„Todes­kampf“ des Euro? — Bricht die Eurozone unter den Sank­tionen gegen Russland zusammen?

Immer offener zeigt sich, dass die Sank­tionen des „Westens“ gegen Russland auf die Sank­tio­nierer zurück­schlagen. Die Vor­stellung der Europäer und US-Bürger, sie besäßen eine viel stärkere Wirt­schaft als Russland und könnten das riesige Land in die Knie zwingen, ist wohl eine Illusion. Es gibt einige Aspekte, die laut Experten das Gegenteil beweisen. Auf den ersten Blick scheint die glit­zernde Fassade der west­lichen Wirt­schaften über­legen zu sein. Auf den zweiten Blick ist die rus­sische Wirt­schaft wider­stands­fä­higer. Russland ist grund­sätzlich in der Lage, sich weit­gehend selbst zu ver­sorgen und hat einen starken Partner: China, das in Wahrheit jetzt schon Welt­macht Nummer Eins ist.

Die ero­die­rende Noch-Welt­macht Nummer Eins, die USA, sind hoch ver­schuldet und stehen an der Schwelle einer großen Inflation und einer sich stets ver­schär­fenden Finanz- und Wirt­schafts­krise. Im Gegensatz zum Rubel, der wegen der aktu­ellen Ereig­nisse gerade in den Keller stürzt, aber das Potenzial hat, sich wieder zu fes­tigen, durch­leidet der Westen eine langsame Wäh­rungs­erosion, weil die Kauf­kraft stetig schwindet. Die Zau­ber­kiste der Null­zins­po­litik und des „Quan­ti­tative Easing“, des „Geld­dru­ckens“ via gigan­ti­scher Kredite ohne Sicher­heiten ist real eigentlich schon erschöpft. Die Staats­schulden sind nur noch relativ stabil, weil alle so tun, als würden sie doch irgendwie einmal bezahlt werden können. Weil Staats­an­leihen mitt­ler­weile real mit Minus­zinsen vom Kre­dit­geber bezahlt werden, bleibt das Staats-Über­schul­dungs-System vorerst stabil. Doch die Finanz­märkte wissen das und beob­achten die Situation sehr wachsam.

Russland ist eines der großen Länder ohne Schulden und mit großen Goldreserven

Russland hat keine Schulden. Im Gegenteil: Es hat  497,56 Mil­li­arden US-Dollar in Fremd­wäh­rungen. Ins­gesamt verfügt Russland laut Sta­tista über 624,24 Mil­li­arden US-Dollar an inter­na­tio­nalen Reserven. Davon mehr als Hundert Mil­li­arden als Einlage in der BIZ (Bank für inter­na­tio­nalen Zah­lungs­aus­gleich, die Zen­tralbank der Welt-Zen­tral­banken) geparkt. Zurzeit kommt Russland an sein Gut­haben nicht mehr heran. Dieses Geld stand bisher auch inter­na­tional für kurz­fristige Kredite zur Ver­fügung. Ein Kredit-Reservoir, das nun der ganzen Welt ver­sperrt ist.

Russland kann immer noch über 300 Mil­li­arden in Off­shore Swaps ver­fügen. Das reicht, um die inter­na­tio­nalen Geld­märkte emp­findlich zu stören. Der Großteil dieser Beträge ist in Dollar gehalten. Russland bemüht sich gerade, hier aus dem Dollar aus­zu­steigen, was dem Dollar eine weitere Schwä­chung bescheren wird.

Dazu kommen 132,74 Mil­li­arden Dollar Gold­re­serven in rus­si­schem Besitz.

Unter Putin hat das riesige Russland schon seit Jahren vor­sichtig, aber stetig den Ein­fluss des Dollars auf seine Wirt­schaft immer weiter ein­ge­schränkt, um sich weniger angreifbar zu machen. Das dämpft die Aus­wir­kungen der Sank­tionen. Dabei gibt es einige Mög­lich­keiten, unan­ge­meldete Reserven in Off­shore-Geschäften zu ver­stecken. Diese werden zurzeit wahr­scheinlich aus dem Dollar in andere Wäh­rungen oder Edel­me­talle kon­ver­tiert. Sehr wahr­scheinlich läuft zurzeit eine ver­deckte Jagd nach rus­si­schen Wäh­rungs­re­serven auf der ganzen Welt. Russland ver­sucht, diese vor den Sank­tionen zu retten, die USA setzt alles daran, diese Reserven auf­zu­spüren und zu ver­hindern, dass sie aus dem Dollar her­aus­kommen könnten, um dessen Verfall und die weitere De-Dol­la­ri­sierung aufzuhalten.

