Bild: KI-generiert mit Hilfe von ChatGPT (OpenAI)

Reli­gi­ons­un­ter­richt ohne Jesus? Neuer Lehrplan in Nie­der­sachsen sorgt für Empörung

In Nie­der­sachsen sorgt ein neuer Lehr­plan­entwurf für das Schulfach „Christ­liche Religion“ für heftige Dis­kus­sionen. Kri­tiker sprechen bereits von einem bil­dungs­po­li­ti­schen Skandal. Der Vorwurf: Aus­ge­rechnet im Reli­gi­ons­un­ter­richt spiele Jesus Christus kaum noch eine Rolle, während Themen wie Scharia, Geschlechts­iden­tität oder UN-Nach­hal­tig­keits­ziele deutlich stärker gewichtet werden sollen.

Der Lehrplan stammt aus dem nie­der­säch­si­schen Kul­tus­mi­nis­terium, das von der Grünen-Poli­ti­kerin Julia Willie Hamburg geführt wird. Ab dem kom­menden Sommer soll das über­ar­beitete Fach in den Klassen fünf bis zehn ein­ge­führt werden. Doch schon jetzt wächst der Wider­stand.

Jesus wird zur Randfigur

Ein Blick auf die geplanten Inhalte sorgt bei vielen Beob­achtern für Ver­wun­derung. Von ins­gesamt 130 ver­pflich­tenden Unter­richts­themen sollen sich nur fünf mit Jesus Christus beschäftigen.

Kri­tiker fragen deshalb: Wie kann ein Fach „Christ­liche Religion“ heißen, wenn die zen­trale Figur des Chris­tentums prak­tisch nur am Rande vorkommt?

Während Jesus kaum Platz im Lehrplan ein­nimmt, sollen Schü­le­rinnen und Schüler künftig ver­stärkt über Scharia-Regeln im Islam, über globale Nach­hal­tig­keits­ziele der Ver­einten Nationen sowie über sexuelle Ori­en­tierung und Geschlechts­iden­tität sprechen.

Für viele Eltern und Lehrer wirkt das wie ein radi­kaler Kurs­wechsel – weg vom klas­si­schen Reli­gi­ons­un­ter­richt hin zu einem stark poli­ti­sierten Werteunterricht.

Begründung des Ministeriums

Das Bil­dungs­mi­nis­terium ver­teidigt den neuen Lehrplan mit dem Hinweis auf den demo­gra­fi­schen Wandel. In vielen Schul­klassen gebe es heute weniger christ­liche Schü­le­rinnen und Schüler, während der Anteil von Kindern anderer Reli­gionen oder ohne reli­giöse Bindung wachse.

Deshalb müsse der Unter­richt breiter angelegt werden, heißt es aus Hannover.

Ziel sei es, „reli­gi­ons­kund­liches Wissen“ zu ver­mitteln und ver­schiedene reli­giöse Per­spek­tiven auf gesell­schaft­liche Fragen zu betrachten.

Kri­tiker sehen darin jedoch eine Rela­ti­vierung des Chris­tentums – aus­ge­rechnet im Fach, das eigentlich dessen Grund­lagen ver­mitteln soll.

Neue Inhalte, alte Kritik

Der Lehrplan ist in fünf soge­nannte Kom­pe­tenz­be­reiche gegliedert: Iden­tität, Gemein­schaft, Sinn und Glaube, Handeln sowie Freiheit und Zukunft. Diese Begriffe klingen zunächst abs­trakt, eröffnen jedoch eine sehr breite The­men­pa­lette – von reli­giösen Tra­di­tionen bis hin zu gesell­schafts­po­li­ti­schen Debatten. Genau diese Offenheit sorgt bei vielen Beob­achtern für Skepsis. Kri­tiker befürchten, dass der Reli­gi­ons­un­ter­richt dadurch zunehmend zu einer Plattform für ideo­lo­gische Dis­kus­sionen werden könnte.

Mathe kürzen, Religion umbauen?

Besonders brisant wird die Debatte durch eine frühere Ent­scheidung des Kul­tus­mi­nis­te­riums. Bereits Ende des ver­gan­genen Jahres sorgte Minis­terin Hamburg für Schlag­zeilen, weil bekannt wurde, dass Grund­schüler künftig bestimmte klas­sische Rechen­me­thoden wie schrift­liches Divi­dieren oder das Rechnen mit Kom­ma­zahlen später oder gar nicht mehr lernen sollen.

Für Kri­tiker ergibt sich daraus ein sym­bo­li­sches Bild: Während grund­le­gende mathe­ma­tische Fähig­keiten redu­ziert werden, werde der Reli­gi­ons­un­ter­richt mit neuen poli­ti­schen Themen erweitert.

Ob diese Dar­stellung gerecht ist, darüber gehen die Mei­nungen weit auseinander.

Unter­stützung aus Kirche und Verbänden

Über­ra­schend für viele Kri­tiker: Der neue Lehrplan soll nicht nur von Leh­rer­ver­bänden, sondern auch von Teilen der evan­ge­li­schen Kirche unter­stützt werden.

Kirch­liche Ver­treter argu­men­tieren, der Unter­richt müsse sich an die Rea­lität einer plu­ra­lis­ti­schen Gesell­schaft anpassen. Religion könne heute nicht mehr iso­liert ver­mittelt werden, sondern müsse in Beziehung zu anderen Welt­an­schau­ungen und gesell­schaft­lichen Fragen stehen.

Doch gerade diese Zustimmung sorgt bei kon­ser­va­tiven Kri­tikern für Kopf­schütteln. Sie sehen darin ein Zeichen dafür, dass selbst kirch­liche Insti­tu­tionen bereit seien, tra­di­tio­nelle Inhalte zugunsten eines brei­teren gesell­schafts­po­li­ti­schen Ansatzes zurückzustellen.

Ent­scheidung steht noch aus

Der Lehrplan ist bislang noch nicht end­gültig beschlossen. Bevor er umge­setzt werden kann, muss er sowohl im nie­der­säch­si­schen Landtag als auch in kirch­lichen Gremien end­gültig bestätigt werden.

Bis dahin dürfte die Debatte weiter an Schärfe gewinnen.

Denn für viele geht es längst nicht mehr nur um ein Schulfach. Die Dis­kussion berührt eine grund­sätz­liche Frage: Welche Rolle sollen Religion, Tra­dition und kul­tu­relle Iden­tität künftig im deut­schen Bil­dungs­system spielen?

Und genau darüber wird in Nie­der­sachsen derzeit heftig gestritten.

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