkte, auf eine ökologische Neuanpassung des industriellen Metabolismus, was ein Stück weit auch veränderte Lebensstil-Präferenzen und Konsummuster beinhaltet. (…) Ein langfristiges permanentes Engagement für die Ökologisierung des industriellen Metabolismus benötigt dagegen etwas anderes, nämlich: erstens und vor allem die konsequente Implementierung stimmiger umweltpolitischer Regulierung, einschließlich umweltrelevanter Technikstandards; mit Abstand gefolgt, zweitens, von der aufkommensneutralen Besteuerung von allem, was ökologisch nicht dauerhaft tragfähig ist; drittens schließlich gezielte Investitionen (durchaus auch staatlich finanzierte) in die Erforschung und Entwicklung umweltrelevanter Innovationen und in die auch öffentliche Förderung ihrer Markteinführung.“ – Stelter: Ich denke, es geht um eine radikale Entwertung bestehender Assets und ein massives Programm zur Entwertung der Vermögenswerte.

Was Huber zum Fazit führt:

  • „Entgegen ihrem Anspruch, eine kohärente allgemeine Theorie darzustellen, handelt es sich bei der MMT um eine USA-zentrische Zusammenstellung von Gefälligkeitspostulaten. Diese blenden die großen Probleme der Geldordnung, der Geldpolitik, des Banken- und Finanzsystems weitgehend aus und lassen in Washington und an Wall Street ebenso aufhorchen wie bei vielen ihrer europäischen und asiatischen Pendants. Denn sie alle stecken in der Sackgasse nicht endender Defizite und Schulden, einer sich selbst weitertreibenden Geld-, Kredit- und Schuldenausweitung, die zu einer instabilen und krisenträchtigen Aufblähung der nicht-BIP-wirksamen Bereiche der Finanzwirtschaft geführt hat, und zu einem Ausmaß neuerlicher Einkommens- und Vermögensungleichheit, das demoralisierend und dysfunktional geworden ist.“ – Stelter: Das ist eine so gute Zusammenfassung, dass ich sie so übernehme. Es ist das Fenster für jene, die sich in die Ecke gepinselt haben. Nun sollen sie springen.
  • „Das MMT-Programm verspricht, die fortgesetzte Ausweitung von Geld, Kredit und Schulden zu erleichtern und bedient damit fast alle Interessengruppen (…) MMT verspricht ihnen allen, ohne Reue wie bisher weitermachen zu können. Kein Wunder, dass etliche Politiker in Amerika und Europa – die irgendwie ein ungutes Gefühl haben aber nicht wissen, wie weiter – dem Sirenengesang der MMT Gehör schenken (…).“ – Stelter: Und es wird enden, wie Ludwig von Mieses es vorhersagt: mit der völligen Zerrüttung des Geldwesens.

Dr. Daniel Stelter – www.think-beyondtheobvious.com

 


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