Bloomberg schreibt:

Russ­lands Zen­tralbank und Pri­vat­sektor ver­fügen über fast 1 Billion US-Dollar an liquiden Mitteln, wobei Dollars mehr aus­machen, als die meisten Men­schen glauben, selbst nachdem das Land 2018 alle seine Staats­an­lei­hen­be­stände ver­kauft hat, schrieb Pozsar. (Zoltan Pozsar, ein Stratege der Credit Suisse Group AG) Er schätzt, dass etwa 200 Mil­li­arden Dollar in Devi­sen­swaps gehalten werden, weitere 100 Mil­li­arden Dollar in Ein­lagen bei aus­län­di­schen Banken.

Der Euroraum ist dagegen sehr verwundbar

Der Euro ist in einer gefähr­lichen Situation. Es ist den Finanz­märkten bekannt, dass die EZB den Zahl­michel für die Mit­glieds­länder dar­stellt, die defi­zitär wirt­schaften und nur durch Staats­an­leihen wei­ter­wursteln können. Diese Staats­an­leihen kauft zu einem sehr großen Teil die EZB auf, die aber weiß, dass sie im Grunde wertlos sind. Die EZB finan­ziert so die defi­zi­tären Volks­wirt­schaften der EU, um das System auf­recht zu halten. Das Ban­ken­system der EU ist also eben­falls eine pompöse Hülle, die jederzeit bei einer außer­or­dent­lichen Belastung in sich zusam­men­fallen kann.

Die EZB würde in diesem Fall haupt­sächlich auf das haf­tende Deutschland zugreifen müssen. Groß­bri­tannien ist „draußen“, die zweit­größte Wirt­schaft Frank­reich eben­falls ver­schuldet und auch Deutschland hat beträcht­liche Staats­schulden. Auf­grund der Ener­gie­wende und wei­terer nach­tei­ligen Fak­toren ist auch die Wirt­schafts­lo­ko­motive Europas, Deutschland, am Rande ihrer Leis­tungs­kraft, wenn nicht schon jen­seits davon. Kommt jetzt noch breit­flä­chiger Strom­ausfall und Gas­mangel dazu, sind die Folgen schwer abzu­schätzen. Auf keinen Fall wird das zu einem Wirt­schafts­wachstum bei­tragen. Russland dagegen hat immer noch China und Indien als rie­sigen Absatz­markt für sein Gas, Kohle und Öl. Russland kann die Sank­tionen weg­stecken und hat den län­geren Atem – und die Russen sind es gewohnt, ihre Pro­bleme selbst zu lösen. Diese Leute sind bekannt dafür, im Alltag 1001 Wege zu finden, um mit Pro­vi­sorien und selbst kon­stru­ierten Lösungen durch­zu­kommen. Sie sind härter im Nehmen als wir. Der alte, ins­geheim bewun­dernde Scherz­spruch in Bezug auf die Über­le­bens­fä­hig­keiten der Russen stimmt:
„Hast du Hammer, hast du Draht

Kommst du bis nach Leningrad.“

Dazu kommen noch die Target2-Saldi der Deut­schen Bun­desbank. Selbst unsere einst so solide Bun­desbank sitzt auf über einer Mil­liarde Zah­lungs­aus­fällen innerhalb des Euro­raumes fest. Im Januar 2022 waren es exakt 1.149.868 Euro. Diese Zah­lungs­ver­pflich­tungen sind de facto unein­bringbar. Das Ganze funk­tio­niert eben nur, solange die Zinsen auf diesen Schulden bei Null stehen – oder  noch dar­unter. Sollte Bewegung in die Zinsen kommen und drehen diese wieder ins Plus, wird das die ganze Kon­struktion zusam­men­fallen lassen.

Oder das Tempo der „Infla­ti­ons­fi­nan­zierung“ der EZB legt noch einmal deutlich zu – falls der Markt das noch mit­trägt. Denn die Wirt­schafts­re­zession in der Eurozone, die durch die Covid-Ein­schrän­kungen noch einmal an Fahrt auf­ge­nommen hat, wird die Staaten dazu zwingen, noch höhere Schulden auf­zu­nehmen. Die 100 Mil­li­arden Euro, die die deutsche Regierung in die Bun­deswehr steckt, ent­nimmt sie auch nicht aus der Portokasse.

Die Seite Goldmoney.com schreibt: „Deutsch­lands Erzeu­ger­preise stiegen im Oktober im Ver­gleich zum Vorjahr um 18,4 %. Es besteht kein Zweifel, dass die Erzeu­ger­preise in die Ver­brau­cher­preise ein­fließen werden und dass stei­gende Ver­brau­cher­preise noch viel weiter steigen müssen, ange­heizt durch die Beschleu­nigung der Wäh­rungs­ab­wertung in den letzten Jahren.“

Das bedeutet aber gleich­zeitig, dass der Wäh­rungs­verfall des Euro für die Deut­schen nicht mehr nur im Ver­hältnis zu anderen Wäh­rungen sichtbar, sondern hautnah in den stei­genden Preisen für Roh­stoffe und lebens­wichtige Pro­dukte schmerzhaft spürbar wird. Ob es Öl für KFZ-Kraft­stoff, Hei­zungen oder Plas­tik­pro­dukte oder für Holz zum Bauen oder Weizen für die Lebens­mit­tel­pro­duktion ist – es wird allein durch den Sinkflug des Euro schon teurer werden, und dazu kommt noch die Man­gel­si­tuation durch den Bruch der Lie­fer­ketten.

