Drin­gende Warnung: Legen Sie Vorräte an! Lie­fer­ketten wg. Ukraine-Krieg „stark gefährdet“!

Der Euro­päische Ladungs-Verbund Inter­na­tio­naler Spe­di­teure (ELVIS) und der Mit­tel­stands­verband (Mittelstand.BVMW) melden, dass sie vor „immensen Pro­blemen“ für die Spe­di­tions- und Logis­tik­branche stehen.  Der Krieg in der Ukraine beginnt, den Fah­rer­mangel zu ver­schärfen und die Ver­bände sehen eine noch weitere, gefähr­liche Ent­wicklung in diese Richtung. Viele Lie­fer­ketten werden „dem nicht stand­halten können“, heißt es aus Fachkreisen.

Ver­sor­gungs­eng­pässe grö­ßeren Aus­maßes könnten uns bevor­stehen, die Handel, Industrie und die Bevöl­kerung schmerzhaft und über längere Zeit treffen könnten. Die Ver­bände rufen die Spe­di­teure und Logis­tik­un­ter­nehmen deshalb „DRINGEND“ dazu auf, sich „unver­züglich und best­möglich“ auf die zu erwar­tenden Eng­pässe vorzubereiten.

Die Welt der Logistik und der Lie­fer­ketten, von denen die Ver­braucher in West­europa und auch die Unter­nehmen auf Gedeih und Verderb abhängen, ver­ändert sich zurzeit täglich, wenn nicht stündlich. Der Ver­sor­gungs­kollaps in Deutschland steht mög­li­cher­weise schon an der Türschwelle.

Nikolja Gra­bowski, der Vor­stand der ELVIS AG zieht ein ernüch­terndes Resumée:

„Dass wir in Deutschland seit Jahren mit einem ekla­tanten Fah­rer­mangel zu kämpfen haben, ist hin­länglich bekannt. Dennoch gibt es bis heute keine belast­baren Lösungs­kon­zepte für dieses Problem. Im Gegenteil: Die Rege­lungen des Mobi­li­täts­pakets, ins­be­sondere die Rück­kehr­pflicht der ein­ge­setzten Fahr­zeuge an den Ort der Nie­der­lassung haben die Lage eher noch ver­schärft. Das könnte uns jetzt zum Ver­hängnis werden.“

Die Systeme der LKW-Maut­sta­tionen zeigen deutlich, dass ost­eu­ro­päische LKW-Flotten einen sehr großen Teil des Las­ten­ver­kehrs in Deutschland leisten. Wie groß hierbei der Anteil ukrai­ni­scher Fahrer ist, darüber gibt es keine genauen Zahlen, ist in der Pres­se­er­klärung von ELVIS zu lesen. Das Bun­desamt für Güter­verkehr (BAG) verfüge nicht darüber, weil die Fahr­leistung für ukrai­nische Fahrer nicht extra erfasst wird.

Es gibt aber Zahlen zu den pol­ni­schen LKW-Fahrern in Deutschland. DAS Bun­desamt für Güter­verkehr beziffert diesen mit 17,5 Prozent. Das ist mehr als die Hälfte der von aus­län­di­schen Unter­nehmen in Deutschland geleis­teten Trans­porte. In der Branche ist es aber bekannt, dass viele Fahrer, die auf den Lohn­listen pol­ni­scher Unter­nehmen stehen, Ukrainer sind. Der größte Teil dieser Männer fällt aber nun schlag­artig aus. Ein sehr großer Teil davon wird von der all­ge­meinen Mobil­ma­chung in der Ukraine ein­be­rufen und muss Dienst an der Waffe leisten. Ein anderer Teil kehrt in die Ukraine zurück und will die eigene Familie in Sicherheit bringen.

Es wird aber wahr­scheinlich nicht nur bei dem Ausfall ukrai­ni­scher Fahrer bleiben. Wenn der Kon­flikt weiter schwelt, werden wahr­scheinlich auch andere Anrai­ner­staaten um die Ukraine herum  ihre Sol­daten und Reser­visten einberufen.

