Kirchen werden angegriffen, Christen getötet und zur Konversion gedrängt. Dennoch empfingen Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den neuen syrischen Machthaber mit allen Ehren. Für viele Beobachter ein politischer Skandal mit verheerender Signalwirkung.
Für die Christen in Syrien hat sich die Lage dramatisch verschlechtert. Das Land gehört inzwischen wieder zu den gefährlichsten Staaten der Welt für Christen. Gewalt, Einschüchterung, islamistischer Druck und politische Veränderungen treiben die verbliebene christliche Minderheit immer stärker an den Rand ihrer Existenz.
Nach Angaben von Open Doors erreichte Syrien im aktuellen Weltverfolgungsindex mit 90 Punkten den höchsten Wert seiner Geschichte. Kirchen werden angegriffen, Christen getötet, christliche Schulen geschlossen und ganze Gemeinden unter Druck gesetzt.

In christlichen Vierteln fahren Berichten zufolge Fahrzeuge mit Lautsprechern umher und fordern die Bewohner offen zur Konversion zum Islam auf. An Kirchen werden Flugblätter angebracht, in denen Christen vor die Wahl gestellt werden, entweder zum Islam überzutreten oder die islamische Kopfsteuer, die sogenannte Dschizya, zu zahlen. Gleichzeitig wird das Bildungswesen zunehmend islamisiert
Besonders brisant ist dabei die politische Entwicklung nach dem Machtwechsel in Syrien. Die neue Übergangsverfassung erklärt die islamische Rechtsprechung zur wichtigsten Quelle der Gesetzgebung. Radikale islamistische Kräfte gewinnen dadurch zusätzlichen Einfluss, während Christen und andere Minderheiten immer stärker unter Druck geraten.
Auch das Bildungssystem wird zunehmend islamisiert. Lehrpläne werden überarbeitet, vorislamische Geschichte entfernt, bedeutende historische Frauenfiguren gestrichen und religiöse Inhalte stärker integriert. Kritiker warnen davor, dass dadurch religiöse Vorurteile weiter gefördert werden.
Und genau hier beginnt ein politischer Skandal, der in Deutschland kaum thematisiert wird:
Ausgerechnet in dieser Situation empfingen Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Ende März 2026 den syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Berlin.
Der Besuch war hochumstritten. Al-Scharaa gilt als ehemaliger Dschihadist und war führende Figur der islamistischen HTS-Miliz, die nach dem Sturz Assads die Macht in Syrien übernahm.
Kritiker werfen seiner Bewegung massive Menschenrechtsverletzungen sowie die Unterdrückung religiöser und ethnischer Minderheiten vor. Protestgruppen sprachen deshalb von einer politischen Aufwertung eines Mannes, der für die Islamisierung Syriens und das zunehmend feindliche Klima gegenüber Christen mitverantwortlich gemacht wird.
Trotzdem wurde al-Scharaa sowohl von Steinmeier im Schloss Bellevue als auch von Merz im Kanzleramt empfangen.
Für viele Christen wirkt das wie ein fatales Signal: Während Glaubensgeschwister in Syrien bedroht, diskriminiert und ermordet werden, erhält der syrische Machthaber internationale Anerkennung auf höchster politischer Ebene.
Die Zahl der Christen in Syrien ist von über einer Million unter Assad inzwischen auf rund 300.000 geschrumpft – Hunderttausende weniger als noch vor dem Bürgerkrieg. Viele flohen vor Gewalt, Verfolgung und islamistischem Druck. Diejenigen, die geblieben sind, leben zunehmend in Angst.
Umso verstörender erscheint es vielen Beobachtern, dass deutsche Spitzenpolitiker ausgerechnet einem Mann den roten Teppich ausrollen, dessen Herrschaft von zahlreichen Kritikern mit der fortschreitenden Islamisierung Syriens und dem immer schlechteren Klima für Christen in Verbindung gebracht wird.
Für die betroffenen Christen dürfte dies wie eine bittere Botschaft wirken: Ihre Verfolgung sorgt offenbar für weit weniger politische Aufmerksamkeit als geopolitische Interessen und diplomatische Annäherung.
Der Artikel erschien zuerst bei guidograndt.de.
























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