Verschwörungen, Enthüllungen & Unglaubliches

# WeAreTired – Wir sterben durch Vergewaltiger, nicht an COVID-19 – Frauen protestieren gegen sexuelle Gewalt

5. Juli 2020

Mit der Coronapandemie ist ein weltweites Phänomen aufgetreten: Die Gewalt gegen Frauen und Mädchen nimmt während der Coronakrise dramatisch zu. Sie war erst 18 Jahre alt, als sie von einer fünfköpfigen Bande in Kaduna brutal vergewaltigt wurde. Eigentlich sollte eine Kirche ein sicherer Ort für Mädchen und Frauen sein, doch genau dort wurde die 22-jährige Universitätsstudentin Vera Uwaila Omozuma zu Tode geprügelt, nachdem sie vergewaltigt worden war. Gerade mal 16 Jahre alt wurde die Schülerin Tina Ezekwe, als sie erschossen wurde.

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Als Reaktion auf die Vergewaltigungsfälle und Morde in Nigeria nimmt der Protest gegen Gewalt an Frauen und Mädchen zu und auch die berühmte Afropop-Diva Tiwa Sawage, mit vier Millionen Follower, twitterte: „Wir sind müde von sinnlosen Morden an jungen Mädchen, die vergewaltigt werden.“ Jetzt rufen Frauen aus Nigeria alle Frauen auf, sich an Protestaktionen zu beteiligen, denn nicht nur in Nigeria nimmt die sexuelle Gewalt an Frauen und Mädchen zu, sondern auch in Europa, Asien, Lateinamerika, überall auf der Welt. War Ihnen bekannt, dass einer der Bedingungen für einen Kredit vom IWF ist, dass Sozialprogramme gekürzt werden, darunter auch der Schutz für Frauen? Gerade in der Corona-Pandemie bekommen viele Länder finanzielle Hilfen, aber nicht für den Schutz von Frauen und Mädchen, dabei ist die Gewalt an Frauen bereits die nächste Pandemie, mit schrecklichen Folgen.

Eine Doppelpandemie: geschlechtsspezifische Gewalt an Frauen während Covid-19

Viele Länder verzeichnen einen Anstieg von physischem, sexuellem und psychischem Missbrauch von Mädchen und Frauen. Bereits vor der Coronaepidemie war Indien das gefährlichste Land für Mädchen und Frauen und alle 30 Minuten wurde in Indien ein Kind vergewaltigt. Nachdem auch in Indien Premierminister Narendra Modi in dem bevölkerungsreichen Land den Lockdown verhängte, waren Frauen und Mädchen nicht einmal im Krankenhaus sicher. Ein Arzt vergewaltigte eine schwangere Frau, die wegen Covid-19 im Krankenhaus isoliert wurde. Sie starb an den Folgen der Vergewaltigung und nicht an Covid-19.

Wie gefährlich das Leben von Frauen sein kann, wird auch an Chile deutlich.

 

Carabineros reichten bei der Staatsanwaltschaft von Valparaíso eine Beschwerde per Video von „Lastesis“ ein: Sie beschuldigen sie wegen Angriffen und Drohungen gegen die Behörde

In Chile sollten eigentlich Polizeiwachen ein sicherer Ort für Frauen sein, doch es sind Polizisten, die diese Frauen vergewaltigen. Die Täter werden nicht bestraft und Frauen verschwinden spurlos. Daher singen die chilenischen Frauen auch: „Das Patriarchat ist ein Richter, der uns verurteilt für unsere Geburt. Und unsere Strafe ist die Gewalt, die du jetzt siehst“. Das Video der chilenischen Frauen wurde in nur kurzer Zeit weltweit geteilt und viele Frauen schlossen sich dem Protest an. Jetzt fühlt sich in Chile die Polizei durch das Video von „LasTesis“ und der neuen Hymne der chilenischen Frauen beleidigt und vier Frauen der Gruppe stehen u. a. wegen der Hymne und Demonstrationen vor Gericht.

