Ich bin gegen Russland, ganz bestimmt!

Glosse von Maria Schneider:

Wie friert man im Winter weniger und bestraft trotzdem Putin durch das Ablehnen seiner Gas­lie­fe­rungen? Und wie geht man damit um, dass er sein Gas dann an China ver­kauft und sich dabei vor Lachen über unsere Dummheit in die Hose macht? Ganz einfach – wir zittern diese Tat­sache einfach weg. Um weniger zu frieren, könnten wir uns regel­mäßig abhärten, so wie es Putin als derzeit schlimmster Schurke der Welt (einst sogar gemeinsam mit den Klitschkos) durch Eis­baden prak­ti­ziert. Die Guten wie­derum, bei­spiels­weise die Herr­scher Saudi-Ara­biens, die seit Jahren im Jemen Kinder ver­hungern lassen, sind in der glück­lichen Lage, keine Heizung zu benö­tigen und frieren daher nicht mit. Ihr Öl nehmen wir trotz der ver­hun­gerten, jeme­ni­ti­schen Kinder dennoch mit Kusshand.

Das Gleiche gilt für die Chi­nesen, die Uiguren in Lagern halten und nicht einmal davor zurück­schrecken, Mil­lionen ihrer eigenen Lands­leute in ihren Woh­nungen gefan­gen­zu­halten und ver­hungern zu lassen. Deren Haus­tiere werden sogar auf offener Straße tot­ge­schlagen, ohne dass Mil­lionen deut­scher Frauen, die sich CO2-intensive Vier­beiner als Ersatz­partner halten, auf­schreien würden. Wich­tiger ist wohl das günstige, in China gefer­tigte Win­ter­män­telchen für den Schoßhund.

Wer ist freier als unsere „Flüchtis“?

Wen hätten wir denn noch? Ach ja, die hier ansäs­sigen ärmsten Hascherl der gesamten Welt: Die Geflüch­teten. Man beachte, dass der Begriff „Flücht­linge“ obsolet ist – denn Flücht­linge sind noch auf der Flucht, wohin­gegen „Geflüchtete” (Par­tizip Perfekt für eine abge­schlossene Handlung) ihre Flucht beendet haben und daher hier sind, um zu bleiben. Sie werden gewiss nicht für so sehr „für die Freiheit frieren“, wie es sich der ver­hei­ratete Pastor Gauck mit vier Kindern samt Mätresse wünscht. Wozu auch? Freier als Schutz­su­chende (vulgo: Kolo­nia­listen) in Deutschland kann man gar nicht mehr werden. Seit 2015 erhalten sie hier Kost, Logis und Geld in Hülle und Fülle (und bedarfs­weise auch Frauen), während ein­hei­mische Obdachlose erfrieren und sozial Schwache nun in Berlin aus Unter­künften her­aus­ge­worfen werden (was sogar die „Fak­ten­checker“ ein­ge­stehen mussten), um für die derzeit an oberster Stelle in der Opfer­hier­archie ste­henden Ukrai­ne­rinnen Platz zu machen. Ich habe großes Ver­ständnis für diese Skru­pel­lo­sigkeit der Ver­mieter, der Caritas und sons­tiger wohl­tä­tiger Orga­ni­sa­tionen, in denen sich pro­fes­sio­nelle Steu­er­schma­rotzer tummeln. Sie waren schlicht gezwungen, rasch zu handeln, denn der Geld­segen für die zu ver­mark­tenden Ukrai­ne­rinnen wird bei weitem nicht so lange sprudeln, wie bei den seit 2015 her­ein­strö­menden „Geflüch­teten“ — wollen doch die meisten geflo­henen Ukrai­ne­rinnen so bald wie möglich zurück in ihre Heimat.

