Politik

Proteste in Frankreich, von denen man in Deutschland nichts hört

24. Oktober 2019

Derzeit gibt es weltweit verschiedene Proteste und es ist interessant, wie die Medien darüber berichten, bzw. worüber sie gar nicht berichten. Das werde ich in einer Sonderreihe diese Woche aufarbeiten und beginne mit Frankreich.

In der letzten Tacheles-Sendung habe ich angekündigt, zu den vielen verschiedenen Protesten, die momentan weltweit stattfinden, zu schreiben und auch die Medienberichte in Deutschland darüber zu analysieren. Derzeit sehen wir in den deutschen Medien Berichte über Proteste in Chile, Spanien, Ecuador, Hongkong und so weiter. Was in Deutschland kein Thema ist, sind die Proteste in Frankreich, daher beginne ich damit.

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Von den Gelbwesten, die seit fast einem Jahr in Frankreich protestieren, hat man in Deutschland zu Beginn viel gehört. Inzwischen gibt es selbst in den alternativen Medien kaum noch Berichte darüber, obwohl es die Proteste nach wie vor jedes Wochenende gibt. Zu meiner Schande habe auch ich aufgehört, darüber zu schreiben, obwohl ich jedes Wochenende in den Nachrichtenagenturen Meldungen darüber lese. Aber das Thema hat sich irgendwie „totgelaufen“ und es gibt nicht viel Neues zu berichten. Die französische Regierung macht keine echten Zugeständnisse, die Zahl der Demonstranten geht zurück, es gibt jedes Wochenende Festnahmen und oft Polizeigewalt, aber darüber wurde schon viel geschrieben und man möchte sich so ungerne wiederholen.

Am 15. Oktober kam es in Paris zu Protesten der Feuerwehrleute, die gegen soziale Kürzungen protestiert haben. Die Polizei ging gewohnt rabiat mit Tränengas und Wasserwerfern (ausgerechnet gegen die Feuerwehr) vor, auch wenn es sich hier eigentlich um Kollegen gehandelt hat. In Deutschland habe ich dazu praktisch nichts, in den Medien gefunden. Im russischen Fernsehen gab es immerhin einen kurzen Bericht, den man auch ohne Russischkenntnisse versteht, die Bilder sprechen für sich.

В Париже бунтуют пожарные, полиция разгоняет их водометами – Россия 24

Und diese Proteste haben Folgen. Heute kann man lesen, dass Macron die Insel Mayotte, eine französische Auslandsbesitzung vor der afrikanischen Küste, besuchen möchte und dass die dortige Flughafenfeuerwehr sich aus Protest gegen das Vorgehen gegen die Kollegen in Frankreich weigert, für die Sicherheit von Macrons Flugzeug zu sorgen. Sie haben mitgeteilt, die Arbeit eine Stunde vor der geplanten Ankunft von Macrons Flugzeug niederzulegen und sie erst eine Viertelstunde nach dem vollständigen Abschalten der Triebwerke wieder aufzunehmen.

Ob Macron den Besuch deswegen absagt, ist nicht ersichtlich.

Leider kann ich zu diesen Protesten keine Analyse der Medienberichterstattung in Deutschland schreiben, denn es gab bisher keine nennenswerte Berichterstattung in Deutschland.


Thomas Röper – www.anti-spiegel.ru

Thomas Röper, Jahrgang 1971, hat als Experte für Osteuropa in verschiedenen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet, bevor er sich entschloss, sich als unabhängiger Unternehmensberater in seiner Wahlheimat St. Petersburg niederzulassen. Er lebt insgesamt über 15 Jahre in Russland und betreibt die Seite  www.anti-spiegel.ru. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Thomas Röper ist Autor des Buches „Vladimir Putin: Seht Ihr, was Ihr angerichtet habt?“


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