Coro­na­virus: Bel­gi­sches Gemetzel

Es ist noch zu früh für eine abschlie­ßende Beur­teilung des Manage­ments von COVID-19 durch die Länder der Welt, aber eines ist sicher: Belgien befindet sich mitten in einem großen Gemetzel.

Alles begann 2015, als die Regierung von Pre­mier­mi­nister Charles Michel (der heutige Prä­sident des Euro­päi­schen Rates) beschloss, den gesamten “stra­te­gi­schen Bestand” Bel­giens von 63 Mil­lionen Schutz­masken zu zer­stören, dar­unter auch den wert­vollen Typ FFP2 — 1.200 Paletten, die sorg­fältig gelagert und von der Armee in der Kaserne Belgrad in Namur bewacht wurden. Weil sie “ver­altet” seien, sagte Gesund­heits­mi­nis­terin Maggie De Block, die noch heute im Amt ist. “Ganz und gar nicht”, so die Haupt­ge­werk­schaft der bel­gi­schen Armee, “Diese Masken wurden ver­brannt… um ‘Platz’ für die Unter­bringung von Flücht­lingen zu schaffen”. Im Jahr 2015 wurden Belgien und Europa auf Ein­ladung der deut­schen Bun­des­kanz­lerin Angela Merkel von Migranten über­rannt, und die Gesetze der EU und die Euro­päische Men­schen­rechts­kon­vention machten es prak­tisch unmöglich, sie abzulehnen.

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Der gesamte stra­te­gische Bestand wurde daher ver­brannt und nie ersetzt — eine weitere Ent­scheidung von De Block, die ange­sichts der Regel­mä­ßigkeit von Epi­demien und Pan­demien einem Ver­brechen gleich­kommt. “Gou­verner c’est prévoir” (“Regieren heißt vor­aus­sehen”), sagte Emile de Girardin.

Als sich die Coro­na­virus-Pan­demie auf Belgien aus­breitete, hatte dieses unglück­liche Land also fast keine Masken — null für die Bürger, null für die Polizei, null für die Pfle­ge­heime und fast null für die Krankenhäuser.

Die Pan­demie brach in Italien viel früher aus als in Belgien. Nord­italien, mit seinen starken wirt­schaft­lichen Ver­bin­dungen zu China durch die Tex­til­häuser und die Mode­in­dustrie, war das wich­tigste Epi­zentrum der Pan­demie in Europa. Am 31. Januar unter­sagte Italien Flüge aus China — ein Schritt, der für Italien leider zu spät kam — und am 21. Februar waren mehrere ita­lie­nische Städte bereits voll­ständig abge­riegelt.

Viele Belgier haben ita­lie­nische Wurzeln, ins­be­sondere in Süd­belgien (Wal­lonien), und viele andere lieben Italien. So flogen zwi­schen dem 22. und 23. Februar Zehn­tau­sende Belgier trotz des Aus­bruchs der Seuche nach Italien in den Kar­ne­val­surlaub — während die bel­gische Regierung stumm blieb.

Als diese Men­schen aus Italien zurück­kehrten, haupt­sächlich über die beiden großen bel­gi­schen Flug­häfen — Brüssel-Süd (Char­leroi) und Brüssel (Zaventem) — wurden sie in keiner Weise kon­trol­liert. Tat­sächlich waren sie bei ihrer Ankunft in Italien kon­trol­liert worden, aber nicht bei ihrer Rückkehr nach Belgien. Damals sagte Gesund­heits­mi­nis­terin Maggie De Block, dass es nutzlos sei, die Kör­per­tem­pe­ratur der Men­schen zu kon­trol­lieren, und dass es keinen Sinn mache, die Grenze zu schließen: “Ein Virus macht nicht an Grenzen halt”. Als Dr. Marc Wathelet ver­suchte, die Minis­terin vor den Risiken zu warnen, nannte ihn De Block ihn in einem Tweet, der inzwi­schen gelöscht wurde, eine “Drama-Queen”. Es scheint, dass die Epi­demie in Belgien vor allem wegen der nicht abge­schirmten Rück­kehrer aus Italien so heftig aus­ge­brochen ist.

