Taliban - Photo by: newsonline - flickr.com - CC BY 2.0

Außer Spesen nichts gewesen: USA unter­zeichnen Abkommen mit den Taliban

Am letzten Samstag haben die USA und die Taliban ein Abkommen unter­zeichnet, das den Abzug der Nato-Truppen aus Afgha­nistan ein­leiten soll. Was hat der 18 Jahre dau­ernde Afgha­ni­stan­krieg am Ende gebracht?

Der Inhalt des Abkommen ist schnell erzählt. Die Nato-Truppen sollen schritt­weise innerhalb von 14 Monaten aus Afgha­nistan abge­zogen werden. Im Gegenzug ver­pflichten sich die Taliban, dass Afgha­nistan kein sicherer Hafen mehr für Ter­ro­risten wird.

Aber der schwierige Teil kommt erst noch, denn nun sollen die Taliban Frie­dens­ver­hand­lungen mit der afgha­ni­schen Regierung führen. Und da ist schon das erste Problem, über das der Spiegel vor einigen Tagen berichtet hat:

„Vor zwei Wochen erklärte die Wahl­kom­mission den bis­he­rigen Prä­si­denten Aschraf Ghani zum Wahl­sieger. Sein wich­tigster Her­aus­for­derer, Abdullah Abdullah, erkennt das Ergebnis jedoch nicht an und erklärte sich selbst zum Sieger. Für diese Woche hatten beide Poli­tiker separate Amts­ein­füh­rungs­ze­re­monien geplant – bis Ghani, offenbar auf US-Druck, seine Ein­führung auf Mitte März verschob.“

Es ist also derzeit nicht einmal klar, wer eigentlich die afgha­nische Regierung stellt, die nun mit den Taliban ver­handeln soll.

Hinzu kommt, dass die afgha­nische Regierung im Grunde nur dank der Unter­stützung der Nato an der Macht. Sie beherrscht nur ca. die Hälfte des Landes. Es wird sich also auf lange Sicht kaum ver­meiden lassen, dass die Taliban wieder die Macht im Land über­nehmen. Zu ver­schieden sind die Posi­tionen von Regierung und Taliban, als dass man einen trag­baren Kom­promiss erwarten kann. Wahr­schein­licher ist, dass die Taliban die Herr­schaft – not­falls auch mit Gewalt – übernehmen.

Die USA haben zwar ange­kündigt, aus dem Abkommen aus­zu­steigen, wenn die Taliban ver­trags­brüchig werden, aber was ändert das? Der Krieg, den die Nato in Afgha­nistan führt, ist in 18 Jahren nicht zu gewinnen gewesen. Wenn die USA das Abkommen brechen und die Nato wei­terhin in Afgha­nistan bleibt, kann es auch noch weitere 18 Jahre Krieg geben, nur gewinnen wird die Nato nicht und irgendwann werden die Taliban wieder über Afgha­nistan herrschen.

Da stellt sich die Frage, was der Krieg gebracht hat. 

Als die Nato 2001 in Afgha­nistan ein­mar­schiert ist, sollten die Taliban, die in vielen Ländern als Ter­ror­gruppe ein­ge­stuft sind, ver­nichtet werden. Statt­dessen sitzt man nun mit ihnen am Ver­hand­lungs­tisch. Das hätte man auch ohne Krieg, Zer­störung, Leid und Tod haben können.

Uns wurde erzählt, die Bun­deswehr würde in Afgha­nistan Brunnen und Schulen bauen, damit Mädchen endlich zur Schule gehen können. Statt­dessen hat die Bun­deswehr in dem Krieg 54 Sol­daten ver­loren, die Nato hat fast 3.500 Sol­daten ver­loren. Und das sind nur die Todes­opfer, ver­wundet wurden noch mehr. Hinzu kommen wohl hun­dert­tau­sende getötete Zivi­listen in Afghanistan.

Nun sollen die Sol­daten abge­zogen werden und danach werden über kurz oder lang die Taliban wieder das Land über­nehmen. Dann ist es wieder vorbei, mit Mädchen, die in die Schule gehen dürfen.

Viel­leicht fragt ja mal jemand die Bun­des­re­gierung, wie sie den Krieg sieht und welche Erfolge er aus ihrer Sicht gebracht hat.

Die Antwort kann nur lauten, dass der Krieg ein sinn­loser Reinfall war und dass völlig sinnlos hun­dert­tau­sende Men­schen gestorben sind. Aber ich bin sicher, dass das aus dem Mund von Regie­rungs­sprecher Seibert ganz anders klingen wird.


Thomas Röper — www.anti-spiegel.ru

Thomas Röper, Jahrgang 1971, hat als Experte für Ost­europa in ver­schie­denen Ver­si­che­rungs- und Finanz­dienst­leis­tungs­un­ter­nehmen in Ost­europa und Russland Vor­stands- und Auf­sichts­rats­po­si­tionen bekleidet, bevor er sich ent­schloss, sich als unab­hän­giger Unter­neh­mens­be­rater in seiner Wahl­heimat St. Petersburg nie­der­zu­lassen. Er lebt ins­gesamt über 15 Jahre in Russland und betreibt die Seite  www.anti-spiegel.ru. Die Schwer­punkte seiner medi­en­kri­ti­schen Arbeit sind das (mediale) Russ­landbild in Deutschland, Kritik an der Bericht­erstattung west­licher Medien im All­ge­meinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Thomas Röper ist Autor des Buches „Vla­dimir Putin: Seht Ihr, was Ihr ange­richtet habt?“