Und eines ist auch klar: Allein schon auf­grund ihres Status als „Schutz­su­chende”, können die zutiefst dank­baren, bis auf die Knochen abge­ma­gerten Hascherl, die sich in Son­der­zahlt in den letzten 7 Jahren mit letzter Kraft nach Deutschland geschleppt hatten, gar nie niemals so schlimm wie Putin sein – auch wenn die Zahl der Frauen und Mädchen, die in Deutschland durch diese trau­ma­ti­sierten Men­schen bisher ver­ge­waltigt, erstochen oder ermordet wurden (siehe hier oder hier), inzwi­schen die Zahl der Opfer von Butscha zah­len­mäßig bei weitem über­treffen dürfte. Jüngstes Opfer eines mut­maßlich „in seiner Ehre” gekränkten Afghanen war die Mutter seiner sechs Kinder, der er in Berlin-Pankow diese Woche auf offener Straße die Kehle durch­ge­schnitten hatte. All diese kleinen Schar­mützel der Ehre wegen nehme ich gerne hin. Der Afghane ist wenigstens noch ein rich­tiger Mann. Als solcher musste er seine Ehre wie­der­her­stellen, weil seine Frau sich von ihm getrennt hatte. Und nicht nur das: Im Gegensatz zu uns stammt er aus einer Hoch­kultur mit hoch­ent­wi­ckeltem Regelwerk, welches seine Ehefrau ver­letzt hat. Dass er sie nun wie ein Tier abge­stochen hat, ist noch lange kein Grund ihn abzu­schieben – oder gar „alle Geflüchtete über einen Kamm zu scheren.“ Nein – dies würde niemand auch nur zu denken, geschweigen denn zu sagen wagen. Denn wir alle stehen bis zur Selbst­aufgabe wie ein Mann, wie eine Frau und erst recht wie eine Transe hinter der totalen Masseneinwanderung!

„Wir haben Verständnis!“

Tat­sächlich müssen noch mehr „Geflüchtete“ kommen dürfen, denn unter 100 Unge­rechten könnte ein Gerechter sein. Und wenn nur dieser eine seine archai­schen Vor­stel­lungen ablegt, dann ist dies unsere Opfer wert. Dafür lohnen sich die toten Mädchen, ersto­chenen Frauen und die tot­ge­prü­gelten Fami­li­en­väter. Denn jedes, wirklich jedes Men­schen­leben zählt und jeder hat eine Geschichte, die ihn zu solchen Taten getrieben hat. Deshalb haben wir Ver­ständnis, bis das Messer in der Niere sitzt und wir zu Boden nie­der­gehen. WIR HABEN VER­STÄNDNIS. Wir sind nach allen Seiten hin offen, gerade und ins­be­sondere die nach Liebe aus­ge­hun­gerten alten Hip­pie­schrapnellen, die ham­bur­ger­ver­fet­teten, jungen Frauen, die sonst keinen anderen Mann finden und die alten, ein­samen Rent­ne­rinnen, deren Männer tot sind und deren Kinder sich als Men­schen­rechtler und Ent­wick­lungs­hel­fe­rinnen in Afrika herumtreiben.

Diese auf­op­fernde Hilfe schulden wir unserer Ver­gan­genheit! Wir schulden sie unserer Geschichte. Wir schulden sie den Juden. Wir schulden sie den Ukrainern. Wir schulden sie den Afri­kanern. Wir schulden sie einfach jedem, der uns sonst beschuldigt und mit neuer Schuld belädt. Es gibt im Grunde keine schlechten Men­schen – außer den Deut­schen und Putin. Deshalb dürfen und sollen alle kommen, damit wir ihnen vor Wonne seufzend alles geben können. Und wenn uns der Ame­ri­kaner sagt, dass die Russen böse sind, dann sind sie böse. Und wenn er uns sagt, dass wir sein dre­ckiges, über­teu­ertes Fracking-Flüs­siggas, das ein Weltmeer auf dem Weg nach Deutschland über­queren muss, besser sei als mora­lisch besu­deltes rus­si­sches Gas: Dann ist das so.

Gegen Russen ist alles erlaubt

Und wenn uns eine „Völ­ker­recht­lerin“ wie Annalena Baerbock sagt, dass wir frieren und letztlich einen Atom­krieg ris­kieren sollen, dann tun wir das.

