Screenshot aus dem "Ibiza-Video". Quelle: Youtube, Exxpress
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2 Jahre nach „Ibiza“ das gesamte Video: Kein Ruhmesblatt – aber Strache war nicht korrupt (+Videos)

13. April 2021

Das inkriminierte Skandalvideo mit den beiden FPÖ-Politikern Johann Gudenus, ehemaliger Fraktionsvorsitzender der FPÖ und Heinz-Christian Strache, ehemaliger FPÖ-Parteivorsitzender, ist nun heraus. Wer will, kann es jetzt bei der österreichischen Nachrichtenseite Exxpress sieben Stunden lang anschauen. Skandal-Bomben sind keine mehr dabei. Aber der Gesamteindruck ist zweischneidig. Die vier Personen, die sich da auf der spanischen Ferieninsel in einer Finca getroffen haben, spielen alle keine Ruhmesrollen. Doch eins wird unmissverständlich klar: Der Vorwurf der Korruption gegen Heinz-Christian Strache ist haltlos.

Der Verdacht der Korrumpierbarkeit entstand durch bewusst irreführende Zusammenschnitte und durch Weglassen der Szenen, in denen Heinz-Christian Strache nachdrücklich und eisern jeden Versuch ihn zu korrumpieren, abgelehnt hat. Immer wieder wird das Thema, der Kauf der österreichischen Kronenzeitung durch die ‚Oligarchin‘, angesprochen, geradezu impertinent. Die Dame wird zeitweise sogar richtig ungeduldig, dass Herr Strache partout nicht anbeißt. Als der FPÖ-Chef dann endlich aufbrechen will, versucht der Privatdetektiv ihn auch noch zurückzuhalten, offenbar, weil noch nichts richtig Belastendes im Kasten ist. Dasselbe beim österreichischen Süßwasserverkauf. HC Strache dachte gar nicht daran, die Wasserrechte Österreichs zu verkaufen. Er sagte ganz klar: „Die Wasser-Geschichte kann nur so laufen – ganz klar – dass wir als Staat unser weißes Gold auf einer staatlichen Ebene führen.“

Auch der geschickt erweckte Eindruck, HC Strache sei ein Antisemit, wird durch eine Originalszene widerlegt. Herr Strache sagt klar und deutlich: „Grundsätzlich hört sich bei Antisemitismus alles auf.“

Desgleichen ist der angebliche, inkriminierte „Novomatic“-Spruch Straches, „Novomatic zahlt alle“, ebenfalls herbeikonstruiert und entsprechend zusammengeschnitten. Die österreichische Staatsanwaltschaft nahm deswegen Ermittlungen auf. Der Glücksspielkonzern Novomatic musste Rede und Antwort stehen. Man halte sich strikt an Compliance-Regeln und der „Anschein, dass wir da Bestechungszahlungen leisten oder versprechen, ist für mich völlig aus der Welt gegriffen“, sagte der Casino-Miteigentümer Alexander M. vor dem Ausschuss. Den Satz von Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache im Ibiza-Video konnte er nicht erklären. „Die Novomatic macht so etwas nicht“, gab er zu wissen.

Ex-Vizekanzler Strache hatte auch tatsächlich etwas ganz anderes gesagt. Nämlich, dass solche krummen Dinger mit ihm gar nicht gehen, er mache so etwas nicht. Bei ihm habe es sowas auch noch nie gegeben.

Die „Exxpress“ erwähnt bei den Filmaufnahmen aber auch eine etwas erklärungsbedürftige Szene, bei der es offenbar um einen Kolumnisten der diskutierten „Kronenzeitung“ geht:

„Ebenso haben die ‚Süddeutsche Zeitung‘, der ‚Spiegel‘ und die Regionalwochenzeitung ‚Falter‘ lange Video-Passagen über den verstorbenen Herausgeber der ‚Kronen Zeitung‘ und über einen Kolumnisten der ‚Kronen Zeitung‘ nicht gezeigt und in ihren Berichten nicht erwähnt – obwohl der ‚Krone‘- Kolumnist, der angeblich eine politische Karriere angestrebt hat, von Strache im Video belastet wird (dem eXXpress liegt der gesamte Wortlaut dazu vor). Wer bei der ‚SZ‘ oder beim ‚Spiegel‘ oder beim ‚Falter‘ hatte Interesse daran, dass kein Wort über diesen mutmaßlichen Politskandal um gewünschte Millionenzahlungen im Film auftaucht?“

Tatsächliche Korruption und Millionenzahlungen interessieren den Spiegel und die Süddeutsche plötzlich nicht? Oder passt es nicht ins politische Feindbild?

