Vera Lengsfeld: Vom Impf­an­gebot zum Impfzwang

Niemand hat die Absicht, einen Impf­zwang ein­zu­führen, könnte man das inhaltlich gleich­lau­tende Ver­sprechen der Kanz­lerin nach einem berühmten Vorbild abwandeln. Die Politik macht in diesem Sommer klar: Corona soll bleiben, koste es, was es wolle. Trotz nied­riger Inzi­denz­zahlen, die, das kann man nicht oft genug wie­der­holen, eben keine Neu­in­fek­tionen anzeigen, sondern nur die Anzahl der Virus­träger, auch die der nicht anste­ckenden, anzeigt, bleiben die Corona-Regeln nicht nur in Kraft, sondern es wird mit aus­ge­wei­teter Test­pflicht dafür gesorgt, dass die Inzidenz im August steigen wird. Alle Rei­se­rück­kehrer sollen sich nun einem Test unter­ziehen. Es ist nur noch unklar, wie man die Grenzen, die angeblich nicht gegen illegale Ein­wan­derung zu sichern sind, zum Kon­troll­gebiet umwandeln möchte.

Zur Erin­nerung: Es ist noch keine zwei Wochen her, dass das Robert Koch-Institut in einem Papier eine Wende in der Corona-Politik vor­ge­schlagen hatte. Es sollten nicht mehr allein der Inzi­denzwert berück­sichtigt, sondern die Hos­pi­ta­li­sierung als zusätz­lichen Leit­in­di­kator ein­ge­führt werden. Es seien „wei­terhin mehrere Indi­ka­toren zur Bewertung not­wendig, aber die Gewichtung der Indi­ka­toren unter­ein­ander ändert sich“, steht in dem RKI-Papier.

Prompt besuchte Kanz­lerin Merkel das RKI und gab auf der anschlie­ßenden Pres­se­kon­ferenz bekannt, dass sie am Inzi­denzwert fest­halten will. Erwartbar erfolgte die Rolle rück­wärts des RKI wenig später. Mit dem rei­ße­ri­schen Titel „Geheim­papier“ wurde diese Woche in der Öffent­lichkeit eine Stel­lung­nahme von RKI-Chef Wieler für die Minis­ter­prä­si­denten lan­ciert, in der die Inzidenz wieder als das ent­schei­dende Kri­terium benannt wird. Damit ist dieser will­kürlich fest­ge­legte Wert, erzeugt durch einen für medi­zi­nische Dia­gnostik nicht geeig­neten PCR-Test, end­gültig als poli­ti­sches Macht­in­strument entlarvt.

Gleich­zeitig wird der Druck auf Nicht-Geimpfte fast pau­senlos erhöht. Hier setzt sich neben Wolfgang Schäuble auch der noto­rische Minis­ter­prä­sident Söder an die Spitze und fällt damit dem Kanz­ler­kan­di­daten der Union Laschet, der sich deutlich gegen einen Impf­zwang aus­ge­sprochen hat, in den Rücken.

Aber der unver­zeih­lichste Schachzug der Politik wird in Sachsen vor­be­reitet. Das Bun­desland hat als ein­ziges eine Impf­kom­mission ein­ge­richtet. Die hat nun, ent­gegen der Staat­lichen Impf­kom­mission des RKI, die bisher trotz mas­siven poli­ti­schen Drucks, daran fest­ge­halten hat, keine Impf­emp­fehlung für Kinder und Jugend­liche ohne Vor­er­krankung aus­zu­sprechen, eine solche Impfung emp­fohlen hat. Schon ab August sollen alle säch­si­schen Kinder ab 12 Jahren geimpft werden. Es ist absehbar, dass der Betreib von Schulen an einen Impf­zwang gekoppelt werden wird.

Die säch­sische Impf­kom­mission hat ihre Ent­scheidung auf Grund ame­ri­ka­ni­scher Studien geändert, die eine „positive indi­vi­duelle und anti­pan­de­mische Nutzen-Risiko-Ein­schätzung für Zwölf-bis Fünf­zehn­jährige“ zeigen sollen.

Die Gefahr für Neben­wir­kungen sei geringer als der Verlauf einer schweren Covid-Infektion. Auch das Risiko für eine Myo­kar­ditis sei geringer als bisher ange­nommen. Myo­kar­ditis ist eine Herz­mus­kel­ent­zündung mit Sym­ptomen wie: Abge­schla­genheit und Erschöpfung, Appe­tit­lo­sigkeit, Atemnot (vor allem bei Anstrengung), Kopf­schmerzen, Schmerzen hinter dem Brustbein, Herz­klopfen oder ‑stolpern.

Das Kinder und Jugend­liche eher selten an Covid 19 erkranken und bei einer Erkrankung ein eher leichter Verlauf typisch ist, fällt ebenso unter den Tisch, wie die Tat­sache, dass im durch­ge­impften Malta oder auch Israel die Inzi­denzen weit über denen in unserem Land liegen.

Das wirft die Frage auf, was die Politik bezweckt, wenn sie einen Impf­zwang einführt.

Die nahe­lie­gende Antwort wäre, dass mit den mit viel pro­pa­gan­dis­ti­schem Aufwand lan­cierten ver­schärften Corona-Regeln, Test- und Impf­zwang, vom schmach­vollen Ver­sagen der Behörden und staat­lichen Insti­tu­tionen wie jüngst im Flut­ka­ta­stro­phen­gebiet ablenken soll.

Es kommt nicht darauf an, was die Politik dik­tiert, sondern daran, was sich die Bevöl­kerung gefallen lässt. Diese Erkenntnis ist unver­zichtbar für die Bewahrung eines frei­heit­lichen Rechtsstaates.


Vera Lengsfeld — Erst­ver­öf­fent­li­chung auf dem Blog der Autorin www.vera-lengsfeld.de