Anfang März sah die Regierung von Pre­mier­mi­nis­terin Sophie Wilmès — aus der­selben Mitte-Links-Partei des Mou­vement Réfor­mateur wie ihr Vor­gänger Charles Michel — kein Problem darin, dass die Belgier an Mas­sen­ver­an­stal­tungen wie dem Salon Batibouw (Immo­bi­li­en­messe), der Foire du Livre (Buch­messe) und natürlich der Kund­gebung zum Inter­na­tio­nalen Frau­entag am 8. März teil­nehmen. Bis zum 8. März waren in Italien bereits 366 Men­schen an dem Virus gestorben.

Als Wilmès schließlich beschloss, am 23. März in Form von Ver­ord­nungen tätig zu werden, ging es vor allem darum, jeg­liche Initiative im Bereich Masken und Medi­ka­mente durch den pri­vaten Sektor zu ver­bieten: Die Regierung musste die Ange­le­genheit selbst in die Hand nehmen.

Leider haben diese Berufs­po­li­tiker und ihre “Experten” nicht genügend Erfahrung auf dem Gebiet des inter­na­tio­nalen Handels. Die erste Charge der von der bel­gi­schen Regierung bestellten Masken wurde nie geliefert; die Masken der zweiten bestellten Charge waren sehr effi­zient, aber nur für die Zube­reitung von Kaffee, und als ein bel­gi­scher Unter­nehmer Mil­lionen von Masken bestellte, um sie den Behörden zu über­geben, wurde er — ohne Beweise — als “Gauner” ver­un­glimpft, aber: “Hey, das ist ein Notfall, wir haben keine Zeit für Beweise!

Anfang April, zwei Monate, nachdem die Pan­demie auf Europa über­ge­griffen hatte, gab es in Belgien also immer noch fast keine Masken, selbst für die Medi­ziner, die täglich mit den Risiken kon­fron­tiert sind, ganz zu schweigen vom Durchschnittsbürger.

Da es keine Masken gab, beschloss die Regierung, zu ver­künden, dass Masken gar nicht nötig sind. Dieser oberste Höhe­punkt der Unfä­higkeit der bel­gi­schen Regierung ist immer noch online auf der per­sön­lichen Website der Gesund­heits­mi­nis­terin Maggie De Block zu finden: “Masken zu tragen, um sich vor dem Coro­na­virus zu schützen, macht wenig Sinn.”

Ohne Masken ist das andere Gebot, sich dem Virus zu stellen, die Tests — das hat sogar die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sation (WHO) erkannt. Tests sind ziemlich einfach zu ent­wi­ckeln und die erste Vor­aus­setzung für eine effi­ziente Reaktion auf eine Pan­demie. Die medi­zi­ni­schen Kapa­zi­täten Bel­giens sind riesig — Kran­ken­häuser, Ärzte, öffent­liche und private Labors und riesige private Che­mie­un­ter­nehmen — und die öffent­lichen Aus­gaben in seinem Gesund­heits­sektor gehören zu den höchsten der Welt. So hatte die bel­gische Regierung die Mög­lichkeit, ihre kri­mi­nelle Unfä­higkeit, Masken zu tragen, durch Tests auszugleichen.

Leider tat sie genau das Gegenteil. Statt­dessen gewährte sie dem Labor eines gewissen Marc Van Ranst von der Katho­li­schen Uni­ver­sität Leuven ein De-facto-Monopol für diese Tests. Es gibt keinen denk­baren Grund für diese Ent­scheidung, und der Effekt war genau der gleiche wie bei den Masken: Aus­schluss des pri­vaten Sektors und Ratio­nierung der Tests, an denen es daher vom ersten Tag an auf grausame Weise fehlte.

Die Ent­scheidung ist umso über­ra­schender, wenn man weiß, dass Van Ranst nicht nur Arzt ist, sondern auch in der Politik aktiv ist. Als beken­nender Kom­munist und Israel­hasser sprach er einmal von einem “Gaza­caust” und war sehr stolz auf dieses Wort. Das ist der Mann, der für ganz Belgien zum “Mr. Tests” gekrönt wurde.