Mit anderen Worten: Der Kollaps des EU/Euro-Systems wird sehr wahr­scheinlich in nicht allzu ferner Zukunft statt­finden. Ob der Ukraine-Krieg mit den Sank­tionen dem zer­brech­lichen, west­lichen System den Todesstoß gibt, wird sich zeigen. Wenn nicht: Die EU ist im Begriff, ein Ver­mö­gens­re­gister auf­zu­bauen, in dem alle Ver­mö­gens­werte aller EU-Bürger auf­ge­listet sind. Darauf wird man wahr­scheinlich zugreifen, um erst eine Ver­mö­gens­abgabe und dann einen Wäh­rungs­schnitt und anschließend die Ein­führung einer digi­talen Währung mit totaler Über­wa­chung und Trans­parenz der Ver­mögens- und Ein­kom­mens­ver­hält­nisse aller EU-Bürger einzuführen.

Die Seite Gold­money beleuchtet die Mög­lich­keiten des Euro­raumes kritisch:

„So, wie es ein Sprichwort über das Kamel sagt, ist es auch mit dem Euro: Er wurde von einem Komitee ent­worfen. Doch anders, als das Wüs­ten­schiff werden der Euro und seine Insti­tu­tionen nicht über­leben – das können wir ange­sichts der aktu­ellen Ent­wick­lungen mit zuneh­mender Sicherheit sagen. (…) Der Euro (ist) sogar noch mehr zu einem staat­lichen Kon­troll­me­cha­nismus geworden als die anderen großen Wäh­rungen, viel­leicht mit Aus­nahme von Chinas Ren­minbi. Aber trotz all seiner Fehler achtet der chi­ne­sische Staat zumindest auf die wirt­schaft­lichen For­de­rungen seiner Bürger, um ihn (den Staat) bei der Ver­waltung der Währung zu leiten. Die Kom­missare in Brüssel scheinen zusammen mit natio­nalen Poli­tikern blind für die sozialen und wirt­schaft­lichen Folgen des Abdriftens in den Tota­li­ta­rismus zu sein, wo die Men­schen in neue Lock­downs und in einigen Fällen zu obli­ga­to­ri­schen Covid-Imp­fungen gezwungen werden.“

Die rus­sische Zen­tralbank hat noch ein paar Joker, die sie aus­spielen kann. Sie könnte einen Teil des großen Gold­be­standes als gold­ge­deckten Rubel ein­tau­schen. Damit würde Russland de facto einen Gold­standard ein­führen, den Wäh­rungs­be­stand schützen, die Kauf­kraft des Rubel sta­bi­li­sieren und ihn für Angriffe aus dem Westen uner­reichbar machen.

Die Deut­schen Wirt­schafts­nach­richten schreiben:

„Seit dem Versuch des Westens, den Rubel im Jahr 2014 zu desta­bi­li­sieren, habe Russland seine Devi­sen­re­serven diver­si­fi­ziert, sein Dollar-Enga­gement redu­ziert, sein Euro- und Ren­minbi-Enga­gement erhöht und Gold ange­häuft, das jetzt 23 Prozent seiner Devi­sen­re­serven aus­mache – etwas mehr als seine Dol­lar­be­stände. Beim Finanz­mi­nis­terium hält der „National Wealth Fund“ eben­falls etwa 20 Prozent seines Ver­mögens in Gold (geschätzte weitere 670 Tonnen).“

Sowohl Russland, als auch China sind schon seit langem stetige Gold­ein­käufer. Beide sind sich seit Jahren darüber im Klaren, dass der marode Westen irgendwann ver­zweifelt nach einer Lösung Aus­schau halten wird. Die USA will und wird nicht ihre Vor­macht­stellung frei­willig abgeben. Die Ukraine war immer ein vor sich hin schwe­lender Brandherd, der zum ersten Mal 2014 beim Euro-Maidan aus­brach, seitdem nicht mehr gelöscht wurde und nun in der Kon­fron­tation der Macht­blöcke zum Groß­brand werden kann. Wird keine Über­ein­kunft mit festen Ver­trägen erzielt, die die Ukraine als wirklich neutral festlegt, stehen sich – je nachdem, wer gewinnt —  die Macht­blöcke ent­weder an der West- oder Ost­grenze der Ukraine direkt gegenüber. Das würde schnell unmit­telbar in den Dritten Welt­krieg führen.