Ein dramatischer Anstieg der Fälle von Gewalt gegen Mädchen und Frauen während des Lockdowns in Lateinamerika droht sich in eine Katastrophe zu verwandeln. Lateinamerika hat bereits die höchsten Raten von geschlechtsspezifischer Gewalt in der Welt .

Obwohl in Argentinien auch hier die Gewalt an Mädchen und Frauen zunimmt, war eine der Bedingungen für einen Kredit in Höhe 56 Mrd. USD vom IWF, an dessen Spitze zu der Zeit noch die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde stand, dass Sozialprogramme gekürzt wurden, darunter auch der Schutz für Frauen.

Noch vor der Corona-Pandemie hatten viele Regierungen versprochen, die geschlechtsspezifische Gewalt zu bekämpfen, doch die meisten Regierungen haben wenig unternommen. Fast jede Regierung hatte ihre Entschlossenheit zum Ausdruck gebracht, sie zu beenden und eine Reihe von Richtlinien und Plänen angekündigt, doch diese wurden  meist schnell aufgegeben, auch aus finanziellen Gründen.

 

In Südafrika fand das Weltwirtschaftsforum statt und genau diese Veranstaltung nutzen Frauen, die auf die zunehmende Gewalt in Südafrika aufmerksam machen wollten.

Gewalt gegen Frauen mussten auch in Afrika Frauen erfahren, als sie im September 2019 den Eingang zum Weltwirtschaftsforum für Afrika in Kapstadt blockierten. Sie wollten nur auf die Gewalt an Frauen in Südafrika aufmerksam machen, doch statt Hilfe zu erhalten, wurden sie mit Tränengas beschossen!  Auslöser der Proteste war der Mord an der 19-jährigen Studentin der Universität von Kapstadt, Uyinene Mrwetyana. Sie war in einem Postamt in einem gehobenen Vorort von Kapstadt vergewaltigt und zu Tode geprügelt worden.

Paradox, dachten die Frauen, dass es auf dem Weltwirtschaftsforum um Menschenrechte ging, denn auch die Bill & Melinda Gates Foundation trat auf dem World Economic Forum on Africa als Partner auf. Hatte doch gerade Melinda Gates  immer wieder deutlich gemacht, wie wichtig die Rechte von Frauen seien. Doch statt um Menschenrechte ging es um den Profit der Konzerne, denn auch BASF, Siemens und viele Pharmakonzerne zählten ebenfalls zu den Sponsoren.

Südafrika wird sogar die „Vergewaltigungshauptstadt“ der Welt genannt und auch hier sterben Mädchen und Frauen nicht an Covid-19, sondern auf Grund von Vergewaltigungen.

Frauen in Nigeria gehen auf die Straße, um gegen sexuelle Gewalt zu protestieren

 

Frauen protestieren in Nigeria

Die jüngsten Proteste in Nigeria wurden durch die Fälle von drei Frauen und Mädchen ausgelöst, die getötet oder vergewaltigt wurden. Die 18-jährige Jennifer wurde von einer fünfköpfigen Bande in Kaduna, einer Stadt im Norden Nigerias brutal vergewaltigt. Der Fall erlangte erst Aufmerksamkeit, nachdem ihre Verwandten – aus Angst, dass die Täter nicht verhaftet werden – ein Video online veröffentlicht hatten, in dem die Familie das traumatisierte Mädchen tröstete. Viele wurden so auf die Tat aufmerksam und auch Prominente schlossen sich daraufhin dem Protest an. Binnen weniger Tage starben weitere Mädchen durch Vergewaltigungen und so nutzte man in Nigeria die Sozialen Netzwerke, um die Regierung unter Druck zu setzen. Die Hashtags  #JusticeForUwa, #JusticeForTina oder #StopVoilence erreichten binnen kürzester Zeit viele Menschen in Nigeria, die sich ebenfalls anschlossen. Immer mehr Frauen und Mädchen melden sich jetzt, da sie vorher aus Angst geschwiegen hatten.