Als private Unter­nehmen neue Test­me­thoden ent­wi­ckelten, erließ die bel­gische Regierung sofort eine neue Regelung, um sie im ganzen Land voll­ständig zu ver­bieten, unter dem Vorwand, dass sie mög­li­cher­weise nicht 100% zuver­lässig seien.

Keine Masken, keine Vor­sor­ge­un­ter­su­chungen und fast keine Tests — das war die Situation Bel­giens inmitten der schlimmsten Pan­demie seit der Spa­ni­schen Grippe 1918. Es handelt sich um eine dra­ma­tische Situation, die aus­schließlich auf die erbärm­lichen Ent­schei­dungen der bel­gi­schen Regierung zurück­zu­führen ist. Als Wilmès das von ihr geschaffene De-facto-Monopol brach — sie ließ mehr Tests durch private Unter­nehmen wie GSK zu — war es viel zu spät.

Leider war das nicht das Ende dieser trau­rigen Geschichte kri­mi­neller Inkom­petenz. Der Haupt­fehler stand noch aus. Ange­sichts der Situation in Italien und im Elsass (Frank­reich), wo einige Kran­ken­häuser vor­über­gehend mit Coro­na­virus-Pati­enten über­häuft worden waren, traf die bel­gische Regierung die im Rück­blick wohl schlimmste Ent­scheidung seit 1945: Men­schen, die in Pfle­ge­heimen mit dem Virus infi­ziert wurden, mussten in Pfle­ge­heimen bleiben. Daher gab es keine Kran­ken­haus­ein­weisung für diese armen alten Menschen.

In Ver­bindung mit dem fast völ­ligen Fehlen von Masken und Tests hatte diese Richt­linie kata­stro­phale Folgen — Tote, Tote und noch mehr Tote. Belgien spricht jetzt nicht nur von einer, sondern von zwei Epi­demien: eine in der All­ge­mein­be­völ­kerung und eine in den Pfle­ge­heimen. Tra­gi­scher­weise haben fast 50% der Coro­na­virus-Todes­fälle in Belgien in Pfle­ge­heimen statt­ge­funden. Trotz der oft hel­den­haften Bemü­hungen ihrer Mit­ar­beiter sind die bel­gi­schen Pfle­ge­heime heute in der Tat eine Todes­falle. Men­schen, die allein in ihren Zimmern sterben, dürfen nicht einmal ihre Familien noch ein letztes Mal sehen, um zu ver­meiden, dass der Rest der Familie ange­steckt wird — eine weitere Idee der bel­gi­schen Regierung, die bekräftigt, gestrichen und dann erneut bestätigt wurde.

Keine Masken, keine Tests und Pfle­ge­heime als Todes­falle: Man ver­steht jetzt, warum Belgien in der Welt­rang­liste der Coro­na­virus-Todes­fälle pro Kopf der Bevöl­kerung die Nummer 1 ist — zehnmal mehr als Deutschland [1].

Dieses bel­gische Gemetzel ist aus­schließlich auf die tra­gische Inkom­petenz der bel­gi­schen regie­renden “Eliten” zurück­zu­führen — und war absolut vermeidbar.

Drieu Gode­fridi, ein klas­sisch-libe­raler bel­gi­scher Autor, ist der Gründer des l’In­stitut Hayek in Brüssel. Er hat an der Sor­bonne in Paris in Phi­lo­sophie pro­mo­viert und leitet auch Inves­ti­tionen in euro­päische Unternehmen.


[1] Die unsäglich Maggie De Block hat ange­kündigt, dass sie die Todes­fälle in den Pfle­ge­heimen “nach­zählen” werde, da einige Per­sonen in die Sta­tistik auf­ge­nommen wurden, obwohl sie nur “ver­dächtigt” wurden, Coro­na­viren zu haben. Aber viele Länder haben “Ver­dachts­fälle” in ihre Sta­tis­tiken auf­ge­nommen — auch die USA.

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Quelle: gatestoneinstitute.org