Alexander Kohlhaas und Jan van Helsing
Man kann über die Corona-Zeit vieles sagen: über Masken, Tests, Inzidenzen, Spritzen, Panikzahlen, Talkshowmoral und jene widerwärtige Corona-Politik, die eine ganze Gesellschaft in Gehorsam und Verdacht dressierte. Aber ein Punkt wurde bis heute viel zu wenig herausgearbeitet: Was diese Politik mit den Ärzten gemacht hat – und was sie dadurch zwischen Arzt und Patient zerstört hat.
Der Arzt sollte seinem Patienten in jener Zeit Vertrauen vermitteln. Er sollte beraten, aufklären, beruhigen, einordnen, vielleicht sogar Zweifel auffangen. Nur saß er dabei nicht mehr frei im Behandlungszimmer. Der Staat saß mit am Tisch. Und mit ihm die einrichtungsbezogene Impfpflicht, der berufliche Druck, die Drohung des Ausschlusses aus dem eigenen Beruf und die ganze moralische Erpressungsmaschine einer Politik, die den weißen Kittel am liebsten zur Uniform der Kampagne gemacht hätte.
Gerade hier liegt der eigentliche Skandal. Ein Arzt, der selbst ungeimpft war, konnte seinem Patienten das kaum offen sagen. Nicht, weil es medizinisch belanglos gewesen wäre, sondern weil diese Wahrheit ihn selbst hätte gefährden können. Denn im Gesundheitswesen galt die Impfpflicht. Der Arzt hatte also im Kern nur drei Möglichkeiten: Er ließ sich tatsächlich impfen, weil er überzeugt war oder weil er kapitulierte. Er gab seinen Beruf auf oder riskierte seinen Ausschluss. Oder er verschaffte sich eine Dokumentation, die mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmte. Genau diese dritte Möglichkeit durfte er seinem Patienten selbstverständlich niemals erzählen. Ein Arzt kann nicht im Sprechzimmer sagen: „Ich rate Ihnen zur Vorsicht, aber nebenbei bemerkt, ich selbst habe meine Unterlagen frisiert, um weiter praktizieren zu können.“ Damit hätte er sich beruflich, strafrechtlich und gesellschaftlich selbst ans Messer geliefert.
Und genau da zerbricht das Arzt-Patienten-Verhältnis. Denn der Patient glaubt, einem freien Arzt gegenüberzusitzen. In Wahrheit sitzt er womöglich einem Menschen gegenüber, den die Politik in einen Gewissenskonflikt gezwungen hat, aus dem es keinen sauberen Ausgang mehr gibt. Sagt der Arzt offen, was er denkt, gefährdet er seine Existenz. Schweigt er, verrät er womöglich sein Gewissen. Rät er zur Spritze, obwohl er selbst Zweifel hat, wird er zum Funktionär einer Kampagne. Rät er ab, bringt er sich selbst in Gefahr. Und wenn er selbst ungeimpft geblieben ist, darf gerade diese Information nicht ausgesprochen werden — obwohl sie für das Vertrauen des Patienten von brennendem Interesse wäre.
Das war keine normale medizinische Situation mehr. Das war ein politisch vermintes Sprechzimmer. Der Arzt konnte nicht mehr einfach Arzt sein. Er war zugleich Unterworfener, möglicher Verdächtiger, Dokumentationspflichtiger, Impfverwalter, Berufsexistenz auf Bewährung und moralisch erpresster Teilnehmer einer staatlichen Gesundheitsinszenierung. Wer so etwas organisiert, schützt keine Patienten. Er beschädigt die Medizin selbst.

Die Politik hat damit nicht nur Maßnahmen erlassen. Sie hat einen Keil in die intimste Zone der modernen Medizin getrieben. Sie hat den Arzt gezwungen, entweder mitzumachen, zu verschwinden oder zu verbergen. Und sie hat dem Patienten die Möglichkeit genommen, seinem Gegenüber vollständig zu vertrauen. Denn was ist ein ärztlicher Rat wert, wenn der Arzt selbst nicht mehr sagen darf, wo er steht? Was ist Aufklärung wert, wenn die wichtigste Information unausgesprochen bleiben muss? Was ist Medizin wert, wenn das Gewissen des Arztes zuerst durch den Filter der Staatsräson muss?
Hier liegt die Quintessenz des ganzen Corona-Kapitels: Die Corona-Politik hat den Arzt nicht bloß zum Impfenden gemacht. Sie hat ihn innerlich gespalten. Sie hat den freien Arzt in einen Mann verwandelt, der dem Patienten gegenüber vielleicht lächelt, während er im Hintergrund bereits abwägt, welches Wort ihn ruinieren könnte. Und sie hat aus dem vertraulichen Gespräch eine Bühne gemacht, auf der die Wahrheit nur noch auftreten durfte, wenn sie ungefährlich war.
Das ist der eigentliche, kaum beleuchtete Schaden dieser Jahre: Nicht nur Nebenwirkungen, nicht nur falsche Versprechen, nicht nur gebrochene Grundrechte, sondern die Beschädigung des ärztlichen Grundverhältnisses selbst. Der Patient sollte glauben, er werde medizinisch beraten. Tatsächlich stand im Hintergrund ein politischer Apparat, der darüber entschied, was sagbar, zumutbar und beruflich überlebbar war. Der Arzt sollte heilen, aber zugleich gehorchen. Er sollte Vertrauen schaffen, aber eigene Wahrheiten verschweigen. Er sollte aufklären, aber nicht zu offen. Er sollte unabhängig wirken, während er längst in ein System aus Druck, Angst und Dokumentationszwang eingespannt war.
Wer Ärzte in eine solche Lage bringt, darf sich nicht wundern, wenn Vertrauen nicht einfach zurückkehrt. Vertrauen wächst nicht nach wie Gras über einer zugeschütteten Baugrube. Es muss erlebt werden. Es muss stimmen. Und es stirbt dort, wo der Patient ahnt, dass der Arzt vielleicht nicht mehr sagt, was er weiß, sondern nur noch, was er sagen kann, ohne selbst unterzugehen.
Vom Arztsein in der Spätbundesrepublik heißt deshalb: Arzt sein unter Beobachtung. Arzt sein unter Druck. Arzt sein zwischen Spritze, Staatsräson und Sprechverbot. Und vor allem: Arzt sein in einer Zeit, in der die Politik den weißen Kittel nicht geschützt, sondern beschmutzt hat.
Das Thema „Sprechverbot“ und was man alles nicht mehr sagen darf bzw. soll aus Sicht einer links-verorteten Clique, haben Jan van Helsing und ich in unserem Buch „Gendern, bis der Arzt kommt“ beschrieben. Wenn Sie dieser Artikel bereits nachdenklich oder sogar wütend hat werden lassen, so wird Sie unser Buch zur Weißglut bringen… 🙂























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