Und wenn die Königin der Hoch­frisur, Ursula von der Leyen, sagt, dass Putin der größte Kriegs­ver­brecher aller Zeiten ist, dann glauben wir das. Und damit ist auch Tschai­kowski böse, Anna Karenina wird zur persona non grata und wenn ich Anna Netrebko höre, bekomme ich neu­er­dings Ohren­krebs. Hey, ich habe sogar meinem rus­si­schen Hand­werker meine große Gas­flasche auf den Kopf geknallt! Jetzt liegt er im Koma. Aber das war doch in Ordnung, oder? Schließlich war er Russe. Und gegen Russen ist doch heute alles erlaubt!

Ganz anders bei den Flüchtis, die mich abends in der U‑Bahn belauern und mit den Augen aus­ziehen. Hier muss man den ein­zelnen Men­schen und sein Schicksal sehen. Und selbst wenn mich der Flüchti nie­der­sticht, schaut die blonde Schnalle mit den ver­lausten Ras­ta­locken erst mal nach, ob der Flüchti sich beim Angriff die Hand ver­letzt hat. Macht aber nix. Ich lasse meinen Prass dann einfach an meiner rus­si­schen Nach­barin aus. Seit Wochen schon ziehe ich beim Vor­über­gehen meinen Haus­tür­schlüssel über die Lack­schicht ihres Autos. Das geht ganz easy. Die ganze Nach­bar­schaft beob­achtet mich dabei, aber keiner sagt etwas, denn als Russin ist sie kein Mensch mehr und hat diese Strafe deshalb verdient.

Angela Merkel wie­derum ist ein Mensch mit einem großen Herzen. Sie hat uns das Mil­lio­nenheer der Flüchtis geschenkt und darf ihr steu­er­fi­nan­ziertes Bun­des­tagsbüro mit neun Mit­ar­beitern behalten, während Schröder, der seinem Kumpel Putin partout nicht abschwören will, sein Büro räumen muss. Da sage ich nur: Gott sei Dank! Noch einmal Glück gehabt! Nicht aus­zu­denken, wie es mir ergangen wäre, wenn Schröder mich als seine fünfte oder sechste Frau geehe­licht hätte! Dann hätte mich die Sip­penhaft mit­er­wischt, die wir ja eigentlich nur aus Unrechts­staaten wie unter Hitler oder Stalin kennen.

Ich liebe Wolodymyr!

Ich sage: Das geschieht dem Schröder recht, denn er hätte wissen müssen: Der Russe als solcher ist böse, und damit auch jeder, der mit ihm fra­ter­ni­siert. Hin­gegen ist der Ukrainer als solcher heilig, ins­be­sondere Wolo­dymyr Selenskyj in seinem sexy Armee-T-Shirt. Woldi hat sogar Zeit, sich zur Grammy-Ver­leihung in den USA zuschalten zu lassen, während sein Volk heroisch kämpft und ver­reckt. Er ist mein Held und noch dazu ein geschäfts­tüch­tiges, schlaues Kerlchen! Ich wäre daher gar nicht so abge­neigt, wenn er aus seinem Leder­sessel heraus um meine Hand anhalten würde. Denn inzwi­schen soll er ja ein Ver­mögen von 850 Mil­lionen US-Dollar ange­häuft haben; das ist ein Viel­faches dessen, was Gazprom-Schröder in all den Jahren seiner all­seits bekannten Män­ner­freund­schaft mit Putin, diesem größten Böse­wicht aller Zeiten, gescheffelt hat.

Ja, ich bin froh und mir wird – obwohl ich wahr­scheinlich im Winter frieren werde – ganz warm ums Herz, wenn ich an unsere auf­rechten, integren Poli­tiker denke, die jetzt endlich mal so richtig unter den hie­sigen Rus­sen­freunden auf­räumen. Unsere Poli­tiker tun alles dafür, dass wir – im Gegensatz zu den in Butscha hin­ge­met­zelten Ukrainern – vor „Juden raus„- und „Drecksjude!”-Rufern in Berlin, maro­die­renden Ara­ber­banden an Sil­vester, der Party- und Event­szene, Grup­pen­ver­ge­wal­ti­gungen, Got­tes­kriegern gegen Schwule, trau­ma­ti­sierten Zug­schubsern und vor frus­trierten Mes­ser­pieksern geschützt werden.

