Antonio Messina
Die bösartige Entgleisung von Trump ist nicht einfach nur eine geschmacklose Provokation. Sie ist ein bewusster Tabubruch, eine kalkulierte Grenzüberschreitungund eine sprachliche Entgleisung von erschreckender Tragweite.
Wer Menschen pauschal als „Tiere” bezeichnet, verlässt nicht nur den Rahmen des Anstands, sondern stellt sich außerhalb jeder zivilisatorischen Norm. Diese Form der Entmenschlichung ist kein harmloser Ausrutscher, sondern ein rhetorisches Werkzeug, das historisch immer wieder dazu gedient hat, Feindbilder zu zementieren, Gewalt zu legitimieren und moralische Hemmschwellen abzubauen. Es ist die Sprache des Faschismus, nicht der Diplomatie. Sie hat in der politischen Kommunikation nichts verloren.
Doch fast noch verstörender als die Aussage selbst ist der Umgang damit im öffentlich-rechtlichen Journalismus in Deutschland. Anstatt diese Worte klar zubenennen und ihre politische wie moralische Dimension offenzulegen, werden sie vielfach lediglich reproduziert – nüchtern, distanziert, scheinbar neutral.
Diese vermeintliche Neutralität ist in Wahrheit nichts anderes als ein Mangel an Haltung. Wer derartige Entgleisungen unkommentiert wiedergibt, macht sich zum bloßen Verstärker und trägt dazu bei, dass sich das Sagbare weiter verschiebt. Das ist keine journalistische Zurückhaltung mehr, sondern eine gefährliche Gleichgültigkeit gegenüber der Wirkung von Sprache.
Echter Journalismus hat nicht nur die Aufgabe zu berichten, sondern auch zu gewichten, einzuordnen und Verantwortung zu übernehmen. Gerade öffentlich-rechtliche Medien dürfen sich nicht hinter einer falsch verstandenen Objektivität verstecken, wenn grundlegende Prinzipien der Menschenwürde verletzt werden.
Hier wäre klare Kante gefragt gewesen, stattdessen dominiert oft ein irritierendes Schweigen oder eine sterile Wiedergabe, die das Ausmaß der Entgleisung verschleiert.
Genau hier drängt sich eine unbequeme, aber notwendige Frage auf: Wie hätte dieselbe Medienlandschaft reagiert, wenn ein iranischer Präsident eine vergleichbare Aussage über Amerikaner oder Europäer getroffen hätte? Hätte man auch dann so kühl zitiert, so zurückhaltend berichtet, so demonstrativ „neutral” agiert, oder wäre die Empörung laut und die moralische Verurteilung unmissverständlich ausgefallen?
Die Antwort ist offensichtlich – und sie legt doppelte Standards offen, die das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Berichterstattung massiv untergraben.
Eine solche selektive Empörung, dieses Messen mit zweierlei Maß, ist nicht nur untragbar, sie ist brandgefährlich. Denn sie signalisiert, dass es offenbar darauf ankommt, wer etwas sagt, nicht was gesagt wird. Damit wird die Grenze des Akzeptablen nicht durch Werte bestimmt, sondern durch politische Opportunität. Genau das ist der Nährboden für Zynismus, Polarisierung und den weiteren Verfall des öffentlichen Diskurses in der westlichen Welt.

























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