Unfass­barer Kin­des­miss­brauchs-Sumpf: 30.000 Tat­ver­dächtige – leider nur die Spitze des Eis­bergs (+Video)

Der grau­en­hafte, mas­sen­hafte Kin­des­miss­brauch im Raum Ber­gisch-Gladbach sprengt jede Dimension. Bis zu 30.000 Ver­dächtige ermit­telten die Behörden bisher. Selbst ein Rechts­psy­chologe, der schon in viele mensch­liche Abgründe geblickt hat, staunt über die Masse der Tat­ver­däch­tigen und die Taten. Dabei könnten es im Laufe der Ermitt­lungen noch mehr werden.

Es sind keine Ein­zel­täter, die die Ermittler gefunden haben, sondern Mit­wir­kende in einem großen, ver­netzten „Online­ge­flecht“ kenn­zeichnete Nord­rhein-West­falens Jus­tiz­mi­nister Peter Biesenbach die gewon­nenen Erkennt­nisse. Auch er ist erstaunt und ent­setzt über das Ausmaß dieser Unge­heu­er­lich­keiten. Das Ganze ist aber kein iso­liertes Netz und nur in dieser Region aktiv, sondern es geht um inter­na­tionale, pädo­kri­mi­nelle Netz­werke mit Schwer­punkt im deut­schen Raum. Man ist dort sehr bewandert, was die tech­ni­schen Mög­lich­keiten betrifft.

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In Mes­sen­ger­diensten fanden zwi­schen Tau­senden Nutzern Grup­pen­chats statt, die Täter feu­erten sich noch unter­ein­ander an und tauschten Tipps und Tricks aus. Zum Bei­spiel, welche Beru­hi­gungs­mittel man den Kindern am besten ein­flößt, damit sie wil­lenlos und gefügig werden, um sie besser miss­brauchen zu können oder wie man Kinder „abrichtet“, um sie Schritt für Schritt an den Miss­brauch zu gewöhnen. Man ver­ab­redete sich zum Kinder miss­brauchen – auch der eigenen Kinder! -, wie andere Leute zum Skat­abend. Man schickte sich Kin­der­pornos hin und her, als Fotos und Videos. Wenn jemand noch zögerlich war, wurde er regel­recht heiß gemacht, es doch endlich auch zu tun.

Mög­li­cher­weise sind die 30.000 Tat­ver­däch­tigen aber nur die Spitze eines viel grö­ßeren Eis­berges. Ande­rer­seits sind viele viel­leicht nur in den Chat­räumen aktiv, haben sich aber bisher noch nicht strafbar gemacht. Einige Täter sind mög­li­cher­weise unter ver­schie­denen Iden­ti­täten dabei. Der ermit­telnde Staats­anwalt Christoph Heb­becker ist aber über­zeugt, dass sehr vieles noch im Dunkeln liegt und noch gar nicht gefunden wurde.

Bei den Fotos und Videos, die in den Chat­räumen kur­sieren, bleibt es ja auf Dauer nicht. Die meisten wollen dann mehr und das Ver­langen nach realem Erleben wächst, sagt Staats­anwalt Heb­becker. In einem „geschlos­senen Reso­nanzraum“ werde es ihnen leicht gemacht, den nächsten Schritt zu gehen. Da solche Typen dann von den anderen noch ange­feuert werden, führt das früher oder später eben doch direkt in den realen Kin­des­miss­brauch. Das Material, was Staats­anwalt und Ermittler gefunden haben, reicht von Nackt­fotos bis zur echten Ver­ge­wal­tigung kleiner Kinder.

Der Ver­dacht gegen einen 43jährigen Vater in Ber­gisch Gladbach war die erste Spur, die die Polizei aufnahm. Im Oktober 2019 erhielten die Beamten einen Hinweis, dass dieser Mann sein 2017 gebo­renes Töch­terchen mehrfach sexuell miss­braucht und dabei gefilmt habe, um das Video dann ins Netz zu stellen. Die Ermitt­lungen führten zu wei­teren Vor­fällen. Ein 27jähriger Soldat der Bun­deswehr aus dem Kin­der­schänder-Chat­kreis hatte in min­destens 30 Fällen seine eigene Tochter, seinen Stiefsohn sowie die Nichte und die Tochter eines der Chat-Teil­nehmer schwer miss­braucht. Er wurde zu zehn Jahren Haft ver­ur­teilt und zur Unter­bringung in der geschlos­senen Psych­iatrie eingewiesen.

Fach­leute wundern sich über den Miss­brauch im engsten, fami­liären Umfeld nicht. Gerade da geschehen die Miss­bräuche. Gerade da haben die Täter Zugang zu den Kindern, erschleichen sich deren Ver­trauen, dürfen sich ihnen auch ganz offen nähern und mit ihnen „anbandeln“. Hier können sie risi­kolos „antesten“, ob jemand auf die Annä­herung auf­merksam wird und genauer hin­schaut, ob das Zielkind unter auf­merk­samer Beob­achtung steht, ob jemand etwas merkt.

Wenn alles ruhig bleibt und niemand Ver­dacht schöpft, geht der Täter den nächsten Schritt und zeigt dem anvi­sierten Beu­tekind Fotos von nackten Men­schen und Kindern und spricht davon, wie normal und natürlich das sei. „Die Mama und der Papa foto­gra­fieren dich ja auch nackig beim Plan­schen im Plansch­becken, ist doch ganz normal!“. Dann macht der Täter auch solche „ganz nor­malen Fotos“ von dem Kind, das sich dabei dann nichts weiter denkt. Schritt­weise wird das Kind „Desen­si­bi­li­siert“, bis es reif ist für den Miss­brauch bis hin zur Ver­ge­wal­tigung. Mit furcht­baren Dro­hungen wird es daran gehindert, irgend­je­mandem etwas zu sagen, mit Beru­hi­gungs­mitteln halb betäubt, so dass es kaum noch weiß, was mit ihm geschehen ist.