Dank­sa­gungen

Mein beson­derer Dank geht hierbei an Wirecard-Cum-Ex-Scholzi und seine schweren Waffen, die bekanntlich auto­ma­tisch an Müttern und Kindern vor­bei­zielen; an „Mama Merkel”, die allen (außer den Deut­schen) „ein freund­liches Gesicht” zeigt; an die elo­quente Raben­mutter und Schutz­pa­tronin aller fried­lie­benden Men­schen, Annalena Baerbock, die unsere letzten kriegs­tüch­tigen Waffen ins Ausland ver­schenkt; an die „Oma ohne Orden” Christine Lam­brecht im aparten Strick­kleid, die 100 Mil­li­arden Steu­er­gelder mit vollen Händen für neue Waf­fen­systeme ausgibt (während die ver­las­senen Ahr­taler wei­terhin wie in einem Kriegs­gebiet darben müssen).

Und: An Claudia Roth, die im Iran ihre Topf­frisur unter einem Kopftuch verbarg und damit den frei­heits­lie­benden und mutigen Frau­en­recht­le­rinnen dort in den Rücken fiel; an die Küchen­hilfe Kathrin Göring-Eckart, die mir all die schönen Men­schen geschenkt hat, die nun in Bahn­höfen und Innen­städten her­um­lungern. Und nicht zu ver­gessen: Raben­mutter Nummer zwei, Anne Spiegel, die lieber Men­schen ersaufen ließ, statt ihren Ruf zu gefährden, wie auch Robert Habeck, der Vater­lands­liebe “zum Kotzen” findet, aber von der Hände Arbeit seiner Lands­leute lebt und den großen Zeh eines frau­en­ver­ach­tenden Arabers lutscht.

Ja, ich bin froh, dass die Deut­schen und ihre Poli­tiker so ungleich bessere Men­schen sind als die Russen und ihr Putin! Denn unsere Demo­kratie funk­tio­niert! Wir leben in einem Rechts­staat! Hier darf jeder seine Meinung sagen. Exis­tenzen werden nicht ver­nichtet. Junge Frauen werden nicht in „rechten” Klei­der­läden mit Tele­skop­stöcken halbtot geprügelt, und Leiter der Hes­si­schen Film­för­derung ver­lieren niemals ihren Job, wenn sie mit einem AfD-Poli­tiker zu Mittag essen. Ja, unser Land ist wun­derbar und unsere Men­schen min­destens ebenso heroisch wie die ukrai­ni­schen Omas, die Molotow-Cock­tails basteln. Ich mache das neu­er­dings übrigens auch jeden Tag bei uns im Hof – denn meine Regierung lobt tagaus, tagein ein solches vor­bild­liches Ver­halten über­schwänglich im Fern­sehen und preist die ukrai­ni­schen, patrio­ti­schen Männer wie Sauerbier an. Für mich eine ganz klare Auf­for­derung an die deut­schen Jungs, diesem leuch­tenden Vorbild zu folgen und eben­falls für ihre Heimat zu kämpfen!

Ja, ich bin wahrlich dankbar, im besten Deutschland aller Zeiten frieren zu dürfen! Ich tue dies für die ukrai­ni­schen Männer und Frauen, die ganz gewisslich auch das­selbe für mich tun würden! Und ich tue es für Annalena, für Joe Biden, für Krauss-Maffei Wegmann und weil man mir es sagt. Außerdem will ich nicht ris­kieren, dass irgend­einer denkt, dass ich Russen mag, nur weil ich meine Heizung anmache. Lieber friere ich mir die Zehen ab. Denn alles ist besser als ein Rus­sen­liebchen zu sein!

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Maria Schneider ist freie Autorin und Essay­istin. In ihren Essays beschreibt sie die deutsche Gesell­schaft, die sich seit der Grenz­öffnung 2015 in atem­be­rau­bendem Tempo ver­ändert. Darüber hinaus ver­fasst sie Rei­se­be­richte und führt neben ihrer Berufs­tä­tigkeit seit November 2020 den Blog Con­servo, der 2010 von Peter Helmes gegründet wurde. Kontakt: Maria_Schneider@mailbox.org


Zuerst erschienen auf dem Blog von con­servo