Politik

Assange machte bei gerichtlicher Anhörung einen verwirrten Eindruck

23. Oktober 2019

Da die deutschen Medien über Neuigkeiten in Sachen Julian Assange nichts berichten, tue ich das. Heute fand in London eine gerichtliche Anhörung statt und Assange machte Berichten zufolge aufgrund der Haftbedingungen einen fast verwirrten Eindruck.

Ich habe letzte Woche bereits berichtet, dass die deutschen Medien mit keinem Wort auf die Vorwürfe der UNO reagiert haben, dass Julian Assange in London psychologischer Folter ausgesetzt ist und dass die beteiligten Länder Großbritannien, USA und Schweden ihren Verpflichtungen aus der UNO-Folterkonvention nicht nachkommen. Auch die Bundesregierung hat sich auf Nachfrage auf der Bundespressekonferenz dazu mit keinem Wort geäußert.

Heute nun fand in London eine gerichtliche Anhörung statt, in der es um eine Verschiebung des für Februar 2020 angesetzten Auslieferungsverfahrens gegen Assange in die USA ging. Das Gericht hat den Antrag, das Verfahren um drei Monate zu verschieben, abgelehnt.

Julian Assange machte laut Reuters bei der Verhandlung einen fast verwirrten Eindruck, was die Vorwürfe der UNO bestätigt. Laut Reuters hatte er Probleme, seinen Namen und sein Geburtsdatum zu nennen und hat dabei „gemurmelt und gestottert“. Auf die Frage der Richterin, ob er verstehe, was vorgehe, hat er geantwortet „nicht wirklich“. Außerdem hat er sich über die Haftbedingungen beschwert und mitgeteilt, er könne als Folge „nicht richtig denken“.

In einem in dem Reuters-Artikel verlinkten Interview sagte ein Unterstützer von Assange, dass die Isolationshaft bei Assange Spuren hinterlassen habe, Assange habe Gewicht verloren und geistig abgebaut. Außerdem werden die Anwälte von Assange überwacht und ausspioniert, was in einem Rechtsstaat eigentlich illegal ist.

Im Falle einer Auslieferung an die USA dürfte Assange im besten Fall bis zu seinem Lebensende im Gefängnis landen, eventuell droht ihm sogar die Todesstrafe.


Thomas Röper – www.anti-spiegel.ru

Thomas Röper, Jahrgang 1971, hat als Experte für Osteuropa in verschiedenen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet, bevor er sich entschloss, sich als unabhängiger Unternehmensberater in seiner Wahlheimat St. Petersburg niederzulassen. Er lebt insgesamt über 15 Jahre in Russland und betreibt die Seite  www.anti-spiegel.ru. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Thomas Röper ist Autor des Buches „Vladimir Putin: Seht Ihr, was Ihr angerichtet habt?“


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