Politik

Interview mit der Financial Times: Putin im O-Ton über den Fall Skripal

10. Juli 2019

Putin hat Lionel Barber von der Financial Times vor der Abreise zum G20-Gipfel ein anderthalb stündiges Interview gegeben und da es eine britische Zeitung ist, durfte natürlich das Thema Skripal nicht fehlen.

Putin wird immer wieder nach dem Thema Skripal gefragt und wie man sieht, nervt ihn das Thema ziemlich, denn bis heute gibt es keine neutralen Beweise für die Vergiftung und schon gar nicht zur Schuldfrage, auch wenn die westlichen Medien es anders darstellen. Es gibt nur unbewiesene Anschuldigungen aus London. Die Details mit den offiziell bekannten Informationen dazu finden Sie hier.

Ich habe das Interview übersetzt und in „handliche Häppchen“ aufgeteilt, weil es zu lang ist für eine Veröffentlichung am Stück. Die Teile eins, zwei, drei und vier finden Sie unter den Links.

Beginn der Übersetzung:

Barber: Lassen Sie uns über eine andere Demokratie in Europa sprechen, über mein eigenes Land. Sie werden Frau May treffen. Dies wird eines der letzten Treffen sein, bevor sie als Premierministerin zurücktritt. Sehen Sie die Möglichkeit einer Verbesserung der anglo-russischen Beziehungen, damit wir weiter gehen und sehr sensible Themen hinter uns lassen können? Es geht um die Skripals. Oder glauben Sie, dass wir in den nächsten drei oder fünf Jahren in diesen tiefen Schwierigkeiten bleiben werden?

Wladimir Putin: All diese Aufregung um Spione und Doppelagenten ist es nicht wert, zwischenstaatliche Beziehungen zu stören. Diese Spionage-Aufregung ist, wie wir sagen, keine fünf Kopeken wert. Oder fünf Pfund. Fragen der zwischenstaatlichen Beziehungen werden in Milliarden und dem Schicksal von Millionen von Menschen gemessen. Kann man das vergleichen?

Hier kann man sich gegenseitig endlos Vorwürfe machen. Uns wird gesagt: Ihr habt die Skripals vergiftet. Das sollte erst mal bewiesen werden, das ist das Erste.

Und zweitens fragen sich die Menschen: Wer sind die Skripals? Und Skripal, so stellt sich heraus, spionierte gegen uns. Das wirft folgende Frage auf: Warum habt Ihr uns mit Hilfe von Skripal ausspioniert, vielleicht hätte man das nicht tun sollen? Wissen Sie, es ist die ewige Frage: Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Wir sollten das Thema in Ruhe lassen, sollen sich die Geheimdienste mit diesem Fall befassen.

Aber wissen Sie, in diesem Raum haben wir mit Leuten aus dem Vereinigten Königreich gesessen, die mit uns zusammenarbeiten wollen. Und wir unterstützen diese Absicht nachdrücklich.

Ich denke, dass Frau May, unabhängig davon, dass sie zurücktritt, nicht anders konnte, als sich Sorgen zu machen, dass unsere Beziehung aufgrund dieser Spionageskandale in eine solche Sackgasse geraten ist, die uns daran hindert, unsere Beziehungen zu entwickeln und Geschäftsleute zu unterstützen, die was tun? Sie verdienen nicht nur Geld, sie schaffen Arbeitsplätze, Mehrwert, sie bieten Einkommen auf allen Ebenen des Steuersystems ihrer Länder. Dies ist eine ernste, große, vielschichtige Arbeit, die übrigens mit den gleichen Risiken verbunden ist, von denen Sie gesprochen haben, einschließlich der Risiken im Geschäftssektor. Und wenn wir dazu noch Unberechenbarkeit im politischen Bereich hinzufügen, dann wird es für sie unmöglich sein, überhaupt zu arbeiten.

Ich habe den Eindruck, dass sowohl Russland als auch Großbritannien an einer umfassenden Wiederherstellung unserer Beziehungen interessiert sind. Auf jeden Fall gehe ich davon aus, dass zumindest erste Schritte unternommen werden. Es scheint, dass es für Frau May sogar einfacher sein könnte, sie hat bereits angekündigt, dass sie geht, so dass sie jetzt frei ist, das zu tun, was sie für richtig, wichtig und notwendig hält, ohne über innenpolitische Konsequenzen nachzudenken.

Barber: Manche Leute mögen sagen, dass das menschliche Leben mehr als fünf Kopeken wert ist, aber Sie denken, Herr Präsident…

Wladimir Putin: Ist jemand gestorben?

Barber: Ja. Dieser Herr, der ein Drogenproblem hatte. Er starb, nachdem er Novitschok auf einem Parkplatz angefasst hatte. Es gab eine Person, die starb, und es war nicht Skripal. Sie dachten, es sei eine Flasche Parfüm.

Wladimir Putin: Glauben Sie, dass Russland daran schuld ist, oder was?

Barber: Das habe ich nicht gesagt. Ich sagte, ein Mann ist gestorben.

Wladimir Putin: Das haben Sie nicht gesagt. Aber wenn es nichts mit Russland zu tun hat… Ja, der Mann ist tot, das ist schlimm, da stimme ich zu. Aber was hat das mit uns zu tun?

Barber: Lassen Sie mich Ihnen eine Frage stellen, und dann möchte ich über die russische Wirtschaft sprechen. Glauben Sie, dass das, was in Salisbury passiert ist, eine unmissverständliche Botschaft an jeden gewesen ist, der daran denkt, den russischen Staat zu verraten, dass er mit Strafe zu rechnen hat?

Wladimir Putin: Verrat das größte Verbrechen, das es auf der Erde gibt, und Verräter müssen bestraft werden. Ich sage nicht, dass sie so bestraft werden sollten, wie es in Salisbury passiert ist, ganz und gar nicht. Aber Verräter müssen bestraft werden.

Dieser Herr Skripal Geige wurde bereits bestraft. Er wurde verhaftet, zu einer Haftstrafe verurteilt und hat sie abgesessen. Er wurde bereits bestraft. Er wart für uns von keinerlei Interesse mehr. Er wurde bestraft: Er wurde festgenommen, verhaftet, verurteilt und verbüßte fünf Jahre im Gefängnis. Dann haben wir ihn gehen lassen, das ist alles.

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Was Verrat betrifft, so muss er natürlich strafbar sein. Es ist das abscheulichste Verbrechen, das man sich vorstellen kann.

Ende der Übersetzung

Bleibt noch hinzuzufügen, dass Verrat, Hochverrat oder Landesverrat in jedem Land der Welt hat bestraft wird.

Der sechste Teil des Interviews wird am späten Sonntagnachmittag erscheinen.


Wenn Sie sich dafür interessieren, wie Russland auf die Fragen der internationalen Politik blickt, dann sollten Sie sich die Beschreibung meines Buches ansehen, in dem ich Putin direkt und ungekürzt in langen Zitaten zu Wort kommen lasse.


Thomas Röper – www.anti-spiegel.ru

Thomas Röper, Jahrgang 1971, hat als Experte für Osteuropa in verschiedenen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet, bevor er sich entschloss, sich als unabhängiger Unternehmensberater in seiner Wahlheimat St. Petersburg niederzulassen. Er lebt insgesamt über 15 Jahre in Russland und betreibt die Seite  www.anti-spiegel.ru. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Thomas Röper ist Autor des Buches „Vladimir Putin: Seht Ihr, was Ihr angerichtet habt?“


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