Der skandalöse Zusammenschnitt von wenigen Minuten, der zu Anfang verbreitet wurde, war also schlicht böswillig. Etwas, was man gemeinhin eine Verschwörung nennt und gezielten Rufmord.

Und die Medien haben es nicht nur mitgemacht, sie wussten auch sehr genau, was sie da taten, als sie im Mai 2019 dieses Video und die Häme-Artikel veröffentlichten. Herr Strache hat schon recht: Um Aufklärung ging es nie. Darum haben sich weder Spiegel noch die Süddeutsche Zeitung geschert. Es ging eben nicht um Tatsachen, sondern um Verleumdung und Schaden stiften. Das ist nicht Journalismus. Sicher werden sich die beiden Blätter nicht für das entschuldigen, was sie getan haben, wie Heinz-Christian Strache vermutet. Aber mal ehrlich: Das erwartet auch schon längst keiner mehr. Ist halt leider schiefgegangen. Und im linksgrünen Lager wird man sowieso denken: „Es hat eh die richtigen, nämlich die ‚Rechten‘ FPÖ-ler getroffen.“

Die Rolle, die die beiden Medien in der Geschichte Europas gespielt haben, indem sie aus Deutschland heraus quasi einen Regierungsputsch gegen die österreichische Regierung anzettelten, ist ebenfalls sehr unrühmlich.

Leider auch die der Herren Strache und Gudenus. Sie geben kein gutes Bild ab in dem umfangreichen Filmmaterial. Zu viel Alkohol, zu viel geraucht, den Mund zu voll genommen, sich wie die Gockel vor dem Lockvogel-Weib aufgeführt, der angeblichen Oligarchentochter „Aljona Makarowa“. Auch das Verhalten der beiden Gastgeber, – die ‚Oligarchentochter‘ und der Privatdetektiv Julian H. – wirkt linkisch, nervös und teilweise ziemlich prolohaft.

Und wer möchte den „nackerten Stösser-Musk’l“ (in Österreich eine Bezeichnung für einen Bierbauch durch die Biermarke Stösser) des Privatdetektivs im Calvin-Klein-Unterhose in voller Schönheit in Großaufnahme sehen? Und muss das sein, dass man Frau „Aljona“ nur in ein Badetuch gehüllt oder gar nackt herumlaufen sieht? Immerhin wird klar, dass zwischen beiden mehr Privates besteht, als behauptet. Sind sie Komplizen in einem Komplott gegen die Regierung? Haben sie vergessen, dass die Kameras laufen, als sie am Vorabend des Treffens alles vorbereiten und den Wein schon mal kaltstellen?

Die „Exxpress“ stellt fest, dass das Gesamtvideo wie ein miserabel inszeniertes Stück einer nervösen Laienschauspiel-Truppe wirke.

Interessanterweise hatte Johann Gudenus offenbar schon sehr wohl Lunte gerochen, dass die junge Dame nicht das war, was sie vorgab zu sein. Das „Küchengespräch“ zeigt es. Exxpress ließ einen Russisch-Dolmetscher diese Szene übersetzen.

„Komplett weggelassen worden ist bei der im Mai 2019 präsentierten Mini-Version, wie Ex-FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus minutenlang in der Küche der Finca mit der ‚Oligarchin‘ spricht. Der für den eXXpress übersetzende Russisch-Dolmetsch sagt dazu: ‚Gudenus behauptet in dieser Konversation, er hätte die ,Oligarchin’ gegoogelt, er zeigt das auch pantomimisch. Er hätte sich ihren Pass angesehen’ und setzt sie so unter Druck. Sie lächelt verlegen, redet wirr. Dann verlassen beide wieder die Küche, doch Gudenus sagt bei Strache kein Wort über seinen offensichtlichen Verdacht.

Der Russisch-Dolmetscher zeigt sich auch verwundert, dass Gudenus ‚das grammatikalisch schlechte Russisch‘ der ‚Oligarchin‘ nicht aufgefallen ist: ‚Die Frau spricht wie ein Kind, oder eine Person ohne höherer Schuldbildung. Oder wie wenn sie Russisch irgendwann als Zweitsprache hatte, aber lange nicht gesprochen hat. Sie macht beim Sprechen schlimme Grammatik-Fehler.” 

Eine der Exxpress-Redakteurinnen zieht ein sehr zutreffendes Fazit: „Es bleibt ein Gefühl des großen politischen Betrugs.“

Exxpress hat das Videomaterial in drei Teilen auf Youtube online gestellt. So kann sich jeder davon ein Bild machen. Hier die drei Teile des Wohnzimmergespräches:

 

 

Die Gespräche auf der Terrasse der Finca kann man auf dieser Seite sehen (ist nicht auf Youtube).