Demo für Julian Assange in London — Abschiebung droht: »Assange soll an das Land aus­ge­liefert werden, das seine Ermordung geplant hat«

Wiki­leaks-Gründer Julian Assange droht die Abschiebung aus UK in die USA, wo ihm bis zu 175 Jahre Gefängnis drohen. Seine Frau appel­lierte am Don­nerstag in London, die Abschiebung zu verhindern. 

Am 6. Juni ent­schied der Oberste Gerichtshof des Ver­ei­nigten König­reichs, dass Assange keinen recht­lichen Grund habe, seine Aus­lie­ferung an die USA anzu­fechten. Dem Wiki­leaks-Gründer wird in USA Spionage in 18 Fällen vor­ge­worfen, obwohl er aus­tra­li­scher Staat­bürger ist und nie in den USA tätig war.

Auf einer Ver­an­staltung zur freien Mei­nungs­äu­ßerung, die die Twitter-Files-Jour­na­listen Matt Taibbi und Michael Shel­len­berger am Don­nerstag in London mit dem Komiker Russell Brand ver­an­stal­teten, sagte Ass­anges Ehefrau Stella, Assange »befindet sich derzeit in einer sehr pre­kären Lage. Das Oberste Gericht hat die uner­klär­liche Ent­scheidung getroffen, einer Berufung nicht statt­zu­geben. Er (Assange) hat im Sep­tember letzten Jahres einen Antrag auf Berufung gestellt, dann hat der Richter zehn Monate gebraucht, um eine drei­seitige Ent­scheidung zu erlassen.« Assange habe noch eine letzte Gele­genheit, sich an zwei ver­schiedene Richter am Obersten Gerichtshof zu wenden, »aber die Situation ist jetzt kri­tisch«, so Stella Assange.

Assange gründete im Jahr 2006 zusammen mit dem deut­schen Infor­ma­tiker Daniel Dom­scheidt-Berg die Ent­hül­lungs­plattform Wiki­leaks. 2010 ver­öf­fent­lichten sie das Video Col­la­teral Murder, das ein US-Kriegs­ver­brechen im Irak doku­men­tierte. Das Video zeigte »einen Kampf­hub­schrauber, der unschuldige Zivi­listen buch­stäblich nie­dermäht, dar­unter zwei Jour­na­listen. Als ein Kran­ken­wagen kam, wurde er eben­falls durch­siebt. Zwei Kinder über­lebten nur, weil ihr Vater sich mit seinem Körper auf sie warf und sein Leben opferte«, so Stella Assange.

Im Jahr 2010 wurde Assange in Schweden wegen »Ver­ge­wal­tigung« ange­klagt, da er unge­schützten Sex ohne Kondom gehabt haben soll. Aus Angst vor einer Abschiebung in die Ver­ei­nigten Staaten floh Assange im Juni 2012 in die Ecua­do­ria­nische Bot­schaft in London, wo er bis 2019 blieb. Die schwe­dische Staats­an­walt­schaft ließ die Anklage 2019 fallen.

2016 ver­öf­fent­lichte Wiki­leaks die Clinton E‑Mails, ein durch­such­bares Archiv von über 30.000 E‑Mails, die während ihrer Amtszeit als Außen­mi­nis­terin an und von Hillary Clintons pri­vatem E‑Mail-Server gesendet wurden, ein­schließlich der Finan­zierung der Clinton Foun­dation durch Goldman Sachs.

Im Jahr 2019 hob Ecuador Ass­anges Asyl­status auf und übergab ihn in der Bot­schaft der bri­ti­schen Polizei. Seitdem sitzt er ohne Gerichts­ver­fahren oder Anklage in Ein­zelhaft im Hoch­si­cher­heits­ge­fängnis Belmarsh.

»Die Tat­sache ist, dass Julian im Gefängnis sitzt, weil er die Wahrheit ans Licht gebracht hat. Er hat die Ver­brechen des­je­nigen Landes auf­ge­deckt, das ihn jetzt aus­ge­liefert haben will«, sagte Stella Assange am Don­nerstag. »Das­selbe Land plante seine Ermordung, als (Mike) Pompeo CIA-Chef war. Wie kann das Ver­ei­nigte König­reich ihn an die Ver­ei­nigten Staaten aus­liefern, die seine Ermordung geplant haben? Es gab in den ver­gan­genen Jahren eine Ver­leum­dungs­kam­pagne, um den Weg für seine Aus­lie­ferung zu ebnen. Julian ist ein Mene­tekel an alle Jour­na­listen: Wenn Sie mächtige Leute ver­ärgern, weil Sie die Wahrheit ver­öf­fent­lichen, werden sie Sie dran­kriegen. Wir müssen uns wehren und unsere Rechte ver­tei­digen. Unsere Gegner sind sehr gut orga­ni­siert und nutzen die Gleich­gül­tigkeit der Leute aus.«

»Die Tat­sache, dass unsere Medien diese Geschichte igno­rieren, ins­be­sondere in den letzten fünf Jahren, ist völlig unver­zeihlich und einer der Gründe, warum ich mich von den Main­stream-Medien abge­wendet habe«, sagte Twitter-Files-Jour­nalist Matt Taibbi. »Die Tat­sache, dass die Medien nicht nur die Grau­samkeit dieses Falls igno­rieren, sondern auch die Bedeutung von Julians Fall für die Zukunft des Jour­na­lismus, zeigt wie völlig ver­blendet sie sind. Es ist schrecklich.«

Assange-Anhänger demons­trierten in London gegen seine Aus­lie­ferung. Der Künstler Davide Dormino hat seine Skulptur »Any­thing to Say?« aus­ge­stellt. Sie zeigt die Whist­le­b­lower Julian Assange, Chelsea Manning und Edward Snowden auf Stühlen stehend.  Der vierte Stuhl ist für jeden frei, der etwas zu sagen hat…


Quelle: freiewelt.net