Sogar die Polizei teilte den wütenden Frauen auf Twitter mit, dass die Polizeibeamten, die ebenfalls diese grausamen Taten begangen hatten, jetzt festgenommen worden seien und Disziplinarmaßnahmen und einer möglichen Strafverfolgung ausgesetzt seien.

„#Wir sind müde von sinnlosen Morden, Lastwagen, die auf die Straße fallen und Passagiere töten, Klimaanlagen, die Feuer fangen und Häuser brennen, jungen Mädchen, die vergewaltigt werden, Jungen, die getötet werden“, twitterte Afropop-Diva Tiwa Sawage ihren vier Millionen Anhängern. „Bitte füge deine eigene Frustration hinzu, weil meine Liste lang ist.“

# WeAreTired Social-Media-Kampagnen haben die verheerenden Auswirkungen von Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch gezeigt.

„In Nigeria waren wir in den letzten Monaten in der Sperrstunde, aber unser Land ist seit Jahren von einer weiteren Pandemie geplagt, die sich gegen Frauen richtet: Vergewaltigung. In den letzten fünf Monaten wurden landesweit über 700 Fälle von Vergewaltigung gemeldet. Die Zunahme sexueller Gewalt veranlasste die Regierung, den Ausnahmezustand zu erklären, “ so Bukola Adeola Onyishi  von Women for Women International-Nigeria.

„Südlich von mir in Abuja und Lagos sind meine Mitfrauen auf die Straße gegangen, um gegen diese Pandemie und die geschlechtsspezifische Gewalt zu protestieren, die Frauen erleiden. Aber neben den Nachrichten über ihre Kampagnen zur Beendigung sexueller Gewalt sehe ich auch andere schreckliche Beiträge, die mich daran erinnern, wie weit wir noch gehen müssen. Frauen und Mädchen jeden Alters – einige sind erst zwei Jahre alt – sind nicht sicher. Selbst Familienmitgliedern kann nicht vertraut werden.“

Die Kundgebung der Demonstranten ruft dazu auf, die Stimme der Frauen überall zu erheben, um den Schutzschild des Schweigens zu durchbrechen, der Vergewaltiger schützt und die Zunahme dieser Gräueltaten verhindert.

In vielen Fällen, die wir in unseren Nachrichten sehen, sind Täter keine Einzeltäter, sondern manchmal Serienvergewaltiger. Während sie ermutigt werden, beschließen einige Vergewaltiger, sich des Schweigens der Opfer zu versichern, indem sie sie danach ermorden, wie im Fall von Vera Uwaila Omosuwa – der 22-jährigen Studentin des Hashtags #JusticeForUwa, der dazu beigetragen hat, den neuesten Aufschrei zu entfachen.

In Indien wurde während des Lockdowns eine 6-Jährige vergewaltigt und ihr die Augen ausgestochen, damit sie den Täter nicht wiederkennt. In Chile wurde die Fotojournalistin Albertina Martinez Burgos brutal ermordet! Sie hatte die Gewalt von Polizisten während der Demonstrationen dokumentiert. In Bangladesch wurde eine Schülerin im Alter von 11 Jahren von ihren Lehrern vergewaltigt und getötet.

In vielen dieser Situationen werden Frauen zum Schweigen gebracht, damit niemand auf sie hört. Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist heute eine der verbreitetsten, hartnäckigsten und schrecklichsten Menschenrechtsverletzungen in unserer Welt. Und auch in Deutschland oder anderen europäischen Ländern haben Frauen, die von Gewalt betroffen sind, keine Lobby!

Wenn wir dauerhafte und bedeutsame Veränderungen wollen, brauchen wir mehr Unterstützung und mehr Fürsprache. Die Frauen in Nigeria fordern jeden von uns auf, das Schweigen zu brechen und alle gemeinsam für ein Ende von Gewalt an Frauen zu kämpfen.

Netzfrau Doro Schreier


Quelle: netzfrauen.net