Die Ein­schätzung der Lage durch Thomas Hansche, Sprecher der BLV-pro, könnte düs­terer kaum sein:

„Dann wird sich bedau­er­li­cher­weise zeigen, was der seit Jahren ver­säumte Wandel und die feh­lende Unter­stützung der hei­mi­schen Logis­tik­branche für Aus­wir­kungen auf die Ver­sorgung unserer Bevöl­kerung haben wird. Durch die von der Politik zuge­lassene Zunahme der Abhän­gigkeit von bil­ligen Flotten durch die „Geiz ist Geil Men­ta­lität“ der Industrie, Dis­counter und Ver­braucher, den feh­lenden Kon­trollen der Auf­sichts­be­hörden und des Ver­drän­gungs­wett­be­werbs stiegen deren Markt­an­teile, die nun drohen, abrupt und ohne Ersatz weg­zu­brechen. (…)  Neben leeren Regalen droht der Bevöl­kerung und der Industrie das nächste Desaster; knappes Gas, was ja schon immens im Preis gestiegen ist und weiter steigen wird. Ohne aus­rei­chendes Gas keine Wärme für die Men­schen, Aus­wir­kungen auf die Pro­duk­ti­vität in der Industrie (…) Weiter wird der ab 1. April gel­tende Dünger-Export­stopp der Russen das globale Dün­ge­mit­tel­an­gebot spürbar redu­zieren und zu einer wei­teren Krise in der Land­wirt­schaft führen. Da Russland auch mit der größte Lie­ferant weltweit für Weizen ist, mögen wir uns diese Aus­wir­kungen gar nicht aus­malen. Es muss jetzt der inlän­dische Güter­kraft­verkehr gestärkt, gefördert und aus­gebaut werden, um dem dro­henden Kollaps entgegenzuwirken.“

Klaus Meyer, Vor­sit­zender der Fach­kom­mission Logistik und Mobi­lität im BVMW, warnt: „Wir reden hier von geschätzt 100.000 ukrai­ni­schen Fahrern, die sich aktuell allein in Polen auf­halten und den Trans­port­un­ter­nehmen schon bald nicht mehr zur Ver­fügung stehen könnten. Das käme einem Aderlass gleich, der sich kaum kom­pen­sieren ließe.“ 

Die Unter­neh­mens­ver­bände ELVIS und BVMW warnen aber nicht nur die deut­schen Spe­di­teure und Logis­tik­un­ter­nehmen, schnellstens Aus­weich­mög­lich­keiten zu finden. Sie fordern auch die Politik auf, zusammen mit der Branche sehr schnell Lösungs­an­sätze zu finden. So könne man als erstes den Mobi­li­tätspakt aus­setzen, der die LKW-Fahrer und Unter­nehmen dazu ver­pflichtet, immer an den Ort­zu­rück­zu­kehren, an dem das jeweilige Trans­port­un­ter­nehmen seinen offi­zi­ellen Sitz hat. Es gehe dabei nicht um die Abschaffung des Mobi­li­täts­paktes, sondern darum, in dieser Situation fle­xible Mög­lich­keiten zur Bewäl­tigung dieser Aus­nah­me­si­tuation zu schaffen.

Die“Supply Chain Visi­bility“ (SCV, die Trans­parenz der Lie­fer­ketten) zeigt jetzt schon einen signi­fi­kanten Rückgang der rus­si­schen Exporte nach West­europa hinein an:

  • Die rus­si­schen Import­mengen sanken im Ver­gleich zum 28. Februar um 28 % gegenüber der Vorwoche.
    • Öl- und Gas­lie­fe­rungen sind um 12% gesunken.
    • Am stärksten betroffen waren das ver­ar­bei­tende Gewerbe und der Ein­zel­handel, die im Ver­gleich zur Vor­woche um 56% bzw. 26% zurückgingen.
    • 20–30%ige Erhöhung der Trans­ak­ti­ons­preise für Luft­fracht von Asien nach Europa.
    • Indien ver­sucht, die Sank­tionen zu umgehen, um den rus­si­schen Handel aufrechtzuerhalten