In jeder Schul­klasse müssen, sta­tis­tisch gesehen, zwei Kinder einen Miss­brauch über sich ergehen lassen. Auch Säug­linge werden nicht verschont.

Das sicher­ge­stellte Foto- und Film­ma­terial ist nicht nur erschüt­ternd, sondern auch eine schier kaum zu bewäl­ti­gende Masse. Es gilt, mehrere Ter­rabyte-Spei­cher­platten zu sichten. Auch bei meh­reren Hundert Ermittlern nimmt das Zeit in Anspruch. Immerhin wurden aus den Daten die 30.000 Tat­ver­däch­tigen „her­aus­de­stil­liert“. Es ist noch lange nicht alles gesichtet, und deshalb könnten es noch viel mehr Täter oder Mit­läufer sein, die in den Daten ver­borgen sind. Ins­gesamt sind das leicht eine Million Fotos und einige Tausend Stunden Videos. Und es ist für die Beamten eine Tortur, sich das anzu­sehen. Vor allem psychisch.

Drei der Ermittler der eigens gebil­deten Taskforce sind mitt­ler­weile krank­ge­schrieben. Sie konnten es nicht mehr ertragen, sich die Ver­ge­wal­ti­gungs­videos mit kleinen Kindern und Babys anzu­sehen. Ein drei Monate altes Baby war unter den Opfern. Es wurden bisher ins­gesamt 44 Kinder identifiziert.

Ursula Enders ist Mit­be­grün­derin der Kölner Infor­ma­ti­ons­stelle „Zart­bitter“ gegen sexu­ellen Miss­brauch. Sie ist mitt­ler­weile illu­si­onslos geworden, aber kämpft weiter. Das Ausmaß der Gewalt gegen die hilf­losen Kinder ist brutal: „Ich hatte in den Neun­zi­ger­jahren schon mit Fällen zu tun, da ging es um Snuff-Pornos. Da wurden Klein­kinder vor der Kamera zu Tode vergewaltigt.“

Und es ist noch schlimmer. Selbst, wenn dieses Netz des Grauens zer­fetzt worden ist, selbst dann, wenn die Täter hinter Gittern sitzen, wird das Übel nicht aus­zu­rotten sein. Es gibt nach Meinung der Ermittler noch sehr viel mehr dieser Kin­der­schänder-Ringe. Die Ermittler seien heute zwar besser aus­ge­rüstet und kommen immer mehr Tätern und Gruppen auf die Spur, heißt es, aber ande­rer­seits rüsten auch die Kin­der­schänder immer weiter auf und es gibt immer bessere Mög­lich­keiten, die digi­talen Spuren zu verwischen.

Es wurden schon mehrere solcher Netz­werke auf­ge­deckt: Münster und Lügde. Der Fall Made­leine McCann. Auch Marc Dutroux war nur ein kleines Licht in einem inter­na­tio­nalen Kin­der­schänder-Ring, den es sehr wahr­scheinlich immer noch gibt. Jeden Tag werden laut Kri­mi­nal­sta­tistik 43 Kinder in Deutschland Opfer sexu­eller Gewalt. 2019 musste die Polizei 12.260 Fälle von soge­nannter Kin­der­por­no­grafie bear­beiten – ein Anstieg um 65 Prozent im Ver­gleich zum Vorjahr.

Eltern, passt gut auf Eure Kinder auf. Behütet und liebt sie … und beschützt sie. Achtet auf alles und schaut genau hin, wer sich ihnen so freundlich nähert. Viele Eltern sind sich sicher, dass ihr Kind nie mit jemand „Fremden“ gehen würde. Aber erstens sind die Täter oft gar nicht so fremd  und zweitens ist hier ein Video von „Joey Salads“, das zeigt, mit welch ein­fachen Tricks jemand ein Kind dazu bringt, frei­willig mit einem voll­kommen Fremden zu gehen. Auch deren Mütter und Väter waren fas­sungslos, hatten sie doch dem Kind ein­ge­bläut „Gehe niemals mit einem Fremden mit!“. Es dauerte nur wenige Sekunden und die kleinen gingen begeistert mit einem Fremden davon:

https://youtu.be/BhzMelT8qQ4

Quellen:

https://www.morgenpost.de/vermischtes/article229409872/Missbrauch-Spuren-von-mehr-als-30–000-Verdaechtigen-entdeckt.html

https://www.zdf.de/nachrichten/politik/bergisch-gladbach-kindesmissbrauch-nrw-justizminister-vorratsdaten-100.html

https://www.spiegel.de/panorama/justiz/missbrauch-in-bergisch-gladbach-ich-kann-mich-an-keinen-fall-dieser-dimension-erinnern-a-f4a7f714-c529-4fe6-aa22-ca5f3bea6487

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020–06/missbrauchsfall-bergisch-gladbach-staatsanwaltschaft-koeln-cybercrime-taskforce/komplettansicht

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020–06/missbrauchsfall-bergisch-gladbach-staatsanwaltschaft-koeln-cybercrime-taskforce/komplettansicht

https://www.zeit.de/arbeit/2020–06/kindesmissbrauch-kindergynaekologin-sexuelle-misshandlung-aerztlicher-kinderschutz-diagnostik

https://www.tagesschau.de/inland/kriminalstatistik-kindesmissbrauchsfaelle-103.html

https://www.bild.de/regional/duesseldorf/duesseldorf-aktuell/kindesmissbrauchsumpf-spuren-von-mehr-als-30–000-verdaechtigen-entdeckt-71575696.bild.html