Photo: Simone D. McCourtie / World Bank - flickr.com - CC BY-NC-ND 2.0

IWF ließ „Bombe“ platzen – und niemand hörte hin

Eigener Bericht

Mitte Oktober ließ auf einer gemein­samen Tagung der Weltbank und des Inter­na­tio­nalen Wäh­rungs­fonds (IWF) dessen Direk­torin Kris­talina Geor­giewa eine „Bombe“ platzen, was aber von den „großen“ Medien bisher weit­gehend igno­riert wurde.

Mit den Worten, die Welt stehe vor einem „neuen Bretton Woods“ kün­digte sie nicht weniger als die mög­liche Ein­führung eines neuen, inter­na­tio­nalen Wäh­rungs- und Finanz­systems an.

Wer nun erwartete, dass sich Weltbank und IWF vor dem Hin­ter­grund immer dra­ma­ti­scherer Schul­den­stände auch bei Ländern der soge­nannten „Dritten Welt“ für einen weit­rei­chenden Schul­den­schnitt aus­sprechen würden, hat sich bisher abergetäuscht. Weit­gehend zugesagt ist nur die Ver­län­gerung eines bereits bestehenden Schulden-Mora­to­riums bis Mitte nächsten Jahres. Bis dahin dürften die Schulden – auch die der Indus­trie­na­tionen – weiter steigen, und die Lage wird immer bedroh­licher. Den damit dro­henden Kollaps will u.a. der IWF mit allen Mitteln verhindern.

Der Verweis auf Bretton Woods zeigt genau, worum es dabei eigentlich geht. Man sucht nach Mitteln und Wegen für ein neues Finanz­system, in dem die USA wieder einmal zum beinahe unbe­schränkten „Herr­scher“ über die welt­weiten Geld­ströme auf­steigen können. Um dies zu ver­stehen, lohnt ein Rück­blick auf die Kon­ferenz von Bretton Woods.

Damals, im Jahr 1944, lag Groß­bri­tannien infolge des Zweiten Welt­kriegs finan­ziell am Boden und die Nie­derlage Deutsch­lands war ebenso abzu­sehen wie die Aus­sicht für die USA, als weltweit größte Wirt­schafts­macht und Gläu­biger aus dem Krieg hervorzugehen.
Diese Aus­gangslage wollte Washington nutzen, um sein damals größtes wirt­schaft­liches Problem, eine massive Über­pro­duktion im Inland, anzu­gehen. Wenn der US-Dollar zur welt­weiten Leit­währung würde, so das damalige Kalkül, müssten viele Staaten allein schon deshalb US-Waren kaufen, um ihre Dollar „unter­zu­bringen“ und das Problem der Über­pro­duktion wäre gelöst.

In Bretton Woods erklärte man den Dollar deshalb zur Leit­währung, unter­legte ihn (teil­weise) mit Gold und band alle anderen wich­tigen Wäh­rungen zu festen Wech­sel­kursen an ihn. Der wenig später gegründete IWF nahm hierbei zunächst die Rolle eines Über­wa­chers ein und mutierte erst in den 1960er Jahren zu einem Kre­dit­geber für Staaten. Bis heute wird er von den USA domi­niert, die der größte Geld­geber sind und eine Sperr­mi­no­rität und ein Veto­recht besitzen.

Als im Zuge hoher Kriegs­kosten (Korea, Vietnam) in den USA die Geld­druck­ma­schinen heiß liefen, mussten 1971 die Gold­bindung und 1973 die festen Wech­sel­kurse auf­ge­geben werden. Das System von Bretton Woods war damit am Ende.

Für eine anhaltend hohe, welt­weite Dol­lar­nach­frage sorgte danach eine von dem deutsch­stäm­migen US-Außen­mi­nister Henry Kis­singer mit Saudi-Arabien getroffene Ver­stän­digung, bei der – kurz und knapp gesagt – die Saudis zusagten, ihr Öl nur gegen US-Dollar zu ver­kaufen, wenn die USA im Gegenzug als ihr „Sicher­heits­partner“ auf­treten. Allein schon die später rück­läufige Dominanz der Saudis auf dem Ölmarkt ließ diese Abma­chung bis heute zur reinen Maku­latur werden, von den welt­weiten poli­ti­schen und reli­giösen Ver­än­de­rungen einmal ganz abgesehen.

An der engen Zusam­men­arbeit des IWF mit der US-Zen­tralbank Fed hat sich dagegen bis heute nichts geändert. Während alle Welt nur Augen und Ohren für die Corona-Pan­demie hat, wurde bereits am 23.3.2020 der „Banking For All Act“ ins US-Par­la­ments­system ein­ge­bracht. Damit sollen die Mit­glieds­banken des Fed-Systems bereits ab dem 1.1.2021 ver­pflichtet werden, ihren Kunden zusätz­liche, rein digitale Zen­tral­bank­konten (sog. „Wallets“) anzubieten.

Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass der Gesetz­entwurf alle par­la­men­ta­ri­schen Hürden schnell über­winden wird und dass ab Jah­res­anfang 2021 der „Krypto-Dollar“ Rea­lität wird. Aus Sicht der USA scheint diese Eile geboten zu sein, weil deren großer Han­dels­partner (und Kon­kurrent) China eben­falls an einer eigenen, rein elek­tro­ni­schen Währung arbeitet.

Wer hier der Schnellere ist, sagen viele Experten, hat gute Chancen zum Welt­markt­führer auf­zu­steigen. Sollte den USA dies gelingen, könnte der „Tod“ des Dollar noch für einige Zeit hin­aus­ge­zögert werden…


Dieser lesens­werte Beitrag erschien zuerst auf dem Blog von Peter Helmes – www.conservo.wordpress.com