Wie das schon vorher absehbar war, ist Deutschland (noch) gehorsam gegenüber den Vor­gaben der USA, während ein großes und wich­tiges Land, wie Indien aktiv Mög­lich­keiten durch­spiet, die Sank­tionen zu unter­laufen. Die Bran­chen­seite „trans.info“ beleuchtet einige inter­es­sante Ent­wick­lungen weltweit in diesem Zusammenhang:

Berichten aus Indien zufolge sucht die Regierung des Landes nach Wegen, den Handel mit Russland nach den Sank­tionen des Westens aufrechtzuerhalten.
„The Hindu“ schreibt, dass das indische Handels- und Indus­trie­mi­nis­terium ver­schiedene Ideen von Expor­teuren prüft, wie z. B. Zah­lungen in Dritt­ländern und die Zulassung von Geschäften in Rubel. Die Zeitung fügt jedoch hinzu, dass der feh­lende Ver­si­che­rungs­schutz und die stei­genden Fracht­raten weitere Pro­bleme sind, mit denen das Land zu kämpfen hat.

Russland ist der 25. größte Han­dels­partner Indiens. Zu den wich­tigsten Ein­fuhren aus Indien gehören Tee, Arz­nei­mittel, Mobil­te­lefone und andere elek­tro­nische Geräte, Maschinen, Eisen und Stahl sowie Bekleidung.

China unter­stützt Russland massiv und obwohl man eine „begrenzte Rücken­de­ckung“ pro­kla­mierte, scheint China aber sehr aktiv die rus­si­schen Han­dels­be­zie­hungen zu unter­stützen. Die chi­ne­sische Ree­derei COSCO bedient wei­terhin wie gewohnt rus­sische Häfen, schreibt Maritime Exe­cutive. Groß­re­de­reien wie Maersk ließ in einer Erklärung wissen: „Da die Sta­bi­lität und Sicherheit unserer Ope­ra­tionen bereits direkt und indirekt durch die Sank­tionen beein­trächtigt wird, werden neue Maersk-Buchungen von und nach Russland vor­über­gehend aus­ge­setzt, mit Aus­nahme von Lebens­mitteln, medi­zi­ni­schen und huma­ni­tären Lieferungen.“

Die massiv stei­genden Kraft­stoff­preise tun ein Übriges, um dem Trans­port­ge­werbe das Lebens­licht aus­zu­blasen. Die Bran­chen­seite Transport-online.de: Um die Ver­sorgung von Bevöl­kerung und Industrie zumindest eini­ger­maßen auf­recht zu erhalten, fordert der BWVL, die Steuern auf LKW ‑Die­sel­kraft­stoff­steuern für diese Zeit ent­spre­chend zu senken. Der Verband begründet seine For­derung damit, dass die im Zuge des Ukrai­ne­kriegs ein­ge­tre­tenen exor­bi­tanten Preis­stei­ge­rungen bei den Ener­gie­kosten die Logistik und damit die Wirt­schaft ins­gesamt in bislang nicht gekanntem Ausmaß belasten. Überdies kommen zur Mehr­wert­steuer nicht nur die Mine­ral­öl­steuer, sondern auch die 2021 ein­ge­führte CO2-Abgabe hinzu.

BWVL-Prä­sident Jochen Quick: „Die jüngsten Preis­ex­plo­sionen bedeuten eine immense (Logistik-) Kos­ten­welle für Unter­nehmen und Ver­braucher, erhöhen die Inflation und wirken lähmend auf sämt­liche Branchen.“

BWVL-Haupt­ge­schäfts­führer Markus Ollig­schläger mahnt: „Nicht nur für kleine und mit­tel­stän­dische Unter­nehmen mit eigener Logistik kann die Ener­gie­preis­ent­wicklung zur exis­ten­zi­ellen Bedrohung werden, auch der Ver­sor­gungs­si­cherheit der Bevöl­kerung droht damit Gefahr.“ 

Liebe Leser, bitte bereitet Euch vor.